Wirtschaft
Schweiz

Jordanien: Fabian Molina kritisiert Export von Kriegsmaterial und Waffen

Ein Arbeiter kontrolliert am Donnerstag, 25. Juli 2002 in Thun in der Munitionsabteilung der Ruestungsfabrik des Bundes RUAG, fertiggestellte Revolverhuelsen des Kalibers 7,65. Die RUAG wird am Donner ...
Sorgt für Diskussionen: In der Schweiz hergestelltes und ins Ausland exportiertes Kriegsmaterial.Bild: KEYSTONE

«Hervorragender Job der Waffenlobby»: Jordanien widersetzt sich Schweizer Kontrollen

Jordanien lässt Schweizer Waffen mutmasslich in Konfliktregionen zum Einsatz kommen. Trotzdem wollen bürgerliche Politiker an der Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes festhalten – was Linke scharf kritisieren.
19.05.2026, 19:1019.05.2026, 19:10

Noch hat die Schweiz ein ziemlich strenges Kriegsmaterialgesetz: Wer Schweizer Waffen kauft, muss zusichern, sie nicht ohne Zustimmung der Schweiz an Drittstaaten weiterzugeben.

Die Schweiz behält sich vor, das sporadisch zu kontrollieren. In Jordanien ist das im Februar 2025 geschehen. Eine offizielle Schweizer Delegation wollte Gewehre und Pistolen überprüfen, die die Schweiz zwischen 2014 und 2019 nach Jordanien geliefert hatte.

Das Ergebnis dieser Kontrolle war ernüchternd: Die jordanischen Behörden wollten einen Teil der Waffen schlicht nicht vorzeigen. Ein anderer Teil der verkauften Waffen fehlte und konnte nicht kontrolliert werden. Insgesamt konnten die Schweizer Kontrolleure gerade einmal ein Drittel der verkauften Kriegsgüter überprüfen.

«Klar nicht erfüllt» steht deshalb in einem Bericht des Staatssekretariats für Wirtschaft SECO, den das SRF gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz herausverlangt hat.

Das Ergebnis dieser unvollständigen Kontrolle solle künftig berücksichtigt werden, sagt das SECO. Das bedeute aber nicht, dass Kriegsmaterialexporte nach Jordanien gar nicht mehr ermöglicht würden.

SP-Molina kritisiert Lockerung

Die Tatsache, dass Jordanien den Schweizer Kontrolleuren nur einen Teil der gelieferten Waffen zur Überprüfung freigegeben hat, ist für SP-Nationalrat Fabian Molina ein klares Indiz. «Das Risiko, dass diese Waffen in einem bewaffneten Konflikt eingesetzt werden, ist sehr hoch.»

Fabian Molina, SP-ZH, spricht an der Ausserordentlichen Session "Zuwanderung und Asyl", waehrend der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 27. September 2023 im Nationalrat  ...
SP-Aussenpolitiker Fabian Molina befürchtet, Schweizer Waffen könnten in Zukunft auch wieder in Ländern eingesetzt werden, in denen Bürgerkrieg herrscht.Bild: KEYSTONE

Molina fordert: «Es dürfen keine Waffen mehr nach Jordanien geliefert werden.» Doch statt Konsequenzen für Regelbrecher zu definieren, habe das Parlament das Kriegsmaterialgesetz sogar gelockert.

«Die Schweizer Rüstungslobby hat einen hervorragenden Job gemacht. Sie hat dafür gesorgt, dass in Zukunft Schweizer Kriegsmaterial wieder auf der ganzen Welt eingesetzt werden kann.»
Fabian Molina, SP-Nationalrat

Das gelte auch für Länder, in denen Menschenrechte systematisch und schwerwiegend verletzt und Waffen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt würden, befürchtet Molina.

Und: «Im Zweifel entscheidet sich das SECO schon heute immer für den Export.» Das liege daran, dass das SECO einen Krieg erst dann als solchen klassifiziere, wenn er von einer gewissen Dauer und Intensität sei. «Das ist vom Prinzip her ähnlich, wie wenn Putin bei seinem Angriffskrieg auf die Ukraine von einer militärischen Spezialoperation spricht», sagt Molina. «So führt man das Schweizer Kriegsmaterialgesetz ad absurdum.»

