DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Switzerland's Massimo Busacca, FIFA-director of the Department of Refereeing Developments speaks during a media conference regarding the Video Assistant Referee (VAR) at a hotel in Brussels on Tuesday, May 8, 2018. (AP Photo/Virginia Mayo)

Busacca hält fest: «In der einen oder anderen Situation hätte ich gern auf den VAR zurückgegriffen.» Bild: AP

FIFA-Schiriboss Busacca: «Mit dem Videobeweis wird der Fussball korrekter»

Massimo Busacca hält den Videobeweis für eine formidable Lösung. Der Boss der FIFA-Schiedsrichterabteilung gibt vor der WM in Russland ein klares Statement ab: «Wir sind bereit und haben uns perfekt vorbereitet.»

Sven Schoch / sda



Das offizielle Regelboard IFAB hat den VAR-Passus im März definitiv in den «Laws of the Game» eingefügt. An der kommenden Endrunde in Russland setzt der Weltverband erstmals und mit voller Überzeugung auf den Video Assistant Referee (VAR). Während zwei Jahren wurde der technologische Support auf verschiedenen Ebenen geprüft, nun hat die ranghöchste Fussball-Behörde entschieden: Der Videobeweis soll die Fehlerzahl beim global wertvollsten Turnier auf ein Minimum reduzieren.

Hinter der Umsetzung des Projekts steht vor allem einer der ehemals renommiertesten Schiedsrichter: Massimo Busacca. Der Tessiner, einst an zwei WM-Endrunden, an der EM 2008 und in einem Champions-League-Final im Einsatz, seit 2011 Chef des Referee-Ressorts der FIFA, zweifelt keine Sekunde an der Notwendigkeit der Videotechnik: «Ich machte eine gute Karriere, aber in der einen oder anderen Situation hätte ich gern auf den VAR zurückgegriffen.»

Schiedsrichter Massimo Busacca zeigt sowohl GC's Richard Cabanas, kniend, als auch Basels Mario Cantaluppi die rote Karte, im Fussballspiel der NLA Finalrunde  zwischen den Grasshoppers und dem FC Basel, am Freitag, 15. Mai 2003, in Zuerich. Das Spiel der beiden Rivalen endete 2-2 unentschieden. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Busacca bei GC – Basel 2003: Rot für die Streithähne Cabanas und Cantaluppi. Bild: KEYSTONE

Busacca sinniert im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA über die wirtschaftliche Tragweite der Spielleiterpfiffe. «Wir sprechen von einer Veranstaltung, die nur alle vier Jahre stattfindet. Es geht um Millionen. Ein einziger Fehler kann einen immensen Schaden verursachen», so der Südschweizer. «Schauen Sie sich die Summen an, die im Umlauf sind. Die Teams sind wie Banken

Diskutiert wird auch weiterhin

Neben dem finanziellen Aspekt kommt eine persönliche Note ins Spiel. «Hätte ich in einem grossen Match einen entscheidenden Lapsus begangen, wäre meine Karriere vielleicht sofort zu Ende gewesen.» Die doppelte Überwachung entmündige den Unparteiischen nicht, sie entlaste ihn. Er erhalte die Möglichkeit, eine Situation in Absprache mit einem Spezialistenteam neu zu beurteilen und allenfalls eine Korrektur anzuordnen; das letzte Wort bleibt weiterhin beim Ref.

«Black or White?», fragt Busacca rhetorisch. Debatten werde es weiterhin geben. «Das Hilfsmittel verhindert die Diskussion nicht. Es geht nach wie vor um Interpretationen. Aber der Fussball wird korrekter, davon bin ich zu 100 Prozent überzeugt. In Italien sank die Zahl der Verwarnungen und Platzverweise markant.» Jeder der Beteiligten wisse, dass pro Partie 33 Kameras jede Bewegung der Akteure einfangen – versteckte Fouls oder Tätlichkeiten sind nicht empfehlenswert, mit einer zeitnahen Entlarvung ist zu rechnen.

Was der Videoschiri an der WM entscheiden darf

Für Transparenz sorgt eine Leitstelle in der russischen Hauptstadt. In einem prominent besetzten Büro in Moskau werden die Aufnahmen permanent von einem vierköpfigen Spezial-VAR-Team überwacht; insgesamt hat die FIFA 13 Top-Schiedsrichter für die WM selektioniert, die ausschliesslich in der Technologie-Zentrale eingesetzt werden.

Ihre Kompetenzen sind im Prinzip geregelt, in vier Bereichen können sie im Bedarfsfall aktiv werden: bei Toren, Penaltys, Direktausschlüssen, Verwechslungen nach Verwarnungen. Die Skala ist indes dehnbar, der Interpretationsspielraum ist beträchtlich. Nur schon die Klärung der Offside-Problematik (bei Treffern) dürfte zeitintensiv werden.

epa06633192 Referee Deniz Aytekin of Germany looking at the VAR during the International friendly match between England  and Italy at the Wembley Stadium in London, Britain, 27 March 2018.  EPA/KIERAN GALVIN

Der Schiedsrichter überprüft noch einmal: Deniz Aytekin beim Länderspiel zwischen England und Italien im März. Bild: EPA

«Wo ist das Problem?», zuckt Busacca mit den Schultern. «Die effektive Spieldauer beträgt im Schnitt kaum 57 Minuten. Der Ball ruht oft – es gibt verzögerte Einwürfe, Corner, Freistösse. Heute beklagt sich niemand, wenn sich einer auf dem Feld minutenlang pflegen lässt. Das alles wird akzeptiert, und jetzt machen wir uns Sorgen, wenn wir ein paar Minuten mehr benötigen, um einen möglicherweise erheblichen Fehlentscheid zu verhindern.»

