Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Basels, Albian Ajeti, links, und Valentin Stocker, rechts feiern den Cupsieg in den Fans, nach dem Schweizer Fussball Cupfinalspiel zwischen dem FC Basel und dem FC Thun, am Sonntag 19. Mai 2019, im Stade de Suisse in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Das sehen die Fans gerne – Stocker feiert den Cupsieg mit Ajeti in der Kurve. Bild: KEYSTONE

Interview

Neo-Captain Stocker: «Mein Leistungsausweis beim FCB ist nicht der schlechteste»

Der FC Basel hat einen neuen Captain. Valentin Stocker übernimmt das Amt von Marek Suchy. Im Interview spricht er über Erwartungshaltung, negative Presse und was ihm die Captain-Binde bedeutet.

céline Feller / ch media



Valentin Stocker, wie haben Sie davon erfahren, dass Sie Captain werden?
Valentin Stocker: Ich habe schon letzte Saison gute Gespräche mit dem Trainer gehabt und in den ersten Tagen der Vorbereitung hat sich das ein bisschen heraus kristallisiert. Natürlich ist die Freude riesig. Wenn ich überlege, wer da sonst schon alles die Captain-Binde getragen hat, ist es eine riesige Ehre, dies jetzt auch tun zu dürfen. Das ist für meine Karriere das Tüpfchen auf dem I, die Binde bei meinem Herzensverein tragen zu dürfen.

Das heisst, Sie haben auch nicht gezögert, diese Aufgabe zu übernehmen?
Nein, überhaupt nicht. Als ich zurück zum FCB gekommen bin, war es meine Vorstellung, dass ich hier helfe, wie mir damals geholfen wurde, als ich als junger Spieler hochgekommen bin. Das habe ich in diesen 1,5 Jahren nicht nur versucht auf den Platz zu bringen, sondern auch in Gesprächen mit den Jungen einzubringen, die vor Situationen stehen, die nicht so einfach sind. Das hat sich so entwickelt seit meiner Rückkehr.

Waren Sie überrascht, dass Marcel Koller Sie zum Captain gemacht hat?
Das ist schwierig zu sagen. Ich denke, die Gespräche mit Marcel waren immer offen und ehrlich. Natürlich ist zu Beginn seiner Zeit bei mir Verletzungspech dazu gekommen. Aber ich kann mir vorstellen, dass für ihn mit den Leistungen in der Rückrunde immer klarer wurde, dass das so herauskommen könnte. Ich bin aber nicht in die Ferien gegangen und dachte mir, dass es sowieso so kommt. Dass es aber so sein könnte, hatte ich im Hinterkopf.

Sie haben viele Captains erlebt in Basel. Von wem nehmen Sie am meisten mit?
Ich nehme von allen ein bisschen etwas mit: Von Ivan Ergic, Franco Costanzo oder Marco Streller. Aber mir ist wichtig zu sagen, dass ich nicht das Gefühl habe, jemand anderes zu sein, nur wegen dem Umstand, dass ich jetzt Captain bin. Ich habe auch nicht das Gefühl, dass ich grundsätzlich Vieles anders machen müsste. Ich will der gleiche Mensch bleiben wie vorher.

Basel's Valentin Stocker reacts during the UEFA Europa League third qualifying round second leg match between Switzerland's FC Basel 1893 and Netherland's Vitesse in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Thursday, August 16, 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Valentin Stocker ist eine Reizfigur – das weiss er auch selbst. Bild: KEYSTONE

Aber Sie haben jetzt schon ein anderes Standing.
Ich habe aber nicht das Gefühl, etwas Besseres zu sein. Ich bin eigentlich ein Freund von ausgeglichenen Hierarchien und nicht davon, dass einer ganz oben ist und alles durchstrukturiert ist. Mein Wunsch ist es, dass auch ein junger Spieler kommen und sagen kann: Damit habe ich ein Problem oder einfach konstruktive Kritik äussert. Davon bin ich Fan, egal ob einer 18 oder 35 ist. Das ist auch wichtig für die Jungen, die müssen irgendwann auch hin stehen und ihre Meinung vertreten können.

Planen Sie eine grosse Rede? Oder eine Änderung an Ihrer Kommunikation?
Von mir aus nicht, nein. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich eine grosse Rede schwingen muss. Aber klar ist, dass gewisse Infos in die Mannschaft getragen werden müssen. Da ist es unumgänglich, mehr zu kommunizieren. Das ist eigentlich der Mehraufwand, der entsteht. Und ich will probieren, die Verbindung zwischen der Mannschaft und dem Trainer zu sein und von beiden Seiten her offen und ehrlich die Dinge weiterzugeben. Aber ich will auch gar nicht zu viele Dinge alleine entscheiden. Wir sind im Spielerrat sieben Spieler, da schauen wir die Dinge zusammen an und da ist jeder gefordert, Verantwortung zu übernehmen. Wir haben viele tolle und gute Spieler mit Charakter, da will ich jedem Raum geben, für seine Entwicklung.

