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Klimaaktivisten legen den Flughafen in München lahm

Mit «massivster Gewalt»: Klimaaktivisten legen den Flughafen in München lahm

18.05.2024, 06:3818.05.2024, 15:53
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Klimaschutzaktivisten haben zu Beginn der bayerischen Pfingstferien den Flughafen in München blockiert und damit den Feiertagsreiseverkehr erheblich behindert. Ab 5.19 Uhr am Samstagmorgen war der Flughafen für knapp zwei Stunden voll gesperrt, teilte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit. Nach Angaben des Flughafenverbands waren mehr als Hunderttausend Passagiere betroffen. Mehrere Maschinen, die am zweitgrössten deutschen Flughafen landen sollten, mussten auf andere Flughäfen umgeleitet werden.

Klimaaktivisten schneiden Zaun an vier Stellen gleichzeitig auf

Wie der Sprecher gegenüber der «Frankfurter Allgemeinen» erklärte, seien die Aktivisten mit «massivster Gewalt» vorgegangen: So hätten sie in zwei Zäunen mit Bolzenschneidern insgesamt Löcher geschnitten und sich in kürzester Zeit festgeklebt. Die Sicherheitskräfte seien zwar sofort alarmiert worden, hätten jedoch keine Chance gehabt, rechtzeitig einzugreifen. «So schnell kann man gar nicht da sein», so der Sprecher. Mit Sekundenkleber am Beton gebe es nur ein sehr kurzes Zeitfenster für das Sicherheitspersonal.

Nach Angaben von Sprechern des Flughafens sowie der Bundespolizei wurde der Airport aus Sicherheitsgründen komplett geschlossen. Nach etwa zwei Stunden konnte dann zunächst eine der beiden Start- und Landebahnen in Betrieb gehen, später auch die zweite Bahn.

Nach Angaben eines Flughafensprechers waren am Samstag in München etwa 1000 Starts und Landungen geplant. Durch die enge Taktung der Flüge komme es in solchen Fällen immer noch zu Verspätungen, auch wenn die Bahnen wieder offen seien. Passagiere, die für Samstag einen Flug gebucht hatten, sollten auf jeden Fall Kontakt mit ihrer Airline aufnehmen, empfahl er.

Die Gruppe Letzte Generation hatte auf dem Netzwerk X mitgeteilt, dass sich insgesamt sechs Personen in Zweiergruppen an unterschiedliche Stellen des Flughafens gesetzt hätten. Zahlreiche Polizisten und Feuerwehrleute waren vor Ort, um die Aktivisten zu entfernen. Nach Angaben Herrmans wurden die sechs Aktivisten, sowie zwei weitere, die es nicht auf das Rollfeld geschafft hatten, festgenommen. Gegen sie werde unter anderem wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr ermittelt. Ihnen drohten Freiheitsstrafen.

Zunächst nur Landungen betroffen

Der Sprecher der Bundespolizei sagte, dass zunächst acht Personen an vier unterschiedlichen Stellen zeitgleich auf das Gelände gelangen wollten. Die Männer und Frauen hätten sich durch den Sicherheitszaun des Flughafens geschnitten. Zwei der Aktivisten hätten noch im Bereich des Zaunes festgenommen werden können, die anderen seien weiter in den Innenbereich gekommen.

epa11215798 A Lufthansa plane arrives to taxi, at Frankfurt Airport, in Frankfurt am Main, Germany, 12 March 2024. The UFO cabin crew union has called on its members to strike, to press their demands  ...
Der Flughafen München steht derzeit still (Symbolbild).Bild: keystone

Wie der Flughafensprecher erklärte, waren morgens ab 5.00 Uhr zunächst nur geplante Landungen in München betroffen, weil Starts erst ab 6.00 Uhr stattfinden dürfen. In der ersten Betriebsstunde seien acht Maschinen zu anderen Flughäfen umgeleitet worden, sagte er.

Der Münchner Flughafen hatte am ersten Ferienwochenende zahlreiche Urlauber erwartet, insgesamt etwa 350'000 Passagiere waren von Freitag bis Sonntag angekündigt. Der Airport wollte in dieser Zeit 2860 Flüge abfertigen. Insgesamt seien in den Pfingstferien, der nach Ostern zweiten grossen Reisewelle des Jahres, sieben Prozent mehr Flüge angemeldet worden als im Vorjahr, berichtete der Flughafen vor dem Ferienstart.

