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Der SCB deklassiert die Tigers mit 8:1
Der SCB deklassiert die Tigers mit 8:1
Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Alles, was ein Berner braucht – und der Torhüter-Wahnsinn in Langnau

18.09.2021, 13:3118.09.2021, 19:50

Einst war ein rauschender Sieg gegen einen Titanen oder eine gewonnene Meisterschaft erforderlich, damit sich im Berner Hockey-Tempel alle von den Sitzen erhoben und applaudierten. Heute genügt schon ein Sieg über ein kleines Langnau ohne Torhüter. Die Zeiten haben sich geändert.

Nun reicht schon ein Sieg im September gegen ein klägliches Langnau für eine «Standing Ovation». Nach vier Niederlagen in Serie ist ein 8:1 gegen Langnau alles, was der Berner braucht. Titel sind schon lange nicht mehr erforderlich. Eine Analyse dieses Spiels erübrigt sich. Die letzte Wahrheit steht oben auf der Resultattafel: 8:1. Noch Fragen? Nein. Titel braucht es nicht mehr.

Aber die Langnauer kommen erst am 25. Februar 2022 wieder nach Bern. Bis dahin wird die wundersame Wirkung des freitäglichen Triumphes nicht anhalten. Oder ist es pure Bosheit, dieses 8:1 kleinzureden? Ist es unseriös, auf den Schwächen der Langnauer herumzureiten, statt die Auferstehung der Berner zu würdigen? Nein, ist es nicht.

Die Langnauer waren nur noch eine Karikatur ihrer selbst. Und zwar aus eigenem Verschulden.

Was wir in Bern gesehen haben, kann für die Emmentaler schliesslich und endlich im Frühjahr 2023 mit dem Abstieg enden. Es geht um die Torhüterfrage. Sekunden vor Ende des ersten Drittels gehen bei Langnau die Lichter aus. Der SCB führt zwar nur 2:1 und ist von den Emmentalern dominiert worden (13:15 Torschüsse). Der neutrale Beobachter denkt: Da ist noch alles drin.

SCB-Cheftrainer Johan Lundskog.
SCB-Cheftrainer Johan Lundskog.
Bild: keystone

Doch das Spiel ist für Langnau zu Ende. SCB-Topskorer Cory Conacher streckt Torhüter Ivars Punnenovs, den sie den Zerbrechlichen nennen, mit einem Check gegen den Kopf nieder. Das Spiel ist für den lettischen Nationalgoalie zu Ende. Er wird in der Kabine bleiben. Hätten die Berner auch seinen Ersatz Gianluca Zaetta (21) ausser Gefecht gesetzt, dann hätte Trainer Jason O’Leary einen Feldspieler ins Tor stellen müssen. Natürlich in einer Goalie-Ausrüstung.

Sportchef Marc Eichmann sagt: «Wir gehen davon aus, dass Ivars Punnenovs heute gegen die ZSC Lions nicht spielen kann.» Nach einer ersten Untersuchung könne man noch nicht sagen, ab die Ursache seiner Beschwerden eine Gehirnerschütterung oder eine Nackenverletzung sei. «Wir hoffen aber, dass er nicht für längere Zeit ausfallen wird.» Gegen die ZSC Lions muss heute noch einmal Gianluca Zaetta ins Tor und als Ersatz wird Tim Baumann (19) von den Elite-Junioren auf der Bank sitzen.

Berns Topskorer Cory Conacher ist mit zwei Minuten bestraft worden. Dabei bleibt es. Gegen den Kanadier wird kein Verfahren eröffnet. Ein Unfall, kein Foul. Auch weil er zuvor in seiner «Laufbahn» von Langnaus Stürmer Harri Pesonen irritiert worden sei. Das ist die Ansicht der Video-Richter. Langnaus Sportchef Marc Eichmann sagt: «Es war ein Check gegen den Kopf.» Wo er recht hat, da hat er recht. Er ist aber so klug, dass er sich eines weiteren Kommentars enthält. Wohl wissend, dass es gar nichts bringt, in dieser Sache eine Polemik zu entfachen. Es ist, wie es ist.

