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Luganos Alessio Bertaggia, rechts, feiert mit Teamkollegen einen Treffer beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem Geneve-Servette HC am Samstag, 12. Dezember 2015, in der Resega Halle in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

In der Resega wird wieder gejubelt: Das 7:2 gegen Servette am Wochenende war Luganos sechster Sieg in Folge.
Bild: TI-PRESS

Dieser Trainerwechsel hat sich mal gelohnt: Lugano in zwei Monaten vom letzten Platz auf Rang 4

Der grosse HC Lugano das Schlusslicht der NLA – das war Mitte Oktober. 55 Tage sind seit dem Absturz auf den letzten Tabellenplatz vergangen. Trainer Patrick Fischer wurde entlassen und seither rollen die Tessiner das Feld von hinten auf.



«Wir müssen vorwärts schauen», ist eine der beliebtesten Nonsens-Aussagen von Athleten, Trainern, Sportchefs und Präsidenten. Auf einer Wanderung ist es jedoch angebracht, zwischendurch kurz zu rasten und hinunter zu blicken auf die zurückgelegte Wegstrecke.

Die Wandergruppe «Grande Lugano» befindet sich gerade im Aufstieg. Bei einem Salami und einem Schluck Roten stellen die Wanderfreunde aus dem Südtessin fest: Es ging zügig aufwärts.

Bild

Die Reise mit «Wanderleiter» Shedden startet für den HC Lugano im Tal.
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Nach einer 0:5-Klatsche bei Meister Davos taumelt der HC Lugano auf den letzten Tabellenplatz. Nach 33 langen Jahren ist das einstige «Grande Lugano» erstmals wieder das Schlusslicht der National League A. Das überlebt der Trainer nicht: Patrick Fischer wird entlassen, obwohl sein Vertrag vor Saisonbeginn noch bis 2018 verlängert worden war.

Mit Shedden geht's aufwärts

Der Klub könne nach gründlicher Analyse des Saisonverlaufs kein Vertrauen mehr in den Trainer setzen, um die angestrebten Saisonziele zu erreichen, heisst es. Lange bleibt Patrick Fischer nicht arbeitslos: Anfangs Dezember wird er, nur sechs Wochen später, zum neuen Schweizer Nationaltrainer ernannt.

Aufwärts geht's in dieser Zeit auch mit Lugano. Mit Doug Shedden hat ein neuer «Wanderleiter» übernommen. Einer, der offensichtlich weiss, wo der Gipfel ist. Denn in den 16 Partien seit der Entlassung Fischers klettert der HCL höher und höher.

Über Stock und Stein – Lugano wandert auf dem Weg an die Spitze durch die halbe Schweiz.
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In Fribourg geschieht gerade das exakte Gegenteil

Wer in den beiden Tabellen nicht nur auf Lugano geachtet hat, dem fällt besonders der HC Fribourg-Gottéron auf. Während sich Lugano auf einer Gipfeltour befindet, sind die Fribourger auf einer rasanten Talfahrt. Nach einem glorreichen Saisonstart, der (einmal mehr) Erinnerungen an das Russen-Duo Bykow/Chomutow weckte, läuft gar nichts mehr. Fribourg hat in der Zeitspanne seit Luganos Trainerwechsel weniger Punkte geholt (15) als Lugano, bevor es Fischer entliess (16).

Um dem Trainer in der Krise den Rücken zu stärken, verlängerte Gottéron den Vertrag mit Gerd Zenhäusern demonstrativ vorzeitig bis 2018. Gebracht hat's nicht viel, Fribourg verliert weiter. Im Herbst vor einem Jahr verlängerte Gottéron ohne Not vorzeitig mit Trainer Hans Kossmann, um ihn dann wenige Wochen später zu feuern. Wiederholt sich die Geschichte?

L'entraineur fribourgeois Gerd Zenhaeusern montre sa deception lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League A, entre le Lausanne HC et HC Fribourg-Gotteron, ce mardi 1er decembre 2015 a la patinoire de Malley a Lausanne. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Mit acht Siegen startete Fribourg in die Saison, doch längst plagen Trainer Zenhäusern grosse Sorgen.
Bild: KEYSTONE

La dolce vita im Tessin

Natürlich liegt es nicht immer nur am Trainer, ob es einem Team läuft oder nicht. Aber gerade im Fall des HC Lugano scheint dies gut möglich zu sein. Fischers Nachfolger Doug Shedden gilt als «Vulkan», der seine Spieler heiss machen, sie gut motivieren kann. watson-Eismeister Klaus Zaugg schrieb über ihn einmal: «Er ist ein bisschen Hanspeter Latour, ein bisschen Marco Schällibaum, ein bisschen Arno Del Curto.»

Das Hauptproblem im Südtessin ist, dass Lugano zeigen will, was es hat. Also werden nicht primär Spieler gekauft, die in das System passen. Lieber leistet man sich Stars und hofft, dass diese Showtruppe spektakulär und erfolgreich spielt. Die Spieler geniessen ein angenehmes Leben: Lugano bezahlt mit die höchsten Löhne, die Sonne scheint, das Essen schmeckt, das schöne Mailand ist nah.

