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Switzerland's head coach Vladimir Petkovic speaks during a press conference at the A. Le Coq Arena in Tallinn, Estonia, on Sunday, October 11, 2015. Switzerland is scheduled to play an UEFA EURO 2016 group E qualifying soccer match against Estonia on Monday, October 12, 2015. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)

Vladimir Petkovic hat Erfolg, dennoch fliegen ihm die Herzen der Fans (noch) nicht zu.
Bild: KEYSTONE

Soll mit Nati-Trainer Petkovic verlängert werden? Vier Gründe, die dafür und vier, die dagegen sprechen

Vladimir Petkovic hat nach Wochen des Schweigens ein klares Statement abgegeben. Er will auch nach der EM 2016 Nati-Trainer bleiben. Die Vertragsverlängerung scheint nur noch Formsache zu sein. Aber wollen wir das überhaupt?



Das Ziel ist erreicht: Vladimir Petkovic hat die Schweizer Fussball-Nati an die EM 2016 in Frankreich geführt. Damit hat sich sein Vertrag automatisch bis nach der Endrunde im kommenden Sommer verlängert. Und was passiert danach? Wird Petkovic die Schweiz auch in der Qualifikation für die WM 2018 in Russland betreuen? Vieles deutet darauf hin.

Nach dem 7:0 gegen San Marino und der damit verbundenen Qualifikation für die EM 2016 hatten sowohl Petkovic als auch der Verband zum Thema geschwiegen. Bis am Samstag: In einem Interview mit der Tribune de Genève ist der 52-jährige Nati-Coach nun in die Offensive gegangen. Auf die Frage, ob er die Schweiz an die WM 2018 führen wolle, antworte er ohne Umschweife: «Ja, natürlich will ich das!»

Ljljiana und Vladimir Petkovic, Trainer der Schweizer Fussball Nationalmann, posieren fuer ein Foto auf dem roten Teppich an der Schweizer Premiere des neuen James-Bond-Films

Petkovic mit Gattin Ljiljana an der Bond-Premeiere: Sein Glamour-Faktor hält sich ansonsten aber in Grenzen.
Bild: KEYSTONE

Offenbar ist auch der Verband gewillt, mit Petkovic weiterzumachen. Der Sonntags Blick will wissen, dass erste Gespräche über eine Vertragsverlängerung «sehr konstruktiv» verlaufen sind. Noch vor Weihnachten soll der neue Zweijahresvertrag unterschrieben werden.

Tinte trocken, alles gut? Moment! Macht es überhaupt Sinn, mit Petkovic bereits jetzt zu verlängern? Wir haben vier Gründe, die dafür und vier Gründe, die dagegen sprechen.

Pro I: Ziel erreicht

8 Siege, 2 Unentschieden und 3 Niederlagen: Vladimir Petkovic hat als Nachfolger die Arbeit von Ottmar Hitzfeld nahtlos weitergeführt und die Schweiz als Gruppenzweiter an die EM 2016 geführt. In einer Gruppe mit England, Slowenien, Estland, Litauen und San Marino war das Erreichen dieses Minimalziels zwar erwartet worden, aber eine Selbstverständlichkeit ist das nie: Holland kann gerade ein Lied davon singen.

epa04971098 Swiss head coach Vladimir Petkovic (R) celebrates with Xherdan Shaqiri (L) after the UEFA EURO 2016 qualifying group E soccer match between Switzerland and San Marino in St. Gallen, Switzerland, 09 October 2015. Switzerland won 7-0.  EPA/ALESSANDRO DELLA VALLE

Vladimir Petkovic freut sich mit Xherdan Shaqiri über die EM-Qualifikation.
Bild: EPA/KEYSTONE

Pro II: Keine unnötige Aufregung

Eigentlich läuft ja alles nach Plan. Petkovic hat in seinen ersten beiden Jahren als Nati-Trainer keine groben Fehler gemacht und die Verbandsbosse wissen, was sie an ihm haben. Die EM abzuwarten und erst dann über eine Vertragsverlängerung zu entscheiden, wäre jetzt das falsche Zeichen und würde nur unnötige Unruhe rund um die Nati entstehen lassen.

Pro III: Mangelnde Alternativen

Würde der SFV erklären, dass man nicht mit Petkovic weitermachen will, müsste innert nützlicher Frist ein Nachfolger präsentiert werden. Dass der Verband dabei nicht immer ein glückliches Händchen hat, bewies er zuletzt bei der Suche nach einem Hitzfeld-Nachfolger. Damals machte man Marcel Koller zum grossen Favoriten und musste nach dessen Absage Petkovic als Kandidat 1B präsentieren.

