Thierry Paterlini wie Heinz Ehlers – so gewinnt Langnau den … Spengler Cup
Am 2. März 1976 besiegt der SC Langnau den EHC Biel im letzten Spiel der Saison 6:3 (4:1, 1:0, 1:2) und holt seinen bis heute einzigen Titel. 50 Jahre nach diesem Triumph wird es wahrscheinlich zum Jubiläum keine Meisterfeier geben. Obwohl vom Modus her theoretisch natürlich alles möglich ist.
Aber einen Titelgewinn sollten wir 50 Jahre nach der Meisterfeier von 1976 nicht ausschliessen. Sie ist am letzten Tag im Jahr, am 31. Dezember 2026 durchaus möglich.
Die SCL Tigers haben erst Ambri auswärts 3:0 besiegt (mit Luca Boltshauser) und am nächsten Tag Biel im eigenen Tempel 4:0 (mit Robin Meyer). Sie haben zweimal nahezu perfekt gespielt. Mit der richtigen Balance zwischen Spiel und Arbeit. Robust, rumpelfest in der Defensive, zielstrebig, direkt und schnörkellos in der Offensive und im Powerplay mit maschineller Präzision (die Treffer zum 1:0 und 3:0). Die besten Langnauer seit den grossen Zeiten unter Heinz Ehlers (Rang 6 in der Qualifikation 2018/19).
Der aktuelle SCB-Trainer sollte sich eine Zusammenfassung der samstäglichen Partie Langnau gegen Biel zu Gemüte führen. Zur Aufhellung seiner Laune (nach dem 0:3 gegen Servette). Er würde anerkennend nicken: «Ja, so geht Hockey.»
Zwei Spiele hintereinander an zwei Tagen – je eines auswärts und eines auf eigenem Eis – ohne Gegentor sind den Langnauern letztmals am Donnerstag, dem 11., und am Freitag, dem 12. Januar 2018, unter Heinz Ehlers gelungen: 1:0 nach Penaltys in Lausanne (Lausanne traf auch bei den Penaltys nicht) und am nächsten Tag 4:0 gegen Lugano. Beide Male mit Damiano Ciaccio im Kasten.
Am Freitag, dem 19. Januar, folgte mit einem 1:0 gegen Kloten gar noch eine dritte Partie in Serie ohne Gegentor und Ivars Punnenovs (heute Lakers) als letztem Mann. Zwei Spiele in zwei Tagen ohne Gegentor mit zwei verschiedenen Goalies gab es hingegen in Langnau in der höchsten Liga in ihrer ganzen Geschichte (seit 1946) noch nie.
Bemerkenswert ist das defensiv reine und offensiv effiziente Wochenende (kein Gegentor in den zwei Partien) der Langnauer, weil sie nur mit vier Ausländern antreten konnten. Die Suche nach einem Ersatzausländer läuft zwar. Aber Sportchef Pascal Müller hat wenig Hoffnung:
Für ihn ist klar:
Ambri und Biel traten mit sechs ausländischen Arbeitnehmern an und waren doch chancenlos. Die Langnauer dominierten in Ambri (39:22 Torschüsse) und gegen Biel (29:21 Torschüsse). Überraschend ist vor allem der Sieg gegen die Bieler, die am Vortag Lugano in einem wahren Spektakel 3:1 vom Eis gefegt hatten. Womit wir wieder beim Spengler Cup sind.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Sportchef Martin Steinegger weiss schon, warum er Zugs Fabrice Herzog (wechselt auf nächste Saison zu den Lakers) gerne verpflichtet hätte: Die Bieler brauchen in ihrem Spiel dringend mehr «Schmirgelpapier». Sie zelebrieren wie kein anderes Team der Liga «Spengler-Cup-Hockey». Oder zumindest das, was Romantiker unter «Spengler-Cup-Hockey» verstehen: Spektakel ohne viel Struktur und taktische Zwänge. Das Resultat? Schön, wenn es für einen Sieg reicht, aber wichtiger ist eigentlich der hohe Unterhaltungswert. Ein Spiel der Bieler ist nie langweilig.
Lugano hatte in Biel den Fehler gemacht, ein wenig auf «Grande Lugano» zu machen. Also auf die reichlich vorhandenen spielerischen Qualitäten zu setzen und nicht zu rumpeln. Was den Bielern sehr behagte, und mit nahezu astreinem Tempo- und Laufspiel stürmten sie zu einem verdienten 3:1.
Gegen die taktisch brillanten, konzentrierten, rauen und kaltblütigen Langnauer waren sie mit ihrem Schillerfalter-Hockey hingegen chancenlos.
Die SCL Tigers werden beim Spengler Cup 2026 das zweite NL-Team neben Davos sein. OK-Präsident Marc Gianola sagt, man werde sich nun mit den Langnauern zusammensetzen. «Und dann werden wir sehen, ob wir einig werden … » Was kein Problem sein wird.
Natürlich gibt es Skeptiker, die dem Altjahrs-Spektakel mit Misstrauen begegnen – die Emmentaler sind nun mal ein wenig schwerblütig und machen selbst beim Jodeln die Faust im Hosensack. Aber das gehört zum Realismus. Das Management hat die Jahrhundertchance erkannt, die der Spengler Cup dem Klub und dem Emmental bietet: Letztmals hatte das Gotthelf-Land beim Eidgenössischen Schwingfest 2013 in Burgdorf eine so gute Gelegenheit zur landesweiten Eigenwerbung. Die Einladung zum Turnier wird richtigerweise als Anerkennung für die gute Arbeit der letzten Jahre gewertet.
Servette (2013, 2014), Ambri (2022) und Gottéron (2024) haben den Spengler Cup gewonnen. Es gibt keinen Grund, warum dieses Kunststück nicht auch den Langnauern gelingen kann. Erst recht mit dem taktischen Realismus der letzten zwei Spiele. Kommt dazu: Beim Spengler Cup können die SCL Tigers drei Verstärkungen verpflichten und werden sicherlich sechs Ausländer zur Verfügung haben.
Die Partie gegen Biel war also sozusagen eine erste Spengler-Cup-Kostprobe. So wird Langnau das Turnier gewinnen.
Der weitgereiste NHL- und KHL-Veteran (329 NHL-Partien/167 Punkte, 367 KHL-Spiele/291 Punkte) kennt die National League aus einem Kurz-Gastspiel bei Lugano (2 Spiele/1 Assist in der Saison 2019/20). Lausanne wird sein 12. Klub in den letzten 13 Jahren sein.
Ryan Spooner ist Lausannes Ausländer Nummer 8. Klar ist: Wenn Lausanne bei der aktuellen Marktlage einen Ausländer will, dann können die SCL Tigers nicht mitbieten …
