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Tigers Head Coach, Heinz Ehlers, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Samstag 22. Februar 2020 im Ilfisstadion in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Heinz Ehlers steht in seinen letzten Spielen als Tigers-Coach vor einer schwierigen Aufgabe. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

«Heinz der Pächter» in seiner besten Rolle bei den SCL Tigers

Die SCL Tigers feuern Chris DiDomenico fristlos. Um die schwindende Autorität des Trainers zu retten. Ein Klassiker der Weltliteratur, aber auf rutschiger Unterlage und mit ungewissem Ausgang.



Eigentlich ist alles ganz einfach. Es gibt eine goldene Regel für den Sportchef. Wer sie einhält, lebt in Frieden: ein Problem erkennen und lösen, bevor es grösser wird.

Ein Sportchef ist dafür bezahlt (und nur dafür), sich um seine Mannschaft zu kümmern. Da dürfte man eigentlich erwarten, dass er heraufziehende Konflikte erkennt und rechtzeitig entschärft.

Langnaus Sportchef Marco Bayer hat das Problem Chris DiDomenico nicht rechtzeitig bemerkt. Er hat es durch ungeschicktes Verhalten noch vergrössert. Nun stand es wie ein Elefant in der Kabine der SCL Tigers. Es blieb ihm keine andere Wahl, als den Kanadier fristlos zu feuern.

Langnaus Chris DiDomenico, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League zwischen dem HC Davos und den SCL Tigers, am Freitag, 21. Februar 2020, im Eisstadion in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Ein Bild, das man so nicht wieder sehen wird: Chris DiDomenico im Tigers-Dress. Bild: KEYSTONE

Die SCL Tigers verlieren ihren charismatischsten Spieler und ihren zweitbesten Skorer für die wohl heikelste Phase seit dem Wiederaufstieg von 2015. Sie können ihn nicht ersetzen.

Es passt nicht mehr mit Ehlers

Was ist passiert? Chris DiDomenico hat am Donnerstag im Training den Aufstand gegen Heinz Ehlers gewagt. Was genau die Worte und Gesten waren, ist nicht zweifelsfrei überliefert. Aber alle sind sich einig: Ein Trainer, der sich das bieten lässt, hat jede Autorität verloren.

Offiziell liest sich die ganze Geschichte in einer offiziellen Medienmitteilung so:

«Für die bevorstehende entscheidende Phase der Meisterschaft werden von der Mannschaft sowie jedem einzelnen Spieler volle Konzentration und Einsatzbereitschaft erwartet. Es ist unabdingbar, dass sich alle ohne Einschränkungen den Zielsetzungen der SCL Tigers unterordnen. DiDomenico signalisierte in letzter Zeit vermehrt eine andere Einstellung. Deshalb sind die Verantwortlichen zum Schluss gekommen, die Zusammenarbeit mit dem Kanadier per sofort aufzulösen.

‹Die Entscheidung zur sofortigen Trennung war nicht leicht – wir sehen aber nach einer internen Analyse keine andere Lösung als diesen Schritt zu gehen›, sagt Sportchef Marco Bayer und ergänzt, ‹jetzt müssen alle am gleichen Strick ziehen›. Die SCL Tigers danken Chris herzlich für seinen grossen Einsatz bei den Tigers und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute.»

Der Trainer wird trotz Abgang gestärkt

Marco Bayer setzt mit der Entlassung von Chris DiDomenico ein Zeichen und stützt einen Trainer, dessen Autorität bereits bröckelt: Heinz Ehlers hat ja schon Mitte Januar mitgeteilt, dass er per Ende Saison gehen wird. Trotz weiterlaufendem Vertrag.