SVP-Salzmann: Exporte sind wichtig für Verteidigung

Tatsächlich hat das Parlament mit einer Mehrheit aus SVP, FDP und Mitte im Dezember eine Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes durchs Parlament gebracht.

Erstens soll eine Gruppe von 25 westlichen Ländern deutlich einfacher beliefert werden können – theoretisch selbst dann, wenn sie in einen Krieg verwickelt sind. Der Bundesrat hat ein Vetorecht.

Zweitens wird die Wiederausfuhr von Waffen vereinfacht: Neu dürften alle Länder, die von der Schweiz Kriegsgüter erhalten, diese weitergeben – also auch Länder wie Jordanien.

Auch hier lässt der Bundesrat die Zügel allerdings nicht ganz fahren. Wenn er neutralitäts- oder sicherheitspolitische Bedenken hat, kann er vom Käuferland verlangen, dass dieses die gekauften Waffen nicht weitergibt.

Für SVP-Ständerat Werner Salzmann widerspiegelt die Lockerung schlicht die Realität, wie er sagt:

«Dass Waffen in Konflikten auftauchen, lässt sich nicht verhindern. Dafür sind sie schliesslich gemacht.»
Werner Salzmann, SVP-Ständerat
Werner Salzmann, SVP-BE, spricht waehrend der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 28. September 2023 im Staenderat in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Bürgerliche Politiker wie Werner Salzmann (SVP/BE) sprechen bei der Lockerung des Kriegsmaterials von der« bewaffneten Neutralität.»Bild: KEYSTONE

Zwar findet auch Salzmann: «Wenn ein Land nicht bereit ist, Transparenz zu schaffen, dann muss das Konsequenzen haben». Zuerst müsse man aber schauen, warum Jordanien bei diesen Kontrollen nur einen Teil der exportierten Waffen zur Überprüfung freigegeben hat und was der Bundesrat in der Folge unternommen hat.

Das bestehende Gesetz habe man ändern müssen, betont der Ständerat. Wenn man die Rüstungsindustrie «unnötig vielen Regulierungen unterwerfe, mache das die Schweizer Rüstungsindustrie kaputt».

Es sei an der Zeit gewesen, die Waffenausfuhr in Länder zu vereinfachen, die die gleichen Exportregelungen hätten wie die Schweiz. «Das sind vor allem westliche Länder, Jordanien gehört da gar nicht dazu», sagt Salzmann. In diesem konkreten Fall würde sich am Status quo nichts ändern.

Molina widerspricht: «Exportierte Schweizer Waffen würden sich in Zukunft nicht mehr kontrollieren lassen, wenn sie in Konflikten eingesetzt werden würden. Das, was jetzt mutmasslich in Jordanien geschehen ist, wäre in Zukunft legal». Das sei das Gegenteil von humanitärer Tradition und Konfliktlösung, was sich die Schweiz ja eigentlich auf die Fahne schreibe.

Gegen die Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes haben linke Parteien und Verbände das Referendum ergriffen. Abgestimmt wird frühestens im Herbst 2026.

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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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James McNew
19.05.2026 19:18registriert Februar 2014
Neutralität hört beim Portmonee auf. Wie eigentlich alles bei den Bürgerlichen. 🤷🏻‍♂️
3519
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FaktenImFondue
19.05.2026 19:24registriert Oktober 2025
«Das Risiko, dass diese Waffen in einem bewaffneten Konflikt eingesetzt werden, ist sehr hoch.»

Molina als GSoA Mitglied hatte bei Beginn des Ukrainekriegs lautstark gefordert, die Schweiz müsste Waffen liefern, was wegen der KMG Verschärfung der SP/Mitte aber verboten ist. Nun fordert er, Dass das KMG nicht gelockert werden darf.

Wo glaubt er, dass Waffen eingesetzt werden? In bewaffneten Konflikten natürlich. Die SP wird immer unglaubwürdiger.
2013
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