Belgien verhöhnt FIFA und Trump nach Sieg – USA geben Versagen zu
Der WM-Achtelfinal zwischen Gastgeber USA und Belgien hat eine lange Vorgeschichte. Die FIFA-Disziplinarkommission hat die Sperre gegen Folarin Balogun nach dessen Platzverweis im Sechzehntelfinal gegen Bosnien-Herzegowina auf Bewährung ausgesetzt. Der 25-jährige Stürmer durfte gegen Belgien also erneut in der Startformation stehen. Die Vermutung liegt nahe, dass das Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino einen Einfluss hatte. Infantino verneint dies jedoch.
Dennoch war der Ärger in der Fussballwelt gross – selbstverständlich auch bei den Belgiern. Nationaltrainer Rudi Garcia zeigte sich empört: «Ich wusste nicht, dass bei der WM auch der 5. Juli als 1. April gilt. Das muss ein Aprilscherz sein.» Der belgische Fussballverband legte Rekurs gegen den Entscheid der FIFA ein, doch wurde dieser noch vor dem Spiel abgewiesen. Deshalb drohten die Belgier mit dem Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS).
Spöttischer Post in sozialen Medien
Die Geschichte des Spiels selbst ist eigentlich schnell erzählt. Belgien liess fahrig auftretenden US-Amerikanern keine Chance und bezwang diese 4:1. Bei mehreren Gegentoren patzten die US-Boys oder waren in der Defensive völlig unsortiert. Damit steht das Team von Trainer Garcia im Viertelfinal gegen Spanien (Freitag, 21 Uhr).
Nach dem Erfolg ist der Ärger bei den Belgiern etwas verflogen. Stattdessen herrscht nun auch bei ihnen – wie bei vielen Fussballfans – Schadenfreude vor. «Macht das mal rückgängig», schrieb der offizielle Account des Nationalteams nach dem Spiel über zwei Jubelbilder in den sozialen Medien. Die Spieler selbst hatten das Tor von Romelu Lukaku zum 4:1-Endstand bereits mit dem typischen Tanz von Donald Trump gefeiert.
Die Geschehnisse der letzten Tage waren also offensichtlich in den Hinterköpfen der Roten Teufel. Youri Tielemans berichtete, dass das Team zusammengesessen sei, nachdem es von der Balogun-Begnadigung erfahren hatte. «Wir haben uns gesagt, dass wir unsere Taten auf dem Feld für uns sprechen lassen müssen. Und das haben wir heute getan.» Goalie Thibaut Courtois sagte hingegen, dass die ganze Debatte während der Partie keine grosse Rolle gespielt habe: «Ich habe das gelesen und darüber gelacht. Ich war etwas zuversichtlicher heute, dass wir gewinnen würden, als gegen den Senegal.» Belgien schlug den Senegal im Sechzehntelfinal mit grosser Mühe 3:2 nach Verlängerung. «Sie waren ein besseres Team als die USA, und das hat man heute gesehen», so Courtois.
🇧🇪 En el gol de Lukaku los futbolistas de Bélgica festejaron haciendo el baile que suele hacer el presidente de Estados Unidos, Donald Trump. pic.twitter.com/AeVj4B0QwS
— Fútbol y Política (@FutboliPolitica) July 7, 2026
Grosse Enttäuschung bei den USA
Die USA zeigten im Achtelfinal gegen Belgien ihren bisher schwächsten Auftritt. Womöglich spielten die Unruhen rund um das Team eine Rolle, aber das wäre reine Spekulation. Fox-Expertin Carli Lloyd sagte danach: «Ich habe das Gefühl, dass sie das Spiel verloren haben, bevor sie aufs Feld gegangen sind.» Das Team von Trainer Mauricio Pochettino habe von Beginn weg «zögerlich und ängstlich» gewirkt und sei am Ball zu wenig selbstbewusst gewesen.
Besonders enttäuscht zeigte sich die zweifache Weltmeisterin und zweifache Olympiasiegerin von Christian Pulisic. «Will er nun der Star des Teams sein oder nicht? Wir haben nicht genug von ihm gesehen. Nicht nur in diesem Spiel, sondern bei der ganzen WM», so Lloyd. Der 27-Jährige hatte während des Turniers mit Verletzungen zu kämpfen und musste auch gegen Belgien nach weniger als einer Stunde ausgewechselt werden. Bis dahin zeigte der Flügelspieler einen schwachen Auftritt. Unter anderem verlor er 14 Mal den Ball.
Trainer Pochettino sprach nach dem WM-Aus ebenfalls von einer Enttäuschung. «Wir haben nicht gezeigt, was wir normalerweise zeigen. Das ist die Realität», erklärte der 54-jährige Argentinier. Sein Team sei nicht ins Spiel gegangen wie sonst an dieser WM. Nun müssten die Gründe dafür gefunden werden. «Vielleicht ist die Erklärung einfach: Es war nicht unser Tag», so Pochettino.
Pochettinos Zukunft ist offen
Ob der frühere PSG- und Tottenham-Trainer weiterhin an der Seitenlinie der US-Boys bleibt, ist unklar. Vor der WM hatte er eine vorzeitige Vertragsverlängerung abgelehnt. Seine aktuelle Einigung mit dem US-Verband läuft nur bis Ende Juli. Es bleibt abzuwarten, ob die beiden Seiten nun gemeinsam weitermachen wollen. Schliesslich endete die Heim-Weltmeisterschaft nun mit einer Enttäuschung. Der Euphorie im Lande, in dem Fussball ohnehin einen schweren Stand hat, könnte dies einen herben Dämpfer verpassen.
Mit Blick auf das Team um Pulisic, Captain Weston McKennie (beide 27), Abwehrchef Chris Richards (26) oder auch Stürmer Folarin Balogun (25) zeigte sich Lloyd zumindest trotzdem optimistisch: «Es war eine tolle WM und das Team hat eine schillernde Zukunft.»
Nach den Geschehnissen rund um die Sperre gegen Balogun bleibt nach dem Ausscheiden der USA, die in den ersten Turnierwochen noch so begeistert haben, jedoch erst einmal ein fader Beigeschmack. International hat das dem US-Nationalteam weitere Sympathien gekostet – und die Episode könnte diesem noch einige Zeit anhaften.
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