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15.06.2014; Brasilia; Fussball - WM Brasilien 2014 - Schweiz - Ecuador; (l-r) Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, Valon Behrami (Li Ming/Zuma Press/freshfocus)

Trumpfen Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri und Valon Behrami in der Nati gross auf? Bild: Li Ming/freshfocus

Experten-Prognose vor dem Slowenien-Spiel

Interview

«Es gibt einige Kummerbuben, aber die Bundesliga-Söldner werden für die Schweiz den Unterschied ausmachen»

Wer ist top, wer ist ein Flop? Vor dem zweiten EM-Qualifikationsspiel gegen Slowenien analysiert Bundesliga-Experte Heiko Ostendorp die Lage von Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka, Yann Sommer und Co. und erklärt, warum er der Schweizer Nati viel zutraut.



Heiko Ostendorp

Als Reporter für die SPORT BILD berichtet Heiko Ostendorp vornehmlich über Borussia Dortmund, Schalke 04, Borussia Mönchengladbach und die deutsche Nationalmannschaft. Der ehemalige Basel-Reporter (Blick) verfolgt viele der Bundesliga-Söldner seit Jahren und gilt auch in Deutschland als Experte für die Schweizer Nationalmannschaft. Twitter: @Ozzywessi

Geballtes Schweizer Powerplay in der Bundesliga: Am letzten Spieltag vor der Länderspielpause waren alle 18 Legionäre im Einsatz – war das zu erwarten?
Heiko Ostendorp: Nein, das ist schon eine dicke Überraschung. Denn es lief ja bisher nicht für alle Schweizer rund. Vor allem bei den offensiven Kräften, da hatte es doch einige Kummerbuben dabei.

Aber auf die Goalies, da lassen wir nichts kommen. Da dominiert Schweizer Qualitätsarbeit!
Yann Sommer hatte in der Vorbereitung einige Probleme und hat zeitweise arg gewackelt. Doch seit dem Saisonstart ist er fehlerfrei. Er hat zwar noch kein Spiel eigenhändig gewonnen, aber dafür avanciert er bei Gladbach schon zum Publikumsliebling. Da läuft extrem viel über seine Art. Er gibt sich sehr offen und zugänglich als Typ – und auch die Frauen stehen Schlange.

24.07.2014; Moenchengladbach; Fussball 1.Bundesliga - Training Borussia Moenchengladbach;
Yann Sommer (Eibner/Expa/freshfocus)

Yann Sommer punktet in Mönchengladbach auf und neben dem Platz. Bild: Expa/freshfocus

Würden Sie ihm als Schweizer Nati-Trainer in der EM-Quali auch wieder den Vorzug vor Roman Bürki geben?
Wenn man nach der reinen sportlichen Leistung geht, dann wäre Bürki bisher sogar noch einen Tick höher zu bewerten. Er hält in Freiburg wirklich jede Woche herausragend. Trotzdem führt derzeit kein Weg an Sommer vorbei. Er hat deutlich mehr internationale Erfahrung, hat sich durchgesetzt – und solange er sich nichts zu Schulden kommen lässt, bleibt er wohl auch bei Vladimir Petkovic die Nummer 1.

«Rodriguez ist der beste Linksverteidiger der Liga.»

Heiko Ostendorp

Auch andere Defensiv-Akteure sind im Hoch. Fabian Lustenberger kehrt in die Nati zurück und Ricardo Rodriguez soll jetzt sogar ins Visier der Bayern gerückt sein.
Rodriguez ist auf dem Weg zum Weltstar. Er war letztes Jahr schon überragend und hat noch einmal zugelegt. Jetzt ist er der beste Linksverteidiger der Liga. Seine Standards sind eine Waffe, natürlich ist so ein Mann begehrt. Es ist die Frage, wie lange ihn Wolfsburg noch halten kann. Rein finanziell könnte der VfL schon mithalten – denn dort spielt Geld auch keine Rolle – aber ich sehe ihn mittelfristig eher bei einem absoluten Topklub. Das Aufgebot für Lustenberger war überfällig. Der Mann ist ein extrem starker Verteidiger und eine Leaderfigur. Ich würde es ihm gönnen, wenn er auch wirklich zum Einsatz kommt.

Wolfsburg's Swiss defender Ricardo Rodriguez (L) and Hoffenheim's midfielder Sebastian Rudy vie for the ball during the German first division Bundesliga football match 1899 Hoffenheim vs VfLWolfsburg in Sinsheim, southwestern Germany on September 13, 2014.  AFP PHOTO / DANIEL ROLAND


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Ricardo Rodriguez ist derzeit durch niemanden zu stoppen. Bild: AFP

Johan Djourou hat sich beim HSV gefangen, woran liegt's?
Am Anfang war Djourou eine Vollkatastrophe. Eigentlich hat man in jedem Spiel nur darauf gewartet, dass er wieder einen Bock schiesst. Aber diese Zeiten scheinen vorbei. Beim Sieg gegen Dortmund war er der Mann des Spiels. Er profitiert viel vom Trainerwechsel. Josef Zinnbauer hat ihn mental stärker gemacht und eine kompaktere Spielanlage eingeführt – da sehen die Verteidiger besser aus und können Selbstvertrauen tanken.