Letzte Generation wollte Ferienbeginn am Airport stören

Mitglieder der Letzten Generation hatten nach eigenen Angaben geplant, auf das Gelände des Flughafens zu gelangen, um mindestens eine der beiden Start- und Landebahnen zu blockieren. Damit wollten sie den beginnenden Reiseverkehr zum Start der Pfingstferien stören.

Hintergrund der Protestaktion sei, dass der Flugverkehr knapp zehn Prozent der deutschen Verantwortung für die Erderhitzung ausmache. Die Flugbranche werde durch den Verzicht auf Kerosin- und Mehrwertsteuer vom Staat subventioniert, kritisierten die Aktivisten. Sie fordern ein entschiedeneres Durchgreifen der Politik angesichts des Klimawandels. Die Gruppe hatte Ende Januar angekündigt, auf Strassenblockaden zu verzichten und sich auf «Orte der fossilen Zerstörung» zu konzentrieren - explizit genannt wurden Flughäfen.

In der Vergangenheit hatte die Gruppe bereits ähnliche Aktionen an deutschen Flughäfen durchgeführt, etwa in Berlin, Hamburg und Düsseldorf. In München gab es bereits im Dezember 2022 eine Blockade. Damals konnte deswegen nach Behördenangaben ein Flugzeug mit einem Notfall-Patienten an Bord erst 20 Minuten verspätet landen.

Kritik aus der Politik

Die neue Protestaktion löste in der Politik eine Welle der Kritik aus. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) schrieb auf der Plattform X: «Solche kriminellen Aktionen gefährden den Flugverkehr und schaden dem Klimaschutz, weil sie nur Unverständnis und Wut hervorrufen.» Sie verlangte: «Die Täter müssen konsequent verfolgt werden, die Schutzmassnahmen am Flughafen überprüft werden.»

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) betonte: «Das ist kein legitimer Protest, sondern ein gezielter Eingriff in den Flugverkehr. (...) Wenn der Flugverkehr nicht sicher abläuft, werden Menschen gefährdet, grosse wirtschaftliche Schäden drohen und tausende Reisende sitzen fest.» Es werde eine Verschärfung des Luftsicherheitsgesetzes benötigt.

Auch der grüne Bundesagrarminister Cem Özdemir übte Kritik: «Was soll es bringen, Menschen den Urlaubsstart zu vermiesen? Nehmt uns Politiker in die Pflicht, argumentiert, streitet», schrieb er auf X. «Aber zerstört bitte nicht das Wichtigste, das wir im Kampf gegen die Klimakrise haben: Den breiten Konsens in der Gesellschaft.»

Bayerns Innenminister Herrmann betonte: «Das war erneut eine absolut hirnlose Aktion der Klimachaoten. Mit solchen Blockaden in den Flugverkehr einzugreifen – und dies zu Beginn der Reisezeit – ist nicht nur rücksichtslos, sondern gefährdet potenziell das Leben vieler Menschen».

Für den Flughafenverband ADV unterstützte Geschäftsführer Ralph Beisel die Forderung nach härteren strafrechtlichen Konsequenzen. (dab/sda/dpa)

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160 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Raki
18.05.2024 07:40registriert Januar 2024
Wie zum Geier kommen die unbemerkt und unkontrolliert auf die Rollbahn?! Wo ist das Sicherheitskonzept? Diese 'Demonstranten' gehören auf die No-Fly List gesetzt und als Gefährder eingestuft. Hoffe, die kommen 10 Jahre in den Knast für dieses kriminelle und gefährliche Vorgehen.
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Znünichlauer
18.05.2024 07:34registriert Mai 2021
Das kommt nicht gut. München ist Söderland. Da wird durchgegriffen😬
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Arthur Sunil
18.05.2024 08:18registriert Februar 2017
Man merkt: es wird wärmer und die allerletzte Generation beginnt wieder zu kleben. Offensichtlich ist das Klima nicht ganz so gefährdet wenn man über die Wintermonate gemütlich Pause machen kann. Wahrscheinlich musste man Energie tanken, am Besten natürlich im Globalen Süden.
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