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Die Spieler von Borussia Dortmund freuen sich über den Sieg im Revierderby.
Die Spieler von Borussia Dortmund freuen sich über den Sieg im Revierderby.Bild: EPA

Die Bundesliga besteht den ersten Bewährungstest – und träumt bereits von Spielen mit Fans

Die Bundesliga besteht beim Restart den ersten Bewährungstest. Die Schutzkonzepte werden eingehalten, und so stellt die Politik bereits Lockerungen in Aussicht - mit Spielen mit Publikum ab September?
17.05.2020, 20:35
Stefan Wyss / Keystone-SDA

Die erste von neun Folgen des Experiments ist vorüber - und die Bundesliga hat bei ihrem Neustart nach dem Corona-Unterbruch einen guten Eindruck hinterlassen. Wenn Christian Seifert, der Geschäftsführer der deutschen Fussball-Liga, vor wenigen Tagen sagte, die Bundesliga spiele «auf Bewährung», dann hat sich die deutsche Fussball-Elite die nächsten Spieltage verdient.

«Das Experiment ist gelungen. Der Wiederbeginn war besser als gedacht», lobte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder in der Sendung «Doppelpass» auf Sport 1.

Pläne für Spiele mit Fans nach der Sommerpause

Aus anderen Bundesländern kamen übers Wochenende sogar schon erste Voten für eine baldige weitere Lockerung der Fussball-Szene. «Nach der Sommerpause müssen wir klären, ob es im Stadion auch mit weniger Abstand geht, weil die Infektionsrate so niedrig ist und es eine Kontaktnachverfolgungs-App gibt, falls doch ein Infizierter dort war», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil gegenüber der «Bild am Sonntag».

Wann dürfen wieder Fans ins Stadion?
Wann dürfen wieder Fans ins Stadion?Bild: AP

Auch sein sächsischer Amtskollege Michael Kretschmer hält den begrenzten Besuch von Fussballspielen ab dem 1. September für möglich. «Dann sind zwar die Stadien nicht ausverkauft, aber es gibt wieder Spiele vor Publikum.»

Hygiene-Vorschriften weitgehend eingehalten

Zumindest der erste von neun komplett mit Geisterspielen durchgeführte Spieltag hat also gezeigt, dass der Fussball die von ihm verlangte Vorbildfunktion wahrnehmen kann.

Die TV-Sender transportierten Bilder in die Wohnzimmer, wie sie die Politik gefordert hatte: Bälle, die regelmässig desinfiziert werden. Trainer, die peinlich genau darauf achten, die Coaching-Zone nicht zu verlassen. Ersatzspieler, die fürs Einhalten der Abstandregel auf der Tribüne sitzen. Oder Flash-Interviews, bei denen die Moderatoren Schutzmasken tragen und das Mikrofon von einer Plastikfolie umhüllt ist.

Mit Distanz und Plastikfolie – bei den Interview gab es ebenfalls strikte Sicherheitsmassnahmen.
Mit Distanz und Plastikfolie – bei den Interview gab es ebenfalls strikte Sicherheitsmassnahmen.Bild: EPA

Auch beim Torjubel hielten sich die (meisten) Spieler an die Regel. Der Dortmunder Erling Haaland schwang seine Hüften ganz alleine, die Kollegen klatschten ihm in gebührendem Abstand zu. Wie in einer einstudierten Choreografie bejubelten die auf einer relativ grossen Fläche verteilten BVB-Spieler das Führungstor gegen Schalke.

Die Dortmunder jubeln nach dem 1:0 ohne Körperkontakt.
Die Dortmunder jubeln nach dem 1:0 ohne Körperkontakt.Bild: AP

Etwas weniger genau nahmen es die Spieler von Hertha Berlin bei ihren drei Treffern in Hoffenheim. Abklatschen, Umarmen, Küssen. Torschütze Vedad Ibisevic entschuldigte sich dafür und erklärte, es sei «schwierig, die Emotionen zu verstecken».

Wie auch immer: Der verordnete isolierte Torjubel wirkt etwas grotesk, wenn sich der Torschütze vor dem Treffer aus der Umklammerung des Gegenspielers befreit, dann aber beim Jubeln seine Mitspieler nicht berühren soll.

Vedad Ibisevic springt an Torschütze Matheus Cunha hoch.
Vedad Ibisevic springt an Torschütze Matheus Cunha hoch.Bild: AP

«Das war sehr, sehr speziell»

Das in dieser Atmosphäre gebotene Spektakel hatte aber auch sonst einen surrealen Anstrich. «Das war sehr, sehr speziell. Du hast keinen Lärm, du schiesst auf das Tor, du machst einen Top-Pass oder ein Tor - und nichts passiert. Es ist schwer, zu beurteilen, wie gut das Spiel war», sagte Dortmunds Schweizer Trainer Lucien Favre nach dem 4:0-Sieg im Derby gegen Schalke.

Sein Chef Hans-Joachim Watzke meinte: «Wenn man gegen Schalke spielt und durch die Stadt fährt, aber nichts los ist, dann ist das schon gewöhnungsbedürftig.»

Sportlich fast nichts Neues

Gerade das Revierderby offenbarte aber, dass zwar die Umstände ungewohnt waren, dass aber auch die Corona-Pandemie die deutsche Fussball-Welt nicht auf den Kopf gestellt hat - zumindest nicht fürs Erste, zumindest nicht sportlich.

Die meisten Resultate waren die Fortsetzung eines Trends, der nach der Winterpause zwischen Ende Januar und Anfang März eingesetzt hatte. Dortmund hatte vor dem Unterbruch vier Mal in Folge gewonnen und siegte nun wieder. Schalke hatte vorher sieben Mal nicht gesiegt und gewann nun wieder nicht.

Herbstmeister RB Leipzig spielte Anfang März zwei Mal nur unentschieden und nun gegen Freiburg wieder. Eintracht Frankfurt verlor vor dem Unterbruch drei Mal in Folge und kassierte nun die nächste Niederlage. Sportlich war es, als hätte es die zweimonatige Pause nicht gegeben. (dab/sda)

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