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Le defenseur sierrois Goran Bezina, droite, et l'attaquant sierrois Eric Castonguay, gauche, montrent leur deception a la fin du premier tour de Coupe Suisse, Swiss Ice Hockey Cup, de hockey sur glace entre Lausanne HC, LHC, et HC Sierre ce mercredi 11 septembre 2019 a la patinoire du Graben a Sierre. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

HC Sierre beim Spiel am 11. September gegen Lausanne. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Walliser Derby - ein bisschen wie Ambri in moderner Verpackung

Visp verliert im neuen Tempel das Walliser Derby gegen Sierre 1:3 (1:0, 0:0, 0:3). Eigentlich müsste hier in fünf Jahren in der höchsten Liga gespielt werden.

Klaus zaugg, visp



Walliser Derby in Visp! Das erste Meisterschaftsspiel im neuen Tempel. Aber irgendetwas fehlt.

Ich erinnere mich noch an verschiedene Demütigungen der Berner Klubs in der alten Arena. An diese aufgeputschte Stimmung aus Brockenstube, Winzer-Fest und Kuhkämpfen, die einst auch die Gladiatoren auf dem Eis erhitzt hat.

Unvergessen, wie einst Bruno Aegerter, als er zwischen 2000 und 2005 noch Trainer und wild war, einmal wegen ungebührlichem Benehmen an der Bande von den Schiedsrichtern auf die Tribüne verbannt worden ist und von dort aus die parteiischen Unparteiischen mit Schreibwerkzeug beworfen hat.

Er war auch schon Trainer bei GC, in Italien, in Langnau, in Sierre und Scout für den HC Davos. Jetzt ist der «Alt-Rocker» unseres Hockeys 64 und altersmilde geworden und sitzt als Sportdirektor brav auf einem der modernen Kunststoffsitze. Von hier aus wäre es schwierig, mit dem Filzstift eines der Zebras unten auf dem Eis zu treffen. Er sieht aus wie Country Star Willie Nelson («On The Road Again») und personifiziert den Übertritt von Visp in die moderne, gesittete Hockeywelt.

Die Lonza-Arena könnte irgendwo stehen. In der kanadischen Weizenprovinz, in Finnland oder in Schweden. Sie ist modern. Viel Beton und Eisen ist verbaut worden.

Die Lonza-Arena.

Zum ersten Mal seit sieben Jahren ist Visp am Mittwoch auf eigenem Eis von Sierre in einem Meisterschaftsspiel herausgefordert worden. Nach der Pleite vor sechs Jahren hat Sierre in der 3. Liga wieder angefangen und ist zurück in die zweithöchste Spielklasse.

Von den 5000 Plätzen sind etwas mehr als 700 nicht besetzt. Aber das beeinträchtigt die Stimmung nicht im Geringsten. Das Publikum ist lauter und leidenschaftlicher als in jeder Arena der Deutschschweiz. Ein wenig wie Ambri in moderner Verpackung.

Das Derby ein Drama. Intensiv und rau. Visp rockt – und wird schliesslich im Schlussdrittel gerockt. Der alte Titan Goran Bezina (39) hält die Abwehr zusammen. Er schätzt seine Eiszeit auf gut eine halbe Stunde. Die Schätzung dürfte stimmen. Der ehemalige Servette-Kultverteidiger lässt seine Karriere in Sierre ausklingen. Es sei seine letzte Saison. Die Lebensplanung sieht vor, dass er nächstes Jahr nach Genf zurückkehren und als Scout arbeiten wird. «Bei Servette ist vieles im Umbruch und es ergeben sich neue Perspektiven.»

Der Siegestreffer (das 1:2) nach 57:33 Minuten von Auguste Impose (22) ist weltklasse. Warum stürmt dieser Junge eigentlich nicht in der höchsten Liga. «Weil er nicht ganz einfach zu führen ist», sagt sein kanadischer Trainer Dany Gélinas (53). «Er kam bei Servette nicht mehr zurecht und so ist er letzte Saison nach Sierre gekommen.» In Genf hatte Auguste Impose in 58 Partien 11 Punkte produziert, ehe er schliesslich in Sierre seine Karriere neu gestartet und im letzten Frühjahr beim Aufstieg in die Swiss League eine wichtige Rolle gespielt hat.

Das Ziel ist klar: Zurück in die höchste Liga. Dany Gélinas sagt: «Als er letzte Saison zu uns kam, haben wir uns diese Rückkehr in der Zeitspanne von zwei Jahren zum Ziel gesetzt. Er hat innerhalb eines Jahres gut zehn Kilo abgenommen und kommt immer besser in Form. Obwohl er Angebote aus der Swiss League mit dem doppelten Salär hatte, ist er bei uns geblieben.»

