Urs Fischer serviert Ghackets mit Hörnli – und führt Mainz aus dem Keller
Als Urs Fischer im Dezember nach Mainz kommt, ist der Klub Letzter und hat sechs Punkte Rückstand aufs rettende Ufer. Nun belegt Mainz Rang 9 der Bundesliga-Tabelle. Der 2:1-Sieg am Samstag beim Spitzenteam Hoffenheim war der dritte Erfolg in Serie. Von den Abstiegsrängen hat sich Mainz weit entfernt. «Ein wichtiger Sieg, er hilft uns. Aber abgerechnet wird nach dem 34. Spieltag», trat Fischer auf die Euphoriebremse.
Es ist eine eindrückliche Bilanz, die der Schweizer Trainer am Rhein hinlegt. Von 15 Bundesliga-Spielen gingen nur zwei verloren. In der «Fischer-Tabelle» – wenn man nur die Spiele zählt, in denen Urs Fischer am Ruder war – belegt Mainz Rang 5, noch vor den Schwergewichten Leverkusen und Leipzig. Dazu führte der Zürcher Trainer sein Team in die Viertelfinals der Conference League.
«Der Zweck heiligt die Mittel»
«Von Anfang an war es seine Strategie, einfach spielen zu lassen», sagt Michael Ebert, der Fischers Arbeit als Reporter für den «Kicker» verfolgt. «Das fruchtete ziemlich schnell und führte bei den Spielern dazu, dass die Selbstsicherheit zunahm.» Unter Fischer agiere Mainz sehr kontrolliert und lasse nur wenig gegnerische Chancen zu. «Er setzt zudem auf Erfahrung, Mainz ist unter ihm die älteste Mannschaft der Liga. Aber wie immer, wenn etwas funktioniert, heiligt der Zweck die Mittel.»
Fischer gilt schon lange als Pragmatiker. Der FC Basel gab ihm einst nach zwei Meistertiteln keinen neuen Vertrag mehr und verwies auf Fischers zwar erfolgreichen, aber wenig attraktiven Fussball. Die Quittung waren sieben Jahre ohne FCB-Meisterschaft.
Wäre Urs Fischer ein Sternekoch, sein Menü wären simple Ghackets mit Hörnli – aber es wären dafür die allerbesten Ghackets mit Hörnli. Der Fussballtrainer hat längst erkannt: Wer das Einfache richtig macht, kann weit kommen. Union Berlin führte Fischer bei seiner letzten Station aus der 2. Bundesliga bis in die Champions League.
Die oberste Maxime lautet: Hinten dichtmachen
Mit seiner Art bringt Fischer Ruhe in eine Mannschaft, und er spricht Klartext. Captain Silvan Widmer, der unter Vorgänger Bo Henriksen kaum mehr zum Einsatz kam, nannte Fischer zuletzt einen «grossen Glücksgriff» für sich und den Verein. Er lobte seinen Landsmann als starken Kommunikator.
Der 33-jährige Widmer gehört im rechten Couloir wieder zum Stammpersonal. Fischer hat seine Mannschaft gefunden, stellte gegen Hoffenheim zum vierten Mal in Folge die gleiche Elf auf. Er gab seiner 3-5-2-Formation den Auftrag, abzuwarten, aus der Defensive spielend mit Kontern zu agieren. Im Abstiegskampf werden keine Schönheitspreise vergeben, da zählen einzig Punkte.
Nächstes erfolgreiches Kapitel?
Als «Tretertruppe» beschimpfte HSV-Verteidiger Miro Muheim unlängst die Mainzer, die oft mit hoher Intensität in Zweikämpfe gehen. «Das Physische gehört zu unseren Basics», meinte Trainer Fischer dazu. Natürlich gebe es bei so einer Spielweise auch einmal ein Foul. «Ich glaube aber, das gehört zum Fussball dazu. Am Ende spielen wir Fussball ohne Kontakt und das geht mir dann zu weit.»
In Mainz hat Urs Fischer bis im Sommer 2028 unterschrieben. Geht es so weiter, wird er den Vertrag erfüllen. Und seiner Geschichte nach den Stationen Thun, Basel und Berlin das nächste erfolgreiche Kapitel hinzufügen. Denn wenn Fischer den Kurs beibehält, wird Mainz nicht mehr nach unten schauen müssen.
