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France's Davis Cup tennis team (L) and Switzerland's Davis Cup tennis team pose next to the Davis Cup trophy during the draw for the Davis Cup final in Lille, northern France, November 20, 2014. Switzerland's Roger Federer, who has been hampered by back problems, has been named to play in the second singles rubber of the Davis Cup final against France's Gael Monfils on Friday, organisers announced on Thursday. Switzerland's world number four Stanislas Wawrinka will open proceedings against Jo-Wilfried Tsonga on Friday. REUTERS/Pascal Rossignol (FRANCE - Tags: SPORT TENNIS)

In Lille ist alles bereit für die grosse Davis-Cup-Sause. Bild: PASCAL ROSSIGNOL/REUTERS

Hochspannung vor dem Davis-Cup-Final

Eigentlich spricht fast alles für die Franzosen – aber wenn es perfekt läuft, führt die Schweiz heute Abend mit 2:0 

Davis-Cup-Final, Tag 1: Stan Wawrinka und Roger Federer treffen in den ersten beiden Einzelpartien auf Jo-Wilfried Tsonga und Gaël Monfils. Nach den Wirren im Vorfeld sind die Schweizer nur Aussenseiter. Und das ist vielleicht ihr grosser Trumpf.



philipp reich, lille

Durchatmen allenthalben! Roger Federer wird heute beim Auftakt zum Davis-Cup-Final in Lille spielen. Als Schweizer Nummer 1 trifft der «Maestro» im zweiten Einzel des Tages auf Gaël Monfils. Die erste Partie um 14 Uhr bestreiten Stan Wawrinka und Jo-Wilfried Tsonga. 

Dass Federer dabei ist, gibt den Schweizern natürlich Auftrieb. Doch als Favoriten kann man sie deswegen nicht bezeichnen. Im Gegenteil.

Das spricht für die Franzosen ...

Der Heimvorteil

Das Stade Mauroy in Villeneuve d'Ascq – südöstlich von Lille gelegen – fasst bei den Ligue-1-Spielen des OSC Lille 50'186 Zuschauer. Die Multifunktionsarena ist für die Fussball-EM 2016 für 282 Millionen Euro gebaut worden. Für den Davis-Cup-Final wurde sie in ein gewaltiges Tennisstadion verwandelt, das 27'000 Zuschauern Platz bietet.

Das Stadion wird an allen drei Tagen bis auf den letzten Platz ausverkauft sein. Schweizer Schlachtenbummler sind nur wenige vor Ort: Wie es der internationale Tennisverband vorschreibt, erhielt die Schweiz als Gastmannschaft ein Kontingent von zehn Prozent des Fassungsvermögens. Swiss Tennis bemühte sich beim französischen Verband zwar um zusätzliche Tickets, stiess mit der Anfrage aber auf taube Ohren. 

20.11.2011; Lille; Tennis - Davis Cup Final - Training Schweiz; Roger Federer (SUI) beim Training mit Stanislas Wawrinka (SUI) auf dem Center Court im Stadion Pierre Mauroy von Lille (Valeriano Di Domenico/freshfocus)

Noch ist die gewaltige Tennisarena leer. Doch ab heute werden täglich 27'000 heissblütige Fans die Halle füllen. Gut so, denn gestern Donnerstag war es immer noch sehr kalt. Bild: Valeriano Di Domenico

Unterstützung aus Bundesbern

In Frankreich gingen die Tickets nämlich ebenfalls weg wie frische Croissants. Innerhalb von 15 Minuten war das Final-Wochenende ausverkauft. Der Davis Cup hat für die tennisverrückten Franzosen einen extrem hohen Stellenwert. Fast wie vor einer Fussball-WM dreht sich seit Wochen alles um den Event in Lille.

Die Zuschauer sind heiss und wollen ihr Team zum Sieg schreien. Da spielt es auch keine Rolle, dass es in der Arena wegen der fehlenden Heizung immer noch bloss knapp über 10 Grad warm ist. Für die weniger heissblütigen Fans wurden Decken (und ein Plastiksack mit Fähnchen und sonstigem Material) auf den Sitzen bereitgelegt.

Die Vorbereitung

Die Franzosen haben nichts dem Zufall überlassen. Eine Woche lang hat sich das Team von Captain Arnaud Clément in Bordeaux auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet. Während sich Federer und Wawrinka im Halbfinal an den World-Tour-Finals bis um Mitternacht gegenseitig zermürbten, konnte Clément seinen Spielern bereits Erholung gönnen.

