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22.07.2015; Meyrin; Fussball International - AS Monaco FC - FSV Mainz 05;
Fabian Frei (Mainz)
(Urs Lindt/freshfocus)

Fabian Frei hatte das Gefühl, dass er sich bei Basel nicht mehr weiterentwickeln konnte. Bild: Urs Lindt/freshfocus

Interview

Fabian Frei: «Ich bin nicht der Typ, der einen Verein nur als Sprungbrett sieht»

Erster Pflichtspiel, erster Treffer: Fabian Frei hat beim FSV Mainz 05 voll eingeschlagen. Im Interview erzählt er, wie er sich beim neuen Arbeitgeber eingelebt hat und was er von seinem Bundesliga-Abenteuer erwartet.

sebastian Wendel / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Das Hotel Royal im Kurort Evian am französischen Ufer des Lac Léman wird seinem Namen gerecht: Eingebettet in einen 47 Hektaren grossen Park mit wunderbarer Aussicht auf den See verfügt das Luxushaus über fünf Restaurants, Innen- und Aussenpools und einen hoteleigenen Golfplatz. Hier empfängt uns Fabian Frei Anfang Juli zum Interview. «Wir testen das Hotel für die Deutsche Nationalmannschaft, die hier während der Europameisterschaft 2016 wohnt.»

Mit seinem neuen Verein Mainz 05 absolviert Frei in Evian das Trainingslager vor der Saison 2015/16, die am kommenden Wochenende beginnt. «Die Zeit beim FCBasel war wunderschön, doch nach über zehn Jahren habe ich einfach eine Luftveränderung gebraucht», sagt Frei. Wobei: In Deutschland wird er neben vielen neuen auch auf viele bekannte Gesichter treffen. Neben dem 26-Jährigen spielen 21 weitere Schweizer in der für viele besten Liga der Welt. Warum stellt die Schweiz die meisten aller Bundesliga-Söldner? Unter anderem darüber haben wir mit Frei gesprochen.

Im Dezember, nach dem 1:1 mit dem FC Basel in Liverpool, haben Ihnen die englischen Fans zugerufen: «Frei, bleib bei uns!» Nun sind Sie in Mainz – enttäuscht?
Fabian Frei: Die Vereinsfarben sind ja die gleichen (lacht). Im Ernst: Ich habe schon damals gewusst, die Dinge richtig einzuschätzen. Dass ich nicht nach Liverpool wechsle, damit habe ich gerechnet. Ich bin sehr zufrieden mit Mainz 05 – zumindest mit dem, was ich in den ersten Wochen hier erlebt habe.

Fabian Frei spricht an einer Medeinkonferenz des FCB  in Basel, am Freitag, 5. Juni 2015. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Fabian Frei will mit Mainz die Bundesliga erobern. Bild: KEYSTONE

Warum passt Mainz 05 zu Ihnen?
Weil es mit Basel viel gemeinsam hat: eine überschaubare Stadt, ein Verein mit einem familiären Klima. Der Karneval ist hier genauso wichtig wie Fasnacht in Basel, durch beide Städte fliesst der Rhein. Im Frühling habe ich mir alles angeschaut in Mainz und danach gespürt: Hier passe ich gut hin.

Welche Rolle hat Trainer Martin Schmidt beim Wechsel gespielt?
Dass er Schweizer ist, war nicht mehr als ein Nebenaspekt. Ich habe mich, wie das so üblich ist, im Voraus mit ihm getroffen, das Gespräch war sehr beeindruckend. Er wusste mehr Dinge über mich als ich selber. Das war für mich ausschlaggebend: Wie gut sie hier auf mich vorbereitet waren, das war nirgendwo sonst so.

Dabei musste Mainz erst Johannes Geis verkaufen, damit ein Platz für Sie frei wurde.
Sie haben von Anfang an mit offenen Karten gespielt und mir gesagt: Erst wenn Johannes zu Schalke geht, können wir Dich holen. Klar, ein Risiko, dass alles platzt, bestand – aber mir hat die Ehrlichkeit der Mainzer imponiert, sodass ich nur hierher wollte.

Was waren denn die Alternativen?
Es wurde viel geschrieben – das meiste davon stimmte. (Bremen, Köln, Hannover; Anm. d. Red.)

Wo wären Sie jetzt, wenn das Geld entschieden hätte?
Bei einem anderen Verein in der Bundesliga. Wobei: Wäre Geld mein Motivator, wäre ich vor einem Jahr mit Murat Yakin zu Spartak Moskau gegangen. Ich sage nur: Wahnsinn!

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Fabian Frei trifft im DFB-Pokal gegen Energie Cottbus zum 1:0. gif: Dailymotion

Was sind die krassesten Eindrücke nach den ersten Wochen bei einem Bundesliga-Verein?
Viele haben mich vor dem Wechsel gewarnt, dass die Deutschen ein eigenwilliges Volk sind, das distanziert auf Ausländer reagiert. Nichts davon habe ich gespürt, ich habe mich am ersten Tag gefühlt, als wäre ich schon Jahre bei Mainz. Bereits am zweiten Abend habe ich mich mit einigen Teamkollegen zum Abendessen getroffen. Die Sprüche, die Marotten, die Abläufe sind nicht anders als in der Schweiz.

