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epa06872275 Domagoj Vida of Croatia celebrates the 1-1 goal during the FIFA World Cup 2018 quarter final soccer match between Russia and Croatia in Sochi, Russia, 07 July 2018.

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Pura Vida. Bild: EPA/EPA

Domagoj Vida – wer ist Kroatiens tollpatschiger Bier-Liebhaber?

Toni Lukic / watson.de



Wenn ein Spieler in Kroatiens neuer goldener Generation als Schwachpunkt ausgemacht wurde, dann war das Domagoj Vida. Während seine Kollegen in der Abwehr bei Top-Klubs spielen – Lovren (Liverpool), Vrsaljko (Atletico Madrid), Strinić (AC Mailand) – verdient der Defensiv-Allrounder seine Brötchen bei Besiktas Istanbul. Vida hat weder die Technik noch den Körper oder die Schnelligkeit, um Stürmern das Schrecken zu lehren. Angsteinflössend ist maximal der blonde Zopf in Kombination mit dem leicht tumben Lächeln, das von einem Segelohr zum anderen reicht.  

Doch Vida ist seit seinem Debüt 2010 eine der Konstanten bei den «Vatreni». Mit seinem nie enden wollenden Motor und als einer der emotionalen Leader des Teams spielt er eine bärenstarke WM. Bis zum Viertelfinale machte der Innenverteidiger kein einziges Foul, wohl wissend, wie gefährlich gegnerische Freistösse im modernen Fussball sind. Vida ist immer da, wenn man ihn braucht. Im Viertelfinale gegen Russland wechselte der Innenverteidiger in der Verlängerung auf die Rechtsverteidiger-Position, um in der 111. Minute zur 2:1-Führung einzunicken.

epa06872679 Domagoj Vida (R) of Croatia celebrates with his teammates after scoring the 2-1 lead during the FIFA World Cup 2018 quarter final soccer match between Russia and Croatia in Sochi, Russia, 07 July 2018.

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Vida jubelt nach seinem Treffer im Viertelfinal gegen Russland. Bild: EPA/EPA

Als im Elfmeterschiessen Pivarić, der schon gegen Dänemark  vom Punkt vergab, sich nicht sicher fühlte, übernahm Vida und haute den Ball trocken rein.

Vida war nach dem Abpfiff so glücklich, dass er gleich mal im Interview zum Besten gab, dass die Spieler in der Kabine mit Musik, Saft und Bier feiern. 

Für grosse Aufregung sorgte danach ein Video mit dem Ex-Dynamo-Kiew-Mitspieler und Assistenz-Trainer Ognjen Vukojević. Darin sagt er «Ehre für die Ukraine», was 2014 ein Slogan der revolutionären Bewegung in der Ukraine war. Die Fifa sprach eine Verwarnung aus, sperrte Vida nicht, auch weil der kroatische Verband Vukojević als Bauernopfer aus dem Trainer-Team entliess.

Das Problem: Zwei Tage später tauchte ein neues Video mit dem anderen Co-Trainer Ivica Olić auf, das Vida noch mehr Probleme bereiten dürfte.

Darin posiert der 29-Jährige mit einem Bier (eines offiziellen Fifa-Sponsors), ruft erneut «Ehre für die Ukraine» und «Belgrad brennt». Während viele Medien ihm das als Nationalismus auslegen, erklärt er sich in dem Video sofort selbst: «Ich grüsse die Kneipe Beograd in Kiew, da waren wir häufig ...» Anschliessend stimmt er das Lied «Die Kneipe ist mein Schicksal» an. 

Und dieser Spruch passt ziemlich gut zu Vidas Eskapaden. 

Schon nach dem gewonnenen Achtelfinal gegen Dänemark posierte er auf dem Mannschaftsfoto mit zwei Bierflaschen, eine davon schüttete er über Ivan Rakitić aus.

Die Geschichten über seine Liebe zum Gerstensaft sind legendär. Als er sich mit Dinamo Zagreb zu einem Pokalspiel bei einem unterklassigen Verein aufmachte, öffnete er noch in Zagreb das erste Bier. Das fand der Trainer Ante Čačić gar nicht lustig und schmiss Vida aus dem Bus. Die Strafe: saftige 100'000 Euro.

In einem Interview wurde er mal gefragt, was er auf eine einsame Insel mitnehmen würde. Das war seine Antwort:

«Auf eine einsame Insel würde ich meine Freundin, einen Ball und Bier mitnehmen.»

Domagoj Vida

Vida ist einer dieser Spieler, die das Skurrile anziehen. Im November 2017 beim Europa-League-Spiel von Kiew gegen YB holte er sich bei einem Kopfball-Duell eine blutende Platzwunde. Das Blut floss trotz Verband nur so aus seinem Kopf, doch Vida wollte von einer Auswechslung nichts wissen. Am Ende musste er vom Trainer überredet werden, ausgewechselt zu werden.

Dynamo Kiev's Domagoj Vida from Croatia, right, approaches Dynamo Kiev's head coach Aleksandr Khatskevich as he leaves the pitch after being injured during the Group B Europa League soccer match between Dynamo Kiev and Young Boys at the Olympiyskiy stadium in Kiev, Ukraine, Thursday, Oct. 19, 2017. (AP Photo/Andriy Lukatsky)

Trotz der «leichten» Wunde an der Stirn wollte Vida auf dem Platz bleiben. Bild: AP/AP

Unvergessen auch sein erstes Champions-League-Spiel für Besiktas Istanbul gegen Bayern München, als er wegen eines Fehlpasses seines Mitspielers nach 16 Minuten eine Notbremse gegen Lewandowski rausholte. 

Doch wenn man sich auf «Viva la Vida» verlassen muss, dann ist der Mann für die entscheidenden Momente da. Bei Dinamo Zagreb traf er in der 98. Minute gegen Ludogorets, was den Weg in die Champions League für die Kroaten ebnete. Für Dynamo Kiew schoss er 13 Tore in 160 Spielen, eines davon brachte den Hauptstädtern 2015 die erste Meisterschaft nach sechs Jahren. Dreimal erzielte er das spielentscheidende Tor gegen den grossen Rivalen Schachtar Donezk. Für Besiktas gelang ihm auch schon ein Treffer im Derby gegen Fenerbahce. 

Dazu ist Vida der perfekte Mitspieler, der Löcher stopft, immer voran geht und seine Kollegen animiert. Als bei einer Pressekonferenz ein Reporter Torwart Subašić eine Frage zu seinem auf dem Feld verstorbenen Freund Hrvoje Ćustić stellte, brach der Torhüter in Tränen aus. Vida nahm ihn in den Arm und tröstete ihn.

epa06861719 Croatia's goalkeeper Danijel Subasic reacts to a question concerning a friend who died after hitting his head on a concrete wall during a match in 2008, during a press conference with teammate Domagoj Vida (R) in Sochi, Russia, 03 July 2018. Croatia will face Russia on 07 July in a quarter final match of the FIFA World Cup 2018 in Sochi.  EPA/MOHAMED MESSARA

Vida tröstet seinen Teamkollegen während einer Pressekonferenz. Bild: EPA/EPA

Vida ist so etwas wie die gute Seele des kroatischen Teams. Um Weltmeister zu werden, braucht es solche Spieler. Und wenn Kroatien Weltmeister wird, dann kann er sich auch ein paar Bier gönnen – ganz ohne schlechtes Gewissen. Auch wenn er das wahrscheinlich sowieso nicht hätte ...

Tränen der Fans – die Ausgeschiedenen

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