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YB's player celebrate their victory during their Europa League Group I stage match between Switzerland's Young Boys Bern and Czech Republic's AC Sparta Praha at the Stade de Suisse Stadium in Bern, Switzerland, Thursday, December 11, 2014. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Die YB-Spieler feiern mit ihren Fans den Vorstoss in die Sechzehntelfinals der Europa League. Bild: KEYSTONE

Überwintern im Europacup

Der Schweizer Klub Marke «Wawrinka» – wieso YB den Erfolg verdient hat

Wir haben uns ja schon so daran gewöhnt: Die Berner Young Boys wollen endlich wieder mal einen Titel gewinnen, scheitern aber stets von Neuem. Das Verlierer-Image macht den Charme des Klubs aus – und das behält er trotz seines momentanen Hochs.



YB, das ist die moderne Version der griechischen Sage des Sisyphos. Der hat die Götter erzürnt und muss einen Felsbrocken auf einen Berg rollen. Aber immer wenn er schon fast auf dem Gipfel ist, rollt ihm das Ding wieder hinunter. Der Grund, weshalb sich YB mit den Fussballgöttern verkracht hat, ist nicht bekannt. Aber der Hauptstadtklub hat sich derart auf eine dramatische Art des Scheiterns spezialisiert, dass das Verb «veryoungboysen» längst Einzug in die Schweizer Sportsprache gefunden hat.

Die Fans der Berner nehmen die Tatsache, dass der letzte Titelgewinn – der Cupsieg 1987 – schon 27 Jahre zurückliegt, mit Gelassenheit und Selbstironie zur Kenntnis. «Schöner scheitern mit den Young Boys», titelte der «Bund» schon vor einiger Zeit und schrieb von der «Befindlichkeit einer Stadt, die Freude im Scheitern findet».

YB, das hat in der Wahrnehmung jüngerer Fussballfans in der Tat nur wenig mit einem erfolgreichen Klub zu tun, der elf Mal Meister wurde und sechs Mal den Cup gewann. YB, das steht heute nicht für Erfolg, das steht für Scheitern: 2008 bis 2010 wurden die Berner drei Mal in Folge Vizemeister, dazu verloren sie die Cupfinals 2006 und 2009.

BSC Young Boys forward Seydou Doumbia lies disappointed on the field after losing with a score of 2 to 3 the Swiss Cup final soccer match against the FC Sion at the Stade de Suisse Wankdorf in Bern, Switzerland, Wednesday, May 20, 2009. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Auch die vielen Tore von Seydou Doumbia halfen nichts: YB verlor 2009 den Cupfinal trotz 2:0-Führung noch mit 2:3 gegen Sion. Bild: KEYSTONE

Uli Fortes Stuhl wackelte schon, doch er fiel nicht um

In den letzten Jahren wurde für den Traum von schön glänzenden Pokalen primär sehr viel Geld ausgegeben und wurden Trainer geholt und wieder entlassen. Auch Uli Forte stand angeblich noch vor wenigen Wochen auf der Kippe, nachdem YB gegen Aufsteiger Vaduz verlor und in der Europa League bei Napoli sang- und klanglos unterging. Das 2:0 gegen Sparta Prag gestern war nun der siebte Sieg in Folge, verbunden mit dem Einzug in die K.o.-Phase der Europa League.

Es ist ein Erfolg, der YB zu gönnen ist. Denn YB, das ist die Fussballklub-Ausgabe von Tennisspieler Stan Wawrinka. Auch der Romand war oft dramatisch und knapp gescheitert, ehe er anfangs Jahr an den Australian Open zum ganz grossen Wurf ansetzen konnte und das Grand-Slam-Turnier gewann.

epa04017783 A close up of a tattoo on Stanislas Wawrinka's arm of Switzerland in action against Andrey Golubev of Kazakhstan during their first round match at the Australian Open Grand Slam tennis tournament in Melbourne, Australia, 13 January 2014. The tournament takes place in Melbourne from 13 to 26 January 2014.  EPA/DAVID CROSLING AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT  EDITORIAL USE ONLY

Das Tattoo auf Stan Wawrinkas Unterarm trifft uneingeschränkt auch auf YB zu: «Versucht. Gescheitert. Egal. Erneut versuchen. Erneut scheitern. Besser scheitern.» Bild: EPA

YB bleibt der Stan Wawrinka des Schweizer Klubfussballs

Natürlich wird YB die Europa League nicht gewinnen. Aber mindestens der Stimmung im und um den Klub ist dieser Erfolg so kurz vor Weihnachten äusserst zuträglich. Und das Beste: Trotz des momentanen Höhenflugs müssen sich die YB-Fans keine Sorgen machen, ihr Verliererimage zu verlieren. Denn im Cup sind die Berner schon früh und peinlich am Zweitligisten Buochs ausgeschieden und in der Meisterschaft zieht der Titelverteidiger FC Basel davon.

YB bleibt der Stan Wawrinka des Schweizer Klubfussballs. So wie der Romand nur sporadisch aus dem riesigen Schatten Roger Federers treten kann, so wird YB in absehbarer Zeit den FCB nicht vom Thron stossen können. Denn wenn auf eines im Schweizer Fussball Verlass ist, dann darauf: Früher oder später veryoungboysen es die Young Boys.

Von links: Die Basler Marco Streller, Mohamed Salah und Kay Voser jubeln nach dem Tor zum 1-2 durch Salah neben Berns Torhueter Marco Woelfli, Dusan Veskovac und Steve von Bergen im Fussball Super League Spiel zwischen Young Boys Bern und dem FC Basel am Sonntag, 1. Dezember 2013 im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Basler Jubel, Berner Frust: Ein Bild, das den Zustand des Schweizer Fussballs der letzten Jahre perfekt darstellt. Bild: KEYSTONE

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