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Olivier Joliat

Bild: Olivier Joliat

Homeless World Cup in Chile

Weltmeister Brasilien in Nöten 

Der zweifache Homeless World Cup Sieger hat hart zu kämpfen. Nicht im Spiel gegen die Schweiz, sondern weil Brasilien kaum Interesse am Futebol Social zeigt. 



Olivier Joliat, Chile

Nach Abpfiff der zweimal sieben Minuten SchweizBrasilien steht es 0:9. Die Ballkünstler spielte ihr Joga Bonito, während sich die Schweizer à la Winkelried in die Bälle warfen. So konnten sie mehr oder minder souverän ein «Stängeli» verhindern und den Brasilianern hinterher attestieren: «So spielen Weltmeister!»

Zweimal konnte die Strassen Seleção den Homeless World Cup gewinnen. Den letzten Titel holten sie 2013 im polnischen Poznan, mit einem Rumpfteam von nur vier Spielern. Trainer Pupo Fernandes zahlt für die Teilnahme bis heute Schulden ab. «Ich suche noch immer Partner, um meine 70'000 Dollar nicht alleine abarbeiten zu müssen. Doch in Brasilien will keiner Fussball unterstützten, wenn es nicht um die medial beachtete Profiliga geht.»

Brotlose Fussballkunst

Doch selbst in der brasilianischen Liga ist nicht viel Geld zu holen. Alle vier Weltmeister vom letzten Jahr haben nun einen Profivertrag in Brasilien. Darlan Martins, damals zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt und Schütze des Siegestores (Foto 2013) im Final, spielt gar für Brasiliens Top Clup Flamengo Rio de Janeiro (http://www.flamengo.com.br/flapedia/Darlan_Martins_Benvindo). Aber sie können Futebol Social nichts zurückzahlen. Fernandes: «97% der Profis in Brasilien bekommen von ihren Clubs nur Kost, Logis und etwas Taschengeld bezahlt.»

Vom Weltmeistertitel kann die Schweiz nicht mehr träumen. Die Qualifikation für diese Cup-Gruppe hat sie verpasst. Um welchen Cup sie am Ende spielt entscheidet sich nun in der neuen Gruppe mit Italien, Finnland und Wales. Die Spiele können live auf: http://www.homelessworldcup.org/ gesehen werden.

Der Coach will mit dem brasilianischen Strassensport Projekt denn auch nicht Fussballprofis züchten: «Durch den Fussball, das Team und die Aussicht aus eine HWC-Teilnahme, lernen die Jugendlichen Respekt zu zeigen, Verantwortung zu übernehmen und dass sie ihre Träume verwirklichen können, wenn sie hart arbeiten.»

Romantik freie Favela-Kicker

Fernandes selektioniert denn auch nicht die besten Fussballer für die Strassen Seleção, sondern jene, denen es am meisten bringt. Oft sind es die Ärmsten der Favelas, also jene Strassenfussballer, die wir Europäer als romantisch verklärte Urlaubsfotos nach Hause bringen.

«Klar spielen praktisch alle Kinder Fussball. Nur wissen das auch die Gangs. Auf dem Fussballplatz entstehen oft Kontakte mit der Kriminalität», so Fernandes. Futebol Social organisiert deshalb dort mit den Favela-Verantwortlichen lokale Turniere. Dort werden Grundwerte vermittelt und Spieler für die regionalen Meisterschaften selektioniert. Bei den Nationalen Meisterschaften wählen Fernandes und sein Team dann aus gut 1000 Spielern.

Träume vom Titel, Partner und Präsidenten

2008 übernahm Futebol Social das Strassensport Projekt vom Brasilianischen Strassenmagazin Ocas. Alle Trainer und Helfer arbeiten ehrenamtlich, ja zahlen wie im Falle Fernandes gar dafür. Wie lange hält da die Motivation noch? Fernandes: «Noch lange! Das Projekt verbindet meine zwei Passionen: Fussball und Menschen zu helfen, ihre Träume zu verwirklichen.» Und ist mit den eigenen Träumen: «Die sozialen Unterschiede in Brasilien sind riesig. Das hat man in Europa mit den Protesten zur FIFA-WM vielleicht mitbekommen. Ich hoffe, dass das vorhandene Geld sozialer verteilt wird und auch Projekte wie wir Partner finden. Die Präsidentschaftswahlen nächsten Sonntag verpassen wir leider, hoffentlich spielen wir dann wenigstens um den Titel.»

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