Was sind die sportlichen Unterschiede?
Mein Körper lässt mich schon spüren, dass die Trainings hier um einiges härter sind und auf höherem Niveau gespielt wird. Dazu der Siegeswille: Auch in einem simplen Trainingsspiel will jeder gewinnen, die Verlierer sind danach für ein paar Stunden nicht mehr anzusprechen. In der Schweiz wird hingegen schnell einmal wieder gelacht.

Mussten Sie, wie üblich für Neuzugänge, ein Aufnahmeritual absolvieren?
Ja, ich habe vor der ganzen Mannschaft und dem Staff gesungen. Zum Glück zusammen mit den anderen Neuzugängen. Was wir gesungen haben, bleibt unser Geheimnis. Nur so viel: Eine Zugabe wurde nicht verlangt.

Beim FCB waren Sie, abgesehen von der Champions League, in jedem Spiel der Favorit. In Mainz hingegen wird nicht in jedem Ligaspiel ein Sieg erwartet, entsprechend werden Erfolge auch mehr gewürdigt. Hat Ihnen das gefehlt?
Definitiv. Wer immer gewinnt, verlernt vielleicht auch ein bisschen, die Siege zu schätzen. Es ist auch mal schön, in ein Spiel zu gehen, in dem niemand etwas von dir erwartet. Das kann befreiend sein. Beim FCB musste man sich vor der Öffentlichkeit in Grund und Boden schämen nach einer Niederlage. Hier kann man verlieren, ohne dass ein Gewitter aufzieht.

Was müssen Sie dadurch ändern an Ihrem Spielstil? Können Sie überhaupt noch verteidigen?
Beim FCB habe ich ja ab und zu in der Abwehr ausgeholfen, das sollte schon klappen. Aber ja: Ich werde mehr Zweikämpfe haben und muss im Hirn das Defensivzentrum wieder aktivieren.

Sie sind 26. War es Ihre letzte Chance für den Wechsel in eine Topliga?
Kann sein. Es war auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt, weil in Basel in allen Bereichen alles zu viel Routine war. Nicht, dass es mir beim FCB nicht mehr gefallen hätte, aber es kam der Moment, in dem ich mir sagte: So, und jetzt habe ich es gesehen. Jetzt brauche ich etwas anderes.

Vom FC Basel in die Bundesliga

Andere Basler Eigengewächse wie Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka sind mit 20 bzw. 19 in die Bundesliga gewechselt. Wäre dieser Weg für Sie auch vorstellbar gewesen?
Es gab immer mal wieder Anfragen, doch in diesem Alter fühlte ich mich nicht bereit fürs Ausland. Hingegen jetzt umso mehr, nachdem ich mit dem FCB Titel gewonnen habe und international alles erlebt habe. Ohne diesen Rucksack wollte ich die Schweiz nicht verlassen und irgendwo als Nobody beginnen. Aber etwas will ich klarstellen: Es gibt kein Richtig oder Falsch. Granit ist einer der besten Mittelfeldspieler der Bundesliga, er hat also nicht viel falsch gemacht. Das Gleiche gilt für Ricardo Rodriguez, der ja angeblich vor einem Wechsel zu Real Madrid steht.

Als Granit Xhaka mit 19 nach Gladbach ging, kündigte er sich wegen seiner Champions-League-Erfahrung als Führungsspieler an, das kam nicht gut an. Sie hingegen dürfen das sagen, oder?
Schliesslich hat keiner im Mainz-Kader nur annähernd so viel Erfahrung wie Sie.
Ich prahle sicher nicht damit, das bin nicht ich. Aber ich helfe gerne, wenn jemand etwas wissen will. Die Menschen hier erwarten viel von mir, das spüre ich schon. Was ich auf keinen Fall möchte, sind irgendwelche Extrawürste, nur weil ich ein wichtiger Spieler bin. Ich war zum Trainingsstart in Mainz, obwohl ich noch Ferientage zugut hatte. Aber ich wollte von Anfang an dabei sein.

Sie haben einmal gesagt: «Manchmal brauche ich einen Tritt in den Hintern.» In der Bundesliga gibt Ihnen niemand einen Tritt in den Hintern, sondern es spielt dann einfach ein anderer.
Die Aussage habe ich als FCB-Spieler gemacht, mit ein paar Jahren als Stammspieler im Rücken. Ich wusste, dass ich auch nach einer schwachen Trainingswoche in der Startelf stehe. Genau dies wollte ich mit meinem Wechsel ändern: Wieder in jedem Training, in jedem Spiel Vollgas geben müssen. Es hat sich gelohnt: Jedenfalls musste mich in den ersten Wochen bei Mainz noch keiner motivieren.

