Ungebetene Gäste, Gewalt und Geldsorgen – die vielen Probleme der Fussball-WM 2026
Die unsichere Weltlage beeinflusst auch das Sportgeschehen der kommenden Monate. Selbst die Fussball-WM, die erst in knapp drei Monaten beginnt und weit entfernt vom Brennpunkt im Nahen Osten stattfindet, ist davon betroffen. Die meisten Baustellen sind allerdings hausgemacht. Eine Übersicht:
Iran
Sportlich den grössten Einfluss auf das Turnier, ob der Iran, der sich mit den USA im Krieg befindet, an der WM teilnimmt. Die Signale sind widersprüchlich. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran sei «willkommen, am Turnier teilzunehmen», aber auch, dass es «unangebracht, für ihr eigenes Leben und ihre Sicherheit, wäre, wenn die iranischen Spieler in den USA dabei wären».
Die drei Spiele des Iran in der Gruppe G gegen Neuseeland, Belgien und Ägypten sind in Los Angeles und Seattle geplant, die Teambasis in Tucson, Arizona. Sollte der Iran nicht teilnehmen, stellt sich die Frage seines Ersatzes. Dies könnte der Irak sein, der als letztes asiatisches Team die direkte Qualifikation verpasste, aber in zwei Wochen im interkontinentalen Playoff spielt. Das letzte Team, das gegen den Irak ausschied, waren die Vereinigten Arabischen Emirate.
Immigrationspolitik
Manche Nationalteams dürften ohne Fans aus der Heimat antreten müssen. Gegen die Bürger diverser Länder, darunter die WM-Teilnehmer Iran, Haiti, Elfenbeinküste und Senegal, gelten Einreisesperren. Die Teammitglieder wird dies nicht betreffen, andere Reisende aber schon. Auch die Reisen anderer Staatsangehöriger in die USA sind wegen möglicher Probleme an der Grenze zum Teil deutlich zurückgegangen.
Gewalt in Mexiko
Am 22. Februar töteten mexikanische Soldaten den Drogenboss Nemesio Cervantes (El Mencho). Das Jalisco-Kartell revanchierte sich mit einer Welle der Gewalt. In der Hauptstadt des Bundesstaats Jalisco, Guadalajara, sind vier WM-Spiele geplant, und Ende März auch Partien des interkontinentalen Playoffs. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte, dass 100'000 Sicherheitsleute für das Wohlergehen der erwarteten Besucher sorgen sollen.
Finanzen
Im kleinen Bostoner Vorort Foxborough wurde erst kurz vor einer Deadline am 17. März eine Lösung für die Kosten von 7,8 Mio. Dollar gefunden. Die lokalen Behörden bestanden auf einer Vorauszahlung des Bundesbeitrags, um die Lizenz zur Austragung der sechs in Foxborough geplanten Spiele auszustellen.
Robert Kraft, Besitzer des Football-Teams New England Patriots und des Stadions, erklärte sich bereit, das Geld vorzuschiessen. Auch an anderen Spielorten besteht Unsicherheit über die Höhe und den Zeitpunkt der Auszahlung der Bundesbeiträge, die sich wegen des teilweisen Shutdowns von Regierungsbehörden verzögert. An manchen Orten wurden bereits die Zonen und Aktivitäten, die für Fans ohne Tickets geplant sind, verkleinert.
Hohe Steuern
Die Mitteilung traf den Schweizerischen Fussballverband im Dezember wie ein kleiner Schock. Im Gegensatz zu den letzten Weltmeisterschaften – und vor allem auch im Unterschied zu Kanada und Mexiko, die darauf verzichten – müssen in den USA Steuern auf die Prämien der FIFA bezahlt werden. Diese fallen je nach Bundesstaat unterschiedlich aus.
Ausgerechnet in Kalifornien, wo die Schweizer zwei ihrer drei Gruppenspiele austragen, ist er besonders hoch. 8,1 Mio. Dollar erhält der SFV für die überstandene Qualifikation, respektive als Antrittsprämie. Ein feiner, aber entscheidender Unterschied, denn das Geld fliesst erst, wenn man auch an der WM teilnimmt, und muss deshalb im Fall der Schweiz in Kalifornien versteuert werden. Bei den letzten WM-Endrunden resultierte für den SFV jeweils ein Gewinn von 1,5 bis 3 Mio. Franken, der in Projekte investiert werden konnte.
So sieht das WM-Hotel der Schweizer Nationalmannschaft aus
Nun droht die WM zu einem Verlustgeschäft zu werden, falls man vor den Achtelfinals ausscheidet. Noch gibt es aber Hoffnung. Zusammen mit anderen europäischen Verbänden hat man bei der FIFA interveniert, wie SFV-Kommunikationschef Adrian Arnold bestätigt. Er moniert insbesondere die Ungleichbehandlung der Teilnehmer, je nach dem, ob und wie viele Steuern bezahlt werden müssen. Im Idealfall soll bis zum FIFA-Kongress Ende April eine Lösung bestehen. Allenfalls gelingt es Präsident Gianni Infantino mit seinem guten Draht zu Trump, die USA zu einem Verzicht auf die Steuern zu bewegen. Wahrscheinlicher ist aber, dass die zu zahlenden Steuern gleichmässig auf alle Verbände verteilt werden, egal, wo sie spielen und ihr Quartier haben.
Spiele in der Nacht
Zum Leidwesen der TV-Fans und -Sender in Europa werden «nur» 36 der insgesamt 104 Matches in der grössten Mittagshitze zwischen 12 und 15 Uhr Lokalzeit angepfiffen. Das bedeutet mehr Partien in der Nacht, bis 6 Uhr morgens Schweizer Zeit. Das dürfte auf die Einschaltquoten drücken, und im Fall von ARD und ZDF kommt dazu, dass die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland nach 20 Uhr keine Werbung mehr schalten dürfen. Die Schweizer Fans haben mit allen drei Gruppenspielen um 21 Uhr Glück, andere weniger. (abu/sda)