Das letzte Training strich er kurzerhand aus dem Programm. «Wir müssen Kräfte sparen», liess er verlauten. «Es wäre jetzt falsch, noch mehr zu pushen und darum Anzeichen von Müdigkeit zu spüren.» Und auch in dieser Woche konnten es die Franzosen ruhig angehen lassen. Wegen der angeblichen Querelen zwischen Wawrinka und Federers Frau Mirka sowie der Rückenverletzung des «Maestros» hat sich der ganze Medientrubel auf die Schweiz konzentriert.

French Davis Cup team members Richard Gasquet (L) and Gael Monfils play with a ball on November 11, 2014, during a training session at Villa Primrose in Bordeaux, where the team will train prior to the final of the Davis Cup against Switzerland. AFP PHOTO JEAN PIERRE MULLER

Ein bisschen Spass muss sein: In Bordeaux spielten Monfils, Gasquet und Co. sogar Fussball. Bild: AFP

Die Unterlage

Dass die Franzosen Sand als Unterlage wählen würden, war keine Überraschung. Die «terre battue» ist ganz klar Federers schwächster Belag. Und auch Wawrinka hat trotz des Masters-1000-Titel in Monte Carlo zuletzt auf Hartplätzen die besseren Resultate erzielt.

Immerhin springen die Bälle in der kühlen Halle nicht ganz so hoch ab wie auf den Sandplätzen von Roland Garros oder Monte Carlo. Dass sich Federer, der in dieser Woche nur eineinhalb Trainings bestreiten konnte, und Wawrinka innerhalb kürzester Zeit vom Londoner Hartcourt auf die neue Unterlage umstellen mussten, könnte allerdings zum Problem werden.

Wawrinkas Formschwankungen

Der Romand ist und bleibt eine Wundertüte. An einem guten Tag kann er jeden schlagen, an einem schlechten gegen (fast) jeden verlieren. Nach seinem dramatischen Viertelfinal-Aus gegen Kei Nishikori beim US Open hat Wawrinka drei Erstrunden-Niederlagen kassiert und bis zu den World Tour Finals nur zwei Matches gewonnen – im Davis Cup gegen Fabio Fognini und in Paris gegen Dominic Thiem. 

Stanislas Wawrinka of Switzerland attends a training session at the Pierre Mauroy stadium in Villeneuve d'Ascq, northern France, November 19, 2014. France will face Switzerland in their Davis Cup final which will start on Friday November 21, 2014. REUTERS/Pascal Rossignol (FRANCE - Tags: SPORT TENNIS)

Welche Seite von sich präsentiert uns Wawrinka zum Final-Auftakt gegen Tsonga? Bild: PASCAL ROSSIGNOL/REUTERS

Beim Saisonfinale trat Wawrinka dann wie verwandelt auf. Gegen Marin Cilic, Tomas Berdych und Roger Federer spielte die Weltnummer 4 teilweise gross auf. Nur bei der 3:6, 0:6-Klatsche gegen den entfesselten Novak Djokovic zeigte Wawrinka sein zweites Gesicht.

Federers Rücken

Im dümmsten Moment – sechs Tage vor dem Davis-Cup-Final – zwickte es den 17-fachen Grand-Slam-Sieger im Rücken. Bis am Mittwoch musste sich Federer intensiv seiner Problemzone widmen, an ein Training war nicht zu denken. Zwei kurze Einheiten reichten dem Baselbieter, um sich fürs erste Einzel aufstellen zu lassen.

Doch wie fit ist Federer? «Erst einmal bin ich froh, heute hier sitzen und morgen spielen zu können», sagte der 33-Jährige nach der Auslosung. «Ich weiss, dass ich bereit bin, mitzuspielen.» Überzeugung tönt anders.

Das spricht für die Schweizer ...

Federer ist Federer

Trotz aller Rückenprobleme: Roger Federer bleibt Roger Federer, der mit Novak Djokovic zuletzt beste Spieler der Welt. Niemand ausser ihm und seinem Team weiss, wie schlimm es um seinen Rücken steht. Federer hat sich entschieden zu spielen. Wenn er sich den Sieg nicht zutrauen würde, hätte er dies kaum getan.

