Sport
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epa04559492 Chinese players celebrate following the Group B Asian Cup match between Uzbekistan and the People's Republic of China at Brisbane Stadium in Brisbane, Australia, 14 January 2015.  EPA/DAVE HUNT AUSTRALIA AND NEW ZEALAND OUT

So will Chinas Präsident Xi Jinping seine Fussballer auch bei der WM 2030 sehen.  Bild: EPA AAP

Hungriger Fussballzwerg

Im Jahr 2030 Weltmeister? Wie sich China nun auch zur Fussball-Grossmacht hochrüsten will

Die Sportmacht China produziert Olympiasieger am Laufmeter, doch ausgerechnet in der Weltsportart Fussball hinkt das Reich der Mitte der Konkurrenz meilenweit hinterher. Das soll sich nun ändern – Staats- und Parteichef Xi Jinping höchstpersönlich greift jetzt ein.



Vor drei Montaten zeigte sich wieder einmal, wie fussballverrückt die Chinesen sind. Als der 24-jährige Shootingstar Xizhe Zhang Mitte Dezember bei seinem neuen Klub VfL Wolfsburg vorgestellt wurde, berichtete das chinesische Fernsehen live. Schliesslich ist der offensive Mittelfeldspieler (bislang 0 Einsätze beim VfL) der einzige Fussballer aus dem Reich der Mitte, der bei einem europäischen Topklub unter Vertrag steht. Die Einschaltquoten konnten sich sehen lassen. 44 Millionen Menschen sahen zu. 

epa04530954 German soccer club VfL Wolfsburg's new player Xizhe Zhang from China poses on the pitch at Volkswagen Arena in Wolfsburg, Germany, 16 December 2014.  EPA/JULIAN STRATENSCHULTE

Xizhe Zhang ist der einzige chinesische Fussballprofi bei einem europäischen Topklub. Seit seiner Verpflichtung gibt es die Website des VfL Wolfsburg auch auf Chinesisch. Bild: EPA/dpa

Über den einheimischen Fussball gibt es ansonsten nur wenig Erfreuliches zu berichten. Die nationale chinesische Super League fristet ein Schattendasein. Altstars wie Didier Drogba, Nicolas Anelka oder Lucas Barrios, die 2012 für viel Geld nach China gelockt worden waren, sind längst wieder nach Europa zurückgekehrt oder haben ihre Karrieren beendet. Der fünffache australische WM-Torschütze Tim Cahill ist neben den Trainern Arie Haan und Sven-Göran Eriksson der einzige international bekannte Star der Liga.

Kann China ein ernsthafter Weltmeister-Kandidat werden?

Erst Lichtblick, dann Häme

Einen kleinen Lichtblick gab es zuletzt immerhin beim Asien Cup im Januar. Chinas Nationalmannschaft, noch hinter Armenien, Uganda und Haiti die Nummer 82 der Welt, qualifizierte sich dank drei Siegen in der Gruppenphase (gegen Saudi-Arabien, Usbekistan und Nordkorea) souverän für die Viertelfinals.

Chinese fans watch the soccer match between China and Indonesia in Xi'an in northwest China's Shaanxi province Friday Nov. 15, 2013. China won by 1-0, making a step towards qualifying for the finals of the AFC Asian Cup in Australia in 2015. (AP Photo) CHINA OUT

Chinas Fussballfans hatten beim Asien Cup 2015 für einmal Grund zur Freude. Bild: AP CHINATOPIX

Gegen den späteren Asienmeister Australien war dort aber Schluss (0:2). Und zuhause setzte es trotzdem wieder Spott und Häme: «Wenn schon unsere Fussballer den Viertelfinal erreichen können, dann finden wir in diesem Jahr ganz sicher auch eine Freundin», so die Hoffnung vieler junger Männer, die gegenüber den gleichaltrigen Frauen drastisch in der Überzahl sind.

20'000 Fussballakademien für 100'000 Talente

Doch damit soll nun Schluss sein. Um Chinas Fussball endlich international konkurrenzfähig zu machen, greift nun der Staat ein. Eine Arbeitsgruppe unter der der Leitung von Präsident Xi Jinping hat am letzten Freitag einen Reformplan verabschiedet, dank dem das «fehlerhafte System», das den chinesischen Fussball bisher in seiner Entwicklung behindert hat, überwunden werden soll.

Der Reformplan sieht unter anderem eine frühere Nachwuchsförderung sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen den Profivereinen und den Schulen vor. Bereits im November hat das Bildungsministerium den Fussball zum obligatorischen Bestandteil des Sportunterrichts an den Schulen erklärt und versprochen, bis 2017 rund 20'000 Fussballakademie errichten. Die sollen dann rund 100'000 Talente hervorbringen.

Zudem soll von den erfolgreichen Fussballnationen wie England gelernt werden, wie Jinping beim gestrigen Besuch des englischen Prinzen William in Peking bekräftigte.

Ob dank den ehrgeizigen Reformplänen das aktuelle Förderproblem überwunden werden kann? Eltern schicken ihr meist einziges Kind lieber an eine Uni statt in den Fussballklub. Dort büffelt der Nachwuchs bis zu 15 Stunden täglich, da bleibt kaum Zeit für die schönste Nebensache der Welt. Aufs Kicken wird aber nicht nur aus Zeitgründen verzichtet. Sondern auch, weil Sport als Mittel zum sozialen Aufstieg in China gegenüber den Chancen in der Wirtschaft erheblich an Attraktivität eingebüsst hat.

