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Novak Djokovic droht abermals aus Australien ausgeschafft zu werden.
Novak Djokovic droht abermals aus Australien ausgeschafft zu werden.Bild: keystone

Einreisesperre? Überbrückungs-Visum? Das sind die offenen Fragen im Fall Djokovic

Novak Djokovics Visum in Australien wurde abermals annulliert. Ist der Entscheid definitiv? Was sind die nächsten Schritte? Und was bedeutet das für das Australien Open?
14.01.2022, 11:2214.01.2022, 13:35

Novak Djokovics Australien-Visa ist von Immigrationsminister Alex Hawke am Freitagabend Ortszeit erneut annulliert worden. Damit droht dem 20-maligen Grand-Slam-Turniersieger die Ausweisung. Doch damit sind noch längst nicht alle offenen Fragen beantwortet.

Ist der Entscheid definitiv?

Nein. Djokovics Anwälte haben schon im Vorfeld angekündigt, mit einer einstweiligen Verfügung gegen den Entscheid vorzugehen und genau diesen Schritt so umgesetzt. In diesem Fall wird es zu weiteren Gerichtsverhandlungen kommen. Eine erste Anhörung zwischen den Anwälten beider Seite und Richter Anthony Kelly fand bereits statt.

Immigrations-Minister Alex Hawke hat eine Entscheidung getroffen.
Immigrations-Minister Alex Hawke hat eine Entscheidung getroffen.Bild: keystone

Bis wann muss eine Entscheidung fallen?

Djokovics erste Partie am Australian Open würde am Montag oder Dienstag auf dem Programm stehen. Ist bis dann keine definitive Entscheidung gefällt, fällt seine Turnierteilnahme möglicherweise ins Wasser, auch wenn er später vor Gericht siegen sollte. Deshalb scheinen die Anwälte des Serben auf eine verkürzte Gerichtsverhandlung zu drängen – mit spätestem Ende am Sonntag.

Wie gross sind Djokovics Chancen?

Die Macht von Migrations-Minister Alex Hawke ist gross. So gross, dass es für Djokovic und seine Anwälte schwierig wird, dagegen vorzugehen. Die australische Rechtsprofessorin Janina Boughey sagt gegenüber «The Age»: «Sofern der Minister keinen Prozessfehler begangen hat oder seine Entscheidung nicht mit dem Migrationsgesetz vereinbar wäre, gibt es für Djokovics Team kaum Erfolgschancen.»

Ein anderes Schlupfloch für Djokovics Anwälte könnte eine Verschiebung des Prozesses sein. Sollte dieser erst gegen Ende nächster Woche stattfinden, könnte Djokovic gemäss «Marca» eine Art «Überbrückungs-Visum» ausgestellt werden. Dieses würde es Djokovic erlauben, sich in Australien frei zu bewegen und auch ins Turnier zu starten.

Wie bereits erwähnt, tendieren die Anwälte der Weltnummer 1 eher zu einem schnellen Prozess am Wochenende. Die Gerichte in Melbourne haben deshalb heute Nacht Richter im Einsatz, um auf mögliche Entwicklungen zu reagieren.

Spielen Djokovics fehlerhafte Dokumente eine Rolle?

Nein. Djokovic hat auf den Einreisedokumenten eine Reise nach Spanien 14 Tage vor der Einreise in Melbourne verschwiegen. Doch Alex Hawke hat diesen Fehler nicht als Basis seines Entscheides genommen, sondern begründet, dass es in «nationalem Interesse» sei, das Visum des Serben zu annullieren. Der Entscheid fusst auf Djokovics Fehlverhalten in seiner Heimat, als er trotz eines positiven Tests zu einem Interview und Fotoshooting erschien und so gegen die serbischen Isolationsbedingungen verstiess.

Das hat zur Folge, dass Hawke weiterhin Optionen hat. Sollte Australien vor Gericht erneut gegen Djokovic verlieren, könnte Hawke ihm das Visum abermals entziehen. Dieses Mal auf Basis der fehlerhaften «Travel Declaration».

Wo ist Djokovic jetzt?

