Jonas Omlin möchte die Nummer 1 sein – wechselt er schon bald wieder zum FCB?
Die Bundesliga-Saison ist vorbei, Ferien stehen an. Wo geht es hin?
Jonas Omlin: Camping steht auf dem Programm. Ich habe vor einem Jahr in Mönchengladbach die LKW-Prüfung gemacht. Damit ich die grösseren Gefährte fahren kann. Jetzt haben wir einen Camper gemietet. Schauen, was in Tenero so los ist. Dann geht es Richtung Venedig. Meine Frau hat mir soeben geschrieben, dass wir endlich einen Stellplatz gefunden haben. So einfach ist das gar nicht.
Sie fahren Lastwagen – wie kamen Sie dazu?
Ich wollte einmal etwas ganz anderes machen zur Abwechslung. Ich stehe viel auf dem Fussballplatz, bin mit den Kindern beschäftigt. Da dachte ich mir: Warum nicht?
Wie müssen wir uns das vorstellen, sie setzen sich in einen LKW und beginnen mit Üben, auf einem abgelegenen Platz?
Tatsächlich, ja: Ich habe mich ins Gefährt gesetzt und dann sagte mir der Fahrlehrer: «So, jetzt bitte rückwärts dort zwischen die beiden grossen LKW’s parken. Wird schon klappen!» Und wenig später fand ich mich mitten im Feierabendverkehr von Mönchengladbach wieder. Wobei LKW fahren am Ende ziemlich ähnlich ist wie Auto fahren, einfach mit ganz anderen Dimensionen.
Wie lange brauchten Sie, bis Sie den Führerschein hatten?
Etwa vier Monate. Mein Fahrlehrer war super, auch dank ihm kam ich zügig voran. Acht Doppelstunden waren es bis zur Prüfung. Diese ist dreigeteilt in Deutschland. Zuerst nur mit dem LKW, dann kommt die Abfahrtkontrolle dazu, da werden Fragen gestellt: Was musst du alles kontrollieren vor der Abfahrt? Und die letzte Prüfung ist dann noch mit Anhänger. Das war noch einmal etwas anspruchsvoller, beim rückwärts Einparken vor allem. Der erste Prüfer war grosser Mönchengladbach-Fan, hat gefragt: «Was machst du denn da?» Ich dachte: «Super, den habe ich.»
Besser so, als wenn der Prüfer Fan vom Erzrivalen FC Köln gewesen wäre!
Vielleicht. Wobei er am Ende zu mir sagte: «Du hättest die Prüfung auch in Köln bestanden.»
Ihre Kinder sind mittlerweile fünfeinhalb und dreijährig, Lio und Lui, richtig?
Genau, beide mit drei Buchstaben, das kann ich mir gut merken. Wobei ich ab und an selbst ein Durcheinander mache, wenn ich sie rufe. Kleiner Fehler! Nein, nein. Wir sind sehr happy, sie machen uns viel Freude. Jetzt ist langsam auch die Zeit, wo sie regelmässig durchschlafen.
Und schon als kleine Torhüter durch die Luft fliegen im Garten?
Sie haben die Torhüterhandschuhe wirklich sehr gerne an. Der Grosse ist beim FC Büderich im Fussballverein, das ist in der Nähe von Düsseldorf, wo wir wohnen. Zweimal Training, immer Montag und Mittwoch. Und meist am Samstagmorgen, 08:30 Uhr, noch drei gegen drei auf vier Tore. Er hat mega Freude. Auch in der Kita spielen sie fast ausschliesslich Fussball momentan. Er geht auch immer gerne, sogar wenn es regnet. Wir sind dann manchmal skeptisch: Willst du wirklich gehen? «Ja, ja!», okay – dann nehmen wir Regenschirme mit. Der Kleine kommt auch langsam. Sie sind sehr aktiv.
Sie wechselten im Winter von Mönchengladbach zu Leverkusen. In der Saisonbilanz steht: null Einsatzminuten. Das sieht brutal aus. Fühlt es sich für Sie auch so an?
Meine Ambition war und ist es, zu spielen. Darum habe ich im Winter auch den Transfer gemacht von Mönchengladbach zu Leverkusen. Aber es ist kein Wunschkonzert, gerade auf der Goalie-Position. Solange es ein Torhüter gut macht, gibt es keinen Grund zum Wechseln. Darum sieht die Statistik mit «Null» auch sehr brutal aus.
Bereuen Sie den Wechsel?
Nein, ich schaue trotzdem sehr positiv auf den Transfer. Ich erhielt nochmals Einblick in einen anderen Verein, durfte die Champions League erleben. Ich fühlte mich sehr wohl. Es ist immer etwas speziell, wenn man frisch in eine Mannschaft kommt. Man weiss nicht, was man bekommt. Hier gibt es sehr viele internationale Spieler. Spanier, Franzosen, Argentinier, Brasilianer, sehr multikulti. Alle sehr sympathisch, ich wurde sofort aufgenommen, als wäre ich schon länger hier. Auch in der Goalie-Gruppe. Es ist selten, dass ich mit 32 der Jüngste bin, entsprechend viel Erfahrung war dabei.
