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ZSC: Wie Grönborg die Zürcher wieder zum Titelkandidaten formte

Zuerichs Topscorer Garrett Roe, links, jubelt mit Pius Suter nach dem 5:1 Tor im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano am Dienstag, 12. November 2019, im Zuercher ...
Die ZSC Lions jubeln wieder regelmässig.Bild: KEYSTONE

Was Grönborg anders macht als Del Curto und wie er den ZSC damit zum Titelkandidaten formt

14.11.2019, 14:2214.11.2019, 17:41

Die ZSC Lions sind eineinhalb Jahre nach ihrem letzten Meistertitel wieder die Messlatte in der National League. Acht Punkte beträgt der Vorsprung des dominanten Leaders auf den ersten Verfolger Biel.

In der als ausgeglichen geltenden Liga sind die ZSC Lions der Konkurrenz entrückt. Mit einem Torverhältnis von 74:49 stellen sie die beste Offensive und mit die beste Defensive im Vergleich zu den Teams mit ebenfalls 20 Meisterschaftsspielen.

Herausragend ist zudem das Powerplay (29,23 Prozent Erfolgsquote). In der Skorerliste sind die ZSC Lions in den ersten elf Positionen gleich mit fünf Spielern vertreten. Neben Liga-Topskorer Garrett Roe sind das Pius Suter (4.), Simon Bodenmann (5.), Maxim Noreau (10.) und Fredrik Pettersson (11.).

Die Zürcher sind unter dem zweifachen schwedischen Weltmeister-Trainer Rikard Grönborg wieder zu einem homogenen Team zusammengewachsen. Aus den Zauderern der letzten Saison sind abgebrühte Opportunisten und Vollstrecker geworden.

Zuerichs Trainer Rikard Groenborg im Cup 1/8-Final Eishockeyspiel zwischen dem ZSC Lions und Genf Servette, am Sonntag, 20. Oktober 2019, im Hallenstadion in Zuerich. (KEYSTONE/Melanie Duchene)..
Rikard Grönborg hat die Lions zu einem Spitzenteam geformt.Bild: KEYSTONE

Ein zweites aufeinanderfolgendes Verpassen der Playoffs scheint angesichts der aktuellen Verfassung schon Mitte November ausgeschlossen. Die zu Saisonbeginn noch gezeigte Auswärtsschwäche ist längst behoben.

Der in der Vorsaison masslos enttäuschende Qualifikations-Neunte spielt ein dynamisches und gradliniges Eishockey. Der Gegner wird unter Druck gesetzt und zu Fehlern verleitet. Der mit Speed, Raffinesse und hoher Effizienz herausgespielte 7:2-Heimsieg vom Dienstag gegen Lugano steht exemplarisch dafür. «Wenn man als Verteidiger immer unter Druck ist, ist man kaum fähig, einen guten Pass zu spielen. Das kann ich als Abwehrspieler gut beurteilen», sagt ZSC-Captain Patrick Geering.

Trainer Grönborg verteilt die Eiszeit bis zum Finish auf vier Blöcke. Dadurch vermögen die Zürcher mit Fortdauer des Spiels noch zuzulegen. Für Geering hat der neue ZSC-Trainer Grönborg eine «gute, ruhige Ausstrahlung, eine Mega-Ruhe. Das hilft uns. Wir geraten nicht in Panik, wenn es nicht läuft. Wir bleiben auch bei Rückständen geduldig und verlassen nicht unsere Linie.»

Zuerichs Simon Bodenmann, links, trifft zum 7:2 Tor gegen Luganos Torhueter Stefan Mueller, rechts, im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem HC Lugano am Dienstag, 12. Nove ...
Simon Bodenmann konnte gegen Lugano glänzen.Bild: KEYSTONE
«Del Curto gab einem permanent ein Feedback. Grönborg bleibt ruhig.»
Simon Bodenmann

Der Adaption folgt jeweils die Reaktion. «Gegen Lugano war die Kaltblütigkeit hoch», sagt Bodenmann, der seinen dritten Hattrick in der National League zum Kantersieg gegen die Tessiner beisteuerte. Je einen hatte er als Spieler von Kloten und von Bern erzielt. Beim 6:5-Sieg der Berner in Zug im Dezember 2015 waren ihm sogar vier Tore gelungen.

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Ansage statt Dauer-Feedback

Zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte Bodenmann, dass sich Grönborgs Coaching zu jenem seines Vorgängers Arno Del Curto fundamental unterscheide. «Del Curto gab einem permanent ein Feedback. Grönborg bleibt ruhig. Er macht dann aber jeweils in der Garderobe eine sehr klare Ansage. Danach weiss jeder, was er zu tun hat.» Auch in den Spezialsituationen sind die Zürcher deshalb top. Gegen Lugano führten beide Powerplays zu Toren, die 83 Sekunden dauernde Phase in doppelter Unterzahl beim Stande von 2:1 im Startdrittel überstanden die Lions unbeschadet.

Die Powerplay-Quoten der National League
1. ZSC 29,23%
2. Davos, 25 %
3. Genf, 23,94%
4. Biel, 22,06%
5. Rapperswil, 20.97%
6. Lugano, 20.69%
7. Ambri, 20%
8. Bern, 19,30%
9. Lausanne, 18,46%
10. Zug, 17,95%
11. Fribourg, 15,52%
12. Langnau, 13,33%

Bodenmann ist mit elf Toren in der laufenden Meisterschaft nur noch drei Treffer von seinem Qualifikations-Wert der Vorsaison entfernt. Bodenmann und Captain Geering, der ungemein agile Abwehrchef, sind zwei von rund einem halben Dutzend Nationalteam-Kandidaten der ZSC mit Blick auf die Heim-WM von 2020 in Zürich und Lausanne. «Nachdem ich letzte Saison wegen einer Hirnerschütterung die WM-Vorbereitung nicht habe mitmachen können, werde ich alles daran setzen, vor eigenem Publikum in Zürich dabei zu sein», sagte Geering. Es dürfte ihn ein knallharter und enger Kampf um die wenigen Plätze erwarten.

Le Topscorer zuerichois Robert Nilsson lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League A (LNA) entre le Lausanne HC et le ZSC Lions, ce samedi, 14 janvier 2017, a la  ...
Die Zukunft von Robert Nilsson ist ungewiss.Bild: PPR

Im Gegensatz zu Geering wird es für Robert Nilsson nach dessen letzter Hirnerschütterung kaum ein Zurück aufs Eis geben. Dem seit Januar 2018 an den Folgen dieser Verletzung laborierenden Stürmer droht eine ungewisse Zukunft. Aktuell ist an ein Training auf dem Level eines Leistungssportlers nach wie vor nicht zu denken, heisst es aus Klubkreisen. Der Vertrag von Nilsson, der während Jahren ein wertvoller Kreativ-Spieler im ZSC-Ensemble war und einen beträchtlichen Anteil am Gewinn des Meistertitels 2014 hatte, läuft am Ende der Saison aus. (zap/sda)

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