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Marcel Koller wird am14 . Mai 1996 von seiner Mannschaft in die Luft gehievt. Nach dem Fussballmatch Grasshoppers Club gegen Neuenburg Xamax steht GC als Schweizermeister fest. Koller moechte mit 'seinem' Club dieses Jahr 2002 wieder Meister werden. (KEYSTONE/Christoph Ruckstuhl)

Nicht nur der Autor, auch die Grasshoppers trauern den glorreichen 90er-Jahren nach. Bild: KEYSTONE

Zum Saisonstart: 12 gute Gründe, weshalb der Schweizer Fussball in den 90er-Jahren massiv cooler war

Ein Tag vor dem Saisonauftakt in der Super League kann sich noch nicht jeder wieder für Schweizer Fussball begeistern. Stattdessen kommen nostalgische Gefühle auf.



Noch einmal schlafen – dann ist schon wieder Super League. Und tatsächlich gibt es Menschen, die bereits ein kleines Vorfreude-Bisi in der Hose haben. Dies hat Kollege Manser gestern mit dieser hübschen Geschichte bewiesen.

Mir geht es irgendwie nicht so.

Ich bin ein Fussballfanatiker. Aber die Aussicht auf den «Start-Kracher» zwischen Luzern und Sion macht mich nicht einmal halb so glücklich wie das feine Cornet, dass ich gerade gespachtelt habe. Mmmh, Vanille!

Bist du schon wieder heiss auf die Super League?

Also, was ist los? Zu heiss für Fussball? Zu kurze Pause?

Ich erwische mich beim Gedanken, dass früher irgendwie alles besser war. Zur Strafe haue ich mir selbst saftig eins an den Latz. Also bitte, sowas sagen doch wirklich nur verbitterte Alte!  

Trotzdem grüble ich weiter – und finde spontan 12 gute Gründe, weshalb die Schweizer Liga in den 90er-Jahren eben doch massiv cooler gewesen ist.

1. Es gab Ausländer, die alles und jeden zerstört haben

Remember Sonny Anderson, Ratinho, Jahn Ivar «Mini» Jakobsen, Petar Alexandrow, Giovane Elber, Viorel Moldovan und wie sie alle geheissen haben? Pures Genie! Und mein persönlicher Favorit: Alexander «Sacha» Rytschkow: Beim FC Basel nie mit unter zwei Promille auf dem Platz, aber gedribbelt hat er – wie ein junger russischer Gott auf EPO.

Alexander 'Sascha' Rytschkow freut sich ueber sein 1-0 im Fussball Meisterschaft NLA-Spiel des FC Basel gegen den FC Zuerich am Samstag, 26. Juli 1998, in Basel. Die Klubleitung des FC Basel hat sich in Absprache mit Trainer Christian Gross entschieden, Alexander 'Sascha' Rytschkow nicht mehr zu den Trainings und Spielen der ersten Mannschaft aufzubieten. Dem Russen wird Gelegenheit gegeben, sich unter Rehabilitations-Trainer Daniel Pulver mit Einzeltrainings fitzuhalten. Der NLA-Zweite wirdversuchen, Rytschkow, der noch einen Vertrag bis Sommer 2001 besitzt, auszuleihen oder zu verkaufen. (KEYSTONE/Michael Kupferschmidt)

Bild: KEYSTONE

2. Zürich hatte ein (ziemlich cooles) Fussballstadion

«Ja, ja! Mir rissets nur churz ab. Ja, ja! Mir bauets grad wieder uf!»

Das Areal des ehemaligen Hardturm Stadions liegt brach, am Donnerstag, 14. April 2011 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Bild: KEYSTONE

3. Pyro war noch kein Schwerverbrechen

Pyro-Zünder stehen auf der Fahndungsliste mittlerweile nur noch knapp hinter Tierquälern und IS-Kämpfern. Aber früher fand man es irgendwie voll läss.

4. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmte

Fünf Stutz für einen Stehplatz hinter dem Tor! In Basel gab es die Saisonkarte plus Trikot für Jugendliche dank UBS-Sponsoring für 40 Franken. Heute kostet ein Set Autogrammkarten mehr.

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5. Keine Tattoo-Inflation

Kaum hat im Jahr 2015 das Mami für die Super-League-Frischlinge den ersten Vertrag unterschrieben, sind sie alle schon angemalt wie ein 85-jähriger Pirat. Früher wusste man als Zuschauer wenigstens, dass die tätowierten Spieler auch die gefährlichen sind. 