Wie viel vom Geist des Doubles der Saison 2023/24 ist in Leverkusen noch zu spüren?
In der Kabine und in den Gängen ist alles tapeziert mit Bildern aus diesem Erfolgsjahr. Das war eine riesige Sensation, einschneidend und geschichtsträchtig für den Verein. Das bekomme ich tagtäglich noch mit. Trotzdem ist der Umbruch fortgeschritten. Zwei Jahre danach sind 15 Spieler nicht mehr dabei. Aber die Ansprüche bleiben natürlich. Darum sind wir auch nicht zufrieden, wie die Saison verlief.
Wie war die Ausgangslage? Wurde Ihnen gesagt, Sie sind die Nummer zwei hinter Janis Blaswich?
Der Transfer ging schnell über die Bühne. Aufgrund der Verletzung von Mark Flekken war Goalie-Bedarf da von Leverkusen. Sie fragten uns an und ich wog ab. Ich hatte das Gefühl, hier sind meine Chancen auf Spielminuten grösser als in Gladbach. Ich hatte einen Neustart. Ich habe mich gut eingelebt und gute Trainingsleistungen gezeigt. Das wurde auch erkannt und anerkannt. Ich war überzeugt, dass ich zum Spielen komme, weil ich überzeugt war von mir. Aber die Leistungen von Janis Blaswich waren tadellos. Und dann ist es eben brutal als Goalie.
Also bleibt keine Enttäuschung zurück?
Genau. Ich nehme es nicht für selbstverständlich, überhaupt hier sein zu können.
Ist die Zukunft schon ein Thema? Oder warten Sie noch ab?
Aufgrund meiner Situation muss ich mich schon beschäftigen damit. Aber das heisst nicht, dass ich schon eine Lösung hätte. Es ist manchmal schwierig im Fussball. Meine Frau würde sich wünschen, dass wir schon wissen, wie es weitergeht. Es gibt Gespräche, aber ich habe noch nichts. Das Gute ist: Ich habe noch ein Jahr Vertrag bei Mönchengladbach. Ich bin also nicht im Zugzwang. Aber klar, nach Saisonende werden die Gespräche mit meinem Berater intensiver. Stand jetzt wissen wir noch nicht, wie es weitergeht.
FCB-Präsident David Degen und Sportchef Daniel Stucki haben Yann Sommer als Traumlösung für die Zukunft in Basel bezeichnet. Sie hingegen als Wunsch 1B. Kränkt Sie das?
Nein. Auch wenn ich zwei Jahre beim FC Basel war, lässt sich das nicht mit Yann Sommer vergleichen. Er war fünf oder sechs Jahre im Verein, ist ein Einheimischer und mit Inter Mailand gerade wieder Meister geworden. Er ist eine hohe Hausnummer. Für mich wäre es ein Heimkommen in die Schweiz, um nochmal anzugreifen. Die Gespräche werden zeigen, wo es hingeht.
Haben Sie mit dem Kapitel Bundesliga schon abgeschlossen?
Mein Traum ist es, wieder zu spielen. Meine Priorität ist die Nummer 1. Aber gleichzeitig ist meine Geschichte in Deutschland irgendwie noch nicht zu Ende. Ich bin im Januar 2023 nach meinem Wechsel von Montpellier sehr gut gestartet bei Mönchengladbach, hatte eine super halbe Saison. Dann beginnt die neue und es kommt diese Schulterverletzung, die hat mich aus der Bahn geworfen. In dieser Zeit während meines Ausfalls hat es Moritz Nicolas sehr gut gemacht.
Wie gehen Sie mit der Ungewissheit um im Fussball-Business?
Mittlerweile bin ich entspannter. Vor ein paar Jahren war das noch anders. Um uns Fussballer gibt es in fast jedem Transferfenster Gerüchte. Es gab schon viele Momente, in denen ich das Gefühl hatte: Ah, dieser Verein hat Interesse. Aber es wird so viel geredet. Mittlerweile habe ich es aufgegeben, mir zu viele Gedanken zu machen. Weil es oft nicht so kommt, wie man denkt. Vieles ist sehr spontan. Ich nenne Ihnen ein Beispiel.
Gerne.
Zwei Tage vor meinem Transfer zu Gladbach rief mich der damalige Sportdirektor Roland Virkus an und sagte: «Sorry, es klappt leider nicht.» Er hat mir abgesagt, aber einen Tag später sitze ich dann doch im Auto und fahre in der Nacht von Montpellier nach Deutschland. Das ist schon Nerven aufreibend für die ganze Familie. Man kann nichts planen. Das gehört leider zum Fussball dazu.
Wollen Sie bei Ihrem künftigen Verein garantiert die Nummer 1 sein?
Schlussendlich möchte ich spielen und wieder in die Stadien reinlaufen. Das ist wichtig für mich. Ich möchte mir noch einmal beweisen, dass ich es kann. Aber wenn ein Verein kommt und sagt: Es ist ein offener Zweikampf, dann nehme ich das an.