Auch unser Nati-Krieger, Valon Behrami, sorgt für Gesprächsstoff.
Behrami ist genau der Typ, den sie in Hamburg gesucht haben. Das ist einer, der auch Mal dazwischenhaut und den Ton angibt. Kürzlich kam es zwischen ihm und Lasogga in der Kabine fast zu Handgreiflichkeiten – doch diese Art von Emotion brauchen sie beim HSV. Mitläufer gibt es da schon genug.

04.10.2014; Dortmund; Fussball 1. Bundesliga - Borussia Dortmund - Hamburger SV; Adrian Ramos gegen Valon Behrami (HSV) (Uwe Speck/Witters/freshfocus)

Valon Behrami bringt beim HSV Kampfgeist ins Spiel. Bild: Uwe Speck/freshfocus

«Im Winter wird die Sache mit Shaqiri wieder heiss.»

Heiko Ostendorp

Xherdan Shaqiri ist und bleibt bei den Bayern ein Sorgenkind.
Auch er hat sich entwickelt. Er will jetzt nicht mehr immer auf Teufel komm raus mit dem Kopf durch die Wand, sondern spielt auch mal den klugen Pass hintenrum. Gegen Hannover war er in der Startformation, das war bisher selten der Fall. Momentan profitiert er davon, dass die Bayern viele Verletzte haben. Er ist vielleicht die Nummer 15 oder 16 im Kader – wenn Ribéry, Martinez, Thiago und Schweinsteiger zurück sind, dann wird es wieder ganz eng für ihn. Er müsste diese Zeit jetzt noch nutzen, um sich zu empfehlen – auch in der Nationalmannschaft.

20.09.2014; Hamburg; Fussball Bundesliga - Hamburger SV - FC Bayern Muenchen; Xherdan Shaqiri gegen Matthias Ostrzolek (HSV) (Valeria Witters/freshfocus)

Nicht nur die Gegner, auch die teaminterne Konkurrenz macht Xherdan Shaqiri das Leben bei Bayern schwer. Bild: Valeria Witters/freshfocus

Das tönt nicht so, als ob Sie seine Zukunft bei den Bayern sehen.
Im Winter wird die Sache wieder heiss, da können Sie Gift drauf nehmen. Shaqiri könnte sagen: «Hey, ich spiele beim besten Klub der Welt.» Aber so wie ich ihn kenne, reicht ihm das nicht, wenn er dann immer nur gegen Gegner aus der zweiten Reihe zum Einsatz kommt. Er ist heiss auf grosse Spiele, aber das sind andere Kaliber bei den Bayern eben auch.

«Petkovic hätte Stocker den Rücken stärken müssen.»

Heiko Ostendorp

Barnetta hat wieder ein Nati-Aufgebot bekommen, Valentin Stocker wurde rasiert.
Barnetta kam zuletzt bei Schalke wieder ab und an zum Zug. Allerdings auch nur, weil eben kein anderer mehr da ist. Er spielte mal auf der Zehnerposition, mal als Sechser, aber am besten wäre er auf dem Flügel. Doch da ist die Konkurrenz mit Draxler, Meyer und Choupo-Moting einfach zu gross. Auch bei ihm wird im Winter wahrscheinlich etwas passieren. Beim Nichtaufgebot von Stocker habe ich mich arg gewundert. Er war seit Jahren ein Teil der Nati und hatte bei der WM einfach Pech. So einen rasiert man doch nicht, wenn es beim neuen Klub nicht von Beginn weg läuft. Petkovic hätte da Position beziehen und ihm den Rücken stärken müssen. Spieler mit seinen Qualitäten gibt es wenige, das hat er auch gegen Stuttgart ein erstes Mal in der Bundesliga bewiesen.

03.10.2014;  Berlin; Fussball 1. Bundesliga - Hertha BSC Berlin - VfB Stuttgart;
Valentin Stocker (Berlin) und Fans  (City-Press/freshfocus)

Bei Hertha jubelt Stocker mit der Schweizer Fahne, in der Nati darf er nicht mehr ran. Bild: City-Press/freshfocus

Was ist mit Josip Drmic oder Haris Seferovic?
Bei Seferovic hiess es am Anfang: «Was holen die da in Frankfurt für einen Patienten, der hat es nirgends richtig gepackt.» Nur ist Thomas Schaaf nun eben genau der Trainer, den dieser Spieler braucht. Einer, der ihm auch mal den Kopf wäscht und die Flausen austreibt. Ich sehe Seferovic mittlerweile sehr stark, vor allem auch als Vorbereiter. Drmic ist bei Bayer in der gleichen undankbaren Situation, wie es auch Derdiyok war. Solange Kiessling laufen kann, kommt man an ihm nicht vorbei. Wenn er eingewechselt wird, dann bringt Drmic aber immer viel Power rein.

Was kann die Bundesliga-Fraktion der Schweiz in den Spielen gegen Slowenien und San Marino bringen?
Vielen von ihnen läuft es so gut wie nie. Nur ein, zwei Topstars haben Probleme. Zusammenfassend sind die Bundesliga-Söldner heiss und werden für die Schweiz den Unterschied gegen Slowenien ausmachen. Explizit denke ich da an Granit Xhaka. Er spielt in letzter Zeit sehr stark und hat seine Böcke im Spielaufbau endlich abgestellt. Seitenwechsel über 40 oder 50 Meter spielt er wie kaum ein anderer und neuerdings kommt er auch noch zum Abschluss. Da hat es bisher zwar noch nicht eingeschlagen, aber vielleicht klappt das ja in der Nationalmannschaft.

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