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***SPERRFRIST DI, 15.01.2019, 10:15 UHR*** DER SCHWEIZER HEIMATSCHUTZ ZEICHNET DIE STADT LANGENTHAL (BE) MIT DEM WAKKERPREIS 2019 AUS. DAZU STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Exterior shot of the municipal theatre of Langenthal, in the Canton of Bern, Switzerland, on September 17, 2018. Built between 1914 and 1916, the Langenthal municipal theatre figures in the inventory of buildings worthy of protection.  (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Aussenaufnahme des Stadttheaters Langenthal, am 17. September 2018 in Langenthal, Kanton Bern. Das in den Jahren 1914 bis 1916 erbaute Stadttheater Langenthal figuriert im Inventar schuetzenswerter Bauten. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Das Stadttheater in Langenthal: Eishockey ist hier nicht sonderlich beliebt. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Langenthal – eine Stadt will kein Hockey und die «Klubgeneräle» merken es nicht

Der SC Langenthal, Titelverteidiger in der Swiss League, hat an der Urne die schwerste Niederlage seit dem Wiederaufstieg von 2002 erlitten. Eishockey hat in Langenthal keine Zukunft mehr.



Zwei Ortschaften im Kanton Bern. Zwei Hockey-Geschichten auf zwei völlig verschiedenen Hockeywelten.

In Langnau, einer der finanziell schwächeren Gemeinden im Kanton Bern (rund 10'000 Einwohner) bewilligt das Stimmvolk im Sommer 2011 mit mehr als 70 Prozent Ja-Stimmen einen Kredit in der Höhe von 15 Millionen für die Sanierung des Stadions.

In Langenthal, einer der finanzstärksten Gemeinden im Kanton Bern (rund 16'000 Einwohner) hat es das Stimmvolk soeben abgelehnt, die Eismiete für den Nachwuchs des SC Langenthals im stadteigenen Stadion um 125'000 Franken zu senken (nur 45,43 Prozent Ja-Stimmen). Das Stadtparlament hatte grünes Licht gegeben, aber im Handumdrehen waren die notwendigen Unterschriften gesammelt, um das Geschäft vors Volk zu bringen.

In Langnau gab es eine überwältigende Mehrheit in schwierigsten Zeiten. Zuvor schon hatte damals das Gemeindeparlament einen zinslosen Kredit in der Höhe von 800'000 Franken bewilligt, um die SCL Tigers vor dem Konkurs zu bewahren.

ARCHIVBILD ZUM VERZICHT DES SC LANGENTHALS AUF DIE LIGAQUALIFIKATION, AM FREITAG, 5. APRIL 2019 - Langenthals Spieler den Swiss League Schweizer Meistertitel, nach dem vierten Playoff Finalspiel der Swiss League, zwischen dem SC Langenthal und dem HC La Chaux de Fonds, am Mittwoch 3. April 2019 auf der Eisbahn Schoren in Langenthal. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Trotz sportlichen Erfolgs will die Stadt Langenthal ihren Hockeyklub nicht unterstützen. Bild: KEYSTONE

In Langenthal gab es am Sonntag eine krachende politische Niederlage in Zeiten des allerhöchsten Ruhmes. Nie war der SC Langenthal besser als in den letzten zehn Jahren. Dreimal wurde die Meisterschaft der zweithöchsten Liga gewonnen (2012, 2017, 2019) und nie war der Nachwuchs besser. Er ist von der Liga mehrmals für hohe Qualität prämiert worden und einer (Sven Bärtschi) hat es aus dem Langenthaler Nachwuchs sogar bis in die NHL gebracht.

Wir sehen: Eishockey rockt in Langnau. Eishockey lahmt in Langenthal. Erstaunlicherweise hoffen Langenthals lokalpolitisch naive «Hockeygeneräle» immer noch auf ein neues Stadion. Wenn schon ein Support für den Nachwuchs vor dem Volk keine Gnade findet – wie soll dann die nächste Abstimmung über einen Planungskredit für ein neues Stadion und später über einen Zustupf aus der Steuerkasse für den Stadionbau gewonnen werden?

Der Grund für die Unterschiede zwischen Langnau und Langenthal ist einfach. In Langnau ist Eishockey (Klubgründung 1946) so wichtig, dass es sich kein Politiker leisten kann, gegen die SCL Tigers zu sein. Die SCL Tigers werden auch von den anderen Sportklubs im Dorf akzeptiert. In Langnau ist der Präsident des Hockeyclubs (Peter Jakob) eine Identifikationsfigur von allerhöchster Glaubwürdigkeit.

In Langenthal ist Eishockey (Klubgründung 1946) so unwichtig, dass sich jeder Politiker leisten kann, gegen Eishockey zu sein. Der SC Langenthal weckt bei den anderen Sportvereinen Neid und politisiert wird nach dem Motto: Alles, was für den SCL nicht bewilligt wird, kommt uns vielleicht zu Gute.

