Der neue SCB-Trainer Serge Aubin – einer wie Bill Gilligan
Seit Kari Jalonen (Meister 2017 und 2019) sind kuriose Entscheidungen bei der Anstellung der Trainer mit ein Grund für den anhaltenden Misserfolg in Bern. Seit der Meiserfeier von 2019 hat der SCB nie mehr eine Playoff-Serie gewonnen und der letzte Trainer, der mit dem SCB einen Erfolg feiern konnte, ist ein Österreicher: Mario Kogler gewann 2021 den Cup.
Wer sind wird? Wo wollen wir hin? Auf diese für den Erfolg fundamentale Frage hat der SCB seit Kari Jalonen nie mehr eine Antwort gefunden. Die zahlreichen Ober-, Unter- und Nebensportchef fuhrwerkten hüst und hot. Nach der Entlassung des Finnen führten mit Hans Kossmann (Nothelfer), Don Nachbaur (gefeuert), Mario Kogler (Nothelfer), Johan Lundskog gefeuert), Toni Söderholm (Nothelfer), Jussi Tapola (gefeuert), Patrick Schöb (für zwei Spiele Nothelfer) und Heinz Ehlers (Nothelfer) das Bandenkommando. Nur unter Jussi Tapola gelang den Bernern vorübergehend während der Qualifikation eine Stabilisierung und Rückkehr in die Spitzengruppe der Tabelle.
Eine Philosophie war nie richtig erkennbar. Die zwei Titel unter Kari Jalonen führten zur irrigen Annahme, in Bern könnte auf Dauer taktisches „Schablonen-Hockey“ funktionieren. Doch die DNA des Klubs ist eine nordamerikanische. Paul-André Cadieux, Bill Gilligan, Brian Lefley, Kent Ruhnke und Larry Huras haben den SCB der Neuzeit am stärksten geprägt.
Die Rückbesinnung auf die nordamerikanischen Wurzeln ist richtig. Die Frage war in den letzten Monaten: Welcher nordamerikanische Trainer eignet sich für den SCB? Und wenn es einen geeigneten Kandidaten gibt: Ist er auch zu haben?
Untersportchef Martin Plüss hat sich schon vor längerer Zeit für Serge Aubin entschieden und die absolut verlässlichen Gewährsleute aus Deutschland melden, dass die Berner bereits vor drei Monaten mit Serge Aubin und dem Management der Eisbären eine Lösung gefunden haben. Nach dem Grundsatz: Verdienten Trainern legt man keine Steine in den Weg, wenn sie eine neue Herausforderung suchen. Der SCB musste seinen neuen Trainer nicht teuer aus dem Vertrag auskaufen.
Wäre die Information über den Wechsel nach Bern vor der Zeit an die Öffentlichkeit gelangt, dann wäre die Saison der Berliner Eisbären wahrscheinlich ruiniert worden: Wie hätte Serge Aubin in der Kabine erklären können, dass er zwar einen Vertrag bis 2028 unterschrieben hat, sich aber nach der Saison im Frühjahr 2026 in die Schweiz verabschieden wird? Also ist die Information bis Saisonende, bis nach dem letzten Spiel unter Verschluss geblieben und nun erst nach der erfolgreichen Titelverteidigung von den Gewährsleuten in Deutschland verraten worden.
Mit Serge Aubin bekommt der SCB einen Cheftrainer, der nordamerikanisch geprägt ist (als Spieler kennt er auch die NHL), aber mit der europäischen, ja mit der schweizerischen Hockeykultur vertraut ist und in Europa als Erfolgstrainer sondergleichen gilt. Er hat zuerst eine Meisterschaft in Österreich gefeiert (2017 mit den Vienna Capitals) und nun nach 2021, 2022, 2024, 2025 am Sonntagabend den fünften Titel mit den Eisbären Berlin geholt. Er ist der erfolgreichste und einer der begehrtesten Trainer Europas.
In Bern wird ihm die Vergangenheit in unserer höchsten Liga helfen. Von 2004 bis 2009 stürmte er – abgesehen von einer Saison in der NHL - für Servette und sodann zwei Jahre für Gottéron (insgesamt 242 Spiele/247 Punkte) plus aushilfsweise vier Spiele für Biel (3 Punkte).
Im Frühjahr 2018 war er der absolute Trainer-Wunschkandidat der ZSC Lions. Eine Delegation, zu der sogar Peter Spuhler (damals Vize-Präsident) gehörte, reiste nach Wien, um den Meistertrainer der Capitals nach Zürich zu holen. Serge Aubins erstes Trainergastspiel in der Schweiz scheiterte auch aus Gründen, die er nicht beeinflussen konnte: Die ZSC Lions rockten zwar die Liga nicht, waren aber solide in der vorderen Tabellenhälfte unterwegs. Aber im November legte Arno Del Curto in Davos oben sein Amt nieder. Die Versuchung, den Rockstar der helvetischen Trainerszene nach Zürich zu holen, wurde einfach zu gross. Im Januar ersetzte er Serge Aubin – und scheiterte krachend. Die Zürcher schafften mit Arno Del Curto nicht einmal die Playoffs.
Und nun kommt Serge Aubin also nach Bern. Das Profil des Kanadiers mahnt an den bis heute erfolgreichsten SCB-Trainer seit Einführung der Playoffs (1986): Jenem von Bill Gilligan, SCB-Meistertrainer von 1989, 1991 und 1992. Der Amerikaner kam damals als vierfacher Österreichischer Meister nach Bern.
Serge Aubin wie Bill Gilligan? Das mag auf den ersten Blick ein etwas kühner Vergleich sein. Und doch: Nicht nur das Profil ist ähnlich. Auch die Ausgangslage. Der SCB war nach dem Aufstieg am grünen Tisch im Frühjahr 1986 mit dem finnische Trainer Timo Lahtinen aus der Spur geraten, Steve Latinovisch kam für den Rest der Saison 1987/88 als Nothelfer. Als Bill Gilligan im Sommer 1988 kam, war die Stimmung in Bern ähnlich aufgewühlt und melancholisch wie in den letzten Monaten. Das bedeutet: Wie damals Bill Gilligan hat auch Serge Aubin in Bern nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen. Und dazu kommt: Serge Aubin kann nicht nur mit fertig ausgebildeten Spielern arbeiten. Er ist auch ein sehr guter Ausbildner.
Die Trainerfrage ist also gelöst, nun ist noch ein ganz wichtiges Transfergeschäft zu klären: Nach wie vor sträubt sich Lausannes Sportdirektor John Fust, seinen zweiten Torhüter Connor Hughes aus dem Vertrag freizugeben bzw. einzutauschen. Der SCB wäre zwar bereit, Romain Loeffel gegen Connor Hughes herzugeben. Aber es gibt weitere Klubs, die an diesem Tauschgeschäft mit Lausanne interessiert sind. Affair à suivre.
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