Sport
Motorsport

Dominique Aegerter und das Rennfahrerleben in Zeiten der Hektik

Ein enttäuschter Aegerter in seiner Box.
Ein enttäuschter Aegerter in seiner Box.Bild: Lukasz Swiderek/freshfocus
Platz 19 im Qualifying

Dominique Aegerter und das Rennfahrerleben in Zeiten der Hektik

Hektische Zeiten für Töffstar Dominique Aegerter. Nach dem schwächsten Training der Saison startet er am Sonntag aus der 7. Reihe zum GP von England (12.05 Uhr).
30.08.2014, 20:1330.08.2014, 20:15
klaus zaugg, silverstone
Mehr «Sport»

Dominique Aegerter findet einfach keine Ruhe. Vor zwei Wochen beim GP von Tschechien in Brünn das Theater um seine Vertragsverlängerung, das erst zwei Stunden vor dem Rennen (!) mit einer theateralischen inszenierten Vertragsunterzeichnungs-Zeremonie zu Ende ging. Im Rennen wurde der Sieger vom Sachsenring von Tom Lüthi besiegt und kam hinter seinem Rivalen auf dem 5. Platz ins Ziel. Hier in Silverstone sorgt das Hin- und Her um die Markenwahl und um den Zusammenschluss mit dem Team von Tom Lüthi (27) für Hektik. Er sagt zwar trotzig, das spiele keine Rolle. «Wenn ich fahre, denke ich doch nicht über die Markenwahl und nächste Saison nach.»

Aegerter fährt im Qualifiying auf den enttäuschenden 19. Platz.
Aegerter fährt im Qualifiying auf den enttäuschenden 19. Platz.Bild: GEOFF CADDICK/EPA/KEYSTONE

Man hört die Botschaft wohl, allein es fehlt der Glaube: Da macht sich Dominique Aegerter etwas vor. Der anhaltende Rummel, dem er sich nach seinem ersten Sieg auf dem Sachsenring bisher nur beim GP der USA (3.) entziehen konnte, spielt sehr wohl eine Rolle. Auch mental robuste Rennfahrer sind sensible Alphatiere und reagieren mit Nervosität auf Unruhe im Umfeld.

«Ob Suter oder Kalex ist Hans was Heiri»

Dominique Aegerter war in dieser Saison bei einem Abschlusstraining noch nie so unruhig, ja hektisch und unkonzentriert, wie hier in Silverstone. Er machte auch zu viele Boxenstopps und räumt ein: «Ich wollte bessere Zeiten erzwingen und forcierte zu stark.» Am Ende kam er auf Position 19 und gerade noch in die 7. Startreihe.

Es gibt nicht einmal eine Ausrede. Die Bestzeit fuhr nämlich der mürrische Franzose Johann Zarco auf der genau gleichen Suter. Eine Aufholjagd ist im Rennen wohl möglich. Nach dem 16. Rang (6. Reihe) wurde Dominique Aegerter diese Saison beim GP von Argentinien noch 4.

Hat die richtige Abstimmung heute nicht gefunden: Dominique Aegerter.
Hat die richtige Abstimmung heute nicht gefunden: Dominique Aegerter.Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Inzwischen nervt die Diskussion um seine Bikes – auch Tom Lüthi denkt an einen Wechsel von Suter auf Kalex nach – selbst Hersteller Eskil Suter. «Hört mit dem Theater auf. Wir haben eine Kalex bei uns in der Werkstatt auseinandergenommen, gewogen und gemessen. Es gibt gar keinen Unterschied. Ob Suter oder Kalex ist Hans was Heiri. Die Differenz macht der Fahrer.»

Diese unruhigen Zeiten sind auch die Vorboten des grossen Abenteuers der nächsten Saison: Es wird immer wahrscheinlicher, dass Dominique Aegerter und Tom Lüthi 2015 im gleichen Team fahren – und dann wird der Zirkus bei jedem GP ähnlich sein wie in diesen unruhigen Tagen. Mit dieser Situation muss Aegerter noch leben lernen.

Lüthi ist sich Rummel gewohnt

Tom Lüthi wirkt gelassener. Er hat als Weltmeister und Sportler des Jahres 2005, als Freund des Models Fabienne Kropf und als siebenfacher GP-Sieger mehr Erfahrung mit öffentlichem Interesse und Rummel. Er blinzelt nicht einmal mehr im Rampenlicht. Er hatte auch so seine Schwierigkeiten. Aber in der Schlussphase des Abschlusstrainings rettete er sich gerade noch in die 2. Startreihe (6.).

Lüthi landete im Qualifiying auf Platz 6.
Lüthi landete im Qualifiying auf Platz 6.Bild: Waldemar Da Rin/freshfocus

Viel mehr Ruhe als Dominique Aegerter hat er in diesen Tagen auch nicht. Er weiss inzwischen, dass aus dem Traum vom Aufstieg in die Königsklasse MotoGP wohl nichts wird. Sein Manager Daniel M. Epp hat am Freitagabend noch einmal intensiv mit dem spanischen Rennstallbesitzer Jorge Martinez verhandelt: «Es war interessant. Aber seine Werkshonda wird Scott Redding bekommen und Nicky Hayden hat für 2015 einen Vertrag. Wir sind nur als Ersatz für Hayden ein Thema, wenn sich herausstellen sollte, dass die Handverletzung des Amerikaners so schwerwiegend ist, dass er aufhören muss. Aber wir können nicht warten, bis diese Situation geklärt ist ...»

Epp bleibt dabei, dass er keinen eigenen Rennstall mehr betreiben will und so bleibt ihm nur noch die Fusion mit dem Rennteam von Dominique Aegerter.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Rüfenacht provoziert Biel-Topskorer Nüssli vor Spielbeginn so lange, bis es kracht
13. April 2009: Der junge Thomas Rüfenacht ist vor dem entscheidenden Spiel um den Aufstieg in die NLA zwischen Lausanne und dem EHC Biel verletzt. Doch hält dies den Lausanne-Akteur nicht davon ab, bereits vor Spielbeginn eine Schlägerei anzuzetteln und so Biels Topskorer unter die Dusche zu schicken.

Am 13. April 2009 hätte man kaum geglaubt, was Haudegen und Provokateur Thomas Rüfenacht acht Jahr später machen wird. Da wird ihn nämlich ein gewisser Maxim Lapierre im Playoff-Halbfinal zwischen Bern und Lugano derart provozieren, dass ein 2009er-Rüfenacht sofort die Handschuhe hätte fallen lassen. Lapierre gibt dem Berner Leitwolf zwei Fäuste ins Gesicht und fordert ihn zum Kampf auf.

Zur Story