Senegals Fussballverband betont nach «Witz des Jahrhunderts»: «Der Pokal bleibt hier»
Der Final war skandalös. Das juristische Nachspiel knüpft nahtlos daran an. Senegal ist den Titel los, stattdessen ist Marokko der Afrika-Cup-Sieger 2026.
Mit diesem Entscheid des afrikanischen Fussballverbands (CAF) ist der senegalesische Verband (FSF) – wenig überraschend – nicht einverstanden. Er kündigte rechtliche Schritte an. Ziel ist es, dass der Internationale Sportgerichtshof (CAS) mit Sitz in Lausanne den CAF-Entscheid wieder aufhebt.
FSF-Generalsekretär Abdoulaye Sow sprach im senegalesischen Fernsehen von schwerwiegenden Unregelmässigkeiten im Verfahren und von Amtsmissbrauch. «Was heute Morgen passiert ist: Wir wurden zu einer Anhörung per Videokonferenz einberufen. Jede Partei hat ihre Argumente vorgebracht. Und die Plädoyers sollten mit unserem Anwalt beginnen», schilderte Sow. «Aber man liess uns zwei Stunden lang warten. Gegen 13 Uhr, als die Videokonferenz noch lief, erhielten wir um 13.30 Uhr zu unserer grossen Überraschung eine schriftliche Mitteilung, dass die Sitzung beendet sei, ohne dass die Plädoyers überhaupt stattgefunden hatten.»
«Das Recht ist auf Senegals Seite»
Von da an hätten die Funktionäre das Gefühl gehabt, dass sich etwas zusammenbraue. «Um 21.30 Uhr erhielten wir schliesslich die Mitteilung über diese skandalöse Entscheidung.»
Für Sow ist der Fall klar: «Es war klar, dass der Nigerianer einen Auftrag zu erfüllen hatte.» Gemeint war der nigerianische Richter Roli Daibo Harriman, der Vorsitzende der Berufungskommission des CAF. «Der afrikanische Fussballverband ist korrupt», prangerte Sow an.
Der FSF-Generalsekretär betonte, man werde nicht zurückweichen: «Das Recht ist auf der Seite Senegals.» Man werde deshalb alle Hebel in Bewegung setzen, um die vollständige Aufhebung des CAF-Entscheids zu erreichen. «Senegal hat den Sieg vor Augen. Der Pokal wird das Land nicht verlassen.»
Spieler fühlen sich verschaukelt
In die gleiche Kerbe schlug Senegals Verteidiger Moussa Niakhate. Auf Instagram wandte er sich an die Funktionäre: «Kommt und holt euch Pokal und Medaille! Die sind doch verrückt!»
Zahlreiche weitere Nationalspieler äusserten sich ähnlich. Sie posteten Bilder von sich mit dem Pokal, lachende Smileys und andere Botschaften, bei denen klar wurde, für wie unverständlich sie den CAF-Entscheid halten.
Turbulenter Final
Der afrikanische Fussballverband hatte am Dienstagabend Senegal den Gewinn des Afrika-Cups aberkannt und Finalverlierer Marokko mit einem 3:0-Forfaitsieg zum neuen Sieger bestimmt. Begründet wurde der Entscheid damit, dass mehrere senegalesische Spieler unerlaubt noch vor dem Schlusspfiff das Feld verlassen hatten.
Sie taten dies nach einem aus ihrer Sicht skandalösen Penaltypfiff. Erst nach einem längeren Unterbruch konnte die Partie fortgeführt werden. Marokkos Brahim Diaz scheiterte mit einem Panenka-Penalty, es kam zur Verlängerung und Senegal gewann den Final mit 1:0.
Der Final des Afrika-Cups 2026 war ein Fussballspiel für die Geschichtsbücher. Und ist eines, das auch zwei Monate nach dem Abpfiff nicht beendet ist.