ARCHIVBILD ZU DEN MUTATIONEN BEI GC --- GC-Praesident Stephan Anliker, links, und CEO Manuel Huber, rechts, nach der Niederlage beim Fussballspiel der Super League Grasshopper Club Zuerich gegen den FC St. Gallen .im Stadion Letzigrund in Zuerich am Samstag, 14. April 2018. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Das Engagement bei GC hat Stephan Anlikers Stellung in Langenthal nicht gut getan. Bild: KEYSTONE

Eine gewisse lokalpolitische Naivität der Langenthaler Hockeymacher spielt ebenfalls eine Rolle. Der Schöpfer des erfolgreichen SC Langenthal ist der Architekt Stephan Anliker. Er hat zwar inzwischen das Präsidium seinem ehemaligen Geschäftsführer Gian Kämpf überlassen. Aber im Stimmvolk und an den Stammtischen ist der SC Langenthal Anlikers Hockeyfirma. Wenn nun der wichtigste Mann des lokalen Hockeys sein Geld auch in ein marodes Fussballunternehmen in Zürich investiert (Fussball-GC) so ist das sein gutes Recht. Aber will ich dann als Stimmbürgerin oder Stimmbürger Steuergelder für «seinen» Hockeyclub bewilligen? Damit er womöglich noch mehr Geld bei GC «verlochen» kann? Das ist natürlich völlig überzogen, unsachlich und polemisch. Aber so funktioniert lokale Politik. Ausser den Verantwortlichen des SC Langenthal haben das alle kapiert – vor allem die politischen Gegner des Langenthaler Hockeys.

2031 wird das Kultstadion im Schoren so oder so abgerissen. Der Baurechtsvertrag läuft aus und wird nicht mehr erneuert. Ohne neues Stadion gibt es also in Langenthal kein Profi-Eishockey mehr. Oder doch? Es gibt eine Lösung. Aber noch steht der «Dörfligeist» dieser kühnen Lösung im Wege.

15 Kilometer südlich von Langenthal – oder 20 Minuten mit dem Auto oder mit der Eisenbahn – steht in Schwarzenbach bei Huttwil eine Sportanlage mit Hockeystadion, die für ein Team der Swiss League geradezu perfekt wäre. Hier sind bereits Eishockey-Länderspiele ausgetragen worden.

Weg von der Stadionplanung unter städtischer Federführung und mit öffentlicher Finanzierung, hin zu privater Initiative. In Langnau ist ein privater Stadion-Investor für 15 Millionen Franken gefunden worden. Das müsste im ungleich reicheren, wirtschaftlich stärkeren Oberaargau eigentlich auch zu machen sein. Mit einer Investition von weniger als 10 Millionen lässt sich das bereits vorhandene Stadion auf allerhöchsten Standard für die Swiss League ausbauen. Langwierige Einspracheverfahren wie sie bei allen Stadionprojekten in Langenthal programmiert sind, gibt es hier nicht mehr. Abstimmungen, die in Langenthal nicht zu gewinnen sind, braucht es nicht.

Ja, der Besitzer dieser Anlage ist sogar an einem Verkauf interessiert. Mit einer Investition von rund 30 Millionen könnte hier ein Eisportzentrum mit nationaler Ausstrahlung und zwei Eisfeldern entstehen, ähnlich wie in Pruntrut (HC Ajoie). Mehr noch: Langnau, der SCB und Biel könnten hier neben dem SC Langenthal gemeinsam ein Farmteam betreiben. Ein kühnes Projekt, das privat finanziert werden müsste. Aber unmöglich gilt erst, wenn es nicht versucht worden ist.

Das Sportzentrum in Huttwil, aufgenommen am Samstag, 19. Dezember 2015. Am Dienstag informierten die kantonale Polizei- und Militaerdirektion und die Einwohnergemeinde Huttwil gemeinsam, dass im Sportzentrum ein Zentrum fuer bis zu 100 Asylsuchende entsteht. Vorgesehen ist es, um die Ankunft von unbegleiteten minderjaehrigen Asylsuchenden (UMA) besser zu strukturieren. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Das Sportzentrum Huttwil. Hat der SCL hier eine Zukunft? Bild: KEYSTONE

Alles denkbar, alles machbar, alles möglich und eine gewaltige Aufwertung des Eishockeys im Bernbiet. Ein Gegengewicht zur Hockey-Akademie in Zug. Und letztlich auch eine Aufwertung der Region Oberaargau, von der die Lokalpolitiker bei jeder passenden Gelegenheit fabulieren.

Wir leben in Zeiten der Globalisierung. Aber wenn die Globalisierung über die eigene Dorfgrenze hinausgeht, ist es damit bereits vorbei. Die Idee, das Heimstadion um 20 Kilometer zu verlegen, stösst bei den Verantwortlichen des SC Langenthals rundweg auf Ablehnung. Der Grundtenor: Es sei absolut undenkbar, dass dann noch Zuschauerinnen und Zuschauer kämen. Wir können es auch so sagen: Langenthal – eine Stadt will kein Hockey und die «Klubgeneräle» merken es nicht. Wollen es nicht wahrhaben.

Bereits jetzt mobilisiert der SC Langenthal als Titelverteidiger (!) pro Heimspiel im Schnitt bloss 2140 Fans und füllt die altersschwache Arena nicht einmal mehr zu 60 Prozent. Langenthal will halt kein Hockey. Weniger kämen bei einer Verlegung des Standortes wohl kaum. Viel eher wäre es eine Chance, den SC Langenthal auf eine breitere Basis («SC Oberaargau») zu stellen.

Das Stimmvolk mag in Langenthal nicht einmal 125'000 Franken für die Junioren bewilligen. Nach dieser politischen Niederlage ist klar, dass es in Langenthal auch kein neues Stadion geben wird.

Der SC Langenthal hat zwei Möglichkeiten: die Flucht nach vorne, den kühnen Wurf, den Wegzug aus der Stadt, die Hockey nicht haben will – oder der «Rückbau» des Hockeyunternehmens, der Abstieg bis hinunter in die 1. Liga.

In Langenthal sind mittelfristig nicht einmal mehr die infrastrukturellen Voraussetzungen für die MySports League gegeben.

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