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ARCHIVBILD ZUM RUECKTRITT VON MARK STREIT --- Mark Streit, Schweizer Eishockeyspieler unter Vertrag bei den Montreal Canadiens in der National Hockey League NHL, posiert nach einem Eistraining am Dienstag, 15. August 2017, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Mark Streit steht beim SCB plötzlich doch wieder im Rampenlicht. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Wie Mark Streit zum wichtigsten Mann beim SCB geworden ist

Der Sturm ist vorübergezogen und ein neues Kapitel in der SCB-Geschichte hat begonnen. In den nächsten Wochen wird die NHL-Legende Mark Streit zum wichtigsten Mann beim SC Bern.



Am Tag nach dem Gewitter, das Don Nachbauer das Amt gekostet hat. Keine Polemik. Nur schreiben was ist über die Rückkehr zum Alltag im Berner Hockeytempel.

Auf den ersten Blick ist am Mittwoch, dem 2. Dezember kurz nach 11.00 Uhr in der Trainingshalle der PostFinance-Arena alles so wie immer. Die Spieler trainieren, der Cheftrainer und seine Assistenten geben Anweisungen, hin und wieder versammeln sich die jungen Männer in den ritterartigen Ausrüstungen im Halbkreis um den Chef, der an einer Art Wandtafel die Übungen erklärt.

Jeder Tag, jedes Spiel bringt eine neue Chance um alles vergessen zu machen, was war. Das ist das Wunderbare am Sport und der Ausgleich zur Gnadenlosigkeit des Resultatdenkens. Der alte Trainer ist nicht mehr da und schon bald vergessen, die mediale Kritik verraucht.

So ganz hat sich allerdings neben dem Eis das Gewitter noch nicht verzogen. SCB-Manager und -Mitbesitzer Marc Lüthi ist auch da, um das Training zu beobachten. So wie er es in kritischen Zeiten zu tun pflegt. Er scheint noch ein bisschen knurrig zu sein. So wie manchmal im Bernbiet nach einem schweren Gewitter die Nebelfetzen aus den schwarzen Wäldern aufsteigen, so ist sein Unmut über gewisse Vorkommnisse noch nicht verraucht. Aus der herumstehenden Gruppe von Chronisten (Chronistinnen waren keine da) bittet er einen zum Vieraugengespräch. Es ist klar, worum es geht: der Kollege – man kennt ihn ja – hat es mit der SCB-Kritik wohl wieder einmal etwas übertrieben und aus den Wortfetzen ist der Unmut des obersten SCB-Chefs gut herauszuhören.

Marc Lüthis Laune wird erst wieder gänzlich ungetrübt sein, wenn er am Nachmittag vernimmt, dass die Auszählung aller Formulare ergeben hat, dass 90 Prozent der 10'500 Saisonkartenbesitzerinnen und -Besitzer auf die Rückforderung des Geldes verzichten. Trainer, Sportchefs, Spieler und Funktionäre kommen und gehen – der SCB aber bleibt bestehen. Der Klub war, ist und bleibt als kulturelle Institution tief im Bernbiet verwurzelt.

Aber stürmisch ist es in diesen Tagen halt schon zu und hergegangen. Und so rückt nun Mark Streit (42) zum ersten Mal seit seiner Rückkehr in die Schweiz im Herbst 2017 beim SCB in eine zentrale Rolle. Einst als SCB-Junior als nicht tauglich für die damalige NLA eingestuft, machte er eine Weltkarriere, die ihm alleine in der NHL 44,55 Millionen Dollar brutto eingebracht hat. Er war in der NHL der erste Schweizer, dem das Amt des Captains anvertraut wurde. Er ist als gemachter Mann aus Amerika nach Bern heimgekehrt. Er ist SCB-Mitbesitzer, gehört dem Verwaltungsrat, der Geschäftsleitung und der Sportkommission an. Und er arbeitet regelmässig mit den Nachwuchsspielern auf dem Eis. Klug, bescheiden und freundlich, wie es seine Art ist hat er sich stets im Hintergrund gehalten.

«Aber wenn ich unseren Coaches helfen kann, dann mache ich das gerne.»

Mark Streit

Doch nun rückt er ins Rampenlicht. Ob er will oder nicht. Bei den nächsten SCB-Partien dürften die TV-Kameras in den leeren Stadien ab und an auf Mark Streit schwenken. Denn nun hat er erstmals eine aktive Rolle «an der Front». Er steht beim Training mit der ersten Mannschaft auf dem Eis und er wird nun bei den Spielen auf der Tribüne sitzen. Unten an der Bande stehen der neue Cheftrainer Mario Kogler und seine beiden Assistenten Alex Chatelain und Alex Reinhard. Mark Streit wird in der Pause den Coaches seine Eindrücke schildern. Es sei noch offen, ob er mit einem der Assistenten auch während des Spiels verbunden sein werde.

Der neue Trainer des SC Bern, Mario Kogler, waehrend seinem ersten Training mit dem SC Bern, am Dienstag, 1. Dezember 2020 in der Postfinance Arena in Bern. Don Nachbaur hat dem SCB mitgeteilt, dass er sein Amt als Headcoach aus persoenlichen Gruenden per sofort niederlegt. Mario Kogler, bisher Cheftrainer des U20 Elite-Teams von SCB Future, uebernimmt ad interim die Position als Headcoach. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Der neue Chef an der SCB-Bande: Mario Kogler Bild: keystone

Sanft in der Art, stark in der Tat: So war Mark Streit schon immer. Und so ist er auch jetzt. Mit seiner Souveränität und Gelassenheit ist er in stürmischen Zeiten der ruhende Pool der Sportabteilung und auch ein wenig ein Gegengewicht zum ruhelosen, machtbewussten Macher Marc Lüthi. Mark Streit sagt, er sehe sich nicht als Trainer und strebe auch nicht eine Trainerkarriere an. «Aber wenn ich unseren Coaches helfen kann, dann mache ich das gerne.»

