DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Michelle Gisin strebt den Gewinn der kleinen Kristallkugel an
Michelle Gisin strebt den Gewinn der kleinen Kristallkugel an
Bild: APA/APA

Michelle Gisin via Angst zum Traum von der Abfahrtskugel: «Bin so fit wie noch nie»

Michelle Gisin ist die Allrounderin im Schweizer Team. Doch die Abfahrt hat bei der 26-jährigen Engelbergerin an Gewicht gewonnen. Der vermehrte Fokus auf die schnellste Disziplin ist ein Beschluss, der sich aufdrängte, der aber Zeit erforderte bis zur Umsetzung.
06.12.2019, 12:34

Furchtlos sind sie, heisst es über die bisweilen glorifizierten Abfahrerinnen und Abfahrer. Michelle Gisin, die Allrounderin durch und durch, begibt sich inzwischen regelmässig ins Revier dieser Spezies. Als furchtlos bezeichnet sich die smarte Obwaldnerin aber nicht.

«Ich denke schon, dass es möglich ist, Abfahrten zu gewinnen.»
Michelle Gisin

Im Gegenteil. Einst bezeichnete sie sich als ängstlichen Menschen. Im Kreis der Speedfahrerinnen fällt sie darum nicht nur deshalb aus dem Rahmen, weil sie neben Mikaela Shiffrin zur schwindenden Population der Allrounderinnen gehört, sondern auch, weil sie aus ihren Ängsten kein Geheimnis macht.

Nach Jahren des Herantastens will es die Jüngste des Gisin-Clans in den schnellen Disziplinen wissen. Nichts weniger als den Gewinn der kleinen Kristallkugel in der Abfahrt rief sie im Vorfeld der neuen Saison als ihr grosses Saisonziel aus. Big Points seien nötig, um in den Gesamtwertungen vorne mitzumischen, meint der Cheftrainer Beat Tschuor. «Ich denke schon, dass es möglich ist, Abfahrten zu gewinnen», sagt Michelle Gisin.

Unsere Ski-Stars sind in die Fragenlawine geraten

Video: watson/sandro zappella, linda beciri

Warum es so gekommen ist, dass Gisin den Schwerpunkt verschoben hat, liegt auf der Hand. Das schlummernde Potenzial war schlicht zu offensichtlich, um sich nicht mit diesem Gedanken zu beschäftigen. Gleich bei ihrem ersten Start in einer Weltcup-Abfahrt konnten auch die Skifans davon Notiz nehmen.

In Lake Louise stand Michelle Gisin schon auf dem Abfahrtspodest.
In Lake Louise stand Michelle Gisin schon auf dem Abfahrtspodest.
Bild: AP/The Canadian Press

Ende 2016 in Val d'Isère war es. Die Schweizerinnen befanden sich auf dem Weg zu einer Niederlage, als Michelle Gisin, die Schwester von Abfahrer Marc und Ex-Abfahrerin Dominique Gisin, mit der Startnummer 51 ins Rennen ging. Sie schaffte es auf Anhieb auf den 7. Platz. Vor ihr lagen die Slowenin Ilka Stuhec, die Österreicherin Cornelia Hütter und vier Italienerinnen – alle mit die Besten in dieser Sparte. Hinter ihr: sämtliche Schweizer Teamkolleginnen.

«Die einen nennen es Angst, andere Respekt.»
Michelle Gisin

Dass es nun so gekommen ist, dass Gisin ihre höchsten Ziele in der Abfahrt anvisiert, benötigte Zeit. Zeit, die sie sich gab und die Trainer ihr gaben. Alois Prenn, der Schweizer Gruppentrainer, begleitete sie auf dem Weg. Ganz am Anfang habe Prenn zu ihr gesagt, dass es okay sei, Angst zu haben. «Angst ist kein Hindernis, sondern ein Schutz», erklärte er ihr. Der Satz ist ihr geblieben. Heute sagt sie: «Die einen nennen es Angst, andere Respekt.»

Den Weg zur Weltspitze hat Gisin gewissermassen mit angezogener Handbremse gefunden, «ohne die Bereitschaft zum letzten Quäntchen Risiko», wie sie es ausdrückt. «Probieren, aber nichts überstürzen» lautete das Motto. Waren die Bedingungen nicht optimal, war zum Beispiel die Sicht nicht gut, fuhr Gisin mit gebotener Vorsicht. «Dann brachte ich einfach eine sichere Fahrt ins Ziel», sagt sie.

«Ich bin in einer super Form und so fit wie nie.»
Michelle Gisin

Gisin konnte sich das leisten. Als Allrounderin war sie nicht in jedem Rennen auf gute Resultate angewiesen. Doch wie ist es jetzt, wo sie die Disziplinenwertung gewinnen will und deshalb Big Points, Siege, braucht? Lassen sich mit dieser Herangehensweise Abfahrten gewinnen? «Ja. Mit taktischer Intelligenz und gutem Skifahren», ist Gisin überzeugt.

Es wird spannend zu sehen, wo die 26-Jährige in den schnellen Disziplinen steht. Mit vier Top-10-Klassierungen in den bisherigen vier technischen Rennen ist der Athletin, die in fünf Disziplinen antritt, der Saisonstart geglückt. «Ich bin in einer super Form und so fit wie nie. Dem Knie geht es besser als vor der Operation», sagte sie schon im Oktober. Nun wiederholte sie die Worte in Lake Louise. Der Sturz ihres Bruders Marc vor einem Jahr in Gröden, der sie richtig durchgeschüttelt hat, ist weit weg. Michelle Gisin ist den Ängsten davongefahren. (abu/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Ski: Schweizer Frauen- und Männer-Siege an einem Tag

1 / 21
So schön! Schweizer Frauen- und Männer-Siege am gleichen Tag
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Wir löchern unsere Skiprofis

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Lara Gut-Behrami und das Heimweh im Weltcup: «Es fällt mir je länger, desto schwerer»

Lara Gut-Behrami verspürt auf der Welttournee der Skirennfahrerinnen zusehends Heimweh. Doch die Tessinerin hat ihren Weg gefunden, damit umzugehen. Die Vorbereitung auf die Olympia-Saison verlief vielversprechend.

Das Gesicht unter einer Maske vergraben, ein Baseballcap als Schattenspender vor dem Scheinwerferlicht: Vor dem Saisonstart der alpinen Skirennfahrerinnen am Samstag in Sölden gab sich Lara Gut-Behrami so zugeknöpft wie meistens im Vorfeld von Rennen. Dabei versteckte die Tessinerin keineswegs negative Gefühle, im Gegenteil. Nach zweimal WM-Gold in der Vorsaison, sechs Weltcupsiegen, dem 2. Schlussrang im Gesamtweltcup und reibungsloser Vorbereitung sind die Voraussetzungen gegeben für einen …

Artikel lesen
Link zum Artikel