Schweiz
Crans-Montana

Diese Schweizer Bar wies den gleichen Mangel wie «Le Constellation» auf

Martin Baumann ist Geschäftsführer des «Eldorado» in Biel.
Martin Baumann ist Geschäftsführer des «Eldorado» in Biel.Bild: screenshot TeleBielingue

Diese Schweizer Bar wies den gleichen Mangel auf: «Ich habe alles abgerissen»

In Biel weist die Bar von Martin Baumann Ähnlichkeiten mit dem Nachtclub «Le Constellation» auf, in dem sich der Brand von Crans-Montana ereignete. Nach dem Drama ergriff er sofort Massnahmen.
05.01.2026, 21:3707.01.2026, 09:30

Eine schmale Treppe, die zu einem manchmal überfüllten Keller führt: Die Bar «Le Constellation», in der sich der schreckliche Brand in Crans-Montana an Silvester ereignete, weist viele Ähnlichkeiten mit zahlreichen Nachtlokalen in der Schweiz auf. Dies gilt insbesondere für das «Eldorado» in Biel, das über einen Konzertsaal im Untergeschoss verfügt.

Übersetzung

Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.

Gegenüber TeleBielingue, weiterverbreitet durch das Portal ajour.ch, offenbart dessen Chef Martin Baumann, dass die beiden Einrichtungen bis vor kurzem noch eine weitere Gemeinsamkeit hatten: einen besonders leicht entflammbaren Schallschutzschaum an der Decke. Genau der gleiche, der auch beim Drama in der Walliser Bar eine Rolle spielte.

Nachdem Martin Baumann das Material in Videos in den sozialen Netzwerken erkannt hatte, zögerte er nicht lange: «Ich habe sofort die Akustikplatten von der Decke gerissen», erzählt er dem Bieler Fernsehsender.

Und er fügt hinzu:

«Ich wollte keinen Tag länger unter diesem Material arbeiten.»

Der Pächter erklärt, dass er selbst die Brennbarkeit des Schaums überprüft habe: Im Garten habe er ein Stück Platte verbrannt, das «sofort Feuer gefangen» habe.

«Ich wäre verantwortlich gewesen»

Baumann versichert gegenüber TeleBielingue, dass er davon ausgegangen sei, dass es sich um «schwer entflammbares» Material handele, das über der Bar angebracht worden sei, um den Lärm zu reduzieren. Bei der letzten Kontrolle durch die lokalen Behörden im Jahr 2020 sei das Vorhandensein des Schaums übrigens nicht festgestellt worden.

Video: watson/Hanna Dedial

Der Bieler will sich damit jedoch nicht aus der Verantwortung nehmen: «Ich habe sie installiert. Ich wäre dafür verantwortlich gewesen», gesteht er.

Im Gegensatz zum «Constellation» war der Akustikschaum jedoch nur im Erdgeschoss des Eldorado vorhanden, nicht aber im Konzertsaal im Untergeschoss. Im Keller wurde die Decke mit «einem Akustikputz auf Basis von Zellulose, Klebstoff und Borsalz» beschichtet, erklärt Martin Baumann, wodurch sie schwer entflammbar ist.

Es wurden weitere Massnahmen getroffen, um ein Ausbrechen von Flammen in diesem Raum, der auf 50 Personen begrenzt ist, zu verhindern. So wurde die Bühne mit Sand aufgefüllt und der Vorhang aus feuerfestem Stoff gefertigt. Die Treppe, die zu diesem Raum führt, ist laut dem Betreiber breit genug, um im Falle einer Evakuierung genutzt werden zu können.

Das «Eldorado» verfügt ausserdem über einen Notausgang, und in diesem Jahr wird eine neue Kontrolle stattfinden. (jzs/hkl)

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114 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ein Schimpanse mit Schreibmaschine
05.01.2026 21:54registriert Januar 2018
Er hat gemerkt, dass er einen Fehler gemacht hat und hat reagiert. Das verdient Respekt. Bleibt zu hoffen, dass andere seinem Beispiel folgen.
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Captain Mumpitz
05.01.2026 21:53registriert März 2022
Nach dem Walliser Drama lautet die Devise wohl "lieber jetzt als gar nie".
Wenn diese Tragödie zu einem Umdenken führt, nach welchem die Sicherheit und das Wohlergehen von Angestellten und Besuchern wieder an erster Stelle vor Umsatz steht, dann hat das alles wenigstens etwas Gutes mit sich gebracht.
Zumindest so lange bis es wieder in Vergessenheit gerät oder der Geiz erneut gewinnt.
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Laborant
05.01.2026 22:08registriert November 2019
Kunststoffe altern, wobei Additive wie etwa Brandhemmer (oder bei anderen Kunststoffen häufig der Weichmacher, wem mal ein Kunststoffteil zerbröselte, kennts) aus dem Material diffundieren.
Es ist gut möglich dass das Material einmal schwer entflammbar war… aber das müsste von Zeit zu Zeit überprüft werden.
Mich wundert dass das nicht Teil der Kontrollen ist.
Es gibt aber auch Kunststoffe die von sich aus ohne flüchtige Additive schwer entflammbar sind - aber eben nicht PUR-Schaum.
Das war schon vor 20 Jahren ein Teil meiner Berufslehre.
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