14.11.2015; Fribourg; Eishockey NLA - HC Fribourg-Gotteron - HC Lugano; Trainer Doug Shedden (Lugano)  (Christian Pfander/freshfocus)

Shedden treibt den Lugano-Stars den Schlendrian aus.
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Aber letztmals wurde 2006 eine Playoff-Serie gewonnen. Das ist der Preis für «la dolce vita» am Luganersee. Doug Shedden hat, zumindest macht es den Anschein, die Wohlfühl-Kultur fürs erste aus der Resega vertreiben können. Die fürstlich bezahlten Stars ziehen wieder am gleichen Strick. Seit der Entlassung Fischers hat der HC Lugano 35 Punkte geholt, kein anderes Team der NLA war in dieser Zeitspanne erfolgreicher.

Nun blicken Shedden und seine Mitwanderer also zurück auf den steilen Aufstieg, den sie in kurzer Zeit geschafft haben. Sie dürfen das mit Genugtuung machen. Aber auch im Bewusstsein, dass der Gipfel noch lange nicht erreicht ist. Und im Wissen darum, dass es schnell auch wieder in die andere Richtung gehen kann, wenn man im unwegsamen Gelände strauchelt oder ausrutscht. Sollten die Luganesi dies vergessen, müssen sie nur kurz bei den Wanderkollegen aus Fribourg nachfragen.

Alle Schweizer Meister seit Einführung der Play-offs 1985/86

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sloping 14.12.2015 21:14
    Highlight Highlight Auf watson, ansonsten primär in den Artikeln von Klaus Zaugg, wird immer wieder die Behauptung aufgestellt, dass der HC Lugano die höchsten Löhne bezahlt. Gibt es dafür zuverlässige Quellen? Woher stammen diese Informationen? Es mag aus meiner Sicht im Einzelfall wie bei Brunner oder früher Nummelin korrekt sein, aber ich zweifle an der generellen Aussagekraft. Die seriöse NZZ beziffert die Löhne von Klasen, Filpula und Pettersson auf je 500'000. Das sind branchenübliche Löhne, welche die anderen Topvereine für ihre Söldner mindestens auch bezahlen.
  • Schreiberling 14.12.2015 12:01
    Highlight Highlight Wundbar sachliche Analyse, vielen Dank dafür. Es zeigt einmal mehr, dass es ein Unding ist, mit dem Trainer frühzeitig für mehrere Jahre zu verlängern (Die Ausnahme dürfte wohl Arno Del Curto bleiben).

    Zenhäusern hat wohl "Glück" dass Fribourg vor starken finanziellen Schwierigkeiten steht. Sie werden sich es nur schwer leisten können, ihn vorzeitig zu entlassen.
    • Schreiberling 14.12.2015 12:38
      Highlight Highlight Huch, wunderbar wollte ich schreiben, nicht wundbar. Es soll hier ja niemand verwundet werden ^^
    • Raleku 16.12.2015 13:56
      Highlight Highlight Arno verlängert sein Vertrag immer nur um eine Saison bei Davos. Bleibt zwar immer aber hat keinen Mehrjahresvertrag.
    • Schreiberling 16.12.2015 14:07
      Highlight Highlight @Heksi: Ja mittlerweile hat auch er nur kurzzeitige Verträge. Aber bei ihm würde sich wohl wenig ändern, ob jetzt der Vertrag bis Ende Saison läuft oder bis 2020.
  • Gigi,Gigi 14.12.2015 11:44
    Highlight Highlight Gerade noch mal Glück gehabt mit der Formulierung "kein anderes Team der NLA war in dieser Zeitspanne erfolgreicher". Hat doch der HCD hat genau gleich viele Punkte in dieser Zeit geholt wie Lugano. Zudem spielte der HCD in diesen Wochen auch noch international gross auf. So gesehen ist der HCD noch erfolgreicher.
    Muass jo amol gsait werde. Und Maister werdends au no. Arosa macht jo nonit wiader würklich mit;)
    • Ralf Meile 14.12.2015 12:01
      Highlight Highlight Was heisst hier «Glück gehabt»? Mit zweistelligen Zahlen kann ich gerade noch rechnen ;-)

      Aber ja, Davos spielt natürlich auch sehr überzeugend, vor allem auch international.
    • zhgr1989 14.12.2015 12:59
      Highlight Highlight Tatsächlich hat der HCD in 14 Spielen 35 Punkte geholt, während der HCL 16 Spiele brauchte... nur so, damit das auch noch richtig gestellt wurde ;)

So sieht der neue Gästesektor in Fribourg aus (es ist ein «Käfig»)

Im Schweizer Eishockey gibt es derzeit ein heiss diskutiertes Thema: Gästesektoren in neuen Stadien. Der mit 200 Plätzen sehr klein ausgefallene Gästesektor im neuen Stadion des Lausanne HC sorgte bei den Fans für Kopfschütteln. Nun hat auch Fribourg erstmals sein (zur Hälfte) neu renoviertes Stadion präsentiert.

Und auch in der Saanestadt wirkt der Sektor für die Gäste nicht gerade einladend. Glas auf allen vier Seiten und dicke schwarze Streben lassen ihn wie einen Käfig aussehen. Immerhin: …

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