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6. Schiedsrichter waren richtige Typen

Mit ihren Spraydosen und affigen Headsets könnte man die Schiris heute glatt für Graffiti-Künstler auf dem Weg zum Job im Callcenter halten. Die Linienrichter darf man nicht mehr «Linienrichter» nennen, sondern «Schiedsrichter-Assistent» – weil sie sonst zum Psychologen müssen. Wir brauchen wieder Leute wie ihn: Serge «der Brusthaarbär» Muhmenthaler!

Schiedsrichter Serge Mumenthaler (Bild 1996) wurde am Samstag 29. Maerz 1997 nach dem 3:2 von Lausanne ueber Wil von einem frustrierten Fan am Kopf verletzt. Beim Betreten des Garderobentrakts wurde er von der Tribuene herab mit einem Stuhl attakiert, die Wunde musste spaeter mit zwei Stichen genaeht werden. (KEYSTONE)

Bild: KEYSTONE

7. Bier!

Es gab Bier! Immer! Richtiges Bier! Keine Leichtbierplörre – kein Alkoholfrei. Wer gross genug war, um ins Stadion zu gehen, der durfte auch selbst entscheiden wie hart er sich volllaufen lässt. Das geht heute nur noch in der Cüpli-Loge. Ausserdem musste man nirgends mit diesen unsäglichen Plastikkärtchen bezahlen – wie nun zum Beispiel in Luzern.

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8. Kein Dauermeister

Ja, GC wurde damals auch ein paarmal Meister. Aber dazwischen haben Sion, Aarau und Servette den Laden aufgemischt. Apropos Punkt 7: Wie viel Prozent der Basler Bevölkerung sind durch die ewigen Meisterpartys auf dem Barfüsserplatz eigentlich schon zu funktionalen Alkoholikern geworden?

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9. Nur zwei Frisuren

Es gab lang und es gab kurz. Sah alles bescheuert aus. Aber wenigstens haben die Spieler den Fussballplatz nicht mit einem Laufsteg am Coiffeur-Lehrlingskongress verwechselt.

10. Keine bescheuerten Anspielzeiten

Am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr auf den Zug, damit man beim Auswärtsspiel in Sion pünktlich im Stadion ist: Super Idee, SFL – super!

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11. Kein Schnickschnack

Die Spieler trugen Adidas- statt Gucci-Täschchen. Und beim Blick auf die Fussballschuhe war man als Zuschauer nicht akut epilepsiegefährdet. Stattdessen: 22 Mal «Adidas Copa Mundial» – in Schwarz. Geil!

12 Keine Stadion-Jingles

«Diese Gelbe Karte wurde Ihnen präsentiert von Mister Wong!»

«Dieses Foul wurde Ihnen präsentiert von der Apotheke Sonnenhof in Ober-Bümpliz. Erste Hilfe, persönlich und mit Gefühl!»

«Diese Auswechslung wurde Ihnen präsentiert von Parship. Suchen Sie eine knackige Alternative auf der Ersatzbank!»

F*** you!

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So – und jetzt muss ich aufhören. Noch kurz gucken, wie Luzern und Sion morgen aufstellen.

Die Trikots der 10 Super-League-Teams

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    Alle Leser-Kommentare
  • TschGadEis 18.07.2015 01:26
    Highlight Highlight Stimme grösstenteils zu. Jedoch gibt es auch was Gutes an der neuen Fussballzeit: GC hat nix mehr zu melden!