Mit Xi Jinpings Reformplänen soll es nun endlich aufwärtsgehen. Der erklärte Fussballfan macht ernst. Schon 2011 sagte Chinas heutiger Staats- und Parteichef gegenüber südkoreanischen Diplomaten, dass er für sein Land drei Wünsche hege: «Dass sich China für eine Fussball-WM qualifiziert, dass China eine WM ausrichtet und dass China eine WM gewinnt.» Zumindest zwei dieser Wünsche könnten schon bald in Erfüllung gehen.

Infront als Trumpf bei der WM-Bewerbung 2030?

Mitte Februar hat die Wanda-Gruppe, ein chinesischer Immobilien- und Kinokonzern, für 1,05 Milliarden Euro die Mehrheit am Schweizer Sportrechtehändler Infront übernommen. Die Firma, für die auch Günter Netzer arbeitet, ist eng mit der FIFA verbunden und handelt unter anderem mit den WM-Fernsehrechten. Geleitet wird sie von Philippe Blatter, dem Neffen des alten und aktuellen und wohl auch nächsten FIFA-Präsidenten Sepp Blatter.

Mit Hilfe von Infront soll die Wanda-Gruppe von der chinesischen Regierung beauftragt worden sein, «die Führung bei den Vorbereitungen für eine WM-Bewerbung zu übernehmen.» Da Katar die WM 2022 ausrichtet, könnte China allerdings frühestens 2030 den Zuschlag bekommen.

epa04612554 China's Wanda Group Chairman Wang Jianlin speaks during an agreement ceremony in Beijing city, China, 10 February 2015. China's Wanda Group officially announced it has reached an agreement to acquire Swiss Infront Sports and Media from the European private equity firm Bridgepoint with a transaction valued at approximately 1.05 billion euro.  EPA/WU HONG

Wanda-Boss Wang Jianlin will mit Infront-Hilfe die Fussball-WM 2030 nach China holen. Bild: WU HONG/EPA/KEYSTONE

Die Generalprobe für die Fussball-WM sollen die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking werden. Als Aussenseiter gestartet, gilt Chinas Hauptstadt inzwischen als grosser Favorit. Erst recht seit dem Infront-Deal. Immerhin werden sechs der sieben internationalen Wintersportverbände gemäss der Welt von Infront vertreten. Mit dem siebten Verband sei man sich offenbar auch einig. Olympia kann also kommen.

Und was ist mit der WM 2030? Wäre das Reich der Mitte dann schon bereit für den heissbegehrten Titel? Wanda-Boss Wang Jianlin, der zuletzt auch 20 Prozent des spanischen Meisters Atlético Madrid übernommen hatte, hat den ersten Schritt getan. Für 40 Millionen Euro lässt er chinesische Fussballtalente in Spanien ausbilden. Ob die 20'000 Fussballakademien dann aber wirklich stehen und den erhofften Output generieren, ist jedoch mehr als fraglich.

Alle Stadien der WM 2022 in Katar

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    Alle Leser-Kommentare
  • LucasOrellano 03.03.2015 18:20
    Highlight Highlight "Zudem soll von den erfolgreichen Fussballnationen wie England gelernt werden, wie Jinping beim gestrigen Besuch des englischen Prinzen William in Peking bekräftigte."

    Na, da müssen sich die etablierten Top-Nationen erstmal keine Sorgen machen.
  • PRE 03.03.2015 15:48
    Highlight Highlight Das stimmt – zumindest theoretisch. Wenn es um die Vergabe der Fussball-WM geht, ist die FIFA aber jeweils sehr kreativ. Im August 2000 beschloss der Weltverband das Rotationsprinzip zwischen den sechs Kontinentalverbänden. Als Südafrika für 2010 den Zuschlag bekommen hatte, wurde das kurzerhand rückgängig gemacht.
    • Ozy 03.03.2015 16:36
      Highlight Highlight Das Rotationsprinzip wurde nur festgelegt, damit Afrika mal eine WM erhält und auch Südamerika (nach längerer Zeit mal) wieder einen Zusage erhält. Da sich diese beiden Kontintente schwer gegen Mitbewerber aus Asien, Nordamerika und Europa durchsetzen können. Es hat durchaus Sinn gemacht, danach das Rotationsprinzip wieder zu "entschärfen".
      Es ist also keineswegs irgendeine "kreative" oder übereilte Vorgehensweise. Wenn sie aber für die WM 2030 für China alles wieder über den Haufen schmeissen, würde mich das aber trotzdem nicht verwundern.
  • Ozy 03.03.2015 14:15
    Highlight Highlight China kann sich nicht für 2030 bewerben. Gemäss Rotation Policy darf sich keine Nation aus demselben Verband für die nächsten 2 Austragungen bewerben (Quatar 2022).
    • Benjmi 03.03.2015 16:02
      Highlight Highlight Was spielt diese Policy für eine Rolle wenn genügend Geld fliesst? Da gibt es sicherlich noch irgend ein Schlupfloch welches sich die FIFA freigehalten hat...

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