Tigers Sportchef Marco Bayer vor dem Meisterschaftsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und den SC Rapperswil-Jona Lakers, am Freitag 21. September 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Sportchef Marco Bayer musste seinem Trainer den Rücken stärken. Bild: KEYSTONE

Die sofortige Vertragsauflösung mit Chris DiDomenico ist ein richtiger und populärer Entscheid des umstrittenen Sportchefs, der ihm am Stammtisch viel Lob einbringen wird. Und letztlich doch nur die Folge seines Versagens ist.

Das ganze Theater mahnt an einen Klassiker der Weltliteratur: «Ueli der Pächter.» In einer Szene der wunderbaren Verfilmung von Franz Schnyder scheucht der Besitzer des Hofes einen faulen Knecht aus dem Bett, wirft die Schuhe die Treppe hinunter und jagt ihn davon. So wird die Autorität des Pächters (Ueli) wiederhergestellt.

Die Rolle des Pächters, der seine Dienstboten nicht mehr im Griff hat, spielt im aktuellen Theater der SCL Tiger Heinz Ehlers. «Heinz der Pächter». Nun, da der aufmüpfige Knecht vom Hof verbannt ist, müsste es mit ihm und seinen SCL Tigers aufwärts gehen wie damals mit dem tüchtigen Ueli auf der «Glungge».

Tigers' Head coach Heinz Ehlers looks the game, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Geneve-Servette HC and SCL Tigers, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Tuesday, February 18, 2020. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Wird viel Stoff zum Nachdenken haben: Heinz Ehlers. Bild: KEYSTONE

Eine Lücke, die nicht zu füllen ist

Der Unterschied zu den SCL Tigers: Damals war es kein Problem, neue, tüchtige Knechte zu finden. Melken, die Pferde striegeln, aus Kartoffeln Schnaps brennen, dreschen und vierspännig fahren konnte damals im Emmental fast jeder.

Aber Chris DiDomenico kann nicht ersetzt werden. Tore schiessen und vorbereiten in Zeiten der Krise können heute im Tal der zornigen Winde nur ganz wenige.

«Heinz der Pächter» ist noch lange nicht aus dem Schneider. Zur Inspiration sei ihm empfohlen, in diesen Tagen ohne Spiele doch einmal die «Glungge» zu besichtigen. Das Bauernhaus aus dem Film steht am Fusse der Wynigen-Berge. Gar nicht weit von Langnau. Auf der Strasse von Burgdorf nach Langenthal kurz hinter Wynigen rechts abbiegen.

Und er wird feststellen: Die Zeiten haben sich geändert. Die Emmentaler und die Hockeystars hingegen nicht.

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    Alle Leser-Kommentare
  • hanibal79 08.03.2020 09:11
    Highlight Highlight Ich finde diesen Entschied in Ordnung. Langnau hat noch 5 Ausländer. Im Kampf gegen den Abstieg braucht es Ruhe und Besonnenheit und keine Spieler, die in einem ohnehin schon angespanntem Umfeld noch Unruhe in den Club bringen.
  • dä u nid der anger 07.03.2020 03:08
    Highlight Highlight Zitat KZ:ein Problem erkennen und lösen, bevor es grösser wird.
    das ist schon richtig, aber nicht ganz so einfach, zumal es ein Problem ist das der Sportchef erstens selber kreiert hat und zweitens, wohl in der Hoffnung es werde sich von selber Lösen,über zu lange Zeit einfach Ignoriert hat.
    Einen Spieler wie DiDo nach seiner trotzkopfaktion mit der NHL nochmals unter Vertrag zu nehmen da er sonst bei einem anderen CH Klub gegen Langnau spielen würde ist schon arg bedenklich.
    Hört einfach auf in Langnau irgendwelche Spieler zum Messias zu erklären de chunts scho guet
  • ironmike 06.03.2020 23:29
    Highlight Highlight man gewinnt ja bekanntlich als Mannschaft Spiele nur selten individuell ausser man heiss Crosby oder Ovechkin. der richtige Schritt, wenn Langnau defensiv gut steht wird man sich ohne Probleme retten, dank der Pause können diverse Spieler (Pesonen, Maxwell) Ihre Batterien wieder aufladen.
  • Toddyboy 06.03.2020 20:04
    Highlight Highlight Ist doch schön... die Tigerlis unterhalten den schweizer Hockeyfan auch in Corona-Zeiten... und verlieren dabei immer mehr das Gesicht.
  • Theophilus Carter 06.03.2020 18:51
    Highlight Highlight Wer oder was DiDo ist wüsste die ganze NLA schon längst.

