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WM 2026: Donald Trump und die Republikaner fürchten den Fussball

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Lionel Messi überreichte US-Präsident Donald Trump einen Fussball als Geschenk – ob dieser etwas damit anfangen konnte?Bild: keystone
Analyse

Weshalb Trump und die Republikaner Angst vor Fussball haben

Die USA sind einer der drei Gastgeber bei der laufenden Fussball-Weltmeisterschaft 2026. Beim Auftaktspiel des US-Teams wird Präsident Donald Trump wohl nicht dabei sein – wahrscheinlich, weil ihm der Sport und vor allem dessen Fans ein Dorn im Auge sind.
12.06.2026, 11:0012.06.2026, 11:00

Wenn die USA in der Nacht auf den morgigen Samstag (3 Uhr, Schweizer Zeit) in die Heim-WM starten, wird Donald Trump angeblich nicht dabei sein. Anstatt sich das Spiel der US-Boys gegen Paraguay anzuschauen, werde er gemäss Medienberichten in Washington, D. C., bleiben, um unter anderem an den Vorbereitungen für eine Veranstaltung des Kampfsportverbands UFC vom Sonntag teilzunehmen. Diese findet zu Ehren des 80. Geburtstags des US-Präsidenten vor dem Weissen Haus statt.

Auf den ersten Blick scheint dies eine ungewöhnliche Wahl zu sein, schliesslich ist die Fussball-Weltmeisterschaft das grösste Sportereignis der Welt. Doch für Trump ergibt es eben doch Sinn, dem Spiel in Los Angeles fernzubleiben.

Erneute Buhrufe drohen

Einerseits droht ihm dort ein ähnlicher Empfang wie vor Kurzem beim Besuch eines Basketballspiels der New York Knicks im Playoff-Final der NBA, wo der 79-Jährige von vielen Fans ausgebuht wurde. Beim WM-Auftakt im ebenfalls demokratischen Kalifornien dürfte das Publikum zwar weniger regional sein, doch müsste der historisch unbeliebte Präsident erneut mit Buhrufen rechnen. Beim MMA-Event vor seinem Zuhause wird dies wohl kaum der Fall sein.

Andererseits sind die Republikaner dem Fussball – oder «Soccer», wie es in den USA heisst – nicht gerade wohl gesinnt. Gerade die Fans sind ihnen ein Dorn im Auge. Weil sie eben anders als beispielsweise im American Football oder im Basketball nicht einfach Kunden sind, die dreistellige Beträge für ein Ticket bezahlen, sondern sich auch einmal bei Spielen politisch äussern oder Kritik üben. Fussballfans sind selbst in den USA teilweise organisiert – wie viele es aus ihren Heimatländern in Lateinamerika kennen.

Der Sport der Einwanderer

Gegenüber dem Fussballmagazin «11 Freunde» erklärte ein Ultra von Los Angeles Galaxy: «Soccer ist hier der Sport der Linken und der Einwanderer.» Ein anderer Fan des Klubs erhielt im letzten Jahr ein lebenslanges Stadionverbot, weil er ein Banner gegen Trumps Einwanderungsbehörde ICE ins Stadion geschmuggelt haben soll. Beweise habe der Klub nicht vorgebracht. Die Vermutung liegt deshalb nahe, dass der wiederholt kritische Fan mundtot gemacht werden sollte. In der nordamerikanischen Fussballliga MLS ist es verboten, sich mittels Schildern und Symbolen politisch zu äussern. Insgesamt sollen hunderte Fans Stadionverbot haben, weil sie gegen dieses Verbot verstossen hatten, heisst es in dem Bericht.

June 8, 2025, Los Angeles, California, USA: Fans in the stands put up protest signs against ICE at the regular season MLS, Fussball Herren, USA game between the Los Angeles Football Club and the Sport ...
Fans von Galaxy-Stadtrivalen Los Angeles FC setzten auch Zeichen gegen die Trump-Behörde ICE.Bild: www.imago-images.de

Aus Europa kennt man kritische Äusserungen von den organisierten Fangruppen in den Fussballstadien, in den USA sind sich die Verantwortlichen dies nicht gewohnt – und es ist bei diesen unerwünscht. Auch in der MLS sind viele Klubbesitzer Republikaner, einige von ihnen haben neben einem Fussballverein auch ein Team in einer der vier grossen US-Sportligen. Dort müssen sie sich von den Fans höchstens Kritik für sportlichen Misserfolg anhören. Am liebsten würden sie das Publikum im Fussball deshalb jenem im Football oder im Eishockey angleichen, hiess es mal in einem Essay aus der linken Fanszene, wie «11 Freunde» schreibt.

Doch im Fussball lassen sich die Fans nicht unterkriegen, was auch damit zusammenhängt, dass die Ticketpreise viel tiefer sind und der Sport damit inklusiver ist. Auch das missfällt den Konservativen in den USA. Die Republikanerin Ann Coulter, die Trump in seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf unterstützte, ihn später aber auch kritisierte, attackierte Fussball 2014 scharf als unamerikanisch und langweilig. Ein wachsendes Interesse daran sei ein Zeichen des moralischen Zerfalls des Landes. Die Schuld daran gab sie vor allem den Ausländern. Beim rechten Thinktank «American Enterprise» hiess es gar einmal, Fussball sei ein «sozialistischer Sport».

Demokraten profitierten von WM 1994

Donald Trump zeigte sich bisher zwar angetan von Fussball und fand bei der Gruppenauslosung der WM im Dezember gar, dass man American Football umbenennen müsse, weil «Soccer» das richtige «Football» sei. Doch das eher linke Publikum dürfte ihm kaum gefallen. Und die WM bringt noch eine weitere Gefahr für die Partei des Republikaners mit sich.

FILE - FIFA President Gianni Infantino presents President Donald Trump with the FIFA Peace Prize during the draw for the 2026 soccer World Cup at the Kennedy Center in Washington, Friday, Dec. 5, 2025 ...
Donald Trump erhielt von Gianni Infantino den FIFA-Friedenspreis.Bild: keystone

So fand eine Studie vor einigen Jahren eine Korrelation zwischen Fussball-Weltmeisterschaften und dem Wahlergebnis in den Vereinigten Staaten. Sowohl nach der Männer-WM 1994 als auch nach den Weltmeisterschaften der Frauen 1999 und 2003 konnten die Demokraten ihre Stimmenanteile in den Austragungsorten steigern.

Ein Zusammenhang mit den Spielorten der MLS-Teams konnte nicht entdeckt werden, aber wenn die aktuelle WM dieselben Folgen hätte wie jene vor 32 Jahren, würde es ein schwieriger Herbst für Donald Trump und die Republikaner. Ob der Präsident beim US-Eröffnungsspiel in der Nacht auf Samstag nun auftaucht oder nicht.

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