«Es geht gar nicht mehr anders»

Nach bald zweijähriger, minutiöser Planung der VAR-Einführung verteidigt Busacca die Linienwahl der FIFA dezidiert: «Es geht gar nicht mehr anders. Im Stadion stehen heutzutage jedem Zuschauer innerhalb von Sekunden auf seinem Smartphone Replays zur Verfügung.» Entsprechend müssten auch die Entscheidungsträger auf dem Hauptschauplatz so rasch wie möglich Zugang zu allen relevanten Updates haben.

«Nur», schränkt Busacca ein, «die Hilfsmittel ersetzen nie die Persönlichkeit des Schiedsrichters. Sie sind ein Sicherheitsnetz, das letzte Wort hat der Mann mit der Pfeife.» Seine Erwartungen und Vorgaben vermittelte Busacca in zahllosen Seminaren und Praxisübungen. «Jetzt müssen die Resultate folgen. Ein Coach kann nicht nur gut spielen, er muss auch gewinnen. Das gilt auch für mich.»

Alle WM-Torschützenkönige

1 / 23
Alle WM-Torschützenkönige seit 1930
quelle: ap/ap / antonio calanni
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Eisbär dringt in Hotel ein

Video: srf

Alkohol, Party und Sex in DJ-Antoines Fan-Song: «Wir haben die Leitplanken breit gesetzt»

Link zum Artikel

Nochmals 12 Prozent mehr – soviel Preisgeld verteilt die FIFA an der WM

Link zum Artikel

Die schönsten und bemerkenswertesten Nationalhymnen der 32 WM-Teams

Link zum Artikel

Nicht schön, aber ruhig – so lebt es sich im Schweizer WM-Camp in Togliatti

Link zum Artikel

FIFA-Schiriboss Busacca: «Mit dem Videobeweis wird der Fussball korrekter»

Link zum Artikel

So hast du die besten WM-Momente aller Zeiten noch nie gesehen

Link zum Artikel

Weltmeister der Outfits: Nigeria ist jetzt schon das stylischste Team der WM 2018

Link zum Artikel

So funktioniert der Videobeweis bei der WM-Premiere in Russland

Link zum Artikel

Diese Fussballer musst du im Auge haben – die Schlüsselspieler der 32 WM-Teilnehmer

Link zum Artikel

Fasten your seat belt! So war der Flug der Nati ins WM-Quartier

Link zum Artikel

Wir haben alle WM-Spiele analysiert – eine Spielminute hat es besonders in sich

Link zum Artikel

Die 23 besten WM-Momente, die du schon wieder vergessen hast

Link zum Artikel

Du willst im WM-Tippspiel gewinnen? Dann mach, was die Forscher dir raten

Link zum Artikel

Die Schweiz hat einen neuen WM-Song – er ist das Gegenteil von DJ Antoines Olé-Olé-Lied

Link zum Artikel

Die offizielle WM-Hymne heisst «Live It Up»  – und ist ... hach, wir geben auf

Link zum Artikel

Du weisst noch nicht, wem du an der WM helfen sollst? Hier findest du DEIN Team!

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Keine Ahnung von Fussball? Mit diesen 11 Floskeln wirkst auch du wie ein Profi

präsentiert vonMarkenlogo
Link zum Artikel

Wären wir Nati-Trainer, so würden wir gegen Brasilien aufstellen – und du?

Link zum Artikel

Nehmt euch in acht, Fussballfans: Die Saison der Temporär-Fans hat wieder begonnen

Link zum Artikel

Nur ein WM-Star pro Rückennummer und die Frage: Welchen wählst du aus?

Link zum Artikel

Flirt-Tipps für Russland, dann Shitstorm – Argentiniens Fussballverband entschuldigt sich

Link zum Artikel

«Extrem durch Social Media geprägt» – Hummels kritisiert «Generation Sané»

Link zum Artikel

Fünf Volltreffer und eine «Kanterniederlage» – so daneben liegt Panini mit seinem WM-Album

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Viel zu lange mussten Sie um Anerkennung kämpfen – ein offener Brief an Vladimir Petkovic

Der Trainer der Schweizer Nati steht vor einem Wechsel in die Ligue 1 in Frankreich. Nach sieben Jahren geht er beim SFV von Bord. Zeit für einen offenen Brief an den Mann, der die Schweiz sieben Jahre lang betreut und in den EM-Viertelfinal geführt hat.

Sehr geehrter Vladimir Petkovic,

Als Sie vor gut zwei Wochen aus St.Petersburg zurück nach Zürich reisten, sind die Schweizer Nati-Fans am Flughafen Kloten gestanden, haben gejubelt, um Autogramme und Selfies gebeten. Menschen haben sich umarmt, gelacht, waren euphorisch, so wie in den Tagen zuvor schon. Alles dank den Auftritten Ihrer Fussballer an dieser EM. Als Chef der Nati haben Sie die Schweiz mitgenommen auf eine besondere Reise. Die Bilder dieser Gesichter voller Emotionen sind …

Artikel lesen
Link zum Artikel