Sport
Eismeister Zaugg

Spengler Cup: Gold für die Besten ist besser als Käse

Eismeister Zaugg

Ideen-Labor Spengler Cup – Gold für die Besten ist besser als Käse

Der Spengler Cup war immer auch ein Labor, in dem neue Ideen lange vor der Zeit umgesetzt worden sind, die heute zum Hockey-Alltag gehören. Beispielsweise vor exakt 40 Jahren die Idee, die besten Spieler beider Teams auszuzeichnen und mit einem kleinen Geschenk zu erfreuen.
26.12.2025, 14:2126.12.2025, 14:30

Alfred «Putz» Gfeller managt den Spengler Cup nicht nur als OK-Präsident von 1980 bis 1989. Er revolutioniert auch das Turnier in vielen Bereichen und macht den Spengler Cup fit für das heraufziehende Zeitalter der Kommerzialisierung. Er ist ein Pionier und seine Bedeutung für die Entwicklung des Spengler Cups wird gerne unterschätzt.

1984 holt er Team Canada ins Turnier und löst die Fixierung auf die sowjetische-tschechoslowakischen Gipfeltreffen, die das Hockey während des Kalten Krieges prägen. Team Canada ist zum Fixpunkt des Turniers geworden und hat eine nie geahnte Bedeutung und TV-Präsenz in Nordamerika ermöglicht.

1986 ändert er das Format: Nach einer Qualifikation (die seither immer wieder nach einem neuen Modus ausgetragen wird) folgt am 31. Dezember 12.00 der Final.

Seine originellste Neuerung hat er vor exakt 40 Jahren beim Spengler Cup 1985 eingeführt. Der Brauch ist heute von allen Klubs bis hinunter ins Amateur-Hockey und auch von allen anderen Teamsportarten übernommen worden: die Ehrung des besten Spielers beider Teams plus ein kleines Geschenk für beide. Inspiriert haben ihn die Kommunisten. Der bald 83-Jährige erinnert sich: «Ich habe eine solche Ehrung zum ersten Mal bei der WM 1985 in Prag gesehen und gleich für den Spengler Cup 1985 übernommen.»

Das waren noch Zeiten: Siegerehrung für Team Canada 1985. Von links nach rechts: Davos Landammann Luzi Schmid (mit Bart), in der Mitte Herr Spengler, Sponsor (Modehaus Spengler, das gibt es nicht mehr ...
Das waren noch Zeiten: Siegerehrung für Team Canada 1985. Von links nach rechts: Davos Landammann Luzi Schmid (mit Bart), in der Mitte Herr Spengler, Sponsor (Modehaus Spengler, das gibt es nicht mehr) und rechts Putz Gfeller.

Er überredet die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (SBG), die später in einer Fusion mit dem Schweizerischen Bankverein aufgehen und zur UBS wird, 20 Goldbarren à 10 Gramm zu stiften. «Diese Goldbärreli hatten 1985 einen Wert von 220 Franken.» Heute kosten 10 Gramm-Gold gut 1100 Franken. Es ist der erste Werbeauftritt des Geldhauses im Eishockey und die UBS ist heute noch einer der Hauptsponsoren des Turniers.

Aber was machten die besten der Teams aus der UdSSR oder der CSSR mit geschenktem Kapitalisten-Gold? Alfred Gfeller: «Die Sowjets und die Tschechoslowaken haben das gewonnene Gold sogleich auf bei der SBG-Filiale in Davos gegen Schweizer Franken getauscht. So hatten sie Geld, um im westlichen Konsumparadies einzukaufen.» Aber auch Vertreter der finnischen Teams haben aus Gold Geld gemacht und in hochprozentige Getränke investiert.

Spengler Cup: Bilder aus längst vergangenen Zeiten

1 / 15
Spengler Cup: Bilder aus längst vergangenen Zeiten
1966: Vor der schönen Bergkulisse verliert Davos (in den hellen Trikots) gegen Dukla Jihlava mit 1:10.
quelle: photopress-archiv / str
Auf Facebook teilenAuf X teilen

«Gold for the Best» heisst die Spielerehrung in den ersten Jahren und die Wahl erfolgt jeweils unkompliziert. Der damalige HCD-Präsident Gery Diethelm, Alfred Gfeller und ein oder zwei Chronisten einigen sich im Rahmen einer kleinen Stehkonferenz im Adlerhorst oben kurz vor Spielende auf den jeweils besten Spieler.

Heute gibt es kein Gold mehr

Jeder der Hauptsponsoren darf bei einem Spiel die besten Spieler ehren und die Preise übergeben. OK-Präsident Marc Gianola sagt, es seien kleine Geschenke, die eine neue Spielergeneration erfreuen. «Gewählt werden die besten Spieler von den Coaches.»

Aber die Preise für den jeweils Besten haben schon einen Mercedes unbrauchbar gemacht. Nicht beim Spengler Cup. Aber beim Spengler-Cup-Gast Gottéron.

Während der russischen Flugjahre mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow gewinnen die beiden Russen sehr häufig bei Heimspielen den Preis für den Besten. Während einer Saison ist das Präsent ein kleiner Laib Vacherin-Käse. Zu Gast ist bei einem Spiel auch René Fasel, der 1994 frisch gewählte Präsident des internationalen Eishockey-Verbandes IIHF. Slawa Bykow, wieder einmal zum Besten gewählt, schenkt den Käse René Fasel. Er habe schon so viele dieser Vacherins gewonnen, er wisse nicht mehr, was er damit tun solle.

René Fasel muss am nächsten Tag sehr früh wegfliegen. Er nimmt den Käse entgegen, wirft das Geschenk auf die hinteren Sitze und fährt gleich durch die Nacht nach Kloten, wo er das Auto beim Flughafen abstellt, übernachtet und für zehn Tage abreist.

Nach seiner Rückkehr ist der Mercedes nicht mehr zu gebrauchen. Der Vacherin-Gestank ist im Auto so penetrant und ist in alle Polster eingedrungen, dass es ein Versicherungsfall wird. Es ist halt doch wahr, was die alten Römer sagten: Gold beziehungsweise Geld stinkt nicht.

Hockey haut dich um!
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.

Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
TV24 Logo 3plus Logo
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 13
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
6 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6
«Heavy Metal» Searle im WM-Halbfinal – und Altmeister Anderson ebenso
Ryan Searle heisst der erste Halbfinal-Teilnehmer der Darts-WM 2026. Der Engländer stoppte mit Jonny Clayton die Weltnummer 5. Mit Gary Anderson zog ein Ex-Weltmeister nach.
Im Darts sind zwei Dinge besonders wichtig: hoch zu skoren und am Ende jedes Legs besonders präzise zu zielen, um die 501 Punkte auf 0 zu bringen. Bei Jonny Clayton stimmte einer dieser Punkte nicht, weshalb die WM im Alexandra Palace in London für ihn am Neujahrstag vorbei ist.
Zur Story