    Jetzt wissen es die Langnauer schon zum zweiten Mal.

    Und auf wundersame Weise werden es die Freiburger auf nächste Saison kurzzeitig vergessen.
  • Antiklaus 06.03.2020 18:11
    Highlight Highlight Endlich wieder einmal ein Artikel über Langnau:))))
  • Tim-titig 06.03.2020 18:01
    Highlight Highlight Wenn wir ganz ehrlich sind, ist es schon so, dass Dido den Tigers zwar viel gebracht hat diese Saison, aber unter dem Strich gesehen, genau so verantwortlich ist für das Scheitern heuer. Was mich aber am meisten Ärgert ist, dass alle denn verfluchten Medien wegen immer positiv sein müssen um nicht Feuer entfachen zu wollen. (Sprich den Sportchef). Eigentlich kann er nicht viel dafür. Er muss denn Medien und Fans gerecht werden. Das ist in der ganzen verdammten verfluchten Welt so. Das ist der Hauptgrund am Scheitern. Alle wussten zum Voraus das es nicht gut kommt. Man steht nicht zu sich.
    • oneair 07.03.2020 06:54
      Highlight Highlight Danke Tim
      Endlich jemand der es auf den Punkt bringt.
      Und Zaugg Klaus - ich finde Deine ewigen emmentalischen Määrli Vergleiche langsam so daneben - und dazu kommt noch folgendes.
      Was genau haben Dir die Tigers (allen voran Marco Bayer) eigentlich getan, dass Du jeweils nie ein gutesHaar an ihnen lässt? Als ob der GM immer alles alleine entscheiden würde - Du bist soooo schlecht informiert, obwohl Du immer in den Katakomben der Ilfis rumschleichst - sorry, aber Journalisten wie Du sind eher mehr Schreiberlinge geworden, denn gute gute Journalisten - wirklich himmeltraurig was Du da bietest.
  • Steven Shank 06.03.2020 17:34
    Highlight Highlight Messi Dido für deinen Einsatz und deine Leidenschaft! Aber jetzt sage ich dir: Fu** off!
    Wer sich in einem Erwachsenensport immer wie öfter wie ein Moskito Junior benimmt soll sich davon scheren.
    Ein solches Verhalten ist eines Tigers unwürdig! Sein Gejammer und seine Showeinlagen nahmen leider zuletzt stetig zu. Seine unbestrittene Genialität liess er nur noch selten aufblitzen.
    Daher, bye bye und auf nimmer wieder sehen bei uns im Emmental. Habe fertig
    • Antiklaus 06.03.2020 18:13
      Highlight Highlight Ab und zu ein sehr gutes Spiel sind nicht genug. Aus neutraler Sicht Dido total überbewertet.
    • Ah-Jah 06.03.2020 20:54
      Highlight Highlight Was ist ein Moskito junior???
    • Mia_san_mia 07.03.2020 11:39
      Highlight Highlight Eines Tigers unwürdig?
    Weitere Antworten anzeigen
  • dechloisu 06.03.2020 15:45
    Highlight Highlight Wenn sie in den Playout Final kommen wird es doch noch einen kurzfristigen Trainerwechsel geben.
    Dies bringt das Team noch mehr aus der Fassung.

    Ganz zum Schluss wartet der Abstieg.
    Ein kleines Märchen am rand.

