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Switzerland's Damien Brunner, bellow left, is congratued by his teammate Roman Josi, bellow right, and Kevin Romy (88), Simon Moser, back centre, and Yannick Weber, right, after scoring the 1:0 during the 2014 IIHF Ice Hockey World Championships preliminary round game Switzerland vs Germany, at the Minsk Arena, in Minsk, Belarus, Wednesday, May 14, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Bild: KEYSTONE

Zwischenzeugnis der Schweizer WM-Spieler

Eismeister Zaugg

Nur Josi und Brunner erfüllen die Erwartungen – Cunti und Ambühl fallen ab

Die Einzelbewertung unserer WM-Helden erklärt die bisher enttäuschenden Resultate. Keine Maximalnote, zu viel lediglich Durchschnitt und viel zu viele mit ungenügender Note. 



Nur zwei Spieler erzielen auch auf diesem Niveau in jeder Situation offensive Wirkung: Roman Josi und Damien Brunner. Roman Josi ist dabei der Einzige, der so dominant auftritt, dass er zu jedem Zeitpunkt mit einem Spielzug den Lauf der Dinge zu verändern vermag. Roman Josi und Damien Brunner spielen beide in der NHL und beide erfüllen bei dieser WM die Erwartungen.

Das Problem ist nicht das Fehlen weiterer Spieler mit der offensiven Wirkung von Roman Josi und Damien Brunner. Das Problem der Mannschaft ist die fehlende defensive Stabilität und die fehlende Konstanz. Die Schweizer sind nicht dazu in der Lage, konstant das Niveau über eine ganze Spielzeit zu halten. Immer wieder führen Fehler dazu, dass alle aus dem Tritt geraten.

Switzerland's Kevin Fiala controls the puck, during the 2014 IIHF Ice Hockey World Championships preliminary round game Switzerland vs Belarus, at the Minsk Arena, in Minsk, Belarus, Monday, May 12, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Der erst 17-jährige Kevin Fiala gehört in Minsk bislang zu den besten Schweizern. Bild: KEYSTONE

Nur ein einziger Spieler (Kevin Fiala) hat nach vier Partien eine Plus-Bilanz! Diese Problematik zeigt sich in der Einzelbeurteilung: Nur 13 Spieler haben eine gute oder eine genügende Note. Wenn mehr als ein Drittel der für die WM nominierten Spieler als ungenügend taxiert werden müssen, dann wird es schwierig – aber nicht unmöglich – die Viertelfinals zu erreichen. 

Kein Schelm, wer deshalb die Frage stellt: Hat Sean Simpson nicht die richtigen Spieler aufgeboten? Die Antwort ist klar: Der Nationaltrainer hat nicht die falschen Spieler aufgeboten. Wir haben zwar inzwischen rund 50 Spieler, die gut genug sind, um bei einer WM mitzuspielen. Aber nur dann, wenn sie in Form sind. Einige Stars, die eine tragende Rolle spielen sollten, sind ausser Form. Beispielsweise Luca Cunti, Eric Blum, Simon Moser, Andres Ambühl. 

Es hätte für viele Positionen durchaus Alternativen gegeben – aber mit ebenso ungewissem Formstand. Oder wagt jemand zu behaupten, Julien Sprunger, Juraj Simec, Michael Liniger, Beat Gerber, Marc Reichert, John Gobbi, Inti Pestoni, Thibaut Monnet, Oliver Kamber, Samuel Walser, Tristan Scherwey, Anthony Huguenin, Patrik Bärtschi oder Daniel Steiner hätten bei dieser WM gerockt und gerollt? 

Switzerland's Roman Josi, 2nd left, celebrates his goal with teammates Raphael Diaz, left, Morris Trachsler, 3rd left, Julian Walker, 2nd right, and Matthias Bieber, right, after scored the 1:0, during the the Gold Medal game between Switzerland and Sweden at the IIHF 2013 Ice Hockey World Championships at the Globe Arena in Stockholm, Sweden, on Sunday, 19 May 2013. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Von den Silberhelden von Stockholm sind viele nicht dabei: So auch Raphael Diaz, Julian Walker oder Morris Trachsler. Bild: KEYSTONE

Die Absenz einiger WM-Silberhelden wie Martin Plüss, Simon Bodenmann, Nino Niederreiter, Ryan Gardner, Severin Blindenbacher, Martin Gerber, Julien Vauclair, Morris Trachsler, Matthias Bieber oder Philippe Furrer – sie sind verletzt, sagten ab – wirkt sich aus. 

