DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der letzte grosse Titel, der ihm noch gefehlt hat: Roger Federer mit seinem Team und der «Salatschüssel».
Der letzte grosse Titel, der ihm noch gefehlt hat: Roger Federer mit seinem Team und der «Salatschüssel».
Bild: AFP
Schwierige Gratwanderung

Warum der Geheimplan um den «Rücken der Nation» perfekt aufging

Exakt eine Woche nachdem Roger Federer für den Final der World Tour Finals wegen Rückenproblemen hatte Forfait geben müssen, feiert er in Lille mit der Schweiz den Gewinn des Davis Cups. Um so weit zu kommen, war allerdings eine taktische Meisterleistung seines Teams notwendig.
23.11.2014, 20:2224.11.2014, 09:20
Philipp reich, lille

Längst nicht alle Geschichten haben ein Happy End, diese aber schon. Der dritte Tag des Davis-Cup-Finals gegen Frankreich ist passé und die «hässlichste Salatschüssel» gehört der Schweiz. Roger Federer sicherte seinem Team mit einem perfekten Auftritt beim 6:4, 6:2, 6:2 zum Abschluss den Titel. Natürlich Federer, könnte man meinen, würde man alles rund herum ausblenden. Jetzt muss man aber sagen: Ausgerechnet Federer.

Fast exakt eine Woche, bevor die grosse Siegesfeier im Stade Pierre Mauroy von Lille steigt, hält die Tennis-Schweiz den Atem an. Federer muss vor dem Final der World Tour Finals gegen Novak Djokovic Forfait geben. Der Rücken zwickt. Die Achillesferse des 33-jährigen «Maestro» hat sich in der Schlussphase des epischen Finals gegen Davis-Cup-Kollege Stan Wawrinka blockiert.

Federer mit Pokerface: Der «Maestro» liess sich die ganze Woche hindurch nicht in die Karten blicken.
Federer mit Pokerface: Der «Maestro» liess sich die ganze Woche hindurch nicht in die Karten blicken.
Bild: EPA/KEYSTONE

Mehr zum Davis-Cup-Final

Alles – naja, fast alles (schliesslich ist da auch noch Mirkagate oder «Cry Baby»-Gate, wie der kleine Disput zwischen Wawrinka und Federers Frau betitelt wurde) – dreht sich in der Folge um den Rücken der Nation. Wird Federer beim Saisonhöhepunkt überhaupt spielen können? Was, wenn nicht? Haben «wir» überhaupt noch eine Chance?

Jeder Schritt Federers wird unter der Woche kritisch beäugt. Gross ist das Aufatmen, als Federer am Mittwoch in einer dicken Daunenjacke eingepackt erstmals in paar Bälle übers Netz schlägt und am Donnerstag schliesslich bekannt wird, dass der grosse Hoffnungsträger das erste Einzel bestreiten wird.

Gross ist aber auch die Ernüchterung, als Federer nach Wawrinkas Auftaktsieg gegen Jo-Wilfried Tsonga gegen Gaël Monfils sang- und klanglos in drei Sätzen untergeht. Wieder Fragen über Fragen: Ist Federer doch noch nicht fit? Wer soll jetzt das Doppel spielen? Ist er wenigstens im zweiten Einzel konkurrenzfähig?

Geheimplan mit Wawrinka als Schlüssel

Die Schweizer lassen sich nicht beirren. Hinter den Kulissen verfolgt das Team um den Baselbieter längst einen Geheimplan. Ziel ist, dass sich Federer Schritt für Schritt an die nötige Form herantasten kann. Die Niederlage im Einzel nimmt man zur Kenntnis, sie ist aber kein Weltuntergang. Behutsam versucht man zu evaluieren, wie man die Gratwanderung zwischen Erholung und Matchvorbereitung am besten bewältigt.

Zum Geheimplan gehört auch, möglichst wenig Informationen nach aussen zu tragen. Als ein Journalist bei der Auslosung fragt, ob er sich fit spritzen lässt, entgegnet Federer salopp: «Wenn ich das tun würde, würde ich es Ihnen nicht sagen.»

Wawrinka ist nach Federers klarer Niederlage gegen Monfils sofort da, um dem «Maestro» frischen Mut zuzusprechen.
Wawrinka ist nach Federers klarer Niederlage gegen Monfils sofort da, um dem «Maestro» frischen Mut zuzusprechen.
Bild: Daniela Frutiger/feshfocus

Ein wichtiges Puzzle-Teilchen ist auch Stan Wawrinka. Ohne seine starken Leistungen und seine positive Ausstrahlung hätte der Geheimplan nie und nimmer aufgehen können. Der Romand steckt das ärgerliche Aus an den World Tour Finals und den Knatsch mit Mirka wie ein Profi weg und fokussiert sich sofort aufs Wesentliche.

Nach Federers Pleite gegen Monfils ist er der erste, der den Teamleader tröstet. Später im Hotel bei der Besprechung mit Captain Severin Lüthi sagen sich die beiden: «Komm, lass es uns im Doppel miteinander versuchen.» Wawrinka spielt dann gegen Julien Benneteau/Richard Gasquet, das Bronze-Duo der Olympischen Spiele 2012 in London, gross auf und zieht den noch unsicheren Federer mit. Die Schweizer gewinnen in drei Sätzen und haben eine Hand an der Salatschüssel.

Früh am Limit – trotzdem triumphiert

Es ist dieses Doppel, das Federers Selbstvertrauen endgültig zurückbringt. Gegen Richard Gasquet tritt er im dritten Einzel wieder mit der Leichtigkeit auf, die man von ihm gewohnt ist. Dass er schon «sehr früh am Limit» läuft, wie Captain Lüthi nach der Partie zugibt, lässt er sich nicht anmerken. Nicht einmal zwei Stunden dauert das Feuerwerk, mit dem der «Maestro» den siegbringenden dritten Punkt einfährt. 

Federer mit dem noch fehlenden Pokal für seinen proppevollen Trophäenschrank.
Federer mit dem noch fehlenden Pokal für seinen proppevollen Trophäenschrank.
Bild: AFP

Happy End! Mit Tränen in den Augen fällt Federer nach der Partie in die Arme seiner Kollegen. Wenig später hält er wie Wawrinka, Lüthi, Marco Chiudinelli und Michael Lammer eine Mini-Ausgabe der «hässlichsten Salatschüssel der Welt» in der Hand. Es ist neben Olympia-Gold im Einzel der letzte grosse Titel, der in seinem Palmarès noch gefehlt hat.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Unvergessen

«Who is the beeest? Better than the reeest?» – Federer rockt beim Davis Cup das Festzelt

20. September 2009: Roger Federer sichert der Schweiz im Davis Cup gegen Italiens Potito Starace den Liga-Erhalt und feiert danach ausgelassen im Festzelt. Dabei tritt Erstaunliches zu Tage: Der Tennis-Maestro kann singen – und zwar ganz gut.

Das Schweizer Davis-Cup-Team trifft am Wochenende vom 18. bis 20. September in Genua auf Italien. Gegen die Südeuropäer geht es für die Schweizer im Abstiegs-Playoff mal wieder um den Verbleib in der Weltgruppe.

Die ersten beiden Einzelpartien können Stan Wawrinka und Roger Federer locker in drei Sätzen für sich entscheiden. Im Doppel vom Samstag wird das Duo Marco Chiudinelli/Wawrinka von Simone Bolelli und Potito Starace jedoch regelrecht vom Platz gefegt.

Die Entscheidung muss also am Sonntag …

Artikel lesen
Link zum Artikel