    Einen guten Saisonstart euch allen!
  • gunner 17.07.2015 20:10
    Highlight Highlight Nach dieser herzzerbrechenden sommerpause, fischers unterschrift im verhassten basel und dzemailis unglaublichem transfer nach bern kühlte meine vorfreude auf diese saison unglaublich ab, wenn ich meine gedanken nur auf das geschehen auf dem feld richte.
    Ist unsere liga nun auch zum dem mutiert, was ich bisher immer an der ch schätzte?
    Trotz allem freu ich mich morgen auf den kick-off im letzigrund, all die seelen zu sehen, die wie ich den fussball einfach nur vermissten. Die stimmung und nervosität vor dem spiel da zu spüren sind für mich unbezahlbar. Hoffe an anderen orten ist das genauso.:)
    • niklausb 17.07.2015 20:23
      Highlight Highlight Was sächätzt du denn an der Schweiz? Zu was ist di Liga denn mutiert?
    • gunner 17.07.2015 20:48
      Highlight Highlight Ich schätzte an der liga die ausgeglichenheit, die kompaktheit wie wir sie nur in wenigen ligen europas zu sehen bekamen. selbst ein fc aarau konnte mal meister werden, servette oder st. gallen konnten mit einer guten saison überraschen. Spieler blieben auch wegen des umfeldes dem verein treu.
      Heute nähern wir uns der schottischen liga in grossen schritten, immer der gleiche meister resp. dominanz des gleichen klubs. okay bei allen gefühlen die meine meinung beeinflussen muss ich schon zugeben, dass die herren aus basel ordendliche arbeit verrichten und gesund wirtschaften, ohne frage.
  • Danger 17.07.2015 20:00
    Highlight Highlight Früher wars definitiv anders und hatte zweifelsohne viel Charme. Ich persönlich mag die Veränderung und finde es sinnlos Vergleiche aus verschiedenen Zeiten aufzustellen. Aber danke für die erfrischende Reise in die Fussball 90er.
  • maxi #sovielfürdieregiongetan 17.07.2015 19:56
    Highlight Highlight mir imponiert die denkweise von watson zum Punkt 3. Ich mag euch!
  • niklausb 17.07.2015 18:09
    Highlight Highlight In den 90ern konnte ich noch einen 35l Beutel voller Poppkorn mit der Poppkornmaschiene (die dabei mindestens fünf mal überhitzte, gibts das heute überhaupt noch?) in Portionen Schritten gefüllt in s Joggeli nehmen und die Freunde kamen mit den Getränken, meist Migroseistee aus der Gugge, und wir konnten in der Halbzeit die Seite wechseln um das Tor zu sehen. Und am Ende vom Spiel haben wir im Gästesektor die Depotbecher der dummen gästefans eingesammelt und uns damit ein Zusatz sackgeld verdient und und und.... :-D
    • Alex 17.07.2015 18:30
      Highlight Highlight Einfach nicht mit Alban anlegen beim Bechersammeln. Those were the times :)
  • exeswiss 17.07.2015 17:20
    Highlight Highlight danke für umfrage wahl 3. hopp langnou
  • Plöder 17.07.2015 17:11
    Highlight Highlight Wooowww... Ja früher roch man noch den Rasen, den Wurststand, den Rauch und den Schweiss von dem Bierbäuchigem STEHnachbarn...
    War schon etwas anderes aber nun ja die Zeit bleibt einfach nicht stehen und so haben wir etwas zum nostalgisch werden...
    Also ein Prost auf die neue Saison mit meinem Smoothie ää Bier denks...
    Ich hoffe mein Herzensklub ( ja mit K) macht wieder mal Dampf...
  • Tom Garret 17.07.2015 17:08
    Highlight Highlight Also wenn schon diese Kategorie dan Fehlt ja wohl DER Punkt!

    Modus! Es war mehr Spannung und vor allem mehr Abwechslung vorhanden. Derbys gab es in Zürich wenn überhaupt nur zwei mal im Jahr, da meistens eine (meistens die gleiche) in der Auf- Abstiegsrunde spielte. Teams wie Yverdon, Delemont, Kriens und viele mehr schafften es ebenfalls mal ein, zwei Saisons oben zu spielen, was zwar nicht der Attraktivität aber der Abwechslung gut tat. Mit Cup gab es in den letzten zwei Saisons zusammen 10 Zürcher Derbys.... das ist einfach nicht das selbe...
    • Alex 17.07.2015 17:19
      Highlight Highlight Oh ja, guter Punkt. Da gebe ich dir völlig recht.

      Die Liste liesse sich locker auf 100 Gründe erweitern :)
  • DerWeise 17.07.2015 17:04
    Highlight Highlight Und wir wurden mit YB jedes Jahr Abstiegsrunden-Meister... tollte Zeit
  • Amboss 17.07.2015 16:58
    Highlight Highlight Man kann jedem dieser Punkte zustimmen.

    Es ist halt nun mal so. Der Sport professionalisiert sich. Was die in den 90er gekickt haben, das ist heute Strandfussball-Niveau.

    Diese alte Romantik kann man aber immer noch erleben. Man muss einfach ein, zwei Ligen tiefer gehen. Da gibt's die alten Männer mit Villiger Krumme und viele der beschriebenen schon noch.


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