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Russland-Kriegsblogger rechnen nach US-Einsatz in Venezuela mit Putin ab

«USA haben gezeigt, wie es geht»: Russlands Kriegsblogger rechnen mit Putin ab

Moskaus Diktatoren-Freunde werden im Ernstfall von Putin im Stich gelassen: Zu dieser bitteren Einsicht gelangen russische Kommentatoren nach Maduros Fall.
06.01.2026, 18:4806.01.2026, 18:48
Bojan Stula / ch media

Der Sturz des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro wird in Russland zunehmend als schwere strategische Niederlage Moskaus begriffen. Prorussische Militärblogger und Kommentatoren sprechen offen von einem gescheiterten Grossmachtanspruch – und davon, dass Russland derzeit zu schwach sei, selbst seinen engsten Verbündeten beistehen zu können.

Venezuelan President Nicolas Maduro, left, and Russian President Vladimir Putin attend a signing ceremony after their meeting at the Kremlin in Moscow, Russia, Wednesday, May 7, 2025, ahead of celebra ...
Erst im Mai 2025 unterschrieben Venezuelas Nicolás Maduro und Wladimir Putin im Kreml einen Unterstützungsvertrag.Bild: keystone

So rechnen prominente russische Stimmen mit der Aussenpolitik des Kremls ab. Der Publizist Maxim Kalaschnikow bezeichnet auf Telegram den Fall Maduros als «Zusammenbruch der PR-getriebenen Aussenpolitik der russischen Führung». Rund 20 Milliarden Dollar seien allein für Venezuelas «pseudo-sozialistisches Regime» in einem «schwarzen Loch» verschwunden, ohne Nutzen für Russlands wirtschaftliche Entwicklung oder strategische Interessen.

Vergleichbare Fehlinvestitionen habe es zuvor bereits in Syrien gegeben. «Lasst uns Marinestützpunkte in Syrien und Sudan schaffen, für die es keine Marine gibt», höhnt Kalaschnikow bezüglich der inzwischen lahmgelegten Flottenbasis im syrischen Tartus.

Gleichzeitig habe Moskau entscheidende Chancen verspielt: Statt sich auf seine Kernziele in der Ukraine zu konzentrieren, verpulverte Russland Ressourcen in fernen Regionen. Das Resultat sei ernüchternd: Odessa, Cherson und Mikolajew blieben unter ukrainischer Kontrolle, Transnistrien sei blockiert, Russlands Einfluss im Südkaukasus und in Zentralasien schwinde, während Finnland und Schweden der Nato beitreten konnten. Kalaschnikow spricht von einem «Herbst des Patriarchen» – eine kaum verhüllte Anspielung auf die schwindende Macht von Kremlherrscher Wladimir Putin.

Auch Blogger Alexander Kartawych urteilt hart. Das Maduro-Regime sei wirtschaftlich bankrott gewesen und nicht einmal in der Lage, eigene Sicherheitskräfte zu bezahlen. Russische Kredite und Investitionen für Caracas vergleicht er mit Geld, das man «einem Obdachlosen gibt in der Hoffnung, er zahle eines Tages alles zurück». Sein Fazit: Verluste abschreiben und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

«Assad kann froh sein, rechtzeitig geflohen zu sein»

Andere Kommentatoren sehen im Fall Maduro ebenso wenig ein isoliertes Ereignis. Der Blogger «Ghost of Novorossiya» verweist auf eine Kette geopolitischer Rückschläge: Ende 2024 der Sturz des Assad-Regimes in Syrien, im Sommer 2025 massive Schäden für Iran durch US-israelische Angriffe – nun Venezuela.

Der Westen gehe gezielt gegen schwache Verbündete Russlands vor, um Moskau und Peking zurückzudrängen, ohne eine direkte Grosskonfrontation zu riskieren. Ähnliche Szenarien seien künftig auch in Afrika denkbar. «Die Vereinigten Staaten haben der ganzen Welt ein konkretes Beispiel dafür gegeben, wie man gezielte Spezialoperationen für einen Regimewechsel durchführt», schreibt der «Geist» auf Telegram.