«Bundesliga ist wie jede Woche Champions League.» Auch der Satz stammt von Ihnen. Worauf freuen Sie sich am meisten?
Als ehemaliger Fan natürlich auf Borussia Dortmund. Und auf die Spiele gegen die früheren Kollegen aus Basel. Ich habe alle im Kopf: Am 2. Spieltag gegen Yann (Sommer: Anm. d. Red.) und Granit, am 7. Spieltag gegen Schäro (Fabian Schär; Anm. d. Red.) und am 17. Spieltag gegen Vali (Valentin Stocker; d. Red.).

epa04825327 Head coach Martin Schmidt (C) and the new signings Maximilian Beister (l-r), Fabian Frei, Danny Latza, Leon Balogun and Florian Niederlechner pose prior to their training session in Mainz, Germany, 30 June 2015.  EPA/Fredrik von Erichsen

Fabian Frei ist bei Mainz einer von fünf Neuzugängen. Bild: EPA/dpa

Dafür verzichten Sie mit dem Wechsel zu Mainz auf die richtige Champions League.
Und das tue ich gerne. Obwohl es im Klubfussball nichts Grösseres gibt. In Deutschland haben 15 von 18 Stadien Champions-League-Format – und die Reiserei wie im Europacup fällt auch noch weg. Ist doch wunderbar.

Wie hat Sie das Virus «Bundesliga» erfasst?
Wie wohl alle in meiner Generation: mit der Sendung «ran» am Samstagabend. Mein Idol war Chapuisat – schliesslich war ich als Kind noch Stürmer.

Die Schweizer Super League schafft es nur schleppend, im In- und Ausland an Attraktivität zuzulegen. Woran liegt das?
Das Hauptproblem ist sicher die kleine Anzahl Vereine – vier Mal gegen den gleichen Gegner, das ist mittelspannend. Ich sehe schon das Potenzial für drei, vier Vereine mehr in der Super League. Und dann die Auf-/Abstiegsrunde wieder einführen, das wäre super.

In der Bundesliga spielen mittlerweile 22 Schweizer, kein Land stellt mehr Söldner. Warum?
Gleiche Sprache, geografische Nähe, die Attraktivität der Bundesliga für uns Schweizer. Zudem haben die Pioniere wie Chapuisat, Magnin, Streller, Alex Frei eine super Vorarbeit geleistet. Die Bundesliga-Klubs haben realisiert, wie gut ausgebildet Schweizer Fussballer sind.

Der ersehnte Sprung ins Ausland ist Ihnen nun gelungen – welche Pläne haben Sie noch für Ihre Karriere?
Am Ursprung stand der Wunsch, in ein neues Umfeld zu kommen. Jetzt bin ich in Mainz gelandet und muss sagen: Super! Gut möglich, dass ich einige Jahre hierbleibe.

Der Zug zu einer Spitzenmannschaft ist dann jedoch abgefahren.
Wie eingangs erwähnt, kann ich meine Qualitäten ganz gut einschätzen. Klar wäre es schön, auch in einer Topliga um den Titel zu spielen. Doch ich bin nicht der Typ, der einen Verein nur als Sprungbrett sieht. Mainz gibt mir viel, also gebe ich jetzt etwas zurück. Vielleicht gehe ich auch irgendwann zurück zum FCB, sollte es in Zukunft für beide Seiten passen. Es wäre schön, meine Karriere in Basel zu beenden. Das primäre Ziel ist nun jedoch erst einmal, alle Spiele gegen meine früheren FCB-Kollegen zu gewinnen. Damit bei der Nationalmannschaft ich die Sprüche machen kann.

22.07.2015; Meyrin; Fussball International - AS Monaco FC - FSV Mainz 05;
Fabian Frei (Mainz)
(Urs Lindt/freshfocus)

Fabian Frei muss im zentralen Mittelfeld eine wichtige Rolle einnehmen. Bild: Urs Lindt/freshfocus

Apropos Nationalmannschaft: Sie haben vermutet, dass Ihre Reservistenrolle damit zusammenhänge, dass Sie in der Schweiz und nicht im Ausland spielen. Ändern Sie jetzt Ihre Ansprüche?
Ich stelle nie Ansprüche. Doch wer in der Bundesliga regelmässig und gut spielt, hat einen höheren Stellenwert als in der Super League – auch wenn man beim FCB Stammspieler ist und Champions League spielt. Die Nationalmannschaft war aber kein Grund für meinen Wechsel. Ich habe das einzig und allein für mich gemacht, weil ich es gebraucht habe.

Hat sich Trainer Vladimir Petkovic bei Ihnen gemeldet nach dem Transfer zu Mainz?
Nein. Aber ich gehe davon aus, dass er von meinem Wechsel erfahren hat.

Die 20 besten Nati-Spieler aller Zeiten

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