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Der Aufschlag ist Raonics grosse Stärke.
Der Aufschlag ist Raonics grosse Stärke.Bild: AFP
Milos Raonic fordert den «Maestro»

Die Statistik spricht für Federer – doch heute will ihn der kanadische Aufschlagkönig stürzen

Roger Federer und Wimbledon – das ist seit elf Jahren eine Liebesgeschichte. Noch nie hat der König des Rasens hier einen Halbfinal verloren. Heute testet allerdings Milos Raonic, der König der Aufschläger, den Schweizer Maestro.
04.07.2014, 06:3404.07.2014, 10:36

Die Dominanz der so genannten «Big 4» bröckelt bereits seit einigen Monaten. Im Januar schlug Stan Wawrinka beim Australian Open ein grosses Loch in die lange unüberwindliche Mauer, als erstmals seit 2009 (Juan Martin Del Potro am US Open) nicht einer aus dem Quartett Roger Federer, Rafael Nadal, Novak Djokovic und Andy Murray einen Grand-Slam-Titel gewann.

Was soll der lange Ärmel am Schlagarm?

Roanic trägt den Armling am rechten Arm nicht etwa zum Wärmen der Muskeln oder als Hommage an NBA-Star Allen Iverson, sondern weil er im März allergisch auf eine Salbe reagierte und einen Ausschlag bekam. Mittlerweile zieht ihn sich der Kanadier aus Gewohnheit über, wie er sagt.
Roanic trägt den Armling am rechten Arm nicht etwa zum Wärmen der Muskeln oder als Hommage an NBA-Star Allen Iverson, sondern weil er im März allergisch auf eine Salbe reagierte und einen Ausschlag bekam. Mittlerweile zieht ihn sich der Kanadier aus Gewohnheit über, wie er sagt.Bild: Reuters

In den Wimbledon-Halbfinals von heute geht dieser Angriff auf die Festung weiter, wenn Djokovic und Federer von Grigor Dimitrov (ATP 13) respektive Milos Raonic (ATP 9), beide 23-jährig, herausgefordert werden.

Mit 17 Jahren steht Roger Federer zum ersten Mal in Wimbledon auf dem Platz. In nur fünf Jahren klettert er von Platz 64 auf den ersten Platz der Weltrangliste. Jetzt – 16 Jahre später – kämpft er um seinen 18. Grand-Slam-Titel. Wir drücken die Daumen.Video: Youtube/watson

Mehr zu Federer

Zwei Statistiken sprechen für einen klaren Erfolg Federers gegen Raonic. Erstens hat der Schweizer seine bisherigen acht Halbfinals in Wimbledon alle gewonnen – und dabei einzig vor zwei Jahren gegen die damalige Weltnummer 1 Djokovic einen Satz verloren. Zum andern hat er auch alle vier Duelle mit dem Kanadier für sich entschieden, wenn auch meistens knapp.

Die bisherigen Duelle
Die bisherigen DuelleBild: Screenshot ATPWorldTour

Das wird diesmal kaum anders. Raonic hat in diesem Jahr bereits 550 Asse geschlagen, alleine in den fünf Partien in Wimbledon 147 (Federer 63). Breaks werden also eine Seltenheit sein. Da müsste dem 32-jährigen Basler eine weitere Statistik Hoffnung machen: In fünf Tiebreaks in seinen Wimbledon-Halbfinals seit 2003 ist er noch ungeschlagen – und auch gegen Stan Wawrinka im Viertelfinal gewann er im zweiten Satz eine eminent wichtige Kurzentscheidung.

Tennis-Boom dank Bouchard und Raonic

Raonic spielt hingegen seinen ersten Halbfinal überhaupt auf Grand-Slam-Stufe. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines grandiosen Aufstiegs des kanadischen Tennis. Die «Ahorn-Blätter» brillieren ansonsten fast nur in den diversen Eissportarten, doch Raonic und Eugenie Bouchard sorgen nun auch mit Rackets für Furore.

Eugenie Bouchard und Milos Raonic wurden bereits 2013 zu Kanadas Sportlern des Jahres gewählt.
Eugenie Bouchard und Milos Raonic wurden bereits 2013 zu Kanadas Sportlern des Jahres gewählt.Bild: AFP

Im vergangenen Jahr führte der in Montenegro geborene Raonic das Davis-Cup-Team in den ersten Halbfinal überhaupt (Niederlage gegen Serbien), in Wimbledon erreichte die Québecerin Bouchard als erste Kanadierin den Halbfinal, Raonic als zweiter nach Robert Powell 1908 (!).

Raonic kam im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern aus Titograd (das heutige Podgorica) nach Kanada. «Meine Eltern waren hoch qualifiziert (beide Ingenieure mit Universitätsabschluss; d. Red.), aber in Montenegro lebten wir in einem winzigen Apartment mit den Grosseltern», erzählt der Fan des FC Barcelona und der Toronto Maple Leafs.

Raonic: «Ich will die Nummer 1 werden»

«In Kanada erhielten wir die Möglichkeit zu einem komfortablen Mittelklasse-Leben in einem Vorort von Toronto.» Der Bruder und die Schwester sind mittlerweile wieder nach Montenegro gezogen, und auch Milos Raonic besucht seine ursprüngliche Heimat oft.

Ein Nationenwechsel ist für ihn jedoch kein Thema. «Ich glaube, es gibt nicht viele Orte auf der Welt, die einem eine solche Chance geben wie Kanada», sagt er. «Dafür bin ich sehr dankbar.» Heute möchte Roger Federer allerdings verhindern, dass diese Dankbarkeit Raonic als ersten Kanadier in einen Wimbledon-Final führt.

Dieses Bild will Milos Raonic 
Dieses Bild will Milos Raonic Bild: Getty Images Europe

Doch dieser gibt sich selbstbewusst. «Ich will die Nummer 1 werden», sagt er ohne Umschweife. Ein erster Schritt dazu wäre, den König von Wimbledon zu eliminieren. (pre/si)

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