Sean Simpson ist für sein WM-Aufgebot letztlich sogar zu loben. Mit Kevin Fiala, Reto Schäppi, Dominik Schlumpf und Thomas Rüfenacht hat er vier WM-Neulinge nominiert, die ihre Tauglichkeit auf höchstem Niveau bewiesen haben. Fiala, Schäppi und Schlumpf können nun auf Jahre hinaus Stammspieler und Leistungsträger bei der WM sein. 

Mit Thomas Rüfenacht hat Sean Simpson zudem SCB-Sportchef Sven Leuenberger einen grossen Gefallen getan. Leuenberger kaufte bei Lugano einen Mitläufer ein. Zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung war Rüfenacht noch nicht einmal Nationalspieler. Und nun hat Leuenberger einen WM-Stürmer bekommen. Thomas Rüfenacht ist die Rolex, die der SCB auf dem Transferwühltisch gefunden hat und für die er nur den Preis einer Swatch bezahlen musste. 

Die Einzelbewertung der Spieler

Notenschlüssel

6 = Weltklasse
5 = gutes WM-Niveau
4 = Mitläufer auf WM-Niveau
3 = auf WM-Niveau überfordert
2 = WM-Aufgebot war ein Irrtum
1 = Sportart wechseln

Note 5,5

Roman Josi (23, 186 cm/88 kg)
4 Spiele/0 Tore/3 Assists/0 Strafmin./-2/24:24 Min.

Der beste, charismatischste Einzelspieler. Am meisten Eiszeit, grösste Offensivwirkung. Kann mit einem Zug das Spiel ändern. Aber zu sehr auf sich alleine gestellt, kein Mitspieler auf seinem Niveau.

Note 5,5

Damien Brunner (28, 180 cm/85 kg)
4 Spiele/2 Tore/2 Assists/0 Strafmin./-2/16:27 Min.

Der beste Stürmer. Stark mit der Scheibe, schlau im Spiel, jede Aktion ist offensiv gefährlich. Hartnäckig und mutig im Zweikampf, generöser Einsatz, aber von der Postur her kein Brecher.

Note 5

Reto Schäppi (23, 194 cm/96 kg)
4 Spiele/1 Tor/0 Assists/4 Strafmin./-1/11:57 Min.

Neben Schlumpf und Rüfenacht die positive Überraschung. Ist so schnell und so kräftig und spielt so mutig und geradlinig, dass er auch auf diesem Niveau ein Powerstürmer sein kann.

14.05.2014; Minsk; Eishockey World Championship - Schweiz - Deutschland;
Reto Schaeppi (SUI) (Andy Mueller/freshfocus)

Reto Schäppi ist einer der Aktivposten im Schweizer Team. Bild: freshfocus

Note 5

Denis Hollenstein (24, 183 cm/88 kg)
4 Spiele/2 Tore/0 Assists/0 Strafmin./-2/14:07 Min. 

Neben Damien Brunner mit dem Puck der gefährlichste, wirkungsvollste Stürmer. Unverkennbar die schnellen Hände und Füsse seines Vaters und Trainers Felix Hollenstein. 

Note 5

Thomas Rüfenacht (29, 180 cm/85 kg)
4 Spiele/0 Tore/0 Assists/0 Strafmin./-1/12:51 Min.

Neben Schäppi und Schlumpf die positive Überraschung. Mutiger, taktisch verlässlicher Defensivstürmer mit tiefer Fehlerquote. Bei aller Bissigkeit und Emotionalität diszipliniert im Zweikampf.

Note 5

Kevin Fiala (17, 180 cm/85 kg)
4 Spiele/0 Tore/1 Assist/2 Strafmin./+1/11:24 Min.

