Sport
Analyse

BVB in der Analyse: Darum war Dortmund gegen Stuttgart so chancenlos

Stuttgart's Nicolas Gonzalez, center, scores during the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and VfB Stuttgart in Dortmund, Germany, Saturday, Dec. 12, 2020. (Focke Strangmann ...
Roman Bürki und sein BVB waren gegen Stuttgart chancenlos. Bild: keystone
Analyse

BVB in der Analyse: Darum war Dortmund gegen Stuttgart so chancenlos

Mit 1:5 ging der BVB gegen Aufsteiger Stuttgart unter. Die herbe Niederlage lässt sich nicht einfach mit dem Fehlen von Topstürmer Erling Haaland erklären – die Dortmunder Probleme sitzen tiefer.
13.12.2020, 09:1813.12.2020, 09:18
Constantin Eckner / t-online
Ein Artikel von
t-online

Lucien Favre und Borussia Dortmund haben am Samstag eine herbe Niederlage einstecken müssen, die womöglich das Aus des Schweizer Trainers besiegeln könnte. Mittlerweile mehren sich sogar Stimmen in der Mannschaft, welche die taktische Vorgehensweise in Frage stellen.

Direkt nach dem 1:5 gegen den VfB Stuttgart sagte etwa Abwehrchef Mats Hummels: «Wir versuchen immer klein-klein durch enge Räume durchzuspielen und haben dabei eine riesig hohe Ballverlustquote.» In der Tat verlor der BVB 22 Mal den Ball während der 90 Minuten. Hummels fügte an, dass dem Spiel seines Teams die Tiefe fehle. Der Spielaufbau und die Spielgestaltung ist seit langem der entscheidende Schwachpunkt der Dortmunder.

epa08879514 Dortmund's Mats Hummels (R) in action against Stuttgart's Wataru Endo during the German Bundesliga soccer match between Borussia Dortmund and VfB Stuttgart in Dortmund, Germany,  ...
Ist mit der taktischen Einstellung nicht einverstanden: BVB-Abwehrboss Mats Hummels.Bild: keystone

Hummels ist dabei gewiss nicht unschuldig, denn der Spielaufbau beginnt ganz hinten in der Abwehr, also direkt vor den Füssen des 31-Jährigen. In den vergangenen Wochen konnte er zusammen mit seinen Nebenmännern allerdings selten wirkliches Tempo in die Angriffe bringen. Die Abwehrreihe steht oftmals zu eng, die Pässe werden nicht weiträumig gespielt. Viele Bälle gehen direkt in den Fuss, nur vereinzelt werden Mitspieler mal lang geschickt.

Ohne Haaland keine Tiefe

Die von Hummels angesprochene mangelnde Tiefe wurde in Abwesenheit von Stammstürmer Erling Haaland ein noch dringlicheres Thema. Der Norweger provozierte mit seinen Läufen an der Abseitsgrenze noch so manches steile Zuspiel. Ohne ihn verstrickt sich der BVB vollends in kleinräumiges Ballgeschiebe – wofür der Mannschaft allerdings die Selbstverständlichkeit und Ballsicherheit fehlt.

«Wir spielen leider Risiko in Räumen, in denen der Ertrag klein ist, die defensive Konsequenz daraus aber sehr gross», kommentierte Hummels weiter in seiner Analyse. Was er damit meint, ist, dass aufgrund der vielen Pässe das Risiko auf einen Ballverlust steigt. Da Dortmund zudem den Ball meistens im ersten oder zweiten Spielfelddrittel hält, ist der Weg zum eigenen Tor gar nicht so weit. Der Gegner muss beim Konterangriff nur wenige BVB-Verteidiger überwinden und steht schon vor Schlussmann Roman Bürki.

Favres Zeit ist abgelaufen

Sorgen bereiten muss den BVB-Verantwortlichen, dass diese Probleme keine Ausnahme sind oder erst seit kurzem auftreten. In Wahrheit begleiten sie die Mannschaft bereits seit langer Zeit. Favre hat immer wieder versucht, mit kleinen personellen wie auch taktischen Veränderungen für Verbesserungen zu sorgen. Aber insbesondere die Schwachpunkte in der Spielereröffnung und anschliessenden Angriffsgestaltung blieben.

epa08849322 Dortmund's Swiss coach Lucien Favre reacts during the German first division Bundesliga football match Borussia Dortmund v 1.FC Cologne at the Signal Iduna Park Stadium in Dortmund, Ge ...
Kann es nicht fassen: Lucien Favres Konzept ging bislang nicht auf.Bild: keystone

Die teils träge Art des Dortmunder Offensivspiels lädt so manchen Gegner regelrecht dazu ein, intensiver zu verteidigen und die Balleroberungen zu forcieren. Das wurde zuletzt gegen den 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt deutlich. Kommt dann ein Gegner wie Stuttgart, der selbst an Spielgestaltung interessiert ist, kann es aktuell auch blamabel für den BVB werden. Favre wirkte während der gestrigen Partie zunehmend ratlos. Seine Wechsel und Umstellungen waren rudimentär – etwa beim Wechsel von Dreier- auf Viererkette. Er handelte nicht wie ein Top-Trainer, der genau weiss, wie er einen eigentlich unterlegenen Gegner knacken könnte.

Unter Favre wackelt Dortmund mittlerweile gewaltig. Die zunehmende Unsicherheit am Ball, die fehlende Tiefe und das damit verbundene defensive Harakiri sind die perfekte Mischung, um selbst die eigentlich obligatorische Champions-League-Qualifikation in Gefahr zu bringen. 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Weisst du, dass diese Schweizer in der Bundesliga spielten?
1 / 28
Weisst du, dass diese Schweizer in der Bundesliga spielten?
Rund 100 Schweizer Fussballer standen in der Bundesliga auf dem Platz. Mancher wurde zur Legende, andere blieben Fussnoten der Geschichte.
quelle: imago sportfotodienst / schwörer pressefoto
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Drei Explosionen, zwei Verdächtige, einer davon in Haft
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Harry Kane versetzt alle ins Staunen – mit einem Abstoss (!)
Bayern München und Arsenal trennten sich im Champions-League-Kracher vom Mittwoch mit einem 2:2-Unentschieden. Dennoch stach Harry Kane einmal mehr heraus – und das nicht nur mit seinem Tor und seinem traumhaften Assist.
Dieser Typ ist unheimlich: Als erst zweiter Spieler nach Cristiano Ronaldo hat Harry Kane gemäss Opta in zehn Champions-League-Spielen in Folge getroffen. In zwei Wochen könnte Kane den Ronaldo-Rekord mit einem Tor bei Atlético Madrid egalisieren. In den letzten elf Spielen für Bayern München und England erzielte der 33-Jährige 14 Tore und bereitete acht weitere vor. Und all das tut Kane, während er das Spiel aus allen Bereichen des Platzes beeinflusst.
Zur Story