Langnau-Keeper Ivars Punnenovs musste sich auswechseln lassen.
Langnau-Keeper Ivars Punnenovs musste sich auswechseln lassen.
Bild: keystone

Ivars Punnenovs (27) kam 2015 von den Lakers nach Langnau. Er hat noch nie eine Saison ohne Verletzungen durchgespielt. Sein Stellvertreter Gianluca Zaetta ist nicht gut genug für die National League. Eine Partie zu Ende spielen, wenn die Nummer 1 ausfällt – das geht. Ein oder zwei Spiele – warum nicht? Aber alle wissen: Muss er ins Tor, reicht es nicht. Was natürlich niemand so sagt. Sollte Ivars Punnenovs entgegen den Erwartungen doch für eine längere Zeit ausfallen, wird sich Marc Eichmann um einen Ersatz bemühen. Kandidat Nummer 1 ist logischerweise HCD-Torhüter Robert Mayer (31). Bei ihm hat sich der Chronist einer Fehlinformation schuldig gemacht: Robert Mayer ist zwar tatsächlich aus Platzgründen in einer anderen Kabine untergebracht. Aber er darf natürlich in die HCD-Kabine. Asche über des Chronisten Haupt.

Die Torhüterfrage ist für Langnau sportlich existenziell. 2019 reichte es nur für die Playoffs, weil Damiano Ciaccio (32) ab Dezember 2018 den wieder einmal verletzten Ivars Punnenovs gleichwertig zu ersetzen vermochte. Dann lassen sich die Langnauer, trunken vom Ruhme der Playoff-Qualifikation, zum dümmsten Transfer ihrer Geschichte hinreissen: Nur um ein wenig Geld zu sparen, transferieren sie Damiano Ciaccio aus einem laufenden Vertrag heraus (!) nach Ambri und ersetzen ihn durch Gianluca Zaetta. Diese Torheit in der Torhüterfrage führte letzte Saison noch nicht zu Polemik: Die Resultate spielten ja keine Rolle. Keine Zuschauer, kein Abstieg.

Es gibt zwar auch im nächsten Frühjahr (2022) keinen Absteiger. Aber die Fans dürfen wieder ins Stadion. Nun gibt es kein Bundesgeld mehr für den Ausfall der Ticketeinnahmen. Nun ist Hockey auch in Langnau wieder Leistungssport. Kommt dazu: In einem Jahr (2023) wird es wieder eine Relegation. Wer jetzt den Zerfall der Leistungskultur hinnimmt, wird verloren sein und in der Swiss League enden.

Ohne guten Torhüter ist alles nichts

Ein guter Torhüter ist nicht alles. Aber ohne guten Torhüter ist alles nichts. Es ist nachgerade ein Wahnsinn, dass die Langnauer blindlings auf den mit Abstand zerbrechlichsten Goalie der Liga vertrauen und als einziges Team überhaupt keine echte Nummer 2 beschäftigen. Der in Winterthur in der Swiss League «parkierte» Damian Stettler (19) hat zwar die Langnauer letzte Saison zu einem wundersamen Sieg über Zug gehext. Aber auch er ist noch keine Nummer 2, die Ivars Punnenovs für mehrere Spiele entlasten könnte. Selbst Ajoie hat mit Viktor Östlund eine im Quadrat bessere Nummer 2.

Kommt dazu: Gerade weil Ivars Punnenovs so zerbrechlich ist – soeben hat er schon die 4. von 52 Partien vorzeitig beendet –, müsste er eine starke Nummer 2 neben sich haben. Damit er nicht alle Spiele bestreiten muss. Selbst ein Torhüter wie Leonardo Genoni, der alle Spiele aushalten würde, bekommt in Zug immer mal wieder eine Pause. Sein Ersatz Luca Hollenstein (21) wäre gut genug, um in Langnau die Nummer 1 zu sein.

Nun ist es so, dass die Langnauer einfach permanent Ivars Punnenovs einsetzen und hoffen, dass er nicht ausfällt. Obwohl sie ja wissen, dass er noch nie eine Saison durchgehalten hat. Obwohl eigentlich allen klar ist: Es ist nicht die Frage ob, sondern nur wann Ivars Punnenovs ausfallen wird. Wahrlich, wahrlich ein Wahnsinn. Diese permanente Unsicherheit auf der Goalie-Position kann die ganze Saison ruinieren und 2023 den Ligaerhalt kosten. Schon aus dieser Sicht der Dinge verbietet sich auch nur die Andeutung einer Polemik gegen SCB-Topskorer Cory Conacher. Wer kein Geld für eine Nummer 2 ausgeben mag, darf sich nicht beklagen, wenn die Nummer 1 ausfällt.

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