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Sein Ritual: In Wimbledon isst Novak Djokovic Grashalme vom Centre Court.
Sein Ritual: In Wimbledon isst Novak Djokovic Grashalme vom Centre Court.Bild: IMAGO / Shutterstock

Wie Djokovic das Vertrauen in die Medizin verlor und zum Impfskeptiker wurde

Operationen lehnt er ab. Selbstliebe stärke das Immunsystem und ersetze Medizin. Wie Novak Djokovic eine obsessive Beziehung zu seinem Körper entwickelte und wie er zum Impfskeptiker wurde.
13.01.2022, 10:2213.01.2022, 13:34
Simon Häring / CH Media

Wer verstehen will, weshalb Novak Djokovic sich der Covid-Impfung gegenüber verschliesst, findet in den Anfängen seiner Karriere Antworten. Wegen Atemproblemen, Krämpfen, Blähungen und Durchfall musste er immer wieder Spiele aufgeben. Kein Arzt konnte ihm helfen, Djokovic verlor das Vertrauen in die Schulmedizin.

Erst als der Alternativmediziner Igor Cetojevic, ein Mann mit weissem Ziegenbärtchen, 2010 den unsichtbaren Feind in Djokovics Körper entdeckt, wird dieser zum Seriensieger. Es ist das Klebereiweiss-Gluten, das vornehmlich in Getreide zu finden ist. Djokovic verträgt es nicht.

Igor Cetojevic (hintere Reihe, mit Sonnenbrille) 2011 in Madrid der Box von Djokovic.
Igor Cetojevic (hintere Reihe, mit Sonnenbrille) 2011 in Madrid der Box von Djokovic.Bild: IMAGO / Cordon Press/Miguelez Sports

Die Diagnose stellte Cetojevic, indem er den Tennisspieler anwies, die linke Hand auf den Bauch zu legen, den rechten Arm auszustrecken und dagegenzuhalten, als ihn der Arzt nach unten drückte. In einem zweiten Versuch legte er ihm ein Stück Brot unter die linke Hand. Seither ernährt er sich glutenfrei. Er trinkt warmes Wasser, Lakritztee oder Proteinshakes aus Erbsen. Auf dem Speiseplan stehen neben Avocados, Cashewnüsse und aus Neuseeland importierten Manuka-Honig.

Tränen nach Operation

Auf Kaffee und Schokolade verzichtet er. Im Buch «Serve to Win» beschreibt Djokovic einen 14-tägigen Ernährungsplan, der ein körperliches und geistiges Hochgefühl verspricht. Es ist eine Anleitung zur Askese.

Seit diesem Schlüsselerlebnis glaubt Djokovic an die Selbstheilungskräfte des Körpers. Deshalb schob er eine Operation am rechten Ellbogen ein Jahr vor sich her, bis er sich 2018 in der Muttenzer Rennbahnklinik zum ersten Mal in seinem Leben unters Messer legte. In den Tagen danach brach er mehrmals in Tränen aus, wie er dem «Daily Telegraph» erzählte: «Immer, wenn ich daran dachte, kam es mir vor, als hätte ich versagt.»

Djokovic beim Training in Melbourne.
Djokovic beim Training in Melbourne.Bild: keystone

Aus giftigem Wasser wird solches mit Heilkraft

Im Frühling 2020 sagte Djokovic: «Ich bin gegen eine Impfung. Ich möchte selber darüber entscheiden können, was für meinen Körper am besten ist.» Während sich seine kritische Haltung gegenüber der Schulmedizin verfestigte, wandte er sich der Esoterik zu. In einem Gespräch mit dem selbst ernannten Alchemisten Chervin Jafarieh sagte er, mit der Kraft des Geistes könne man giftiges Wasser in Wasser mit Heilkraft verwandeln.

Selbstliebe ersetze jede Medizin, stärke das Immunsystem und befreie von jeglicher Sucht – dem Rauchen, dem Trinken, vor allem aber der ewigen Angst, in der wir Menschen leben würden, und die eine Ablenkung vom Wesentlichen darstellten: der Suche nach der perfekten Harmonie und Balance zwischen Spiritualität und Wissenschaft. Die Menschen hätten die Verbindung zu ihrem Körper verloren. Djokovic sagte: «Wir sind ebenso Energie, wie wir Chemie sind. Wir Menschen sind elektrische Wesen.» Djokovic und Jafarieh schaukelten sich hoch in ein spirituelles Nirwana.

Das «Ei des Djokovic»

Im Streben nach Perfektion sucht der inzwischen 20-fache Grand-Slam-Sieger immer weiter nach Impulsen und Methoden, die ihn noch besser machen könnten. Nach dem ersten Tag in Freiheit in Melbourne setzte er sich in eine Kammer, die Höhenluft simuliert.

Beim 75'000 Franken teuren Konstrukt, das als «Ei des Djokovic» bezeichnet wird, handelt es sich um ein von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada 2006 als «Verstoss gegen den Spirit des Sports» kritisiertes, aber nicht verbotenes Sauerstoffzelt.

Welch fast schon obsessiven Züge dieser Gesundheitswahn erreicht hat, untermauert eine Episode aus Melbourne. Während seiner Festsetzung im Park Hotel verlangte Djokovic über seine Anwälte als eine der ersten Massnahmen, dass ihm ein Privatkoch veganes Essen zubereitet.

Guru Pepe Imaz sollte ihn einst zurück auf die Erfolgsspur bringen:

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