Ausserdem fehlen momentan auch die Alternativen: Der erwähnte Koller avanciert in Österreich gerade zur Kultfigur und wird seine Mannschaft nach der erfolgreichen EM-Quali nicht Knall auf Fall verlassen. Für Lucien Favre käme ein Angebot nach seinem überhasteten Abgang in Gladbach wohl zu früh. Pierluigi Tami blüht als Klubtrainer bei GC gerade so richtig auf und gegen Murat Yakin spricht nicht nur sein gescheitertes Ausland-Abenteuer in Moskau, sondern auch sein Rauswurf als Meistertrainer beim FC Basel und die einhergehenden Gerüchte um menschliche Defizite.

05.10.2015; Freienbach; Schweizer Fussball Nationalmannschaft; Trainer Vladimir Petkovic beim Training in Freienbach; (Steffen Schmidt/freshfocus)

Wer sonst, wenn nicht Petkovic.
Bild: Steffen Schmidt/freshfocus

Pro IV: Er lässt Fussball spielen

Nein, puren Resultat-Fussball kann man Petkovic und seiner Nati nicht vorwerfen. Anders als noch unter Ottmar Hitzfeld spielt die Schweiz mittlerweile in fast jedem Spiel bedingungslos nach vorne. Sogar beim 0:2 gegen England im Wembley hatte die Schweiz mehr Ballbesitz als der Gastgeber. 

Natürlich garantiert die taktische Ausrichtung allein noch keine Siege, aber die vorgegebene Richtung stimmt. Die attraktive Spielweise gefällt nicht nur den Spielern, sondern auch den Fans, die in den Jahren zuvor nicht immer bedingungslos hinter der Nati standen.

Soll Vladimir Petkovic auch nach der EM 2016 Nati-Trainer bleiben?

Contra I: Kein Fortschritt

Die Schweizer Nati hat unter Petkovic ihr Ziel, die EM 2016 erreicht. Nicht weniger, aber leider auch nicht mehr. Ohne Last-Minute-Tore wie gegen Litauen und Slowenien wäre es eng geworden, dabei hat die Nati doch den Anspruch an sich selbst gestellt, bald möglichst mit den grossen Fussball-Nationen auf Augenhöhe zu spielen. Davon war in der EM-Quali wenig zu sehen: Gegen England, das bei einem grossen Turnier zuletzt 1990 zu den besten vier Teams gehörte, blieb man zweimal absolut chancenlos. Trotz mehr Ballbesitz ...

Contra II: Fixes Team im Kopf

Das Aufgebot für die Testspiele gegen die Slowakei und Österreich in der nächsten Woche hat es wieder einmal deutlich gemacht: Petkovic fehlt der Mut zur Veränderung. Keinen einzigen Neuling hat er aufgeboten. Mit Josip Drmic, Gökhan Inler und Valon Behrami hält er dagegen an Spielern fest, die seit Wochen ihrer Form weit hinterher laufen.

Die zweite und dritte Garde erhält dagegen kaum eine Chance, sich zu beweisen: Valentin Stocker oder Super-League-Aufsteiger Luca Zuffi scheinen in Petkovics Überlegungen keine grosse Rolle zu spielen. Natürlich ist es nicht verkehrt, formschwache Spieler nicht gleich fallen zu lassen. Sie über die Schmerzgrenze hinaus zu stützen und die Nati als Spielpraxis-Oase zu missbrauchen, kann aber auch keine Lösung sein.

11.11.2014; Freienbach; Fussball EM Quali - Training Nati;  
Vladimir Petkovic (L) und Goekhan Inler (R)
(Nick Soland/freshfocus)

Petkovic und sein Captain: Gökhan Inler scheint seinen Platz in der Nati sicher zu haben.
Bild: Nick Soland/freshfocus

Contra III: Dünnhäutigkeit

Trotz seiner unaufgeregten Art reagierte Petkovic in seinen ersten zwei Jahren als Nati-Trainer auf Kritik nicht sehr souverän. Immer wieder monierte er die negative Berichterstattung der Medien, holte zum Rundumschlag aus und beklagte die mangelnde Wertschätzung seiner Arbeit. Die Dünnhäutigkeit färbt auch auf sein Team ab, das ohnehin den Hang hat, sich selbst zu überschätzen. Petkovic wäre deshalb gut beraten, Kritik von aussen weniger nah an sich heran zu lassen und sich nur vor seine Mannschaft zu stellen, wenn es auch wirklich angebracht ist.

Contra IV: Kein Reisser

Wir schauen derzeit etwas neidisch nach Osten: Während bei uns die EM-Qualifikation eher nüchtern als euphorisch zur Kenntnis genommen wurde, ging bei den Österreichern so richtig die Post ab. Das letzte, bedeutungslose Quali-Spiel orchestrierte man als riesengrosse Party, ausgelassen wurde der Erfolg gefeiert und Fans wie Spieler hatten danach das Gefühl: Hier wächst etwas Grosses heran.

