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SC Bern: Calle Andersson verlängert – warum das nicht nur gut ist

SC Bern Spieler Calle Andersson feiert in der Garderobe als Eishockey Schweizermeister nach dem sechsten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Mont ...
Calle Andersson wurde mit dem SCB bereits zweimal Schweizer Meister.Bild: KEYSTONE
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Der «Fall Andersson» – sehr gut für den Sportchef, weniger gut für den SC Bern

Calle Andersson (25) verlängert in Bern vorzeitig um drei Jahre bis 2023. Der SC Bern hat nun den Verteidiger mit dem schlechtesten Preis-/Leistungsverhältnis der ganzen Liga.
21.11.2019, 18:2621.11.2019, 18:26

Bleibt er in Bern oder wechselt er zu den ZSC Lions? Das war bis letzte Woche die Frage. Nun hat sich Calle Andersson entschieden, in Bern zu bleiben.

Was fällt bei diesem Transfergeschäft auf? Dass ausser den ZSC Lions kein Klub Interesse hatte. Warum? Weil der Preis zu hoch ist. Aber das ist nicht Calle Anderssons Fehler.

Ein Märchenonkel verbreitete die Mär, Calle Andersson verdiene 800'000 Franken pro Saison. Das ist zwar barer Unsinn. Und doch bringt uns dieses Gerücht der Wahrheit näher.

Calle Andersson ist Schwede. Aber er hat aus seiner Juniorenzeit eine Schweizer Lizenz. Sein Vater Peter Andersson verteidigte einst in Lugano.

Gut gepokert!

Calle Andersson ist also ein ausländischer Spieler, der aber dank seiner Schweizer Lizenz das Ausländerkontingent nicht belastet. Die Schweizer Klubs bezahlen ausländischen Spielern Netto-Löhne. Das bedeutet: die Lohnkosten sind für den Klub rund doppelt so hoch wie das Nettosalär des Spielers. Verdient Calle Andersson 400'000 Franken, dann kostet er den SCB rund 800'000 Franken. Er verdient in Bern gut und gerne 400'000 Franken und das ist ungefähr das Salär, das ein kluger Agent für einen Verteidiger dieser Kragenweite maximal bei einem Grossklub herausholen kann.

Das bedeutet, dass Calle Andersson seinen Arbeitgeber ungefähr gleich viel kostet wie ein ausländischer Spieler. Also müsste er mindestens so gut wie ein ausländischer Verteidiger sein. Beim SCB ist er tatsächlich viel besser als die ausländischen Verteidiger. Aber der SCB hat halt die mit Abstand schwächsten ausländischen Verteidiger der Liga.

Berns Calle Andersson, Mitte, jubelt nach seinem Tor zum 2-0 mit seinen Teamkollegen Alain Berger, links, und Beat Gerber, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und ...
Calle Andersson (55) darf beim SCB bleiben.Bild: KEYSTONE

Calle Andersson ist gemessen an seinem Talent defensiv noch zu wenig gut. Mit einer Minus-5-Bilanz im Meisterteam ist er bei den Verteidigern die Nummer 95 der Liga und insgesamt die Nummer 19 beim SCB. 9 Skorerpunkte aus 21 Partien wiegen diese defensiven Schwächen nicht ganz auf. Auf den Punkt gebracht: Er ist der Verteidiger mit dem schlechtesten Preis-/Leistungsverhältnis der Liga. Nicht weil er zu viel verdient. Sondern weil er wegen der Nettoentlöhnung zu viel kostet.

Eines ist klar: SCB-Sportchef Alex Chatelain ist in Bern nicht unumstritten und konnte es sich ganz einfach nicht leisten, Calle Andersson zu verlieren. Er musste ihn halten. Koste es, was es wolle. Und Calle Andersson hatte Glück, dass es wenigstens von den ZSC Lions ein Angebot gab, das es seinem klugen Agenten Dani Giger ermöglichte, ein wenig zu pokern.