Sie haben Ihre Schulterverletzung erwähnt. Sie hatten zudem auch einige Muskelverletzungen. Sind Sie manchmal fast verzweifelt ob des eigenen Körpers?
Ich merkte: Ich werde älter. Ich bin nicht mehr 22, aber das gehört auch dazu. Darum war es für mich ein Warnschuss, als ich die Nummer 2 wurde in Gladbach.
Der Entscheid, Sie zur Nummer 2 zu machen bei Mönchengladbach, kam von Gerardo Seoane. Wie verliefen die Gespräche? Waren Sie enttäuscht?
Klar ist man enttäuscht, aber wir sind im Guten auseinander gegangen. Er hat seine Entscheidungen getroffen und uns kommuniziert. Wir hatten einen guten Draht zueinander, wir kennen uns seit langem, er war einer meiner ersten Trainer in Luzern. Es ist ja jeweils amüsant, plötzlich spielt man in der Bundesliga und trifft sich Jahre später wieder.
Wie sind Sie danach damit umgegangen?
Ich musste mir die Frage stellen: was jetzt? Geniesse ich die letzten zwei Jahre in der Bundesliga, mache ein bisschen die Nummer 2 und schiebe eine ruhige Kugel? Oder gebe ich nochmals alles, investiere in mich selbst und bringe mich wieder auf Kurs? Vor zwei, drei Jahren hatte ich jeden Morgen Schmerzen beim Aufstehen. Mittlerweile nicht mehr, weil ich seit der Verletzung mit der Schulter an mir gearbeitet habe. Ich bin wieder gesund. Ich fühle mich gut. Und deshalb bin ich mir sicher, dass ich nochmals drei, vier, fünf Jahre auf diesem Niveau spielen kann.
Was haben Sie konkret geändert?
So ziemlich alles!
Erzählen Sie.
Ich begann, mit Christoph Baggenstos zu arbeiten. Er nahm mit mir alles auseinander. Schlaf. Ernährung. Regeneration. Es half mir extrem, den Schlaf zu regeln. Konstante Schlafzeiten, immer zur selben Zeit aufstehen.
Daran gibt es nichts zu rütteln?
Natürlich gelingt es nicht immer. Es gibt ja auch Spiele spätabends. Es geht einfach darum, über einen längeren Zeitraum einen Rhythmus aufzubauen und diesen so oft wie möglich umzusetzen. Je länger du das tust, desto mehr wird es zur Normalität. Er hat mir sehr geholfen, kann ich nur weiterempfehlen – kleine Werbung, wo ist die Kamera? (lacht). Ich kann fast sagen, er hat mich nochmals jünger gemacht.
Was haben Sie bei der Ernährung verändert?
Er schickt mir am Anfang der Woche einen Plan, von Dienstag bis Montag jeweils. Dort sind Rezepte drin, ein Supplement-Plan und Regenerationsmassnahmen. Was esse ich an welchem Tag, Spieltag oder Regenerationstag oder Belastungstag. Es ist ein spannendes Thema – und auch richtig intensiv. Wir haben uns schrittweise gesteigert. Mittlerweile ist der Plan voll und gehört zum Alltag dazu.
Hat sich Ihre Frau noch nie über die ganze Umstellung beklagt?
Wir haben es sehr behutsam in unsere täglichen Abläufe integriert. Am Anfang sagte ich noch: Langsam, langsam. Aber jetzt sind diese Dinge ganz normal für mich. Ich sehe einfach, wie gut mir das alles tut. Zudem sind Themen wie Ernährung und Schlaf ja nicht nur im Fussball wichtig. Das Leben dauert lange. Vermutlich werden auch noch meine Kinder von diesen Erfahrungen profitieren.
Zum Schluss das Thema Nationalmannschaft: Da sind Sie nicht mehr dabei. Wie schauen Sie darauf?
Wer in der Nati sein will, muss spielen. Das tat ich nicht in den letzten eineinhalb Jahren, darum ist es auch nicht Priorität Nummer 1. Meine Priorität ist, gesund zu sein, damit ich Leistung zeigen kann. Alles, was dann kommt, sehen wir.
Verfolgen Sie die WM-Spiele der Schweiz am TV?
Bestimmt. Diesmal als Fan – und ich fiebere mit.
Schauen Sie viel Fussball in der Freizeit?
Ich schaue sehr wenig Fussball und TV allgemein, verbringe lieber mehr Zeit mit den Kindern. Aber es gibt natürlich Spiele, die sind Pflicht. PSG gegen Bayern, dieses Hinspiel in der Champions League war ein Augenschmaus. Das schaue ich dann schon, auch um am nächsten Morgen in der Kabine mitreden zu können (lacht).
Und wenn Sie einen Wunsch vom Fussball-Gott frei hätten…?
… dann soll die Schweiz Weltmeister werden! (aargauerzeitung.ch)
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