Bestätigte sein Jahrhunderttalent nach den Junioren-WM-Turnieren (U18, U20) als Bub gegen Männer. Kreativ, genial, mutig. Starpotenzial für NHL oder KHL. Einziger Spieler mit Plus-Bilanz.

Note 4,5

Yannick Weber (25, 179 cm/89 kg)
4 Spiele/1 Tor/1 Assist/4 Strafmin./0/18:56 Min.

Kein charismatischer, dominierender Verteidigungsminister wie Roman Josi. Aber ein mutiger, fleissiger, verlässlicher, schneller Abwehrspieler. Härtester und präzisester Schuss.

Note 4,5

Dominik Schlumpf (24, 182 cm/79 kg)
4 Spiele/0 Tore/0 Assists/0 Strafmin./-2/17:42 Min.

Neben Rüfenacht und Schäppi die positive Überraschung. Sachliche, ruhige und verlässliche Spielweise, tiefe Fehlerquote. Die drei Junioren-Saisons in Nordamerika zahlen sich aus.

14.05.2014; Minsk; Eishockey World Championship - Schweiz - Deutschland;
Daniel Pietta (GER) gegen Dominik Schlumpf (SUI) (Andy Mueller/freshfocus)

Dominik Schlumpf spielt an seiner ersten WM bereits eine wichtige Rolle. Bild: freshfocus

Note 4,5

Kevin Romy (29, 182 cm/86 kg)
4 Spiele/1 Tor/1 Assist/2 Strafmin./-3/17:03 Min.

In der Rolle als 1. Center überfordert. Offensiv gute Wirkung. Aber physisch zu wenig dominant und defensiv zu wenig verlässlich um einen Block zusammenzuhalten. Verliert zu viele Anspiele. 

Note 4,5

Reto Berra (27, 194 cm/89 kg)
3 Spiele, 85 Schüsse, Abwehrquote 89,41 Prozent.

Er ist zwar nicht der charismatische, dominierende Torhüter wie bei der Silber-WM. Zu viele Abpraller. Aber im «Schicksalsspiel» gegen Deutschland hielt er in der entscheidenden Phase den Sieg fest. 

Note 4,5

Mathias Seger (36, 181 cm/86 kg)
4 Spiele/0 Tore/1 Assist/2 Strafmin./0/16:23 Min.

Hiesse er Meier, würde er die Note 3,5 kriegen. Aber wir verneigen uns vor dieser grossen Persönlichkeit (16. WM). Charisma grösser als spielerische Wirkung. Aber in wichtigen Phasen immer noch solid.

Note 4,5

Etienne Froidevaux (25, 181 cm/86 kg)
2 Spiele/1 Tor/0 Assists/0 Strafmin./0/9:17 Min.

Kam erst im Schlussdrittel des 3. Spiels gegen Weissrussland zum Zuge und buchte im zweiten Einsatz gleich das 3:2. Mutiger, flinker, spielstarker und erstaunlich robuster Center.

Note 4

Victor Stancescu (29, 181 cm/90 kg)
4 Spiele/0 Tore/0 Assists/2 Strafmin./-1/10.44 Min.

Verlässlicher, smarter und mutiger Defensivstürmer ohne offensiven Einfluss wie in der Liga. Aber defensiv auf diesem Niveau nicht überfordert. Hat die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt.

Note 3,5

Eric Blum (27, 178 cm/82 kg)
4 Spiele/0 Tore/0 Assists/0 Strafmin. /-4/19:48 Min.

Als stürmender Verteidiger ist er ins spielerische Niemandsland geraten: Defensiv zu wenig verlässlich, im Zweikampf überfordert aber auch zu wenig offensive Wirkung bei seinen Rushes. 

Switzerland's Eric Blum controls the puck, during the IIHF Ice Hockey World Championships preliminary round match Switzerland vs Canada at the Globe Arena in Stockholm, Sweden, on Sunday, 5 May 2013. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Eric Blum hat noch Potenzial nach oben. Bild: KEYSTONE

Note 3,5

Dean Kukan (20, 187 cm/96 kg)
4 Spiele/0 Tore/0 Assists/0 Strafmin./-1/08:00 Min.