Wo bleiben die Top-Verteidiger?

Aber ganz nüchtern betrachtet: Calle Andersson ist für den SCB viel zu teuer. Das Jammern von SCB-Manager und
-Mitbesitzer Marc Lüthi über zu hohe Löhne ist lächerlich. Sein Sportchef ist inzwischen der schlimmste Lohntreiber für Durchschnittsspieler. Dass Calle Andersson bleibt, ist also sehr gut für den Sportchef. Aber weniger gut für den SCB.

Dass das grösste Eishockey-Unternehmen im Land überhaupt in die Zwangslage gekommen ist, Calle Andersson zu überteuertem Preis halten zu müssen, ist der Misswirtschaft der SCB-Sportabteilung in den letzten drei Jahren geschuldet.

Seit Sven Leuenberger (jetzt Sportchef beim ZSC) im Sommer 2013 Justin Krueger aus Amerika, im Sommer 2014 Eric Blum aus Kloten und im Sommer 2015 Ramon Untersander aus Biel geholt hat, ist der sportlichen SCB-Führung kein grosser Verteidiger-Transfer mehr gelungen. Wer jung ist und Potenzial hat, hütet sich inzwischen sowieso, nach Bern zu kommen und unter Kari Jalonen in die Karriere-Sackgasse zu geraten. Weder Samuel Kreis, noch Yannick Rathgeb, Claude-Curdin Paschoud, Andrea Glauser oder Roger Karrer haben den Weg nach Bern gefunden.

epa04379110 Sporting director Sven Leuenberger of Swiss Ice Hockey club SC Bern poses for the photographer during the season media day of the SC Bern, 01 September 2014, Bern, Switzerland. EPA/ANTHONY ...
Sven Leuenberger versucht nun, in Zürich eine Meister-Mannschaft aufzubauen.Bild: EPA/KEYSTONE

Die SCB-Transferstrategie ist daher: Verlängern zu überhöhten Preisen und transferieren, was halt noch irgendwie zu haben ist und sonst nirgendwo mehr zu einem schönen Lohn unterkommt. Das meisterliche Fundament, das Sven Leuenberger bis zu seinem Wechsel nach Zürich gebaut hat, bröckelt immer mehr.

Henauer ein Lichtblick

Mit dem Junioren-Internationalen Mika Henauer (19) hat der SCB einen jungen Verteidiger bis 2021 unter Vertrag, der so viel Potenzial hat wie Calle Andersson, aber pro Saison rund 700'000 Franken weniger kostet. Oder anders gesagt: Calle Andersson kostet den SCB rund acht Henauer. Ein schlechter sportlicher Wechselkurs.

Ein SCB-Sportchef in starker Position hätte es sich leisten können, Calle Andersson nach Zürich ziehen zu lassen und dafür Mika Henauer in die erste Mannschaft zu integrieren. Aber erstens ist der SCB-Sportchef berechtigter Kritik ausgesetzt und zweitens ist Kari Jalonen ein Trainer, der lieber auf Routiniers setzt. Bei allen Transfergeschäften sitzt der Agent des Spielers am Steuer («Drivers Seat») und der SCB-Sportchef ist der Mitfahrer, der zur nächsten Bank chauffiert wird.

Berns Mika Henauer kommt aus der Umkleide, waehrend dem ersten offiziellen Eistraining der Saison 2019/20, am Montag, 5. August 2019, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Mika Henauer könnte beim SCB eine grosse Zukunft vor sich haben.Bild: KEYSTONE

Es gibt allerdings einen Lichtblick: Mika Henauer ist diese Saison zwar in der Meisterschaft fünfmal aufs Matchblatt genommen, aber nicht eine Sekunde eingesetzt worden. Nun durfte er im Champions Hockey League-Spiel in Lulea spielen (11:45 Minuten Eiszeit) und Kari Jalonen gratulierte ihm zu seiner Leistung.

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