Das ist auch der Verdienst von Marcel Koller. Anders als bei Petkovics Nati hat man in Österreich das Gefühl, dass Koller und seine Mannschaft eine verschworene Einheit sind, die ein gemeinsames Ziel haben: In Frankreich den grossen Coup zu landen. Petkovic dagegen wirkt nicht wie ein Motivationskünstler, steht mit seiner unaufgeregten Art dafür, die Erwartungen tief zu halten und erst einmal das Minimalziel zu erreichen. So sind aber leider keine Sommermärchen möglich – und ein solches würden wir alle auch gern einmal erleben.

Die 10 schönsten WM-Momente der Schweizer Fussball-Nati

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Clank 09.11.2015 19:26
    Highlight Highlight Vielleicht sollten wir unsere Erwartungen etwas runterschrauben.
    Wir wollen mit den Grossen auf gleiche Höhe spielen, dabei haben wir aber nicht mal 2 Spieler, die in Topclubs sind. Quasi alle Schweizer in den grossen Ligen sind entweder Reservisten oder spielen in abstiegsgefährdeten Teams, die kaum besser sind als die besseren SuperLeague Teams. Und selbst in den schwächeren Teams, stechen die Natispieler nicht besonders raus.
    Wir hatten einfach grosse Hoffnung auf die junge Shaqiri Generation gesetzt. Heute stellt sie sich aber als Mittelmass raus. Die Ösis haben das bessere Kader.
    • Jol Bear 10.11.2015 00:22
      Highlight Highlight Insbesondere im Sturm fehlen international konstant überdurchschnittliche Spieler. Embolo ist hier der Hoffnungsträger für Kreativität, braucht aber noch etwas Zeit. Unerwartetes in eins zu eins Situationen ist nur von Shaqiri möglich. Die andern haben einige gute Monate, sind danach wieder wochenlang Mittelmass (Drmic, Mehmedi, Seferovic). Die offensive Mängel waren auch der Grund für die Niederlagen gegen England, welches im Sturm um Klassen besser besetzt ist. Um dies zu ändern, bringt auch ein Trainerwechsel nichts, das Defizit ist auf dem Spielfeld, nicht auf der Trainerbank.
  • AdiB 09.11.2015 17:08
    Highlight Highlight petkovic macht das gut. der ist ein guter trainer der halt nichts reskiert.
    beim heutigen fussball gehts nicht mehr drum ein haufen tore zu machen sonder nur um sieg und wenn es dann nur ein 1:0 ist.
    die schweiz hat, mit 26 durchschnittsalter, ein ziemlich junges team. ein par alte erfahrene spieler brauchts. auf internationalem niveau kann ein frischgebackener junger spieler nichts reisen. der druck und der umgang damit ist ne sache der erfahrung.
    das petkovic bei den freundschaftspielen nichts ausprobiert liegt daran das er seine 21 spieler hat und die em ist nächstes jahr.
  • beatz 09.11.2015 16:42
    Highlight Highlight Mourinho wird bald zu haben sein ;-))
    Und Blatter könnte ihn bezahlen ...
  • royal 09.11.2015 16:25
    Highlight Highlight Wollen wir Fortschritte machen und wirklich die grossen Nationen angreifen und uns in der Top10 festigen (nicht die lausige Welttabelle sondern effektive Wahrnehmung(Resultate))? Dann müsste man meiner Meinung nach wechseln. Petkovic hat aus dem vorhandenen Spielermaterial zu wenig gemacht.

    Evt. bräuchte Petkovic einfach auch mehr Zeit?

    Mmn nicht Hals über Kopf entscheiden sondern nur den Trainer wechseln, wenn es ganz klar ein Upgrade ist.

    Dafür kommen aktuell nicht viele in Frage :)
  • Amboss 09.11.2015 16:03
    Highlight Highlight Sehr treffende Analyse. Auch ich hab gehofft , dass ein anderer Wind weht in der Nationalmannschaft. Der unglaublich langweilige Beton-Resultatfussball unter Hitzfeld war ja nicht zum anschauen. Unter Petkovic ist es leider kaum anders...
    Ich hoffe, Petkovic bringt nach der EM den Mut auf, Spieler zu nominieren, die im Verein Woche für Woche was reissen. Spieler, die eine positive Energie ins Team bringen. Nicht wie Behrami, Shaqiri, Drmic, Inler...
    Das Erbrecht gilt in der Nati schon zu lange....
  • länzu 09.11.2015 15:25
    Highlight Highlight Lieber heute als erst morgen eine euen Coach suchen. Mit Petkovic wird das nichts. Der kann ja Schweiz 2 mit seinen Lieblingen trainieren und mit denen zu irgendwelchen Grümeplturnieren anreisen. Inler, Behrami, Fernandes, von Bergen, Schär und wie sie alle heissen, werden begeistert sein. Denn bei einem anderen Coach wären sie defintiv nicht mehr im Aufgebot.
    • welefant 09.11.2015 16:04
      Highlight Highlight warum nicht Fernandes?
  • SaveAs_DELETE 09.11.2015 14:37
    Highlight Highlight Auch der Vertrag von Marcel Koller in Österreich läuft mit der EM aus: Holt ihn zurück in die Schweiz!!

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