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Die Entführung von Nicolás Maduro versetzt nicht nur Russlands Militärblogger in helle Aufregung.Bild: keystone

Besonders schonungslos ist die Analyse der «Russischen Volksmiliz» (RND). Russland sei längst nicht mehr in der Lage, Partner in Lateinamerika, Afrika oder im Nahen Osten effektiv zu unterstützen. Mehr als diplomatische Proteste bei der UNO und das Abschreiben von Milliarden an «brüderlicher Hilfe» lägen nicht drin. Bitter kommentiert wird auch das Schicksal früherer Verbündeter: Ex-Syrien-Machthaber Baschar al-Assad sitze «heute in Moskau vor dem Fernseher» – und könne froh sein, «rechtzeitig geflohen» zu sein.

«Ein Unentschieden wäre schon ein Erfolg»

Zweifellos hat Maduros Fall vielen russischen Kriegsbloggern erstmals deutlich vor Augen geführt, «in welch schlechtem Zustand Russland wirklich ist», wie ein Analyst auf X zusammenfasst. Venezuela werde einhellig als strategische Niederlage Russlands gewertet. Nicht nur die Investitionen seien verloren – «die Zukunft Russlands steht auf dem Spiel». Verbündete wie Syrien, Iran und Venezuela gingen verlustig oder würden neutralisiert, ohne dass Moskau real gegensteuern könne.

Besonders bezeichnend dabei sei, dass Kommentatoren wie RND inzwischen selbst ein «Unentschieden» im Ukrainekrieg als Erfolg definieren: Russland müsse sich darauf konzentrieren, wenigstens ohne klare Niederlage aus dem Krieg zu kommen. Ziele wie Kiew, Charkiw oder Odessa seien nicht mehr realistisch. Deshalb setze der Kreml alles daran, zumindest den restlichen Donbas zu erobern – um damit eine Art «Teilsieg» oder wenigstens ein «Remis» zu inszenieren.

Bestimmt spiegeln diese ausgewählten Stimmen in den Sozialen Netzwerken nur einen Teil der aktuellen russischen Stimmungslage wider. Andere russische Blogger werfen den USA Doppelmoral vor und sehen durch Maduros Entführung den Angriffskrieg gegen die Ukraine als umso gerechtfertigter an. Dass Putins Diktatoren-Freunde im Ernstfall aber nicht mehr auf Hilfe aus dem Kreml rechnen können, müssen selbst die offiziellen Massenmedien eingestehen.

So stellt die «Moscow Times» in einem Leitartikel zerknirscht fest: «Wladimir Putin wusste, dass er (die US-Operation) «Absolute Resolve» nicht verhindern kann. Der immense Aufwand im Abnützungskrieg gegen die Ukraine verbietet den Einsatz von Ressourcen für weniger wichtige Schauplätze, was schon Syrien deutlich vor Augen geführt hat.» (aargauerzeitung.ch)

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67 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Kommissar Rizzo
06.01.2026 18:59registriert Mai 2021
Nun, RUS hat sich selbst und wird von anderen masslos überschätzt. Sage ich seit langem.

Massive Korruption, veraltete Strukturen und Strategien wie auch grenzenlose Ignoranz. Der ganze Krieg, der bald vier Jahre dauert, ist ein Fiasko. Wie sollten denn da globale Aktionen möglich sein, wenn man nicht mal mit angrenzenden Ländern fertig wird?
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bokl
06.01.2026 20:37registriert Februar 2014
Auch Armenien hat schlechte Erfahrungen mit Russland als Schutzmacht gemacht.
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Qendrim
06.01.2026 19:19registriert September 2023
Maduro wurde doch Verraten. Es gab überhaupt keine Gegenwehr durch das Militär usw.
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