Dass Mark Streit helfen kann, steht ausser Frage. Und weil er in der Rolle des «Elder Statesman» sein immenses Wissen aus 18 Jahren Profi mit mehr als 1000 Spielen in der NHL, in der NLA und mit der Nationalmannschaft auf so souveräne Art und Weise weitergibt, schmälert seine Gegenwart auf dem Eis oder in Besprechungen die Autorität des Cheftrainers nicht.

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Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Emily Engkent

So wird er zum Glücksfall für den neuen Cheftrainer Mario Kogler (33). Der muntere Österreicher hat eine reiche Erfahrung als Nachwuchstrainer und Assistent in Österreich, Schweden und der Schweiz. Bis Ende Saison hat er bei SCB einen Vertrag als Trainer der Elite-Junioren und sein Gehalt ist nach der Beförderung vorerst noch nicht aufgebessert worden. Mit 21 musste er seine Karriere wegen Verletzungen beenden. Als Spross einer alten Hockey-Dynastie (sein Grossvater war Gründungsmitglied des KAC) ist er als Trainer bei diesem Sport geblieben. Er wirkt ein wenig wie eine «unschuldige» Version von Arno Del Curto. Nein, sagt der neue SCB-Trainer, so viel Temperament wie der Arno habe er nicht.

Aber eben: Erfahrung als Cheftrainer mit einem Profiteam hat Mario Kogler keine. Und jetzt diese Herausforderung! Beim SCB, bei einem der wichtigsten Klubs ausserhalb der NHL. Seine Chance ist seine Offenheit, ist seine Unbekümmertheit, ist seine Leidenschaft für diesen Sport. Mag sein, dass er nicht die natürliche Autorität ausstrahlt, die von einem Bandengeneral beim grössten Schweizer Klub einfach erwartet wird. Aber er wird mit seiner Leidenschaft die Spieler dazu bringen, für ihn zu kämpfen. Und die Präsenz von Mark Streit macht ihn ruhiger, selbstsicherer, mit der NHL-Legende im Hintergrund gewinnt er an Format. Auch deshalb ist Mark Streit jetzt der wichtigste Mann beim SCB.

SCB-Sportchefin Florence Schelling, links, und SCB CEO Marc Luethi, rechts, schauen das erste Training des neuen Trainers des SC Bern, Mario Kogler, an, am Dienstag, 1. Dezember 2020 in der Postfinance Arena in Bern. Don Nachbaur hat dem SCB mitgeteilt, dass er sein Amt als Headcoach aus persoenlichen Gruenden per sofort niederlegt. Mario Kogler, bisher Cheftrainer des U20 Elite-Teams von SCB Future, uebernimmt ad interim die Position als Headcoach. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Auch Sportchefin Florence Schelling und CEO Marc Lüthi beobachten das Training. Bild: keystone

Mark Streit hat in Bern zwar nur 32 Partien in der ersten Mannschaft gespielt (25 Punkte). Während der Lockout-Saison 2012/13. Als er in der NHL schon Captain und Dollarmillionär war. Und trotzdem ist er ein in der Wolle gefärbter «SCBler». Deshalb ist er beim SCB als Mitbesitzer eingestiegen und engagiert sich im Management und nun auch auf dem Eis. Er sagt so habe er die Möglichkeit, auch die Aspekte des Eishockeys kennen zu lernen, um die er sich als Spieler noch nicht kümmern konnte. Wenn einmal die Dinge wieder alle im Lot sind, wird er sich wohl wieder aus dem Umfeld der ersten Mannschaft zurückziehen und auf dem Eis «nur» noch mit den Junioren arbeiten.

Wie lange wird er an «der Front» bleiben? Das sei noch offen. Eigentlich habe bei ihm die Familie Priorität (zwei kleine Kinder), aber jetzt sei er auf einmal doch fast wieder jeden Tag auf der Eisbahn. Ende des Monats werde er die Situation neu beurteilen. Seine Frau werde im Januar wieder an die Uni gehen. Um den Master in Mediation zu machen. Mediation ist die Kunst der Konfliktlösung. Ein wenig Boshaftigkeit muss nun doch sein: wenn Fabienne Streit in zwei Jahren ihren Master gemacht hat, könnte der SCB ihr Grosskunde werden. Nicht weil ihr Mann dort in der Geschäftsleitung sitzt. Sondern weil es beim SCB schon hin und wieder Konflikte beizulegen gilt.

Das Training ist vorbei, die Interviews sind gemacht, die Kameras abgebaut, die Notizblöcke versorgt die Aufnahmegeräte abgeschaltet. Zwei altgediente Berner Chronisten unterhalten sich über die Eindrücke an diesem Tag nach dem Gewitter und den neuen Trainer. Sagt der eine: «Also der Kogler macht wirklich einen guten Eindruck und mit ihm werden wir gut auskommen.» Entgegnet der andere: «Ja, fragt sich nur, wie lange er uns erhalten bleibt…»

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Der Brief, mit dem der SCB die Fans zum Verzicht aufruft

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