Wie glauben Sie, wie Sie sich Ihre neue Rolle verdient haben?
Ich denke, mein Leistungsausweis für diesen Verein ist nicht der schlechteste. Und manchmal muss es auch einfach irgendwie passen, mit dem Trainer aber auch so, dass die Persönlichkeit stimmt. Ich habe eine sehr offene und direkte Art, Dinge auszudrücken. Das ist manchmal erwünscht, manchmal weniger. Ich habe in letzter Zeit auch unglaublich viel Dreck fressen müssen, wusste aber immer, dass ich mit meiner Arbeit belohnt werde. Mit dem letzten halben Jahr, das gut war, und diesem Amt ist das jetzt auch so gekommen. Das fühlt sich wie eine Bestätigung an.

Inwiefern haben Sie viel Dreck fressen müssen?
Wir hatten viel Rückstand auf YB, wurden medial durch den Dreck gezogen. Auch auf mich ist viel hereingeprasselt, das musste ich alles zuerst akzeptieren, weiter trainieren und mehr machen. Das war mental eine enorme Herausforderung.

Haben Sie mit dem Trainer auch konkret über Ihre künftige sportliche Rolle gesprochen?
Ja. Bereits im Winter im Trainingslager hatten wir ein Gespräch. Damals lief es Kevin Bua überragend aber auch ich hatte ein gutes Trainingslager. Dann kam der Trainer zu mir und erklärte mir, dass er jetzt erst auf Kevin baue. Das war für mich okay, aber ich wollte auch, dass er wusste, dass ich bereit bin. Das will ich auch weiter so handhaben, dass ich nicht der unangefochtene Stammspieler bin. Mich darf man auswechseln. Wir haben noch zwei, drei andere Spieler auf meiner Position. Und es gibt genug Gründe: Wenn man mal verletzt ist oder taktische Massnahmen. Da bin ich komplett uneitel. Im Gegenteil: Ich finde es sogar richtig, dass das so gemacht wird. Wir haben junge, talentierte Spieler, die eine Chance haben müssen, mich abzulösen. Das war bei mir und Scott Chipperfield nicht anders, und über seinen Stellenwert müssen wir auch nicht diskutieren. Wenn ich dann zum Beispiel sehe, wie Noah Okafor sich entwickelt, dann freut mich das sehr.

Basel's head coach Marcel Koller, left, speaks with Valentin Stocker during the UEFA Europa League third qualifying round second leg match between Switzerland's FC Basel 1893 and Netherland's Vitesse in the St. Jakob-Park stadium in Basel, Switzerland, on Thursday, August 16, 2018. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Koller setzte zuletzt nicht immer auf Stocker. Bild: KEYSTONE

Haben Sie schon immer so gedacht?
Ja. Schauen Sie, ich bin damals nicht nach Basel gekommen, um Profi zu werden. Ich habe mir bei Kriens einfach nicht zugetraut, gegen erwachsene Männer zu spielen. Ich war in meiner Entwicklung nicht so weit. In Basel hatten wir auf einmal ein enorm gutes Team, von dem die Hälfte Profis geworden sind, und dann kam der Gedanke auch bei mir auf. Aber ich musste als 18-Jähriger bei Christian Gross auch lernen, wie es ist, als Junger nicht so oft eine Chance zu bekommen.

Von aussen wurde erwartet, dass Fabian Frei Captain wird. Jetzt sind es Sie. Haben Sie mit ihm geredet? Wie hat er das aufgenommen?
Ich denke, es ist alles okay. Ich habe nicht das Gefühl, dass da was im Busch ist. Wir haben aber nicht miteinander geredet. Schlussendlich ist doch aber egal, wer das Bändeli am Arm trägt. Verantwortung muss jeder übernehmen, der auf dem Platz steht. Wie gesagt: ich bin nichts Besser und habe nicht das Gefühl, mich anders verhalten zu müssen.

