Ideen-Labor Spengler Cup – Gold für die Besten ist besser als Käse
Alfred «Putz» Gfeller managt den Spengler Cup nicht nur als OK-Präsident von 1980 bis 1989. Er revolutioniert auch das Turnier in vielen Bereichen und macht den Spengler Cup fit für das heraufziehende Zeitalter der Kommerzialisierung. Er ist ein Pionier und seine Bedeutung für die Entwicklung des Spengler Cups wird gerne unterschätzt.
1984 holt er Team Canada ins Turnier und löst die Fixierung auf die sowjetische-tschechoslowakischen Gipfeltreffen, die das Hockey während des Kalten Krieges prägen. Team Canada ist zum Fixpunkt des Turniers geworden und hat eine nie geahnte Bedeutung und TV-Präsenz in Nordamerika ermöglicht.
1986 ändert er das Format: Nach einer Qualifikation (die seither immer wieder nach einem neuen Modus ausgetragen wird) folgt am 31. Dezember 12.00 der Final.
Seine originellste Neuerung hat er vor exakt 40 Jahren beim Spengler Cup 1985 eingeführt. Der Brauch ist heute von allen Klubs bis hinunter ins Amateur-Hockey und auch von allen anderen Teamsportarten übernommen worden: die Ehrung des besten Spielers beider Teams plus ein kleines Geschenk für beide. Inspiriert haben ihn die Kommunisten. Der bald 83-Jährige erinnert sich: «Ich habe eine solche Ehrung zum ersten Mal bei der WM 1985 in Prag gesehen und gleich für den Spengler Cup 1985 übernommen.»
Er überredet die damalige Schweizerische Bankgesellschaft (SBG), die später in einer Fusion mit dem Schweizerischen Bankverein aufgehen und zur UBS wird, 20 Goldbarren à 10 Gramm zu stiften. «Diese Goldbärreli hatten 1985 einen Wert von 220 Franken.» Heute kosten 10 Gramm-Gold gut 1100 Franken. Es ist der erste Werbeauftritt des Geldhauses im Eishockey und die UBS ist heute noch einer der Hauptsponsoren des Turniers.
Aber was machten die besten der Teams aus der UdSSR oder der CSSR mit geschenktem Kapitalisten-Gold? Alfred Gfeller: «Die Sowjets und die Tschechoslowaken haben das gewonnene Gold sogleich auf bei der SBG-Filiale in Davos gegen Schweizer Franken getauscht. So hatten sie Geld, um im westlichen Konsumparadies einzukaufen.» Aber auch Vertreter der finnischen Teams haben aus Gold Geld gemacht und in hochprozentige Getränke investiert.
Spengler Cup: Bilder aus längst vergangenen Zeiten
«Gold for the Best» heisst die Spielerehrung in den ersten Jahren und die Wahl erfolgt jeweils unkompliziert. Der damalige HCD-Präsident Gery Diethelm, Alfred Gfeller und ein oder zwei Chronisten einigen sich im Rahmen einer kleinen Stehkonferenz im Adlerhorst oben kurz vor Spielende auf den jeweils besten Spieler.
Heute gibt es kein Gold mehr
Jeder der Hauptsponsoren darf bei einem Spiel die besten Spieler ehren und die Preise übergeben. OK-Präsident Marc Gianola sagt, es seien kleine Geschenke, die eine neue Spielergeneration erfreuen. «Gewählt werden die besten Spieler von den Coaches.»
Aber die Preise für den jeweils Besten haben schon einen Mercedes unbrauchbar gemacht. Nicht beim Spengler Cup. Aber beim Spengler-Cup-Gast Gottéron.
Während der russischen Flugjahre mit Slawa Bykow und Andrej Chomutow gewinnen die beiden Russen sehr häufig bei Heimspielen den Preis für den Besten. Während einer Saison ist das Präsent ein kleiner Laib Vacherin-Käse. Zu Gast ist bei einem Spiel auch René Fasel, der 1994 frisch gewählte Präsident des internationalen Eishockey-Verbandes IIHF. Slawa Bykow, wieder einmal zum Besten gewählt, schenkt den Käse René Fasel. Er habe schon so viele dieser Vacherins gewonnen, er wisse nicht mehr, was er damit tun solle.
René Fasel muss am nächsten Tag sehr früh wegfliegen. Er nimmt den Käse entgegen, wirft das Geschenk auf die hinteren Sitze und fährt gleich durch die Nacht nach Kloten, wo er das Auto beim Flughafen abstellt, übernachtet und für zehn Tage abreist.
Nach seiner Rückkehr ist der Mercedes nicht mehr zu gebrauchen. Der Vacherin-Gestank ist im Auto so penetrant und ist in alle Polster eingedrungen, dass es ein Versicherungsfall wird. Es ist halt doch wahr, was die alten Römer sagten: Gold beziehungsweise Geld stinkt nicht.
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