Technisch und läuferisch guter und smarter Zweiwegverteidiger. Aber beim WM-Debut ist er ein bisschen mutlos, zu brav und gehemmt und so in allen Bereichen an die Grenzen gestossen.

Note 3,5

Simon Moser (25, 187 cm/95 kg)
4 Spiele/0 Tore/1 Assist/4 Strafmin./-2/17:48 Min.

Der Powerstürmer ist ausser Form: Seinem Spiel auf den Aussenbahnen fehlt die Wucht und die Geradlinigkeit und er erzielt viel zu wenig offensive Wirkung. Macht zu viele Fehler.

Note 3,5

Robin Grossmann (26, 180 cm/85 kg)
4 Spiele/0 Tore/0 Assists/6 Strafmin./-1/12:29 Min.

Die Rolle als Defensiv-Verteidiger spielt er zwar willig und engagiert. Aber auf diesem Niveau kommt er im Denken, Spielen und Laufen an seine Tempolimiten und macht zu viele Fehler.

Note 3,5

Reto Suri (25, 183 cm/84 kg)
4 Spiele/0 Tore/0 Assists/4 Strafmin./-1/15:41Min.

Bestnoten für die Fächer Fleiss, Wille und Engagement. Er läuft und läuft und läuft, aber das Spiel läuft an ihm vorbei und er erzielte bisher bei weitem nicht die Offensivwirkung von 2013 (5 Tore).

Note 3

Andres Ambühl (30, 176 cm/82 kg)
4 Spiele/0 Tore/0 Assists/2 Strafmin./-3/17:27 Min.

Nicht der wahre Ambühl. Ein Energiespieler ohne Energie und spielerisch zu wenig gut für die Centerrolle. Hat er sich von seiner Gehirnerschütterung während der Playoffs wirklich erholt? 

Note 3

Luca Cunti (24, 184 cm/85 kg)
4 Spiele/0 Tore/1 Assist/2 Strafmin./-2/14:48 Min.

Das offensive Talent zum 1. Center, aber nicht einmal genug Wirkung und Dominanz für die 4. Linie. Zweikampfscheues, lauffaules Genie mit zu spekulativer und zu riskanter Spielweise. 

12.05.2014; Minsk; Eishockey World Championship - Schweiz - Weissrussland;
Luca Cunti (SUI)  und Denis Hollenstein (SUI)  gegen Nikolai Stasenko (BLR) (Andy Mueller/freshfocus)

Luca Cunti spielt in der Nati leider nicht so stark wie bei den ZSC Lions. Bild: freshfocus

Note 3

Benjamin Plüss (25, 177 cm, 85 kg)
2 Spiele/0 Tore/0 Assists/0 Strafmin./-1/9:18 Min.

In der Liga ein dominierender Skorer. Aber auf diesem Niveau vom Tempo überfordert und deshalb zwischen Stuhl und Bank: Zu wenig gut als Offensivstürmer, vom Stil her aber kein Defensivarbeiter. 

Nicht beurteilt

Sven Bärtschi (21, 180 cm/83 kg)
1 Spiel/0 Tore/0 Assists/0 Strafmin./0/07:05 Min.

Schied bereits im ersten Spiel gegen Russland mit einer Rippenverletzung aus und flog nach Hause. Er hatte vielversprechende Ansätze gezeigt und wer weiss, welche Wirkung er hätte erzielen können.

Tim Ramholt (29, 186 cm/91 kg)
1 Spiel/0 Tore/0 Assists/0 Strafmin./-1/1:34 Min.

Kam gegen Deutschland zum WM-Debut und verschwand gleich wieder unter der Wolldecke weil er das 1:1 verursachte. Es bleibt offen, welche Rolle er auf diesem Niveau spielen könnte.

Leonardo Genoni (26, 180 cm/86 kg)
1 Spiel, 31 Schüsse, Abwehrquote 83,87 Prozent.

Kassierte bereits nach 13 Sekunden in der Startpartie gegen die Russen das erste Gegentor und fand dann nie mehr richtig ins Spiel. Eine Beurteilung nach nur einem Einsatz gegen das mit Abstand beste WM-Team wäre unfair.

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