Bern's Roger Assale, center, fights for the ball against Basel's Valentin Stocker, left, and Basel's Fabian Frei, right, during a Super League match between BSC Young Boys Bern and FC Basel, Monday, April 2, 2018 at the Stade de Suisse in Bern, Switzerland. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Zwischen Stocker und Frei gibt es keine Probleme. Bild: KEYSTONE

Stört es Sie denn, dass die Nicht-Ernennung von Frei zum Captain das grössere mediale Thema war als Ihre Ernennung?
Ich lese keine Zeitung, daher habe ich das nicht gesehen. Aber wenn das so ist, dann finde ich das extrem schade. Aber negative Dinge werden immer mehr gelesen und gekauft. Das müsste nicht so sein. Ich bin aber sowieso der Falsche, um mich sinnvoll dazu äussern zu können. Da muss man mit dem Trainer reden, wieso er so entschieden hat. Ich denke aber, dass das keine einfache Aufgabe ist, vielleicht ist es Marcel da auch schwer gefallen, Entscheide zu treffen. Aus solchen Situationen kann man gestärkt raus gehen. Und ich habe mit Fabi auch kein Problem.

Die teuersten Zu- und Abgänge der Super-League-Klubs

Unvergessene Schweizer Fussball-Geschichten

Ein Carlos Varela in Höchstform: «Heb de Schlitte, du huere Schissdrägg»

Link zum Artikel

Die «Nacht von Sheffield» – Köbi Kuhn sorgt für den grössten Skandal der Nati-Geschichte

Link zum Artikel

Beni Thurnheers fataler Irrtum – es gibt eben doch einen Zweiten wie Bregy

Link zum Artikel

Jörg Stiel stoppt den Ball an der EM mit Köpfchen – weil er es kann

Link zum Artikel

Elf kleine Schweizer liegen 0:2 zurück und sorgen dann für Begeisterung in der Heimat

Link zum Artikel

Im Heysel-Stadion werden 39 Menschen zu Tode getrampelt

Link zum Artikel

Filipescu macht den FC Zürich in Basel in der 93. Minute zum Meister

Link zum Artikel

Cabanas fordert Respekt, denn «das isch GC! Rekordmeister! Än Institution, hey!»

Link zum Artikel

Märchenprinz Volker Eckel legt GC mit 300-Millionen-Versprechen aufs Kreuz

Link zum Artikel

Der «entführte» Raffael wird zum Fall für die Polizei – und muss ein Nachtessen blechen

Link zum Artikel

Johann Vogel droht Köbi Kuhn, in den Flieger zu steigen, um ihm «eins zu tätschen»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Paul_Partisan 28.06.2019 08:35
    Highlight Highlight wow mit "Vali" und "Tauli" haben sie wirklich die grössten Sympathen in die Captain-Ämter gewählt. Chapeau!
  • Bieler95 27.06.2019 22:16
    Highlight Highlight Vali hau seh um 💪🏻💪🏻
  • Focke 27.06.2019 21:59
    Highlight Highlight Neo-Captain Stocker: «Mein Leistungsausweis beim FCB ist nicht der schlechteste»

    Aber eben nicht der Beste...🤷🏼‍♂️
    • Raembe 28.06.2019 09:26
      Highlight Highlight Muss der Captain der Beste sein?
  • MyErdbeere 27.06.2019 21:42
    Highlight Highlight Krise in Basel!
  • Jüre51 27.06.2019 21:15
    Highlight Highlight Ausgerechnet Valentin Stocker…aber was soll’s YB schaut ja eigentlich nicht nach Basel! Hopp YB
    • heinigers 28.06.2019 12:15
      Highlight Highlight Eigentlich..
  • Adrian78 27.06.2019 19:04
    Highlight Highlight Molmol, Valentin Stocker und Taulant Xhaka! Sympa!
  • EhrenBratan. Hääää! 27.06.2019 17:30
    Highlight Highlight Naja. Der beste definitiv auch nicht.
    • Raembe 28.06.2019 09:27
      Highlight Highlight Der Captain muss nicht der Beste sein.

Darum ist die Polizei nicht gegen die GC-Chaoten vorgegangen

Die Luzerner Staatsanwalt prüft momentan, ob beim durch GC-Chaoten verursachten Spielabbruch in der Swisspor-Arena ein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. Christian Bertschi, Mediensprecher der Luzerner Polizei, erklärt derweil, warum die Polizisten im Stadion passiv geblieben sind.

Rund 20 Polizisten im Vollmontur waren am Sonntag auf dem Rasen der Swisspor-Arena präsent. Was war das Einsatzziel?Christian Bertschi: Wir wollten die Leute im Stadion schützen. Zum einen die Spieler und Betreuer der beiden Mannschaften. Zum anderen die Zuschauer. Zudem wollten wir verhindern, dass Personen aus dem Gästesektor auf das Spielfeld oder sogar Richtung Kabinen gelangen können.

Wer entschied, dass die Polizei im Stadion Präsenz markieren muss?Es war ein Entscheid der Polizei in …

Artikel lesen
Link zum Artikel