Das glaubt auch Federer-Gegner Monfils: «Ich kenne Roger. Wenn er spielt, ist er auch bei 100 Prozent», sagte «La Monf» bei der Auslosung. Die beiden kennen sich gut, zehnmal haben sie schon gegeneinander gespielt. Im Head-to-Head steht es 8:2 für Federer. 

Gael Monfils, right, of France, meets at the net with Roger Federer, of Switzerland, after their quarterfinal at the U.S. Open tennis tournament, Thursday, Sept. 4, 2014, in New York. Federer won 4-6, 3-6, 6-4, 7-5, 6-2. (AP Photo/John Minchillo)

Beim US Open hatte Monfils den Sieg eigentlich schon in der Tasche. Bild: AP/FR170537 AP

Zuletzt stand der Franzose beim US Open allerdings dem Sieg sehr nah. Monfils führte im Viertelfinal mit 2:0 Sätzen und hatte sogar Matchbälle, doch Federer konnte das Blatt noch wenden. Die bisherigen vier Sandplatzduelle gingen alle an Federer, nur einen Satz gab er dabei ab.

Aussenseiter Wawrinka

«Stan the Man» fühlt sich pudelwohl in der Rolle des Underdog. Er liebt es, wenn er nicht der Favorit ist. Zwar ist Wawrinka in der Weltrangliste acht Ränge besser klassiert als Tsonga, doch der Favorit ist er deswegen nicht. Im Gegensatz zum Schweizer hat der Franzose zwar noch keinen Grand-Slam-Titel gewonnen – im Australian-Open-Final 2008 unterlag er Novak Djokovic – doch mit 11:7 hat er bei den Turniersiegen klar die Nase vorn.

In den Direktbegegnungen führt der Franzose mit 3:2. Sämtliche Duelle waren allerdings hart umkämpft, immer ging es über die maximale Anzahl Sätze. Beim letzten Aufeinandertreffen beim Sandplatz-Turnier von Madrid hatte Wawrinka die Nase vorn. 

Swiss Davis Cup team player Stanislas Wawrinka (R) shakes hands with French Davis Cup player Jo-Wilfried Tsonga in front of the Davis Cup trophy after the draw of the Davis Cup final France vs Switzerland on November 20, 2014 in Lille. Switzerland will play against France for the Davis Cup final from November 21 to November 23.    AFP PHOTO PHILIPPE HUGUEN

Die Tagesform wird die Partie zwischen Wawrinka und Tsonga entscheiden. Bild: AFP

Der Druck ist weg

Ein Gutes hat die Verletzung Federers vielleicht: Der grosse Druck, der auf den Schweizern gelastet hat, ist vorerst einmal weg. Vor den World Tour Finals wurden die Franzosen nicht müde, immer und immer wieder zu betonen, dass die Schweiz mit den Weltnummern 2 und 4 im Team die klaren Favoriten seien. Doch das funktioniert nun nicht mehr.

Die Karten wurden neu gemischt. Federers Rückenprobleme haben den französischen Fans Hoffnung gegeben, die sich schlagartig in Erwartung umgewandelt hat. Nach zwei Davis-Cup-Final-Niederlagen zuhause in Folge brennen die Franzosen auf den elften Titel. Ein schwacher Start ihres Teams und schon wächst die Unruhe. Wawrinka und Federer können dagegen viel befreiter aufspielen.

Bild

Die Reaktion der Franzosen auf Roger Federers Genesung… Bild: Minipeople.ch

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«Mein Gott, das war hart!» – Federer ist nach unfassbarer Wende weiter

Roger Federer zieht am Australian Open in Melbourne zum 18. Mal in die Achtelfinals ein. Der Weltranglisten-Dritte setzt sich in einem packenden Tennis-Thriller nach gut vier Stunden gegen den Australier John Millman 4:6, 7:6 (7:2), 6:4, 4:6, 7:6 (10:8) durch.

Am Tag des grossen Favoritensterbens im Melbourne Park erwischte es beinahe auch den sechsfachen Champion. Federer musste leiden, bis er seinen 100. Einzel-Sieg am Australian Open unter Dach und Fach hatte. «Mein Gott, das war hart», sagte er im Sieger-Interview.

Die Entscheidung fiel weit nach Mitternacht im Super-Tiebreak des fünften Satzes, als Federer in dem 2019 in Melbourne eingeführten Format bereits mit 4:8 zurückgelegen hatte, dank sechs Punkten in Folge aber doch noch die Wende …

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