    Wie ich hörte (von Freunden eines Freundes 😉) sind sich die Klubbosse der NA sich ziemlich einig dass die Aufstockung auf 14 Mannschaften durchgeführt wird.

    Kloten und Visp gehen hoch.
    Das einzige was im Moment noch dagegen spricht, ist dass die Vereine ungern etwas vom TV Kuchen abgeben.

    wir werden sehen was kommt
    • Schlawiner 06.03.2020 15:59
      Highlight Highlight So ein Mist. Visp will nicht mal hoch.
    • Patrick59 06.03.2020 16:30
      Highlight Highlight ... ist es jetzt ein Märchen oder ein Gerücht? Kloten und Visp im A würde sicher Spannung versprechen. Meine Meinung: Die Meisterschaft beenden, ZSC als Meister ( man muss sich halt bis zum letztenSpiel einsetzen und nicht taktische Spielchen machen..) und im September bei Null wieder anfangen. ( Je nachdem wie sich das alles weiter entwickelt ) Das mag vielen Fans nicht passen, jeder wird mit der Klubbrille irgendwas dafür oder dagegen schreiben, aber es ist in meinen Augen die beste aller schlechtesten Ideen. Und verschieben, Geisterspiele verkürzte PO?
    • Bacchus75 06.03.2020 16:40
      Highlight Highlight Das wäre eine absolut Katastrophe für das Schweizer Eishockey. 14 Mannschaften sind zu viel und die NLB wird somit komplett zur einer Witzliga gemacht.

      Ich hoffe sehr dass dies nicht eintrifft. 12er Liga reicht, aber mit direktem Aufstieg/Abstieg ohne Ligaqualifikation.
    Weitere Antworten anzeigen
  • MikeT 06.03.2020 15:38
    Highlight Highlight Wo gibt's das denn? Bevor der Abstiegskampf richtig beginnt, steht der Abgang des Trainers schon fest. Ehlers sollte daher sofort freiwillig zurücktreten, nach den nächsten zwei Niederlagen wird er eh entlassen. Jetzt hätte man aber während der Unterbrechung der Saison Zeit, mit einem neuen Coach die Tiger neu aufzupäppeln. Dass DiDo weg muss ist unvermeidlich, ich wette aber, dass das nicht der letzte Eklat an der Ilfis bleibt. Good News für Ambri und Rappi...
    • Eifach öpis 06.03.2020 17:27
      Highlight Highlight Was bringt es einen Trainer einzustellen, wenn man nicht einmal weiss ob noch Spiele stattfinden? Momentan muss eher gespart werden, weil die Vereine diese Saison ein dickes Minus schreiben werden.
  • Couleur 06.03.2020 15:28
    Highlight Highlight Nach dem Krieg ist jeder Soldat ein General: Aber Dido hätte man beim Aufkommen des Vertragtheaters sofort frei stellen sollen. Eine Mannschaft, die Hockey arbeitet, verträgt keine Diven. Ich bin überzeugt, dass man so zumindest so viele Punkte gesammelt hätte, dass die Playouts gegen den Letzten kein Thema geworden wären.
  • Bruno Wüthrich 06.03.2020 15:26
    Highlight Highlight Vor einem halben Jahr hätte ich in der Causa DiDomenico dem Eismeister noch recht gegeben. Aber in der derzeitigen Verfassung muss Chris DiDomenico nicht ersetzt werden. Er legte sich zuletzt mit den gegnerischen Fans und dem Coach an, erbrachte an guten Tagen gerade mal noch eine mittelmässige Leistung und füllte auch seine Rolle als Leitwolf kaum mehr aus (zumindest für das Publikum nicht mehr sichtbar).
    In einer solchen Situation den Machtkampf mit dem Coach zu suchen, ist völlig kontraproduktiv, auch wenn der Abgang von Ehlers - wie auch jener von DiDo - längst feststeht.
    • Bärtiger 07.03.2020 11:05
      Highlight Highlight Amen.

Eismeister Zaugg

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