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Emotionale Australierinnen nach dem 3:2-Sieg gegen Brasilien.
Emotionale Australierinnen nach dem 3:2-Sieg gegen Brasilien.Bild: EPA/EPA

5 Dinge, die Männer im Fussball von den Frauen lernen können

14.06.2019, 20:58

Die Fussball-WM der Frauen in Frankreich kommt beim Publikum an. Beim ZDF, das fast alle Spiele live überträgt, schaltet ein Millionenpublikum zu. Beim 1:0-Sieg Deutschlands gegen Spanien (Anpfiff um 18 Uhr) lag der Marktanteil bei starken 29,4 Prozent.

Die Fussballfans, die sonst nur bei den Männern einschalten, dürften dabei einige neuen Dinge kennengelernt haben – obwohl wir hier vom gleichen Sport sprechen. Nein, wir sprechen nicht über die elendigen Vergleiche in der Physis zwischen Männer- und Frauenfussball wie Schnelligkeit oder Dynamik. Wir sprechen über die charakterlichen Unterschiede. Und da müssen die Männer noch sehr viel von den Frauen lernen.

Weniger Gemotze

Fouls gab es bei dieser WM schon einige. ZDF-Kommentatorin Claudia Neumann zog sogar schon das Vor-Fazit, dass es jetzt schon ein Problem mit Tritten gebe. Und tatsächlich gibt es viele kleine Fouls – wie es eben im Fussball immer so ist. Was aber auffällt: Die Spielerinnen motzen fast gar nicht. Nach einer Entscheidung geht es meist sofort weiter. Fans, die sonst Männerfussball schauen, dürfte das überraschen. Denn sie kennen das von den Profis bis in den Amateurbereich mittlerweile nicht mehr anders: Es wird nicht nur gemotzt, so manch ein Schiedsrichter kassiert auch mal Prügel.

Viel mehr als harmloses Reklamieren ist den WM-Stadien nicht zu sehen.
Viel mehr als harmloses Reklamieren ist den WM-Stadien nicht zu sehen.Bild: AP/AP

«Bei den Männern wird viel mehr diskutiert und es gibt mehr Theater, um etwa Freistösse zu bekommen. Beim Frauenfussball wird das einfach hingenommen. Vielleicht liegt es daran, dass wir Frauen wissen, dass es nichts bringt, zu diskutieren, wenn die Entscheidung getroffen wurde – und die Männer nicht», sagte die deutsche Nataionalspielerin Kathrin Hendrich dazu.

Weniger Schwalben

Genau wie beim Motzen ist es mit den Schwalben. Diese Unart hat sich bei den Männer auch durch den Videobeweis nicht unbedingt gebessert. Noch immer werden kleine Berührungen zu K.o.-Schlägen herbei geschauspielert und jeder noch so kleine Schubser provoziert einen sterbenden Schwan.

Bei den Frauen ist das anders. Kaum Schauspielerei und nur wenige Schwalben gibt es bei der WM. Davon können sich die Männer eine Scheibe von abschneiden.

Es wird mit Haken und Ösen gekämpft.
Es wird mit Haken und Ösen gekämpft.Bild: EPA/EPA

Grösserer Teamgedanke

Es mag nur so wirken, doch in sehr vielen Spielen dieser WM steht der Teamgedanke ganz weit oben. Immer wieder suchen die Spielerinnen nach ihren Kolleginnen, um Situationen spielerisch und als Team zu lösen. Immer wieder werden Zusammenspiele bemüht. Es gibt kaum Ego-Aktionen. Bei Toren stürmen mehr als elf Spielerinnen zur Torschützin, auch sonst jubelt und trauert man in den Teams zusammen. Von Star-Allüren ist noch nicht viel zu sehen.

Bei einigen Stars aus dem Männerbereich spielen die eigenen Interessen eine wesentlich grössere Rolle. Es gibt auch bei den Männern den unbedingten Willen, als Team so ein Spiel zu gewinnen, doch manchmal scheint das eigene Tor, das eigene Dribbling, der geniale Pass wichtiger zu sein.

Die Chinesinnen feiern den 1:0-Sieg gegen Südafrika als Einheit.
Die Chinesinnen feiern den 1:0-Sieg gegen Südafrika als Einheit.Bild: AP/AP

Nahbarkeit der Spielerinnen

Bei jedem Tor und vor jedem Spiel ist allen Spielerinnen anzumerken, wie wichtig ihnen dieses Turnier ist. Für die meisten Spielerinnen sind solche grossen Arenen und mehrere Tausend Zuschauer ein Highlight, das sie während der Saison (oder in ihrer ganzen Karriere) praktisch nie erleben. Und das ist wunderschön, denn die Spielerinnen sind noch so nahbar, offen und so gar nicht abgehoben.

Anders die Männer: Die werden mitunter bei jedem Gang zum «Beck» erkannt, doch dadurch sind sie einfach sehr weit weg von den Fans. Das Rad lässt sich sicherlich nicht zurückdrehen und wären die Frauen Weltstars, dann wären auch sie anders drauf.

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Offenere Interviews

Einen weiteren Vorteil hat die sonst fehlende Aufmerksamkeit bei den Interviews. Diese sind nicht so aalglatt, wie die der Männer. Während diese ständig Angst haben müssen, dass jeder Halbsatz am nächsten Tag von der Öffentlichkeit zerrissen wird, hauen die Damen so manche klare und offene Ansage raus. Ein Beispiel gefällig? Wieder Kathrin Hendrich: «Frauen sind im Fussball deutlich härter im Nehmen als Männer.» (pre)

So wie bei Per Mertesacker nach dem WM-Achtelfinal gegen Algerien tönt das leider nur selten.Video: YouTube/Kevin Owens
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