Auguste Impose ist im besten Wortsinn ein ungeschliffener Diamant. Der ehemalige U 20-Internationale ist kräftig, schnell und technisch exzellent. Er fliegt in lichten Momenten förmlich über die Aussenbahnen. «Oh ja, ich will in die National League, unbedingt» bekräftig der fröhliche, pfiffige kongolesisch-schweizerische Doppelbürger. Er sei halt sehr früh sehr gut gewesen, Verletzungen hätten ihn gebremst und jetzt müsse er sich zurück kämpfen. Auf das 1:2 von Auguste Impose vermag Visp nicht mehr zu reagieren, verliert 1:3 und ist für den Moment nicht mehr die Nummer 1 im Wallis. Was allerdings nichts daran ändert, dass Visp wirtschaftlich und infrastrukturell klar stärker ist als Sierre, das nur dank der Partnerschaft mit Servette ins Geschäft zurückkehren konnte.

Die Wurzeln des Spiels reichen in Visp noch tiefer in die Geschichte zurück als in Sierre oder irgendwo sonst auf der Welt. Kurz vor Weihnachten 1388 rückte von Westen her ein grosses Heer aus Savoyen vor, um das ganze Oberwallis zu unterwerfen. Die Franzosen stellen ein Ultimatum: Sie sollten sich innerhalb von drei Tagen ergeben oder die totale Zerstörung in Kauf nehmen.

Die Bedrängten nützten die Zeit und leiteten die Vispa, die damals noch am Dorf vorbeifloss, am Blauen Stein vorbei aufs Land und das Wasser gefror bei bitterer Kälte. Sie machten Schuhwerk und Kriegswerkzeug eis- und rutschtauglich. Dann sei das heranrückende feindliche Heer auf der rutschigen Unterlage vernichtend geschlagen worden.

Ob wahr oder Legende – später vermochte Visp auf glatter Unterlage auch die Titanen aus der Deutschschweiz herauszufordern. Der EHC Visp stieg 1960 in die NLA auf, holte 1962 den Titel und musste 1972 den Platz in der obersten Liga räumen und ist inzwischen eine feste Grösse in der Swiss League.

Eine erstaunliche Geschichte für einen Sportverein aus einer Stadt mit nicht ganz 7000 Einwohnern, kleiner als Langnau und nicht einmal halb so gross wie Langenthal. Und noch erstaunlicher, dass sich Visp in der Gegenwart behauptet und soeben für 39 Millionen ein nigelnagelneues Stadion erbaut hat. Zu hundert Prozent finanziert von der Gemeinde. Sogar der Videowürfel ist aus der Steuerkasse bezahlt worden. Das Stimmvolk bewilligte den Bau mit mehr als 70 Prozent Ja-Stimmen.

Müsste nicht mehr möglich sein, als «nur» die Swiss League? Hier ist Nico Hischier gross geworden. Die lokale Glanz & Gloria-Fraktion zeigt sich. Den Puck wirft Staatsrat Frédéric Favre ein. Ein ehemaliger Hockey-Schiedsrichter. Die 100 Plätze im Business Club (für 6000 Franken pro Saison) sind zügig verkauft worden. Das Budget ist auf diese Saison um eine Million auf nicht ganz 5 Millionen erhöht worden. Das reicht allerdings nicht für die höchste Liga.

Aber wenn alle Klubs im Wallis das Geld zusammenlegen würden, wenn sich Lonza spendabel zeigte – das Chemie- und Pharma-Unternehmen investiert rund eine Milliarde in den Standort Visp mit gut 1000 Arbeitslätzen – dann könnte die sportliche «Kriegskasse» mit über 10 Millionen gefüllt und das Abenteuer National League gewagt werden.

Aber wenn alle zusammenspannen würden, dann gäbe es kein Walliser Derby mehr. Das wäre trotz der verlorenen Romantik irgendwie schade. Und so lange es das Walliser Derby gibt, so lange die Walliser am hitzigsten sind, wenn sie gegeneinander antreten, können die NL-Klubgeneräle in der «Ausserschweiz» ruhig schlafen.

Einem vereinigten Hockey-Wallis wären sie nicht gewachsen. Oder wir können es auch so sagen: Mit dem Geld von Christian Constantin, der Leidenschaft von Sierre und der Geschäftstüchtigkeit von Visp könnte die Meisterschaft gewonnen werden.

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