Aktuell ist die Weltnummer 1 noch auf freiem Fuss. Gemäss der australischen Zeitung «The Age» soll er dies vorerst auch noch bleiben. Djokovic hat am Samstag eine Anhörung bei der Einreisebehörde, wo er persönlich zu erscheinen hat. Bis zu diesem Zeitpunkt müsse er nicht zurück ins Hotel, wo er zuvor schon in Abschiebungshaft sass.

Djokovic trainierte am Freitag vormittags auf der Anlage des Australian Open, erschien am Nachmittag aber nicht mehr zum Training. Um 17.53 Uhr teilte Minister Hawke der Öffentlichkeit seinen Entscheid mit. Zehn Minuten später wurden Djokovics Anwälte offiziell informiert. Djokovic wurde angehalten, dort zu bleiben, wo er ist, also in einer Suite im 11. Stock mitten in der City Melbournes.

Droht Djokovic eine Einreisesperre?

Sofern der Entscheid von Migrations-Minister Hawke bestehen bleibt, droht Novak Djokovic tatsächlich eine Einreisesperre. So steht auf der Regierungswebseite:

«Eine Einreisesperre von bis zu drei Jahren kann verhängt werden, wenn eine Person gegen die Visabestimmungen verstösst. Einreisesperren treten in Kraft, wenn eine Person der Immigrationsbehörde falsche Dokumente oder falsche Informationen übermittelt hat oder wenn die Person ein Risiko für die Gesundheit der Bewohnenden Australiens darstellt.»

Und genau auf Basis der zweiten Option hat Hawke nun entschieden. Allerdings soll die australische Regierung Djokovic nicht nur mit der Peitsche drohen, sondern auch etwas Zuckerbrot hinhalten. Sie raten dem Serben an, das Land ruhig zu verlassen. So könne er aufgrund mildernder Umstände auch in den nächsten Jahren auf ein Visum hoffen.

Was sagt der Premierminister?

Premierminister Scott Morrison, der auch privat mit Alex Hawke eng befreundet ist, hält seinem Parteikollegen wenig überraschend den Rücken frei. «Der Migrations-Minister hat die Entscheidung nach sorgfältiger Prüfung getroffen. Die Bewohner Australiens haben während der Pandemie viele Opfer gebracht und erwarten daher richtigerweise, dass diese Opfer nicht umsonst waren und sie weiter geschützt werden. Das hat der Minister heute mit seiner Aktion gemacht», lässt sich Morrison zitieren.

Was bedeutet das für Australian Open?

In einem Wort: Chaos. Die Auslosung ist bereits gemacht und Novak Djokovic ist als Nummer 1 im Männer-Tableau gesetzt. Die Regeln des internationalen Tennisverbands (ITF), erlauben eine Anpassung der Auslosung bis 11 Uhr morgens am Samstag (Lokalzeit).

Sollte sich Djokovic bis zu diesem Zeitpunkt aus dem Turnier zurückgezogen haben, würde Andrei Rublev als Nummer 5 der Setzliste an Djokovics Position rücken und in der ersten Runde gegen den Serben Miomir Kecmanovic spielen. Rublevs Position würde wiederum von Gaël Monfils, der Nummer 17 der Setzliste gefüllt. Alexander Bublik wäre dann die Nummer 33 der Setzliste und würde Monfils' freien Platz im Tableau auffüllen.

Falls bis Samstag um 11 Uhr keine Entscheidung gefällt ist, und Novak Djokovic am Ende doch nicht am Turnier teilnehmen kann, würde ein Lucky Loser – also ein Verlierer aus der letzten Runde des Qualifikationsturniers – seinen Platz einnehmen.

Was bedeutet das für Djokovics sportliche Karriere?

Sollte Novak Djokovic tatsächlich aus Australien abgeschoben werden und nicht am Turnier in Melbourne teilnehmen könne, wäre das für ihn ein schwerer Schlag. Einerseits gilt das Australian Open als Lieblingsturnier des 34-Jährigen. Er hat es in seiner Karriere schon neun Mal gewonnen.

Andererseits würde Djokovic eine weitere Chance verlieren, seinen 21. Grand-Slam-Titel zu holen und damit Roger Federer und Rafael Nadal in dieser Sparte hinter sich zu lassen. Auch der schon lange von ihm angestrebte «Kalender-Grand-Slam» – also alle vier Major-Turniere in einem Kalenderjahr zu gewinnen – würde abermals ins Wasser fallen.

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