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epa07594539 Sven Andrighetto of Switzerland celebrates his goal with teammates during the IIHF World Championship quarter final ice hockey match between Canada and Switzerland at the Steel Arena in Kosice, Slovakia, 23 May 2019.  EPA/MARTIN DIVISEK

Dieses Bild wird es 2020 nicht geben: Andrighetto feiert einen WM-Treffer für die Schweiz. Bild: EPA

«Ein sehr lehrreiches Jahr» – Andrighetto blickt auf seine erste KHL-Saison zurück

Sven Andrighetto blickt auf eine durchzogene erste Saison in der KHL zurück. In der Corona-Krise sieht der Eishockey-Nationalstürmer auch Positives.

Sascha Fey / Keystone-SDA



Eigentlich hätte Sven Andrighetto in der übernächsten Woche mit dem Nationalteam in die WM-Vorbereitung starten wollen. Stattdessen ist er nun in Denver, wo er zusammen mit seiner Verlobten im Haus deren Eltern wohnt.

Von Moskau aus war es für ihn noch möglich, in die USA zu fliegen, da Russland nicht zum Schengen-Raum gehört. Er hatte dies zuvor mit der Botschaft abgeklärt. «Im Moment ist es am besten hier», sagte Andrighetto. Im Keller steht ihm ein Kraftraum zur Verfügung, ansonsten hält er sich mit Radfahren, Joggen oder Rollerbladen fit.

Andrighetto und seine Freundin planten, diesen Sommer zu heiraten. Ob es klappt, ist noch offen.

Harsche Kritik vom Klub-Boss

Für Andrighetto gab es kein abruptes Saisonende aufgrund der Coronavirus-Pandemie. Vielmehr schied er mit Awangard Omsk bereits in der ersten Playoff-Runde aus. Das war für den Verein nach dem Finaleinzug im Jahr zuvor ein herber Dämpfer.

Als einer der Sündenböcke für das Scheitern musste der Zürcher Oberländer herhalten. Klub-Präsident Maxim Suschinski kritisierte ihn harsch: «Er konnte sich nicht zum Leader spielen, selbst wenn er im Training Wunder vollbrachte. Wir setzten wirklich sehr auf ihn, doch wir kriegten nicht jenen Sven, den wir bei den Weltmeisterschaften sahen, der in der NHL spielte.»

Andrighetto reagierte sehr professionell auf die Kritik: «Nach einer solch riesigen Enttäuschung ist es logisch, dass als erstes die Ausländer angeschaut werden. Diese müssen als Leistungsträger hinstehen, wenn es nicht läuft, das ist mir bewusst. Mit dem muss man umgehen können.» Auch er selber hatte sich persönlich und mit dem Team mehr erhofft – in 62 Partien verzeichnete er 13 Tore und 16 Assists.

Und so schreibt man Sven Andrighetto auf kyrillisch.

«Ich brauchte Zeit»

Zwar war Andrighetto ohne grosse Erwartungen nach Russland gereist, allerdings hatte er mit einem technisch besseren Eishockey gerechnet, wie das die Sbornaja jeweils zelebriert. Die Realität war aber mehrheitlich eine andere: harte Arbeit und defensive Ausrichtung statt Kunst. «Es gibt nicht viele schöne Partien mit einem schönen Zusammenspiel», sagte Andrighetto. «Ich brauchte Zeit, um mich anzupassen.»

Headcoach der Mannschaft ist Bob Hartley, der die ZSC Lions 2012 zum Meistertitel geführt hat. «Die Trainings waren sehr hart und lang. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, lässt es dich wissen, wenn du einen Fehler machst», so Andrighetto. Der 59-jährige Kanadier ist ein Trainer der alten Schule. Ausserdem legt er grossen Wert auf Details, beispielsweise wie man den eigenen Stock braucht. «Vor allem im defensiven Spiel konnte ich mich sehr verbessern. Es war ein sehr lehrreiches Jahr, auch neben dem Eis», erklärte Andrighetto.

2020 kann Andrighetto den Schweden keinen Puck ins Osternest legen.

Hochzeit im Juni, falls das Coronavirus es zulässt

Weil im Stadion in Omsk im August 2018 Risse im Fundament entdeckt worden sind, spielt die Mannschaft seither eine halbe Stunde ausserhalb von Moskau. Andrighetto lebte mit seiner Verlobten in der russischen Hauptstadt. «Es gefiel uns sehr. Moskau ist eine super Stadt.»

Allerdings hatte der 27-jährige Zürcher Oberländer etwas mehr Englisch erwartet. «Russisch ist eine sehr schwierige Sprache. Ich lernte ein paar einfache Wörter, ein Gespräch mit jemandem kann ich jedoch nicht führen.» Eine App half diesbezüglich. Das Reisen bezeichnete er im Vergleich zur NHL als «nicht so gemütlich. Es war aber kein Problem».

Die Turteltauben am Moskauer Weihnachtsmarkt.

Andrighetto besitzt bei Awangard Omsk noch einen bis 2021 gültigen Vertrag. Diesen will er erfüllen – «ausser sie sagen etwas anderes». Zuerst einmal steht aber ein anderer wichtiger Termin an, plant er doch im Juni in den USA zu heiraten. Diese gilt es noch vorzubereiten, falls sie dann tatsächlich stattfinden kann. «Wir nehmen es Tag für Tag. Im schlimmsten Fall verschieben wir sie», sagte Andrighetto.

Angst bereitet ihm die Coronavirus-Krise nicht, er hat aber Respekt davor: «Alles passiert aus einem Grund. Ich versuche, immer das Gute zu sehen. Normalerweise sind alle Leute im Stress und haben Pläne, nun haben wir viel Zeit, die wir gut nutzen können. Vielleicht schätzt man nun Dinge mehr, die man für garantiert genommen hat. Das Ganze hat sicher auch Gutes.»

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Coffey 03.04.2020 08:30
    Highlight Highlight Omsk spielt die Heimspiele in der Nähe von Moskau?? Man stelle sich vor, der SCB würde seine Heimspiele in Luleå austragen...
    • eye love two hockey 03.04.2020 09:37
      Highlight Highlight In der alten Spielstätte in Omsk wurden Risse im Fundament entdeckt, weshalb der Club umziehen musste.
    • Coffey 03.04.2020 11:59
      Highlight Highlight Ja, ist schon klar, steht ja im Artikel. Es geht um die Distanz und die Frage, ob es denn nicht ein bisschen näher ein Ersatzstadion hätte. Omsk-Moskau sind 2700 km.
    • eye love two hockey 03.04.2020 13:41
      Highlight Highlight Ja, es hat Ersatzstadien, die wesentlich näher gelegen sind. Der Club hat diese jedoch abgelehnt und sich für Moskau entschieden.
  • Amboss 03.04.2020 07:00
    Highlight Highlight Spannender Artikel. Find ich super, dass er es bei Omsk gewagt hat.
    Für unser Hockey ist es ein riesen Gewinn, wenn es Spieler gibt die noch anderswo als in NLA oder NHL spielen.
    Jetzt hoffen wir mal, nächste Saison läuft es besser für ihn

    Aber das ist schon witzig, dass Omsk seine Heimspiele im 2200 km entfernten Balaschicha bei Moskau austrägt.
    Gab es da wirklich keine andere Lösung? Und noch witziger, dass die da (zumindest in den Playoffs) über 5000 Zuschauer hatten :)

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