Sport
Ski

Ski Alpin: In Garmisch erlebten die Österreicher eine historische Pleite

Austria's Roland Leitinger competes in an alpine ski, men's World Cup giant slalom, in Garmisch Partenkirchen, Germany, Sunday, Feb. 2, 2020. (AP Photo/Marco Trovati)
Orientierungslos im Stangenwald: Der Österreicher Roland Lietinger scheidet im ersten Lauf von Garmisch kurz vor dem Ziel aus. Bild: AP

«Ein sehr schwarzer Tag» – so schlecht war Österreich im Riesenslalom noch nie

03.02.2020, 17:4303.02.2020, 22:16

In Österreichs Alpin-Team der Männer herrscht nach dem Tiefpunkt im Riesenslalom vom Sonntag in Garmisch Konsternation. Der erste Winter nach Marcel Hirscher präsentiert sich als grosse Baustelle.

Das miese Wetter am Sonntag war Sinnbild für die aktuelle Situation in der Riesenslalom-Gruppe des ÖSV. Die Mannen von Cheftrainer Andi Puelacher standen sprichwörtlich im Regen. Manuel Feller hatte sich als Einziger aus dem rot-weiss-roten Team für den zweiten Durchgang qualifiziert. In der Schlussrangliste war der Tiroler auf dem 28. Platz zu finden. So schlecht standen die Österreicher in der Basisdisziplin noch nie da. Die zuvor grösste Schmach hatten sie vor 28 Jahren in Kranjska Gora erlebt, als Hubert Strolz als Bester im 22. Rang gelandet war.

Österreichs Equipe versagte auf der ganzen Linie. Die zweite Garde vermochte die miserablen Leistungen der Routiniers nicht zu kompensieren. Sie musste einmal mehr zur Kenntnis nehmen, dass Weltcup und Europacup zwei verschiedene Welten sind. Zu den Gescheiterten gehörten Patrick Feurstein und Stefan Brennsteiner, die beide zuvor zwei Europacup-Riesenslaloms gewonnen hatten. Feurstein verpasste die Qualifikation für den zweiten Lauf deutlich, Brennsteiner schied im ersten Durchgang aus. Zur unbefriedigenden Gegenwart scheint die getrübte Zukunft dazuzukommen, was Puelacher und seinen Trainerkollegen zusätzlich zu denken geben wird.

Die Schweiz führt in der Nationenwertung mittlerweile mit fast 300 Punkten Vorsprung.
Die Schweiz führt in der Nationenwertung mittlerweile mit fast 300 Punkten Vorsprung.screenshot: teletext

«Ein sehr schwarzer Tag»

Puelacher sprach von «einem sehr schwarzen Tag. Das ist natürlich viel zu wenig, was wir zeigen». Der Chefcoach mit langer beruflicher Vergangenheit in der Schweiz und in Liechtenstein hatte am Verdikt schwer zu kauen. Nach den letzten zwei Riesenslaloms hatte er seine Fahrer noch auf einem guten Weg gesehen. Marco Schwarz in Alta Badia und Roland Leitinger in Adelboden schienen mit ihren 6. Plätzen die Trendwende eingeleitet zu haben.

Wird die Weltcup-Startliste als Referenz herbeigezogen, waren das allerdings Ausreisser nach oben. Den nach wie vor an 4. Stelle geführten Marcel Hirscher ausgeklammert, liegen Schwarz und Feller als beste Österreicher in diesem Klassement auf dem 23. und dem 24. Platz und damit deutlich hinter einem Schweizer Quartett. Loïc Meillard ist die Nummer 5, Marco Odermatt die Nummer 11, Gino Caviezel die Nummer 15 und Justin Murisier die Nummer 17.

epa08187916 Second placed Loic Meillard of Switzerland celebrates during the winner?s ceremony for the Men's Giant Slalom at the FIS Alpine Skiing World Cup in Garmisch-Partenkirchen, Germany, 02 ...
Loic Meillard jubelt über seinen zweiten Platz in Garmisch und zählt mittlerweile zu den besten Riesenslalom-Fahrern der Welt.Bild: EPA

Erste Rufe nach Hirschers Rückkehr

Der Absturz in Garmisch entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Er deckt schonungslos auf, wie sehr Marcel Hirscher dem Team fehlt. Der Salzburger hatte die vorangegangenen drei Riesenslaloms in Oberbayern mit deutlichem Vorsprung gewonnen. Um 1,50, 1.57 und sogar 3.28 Sekunden hatte er die Konkurrenz abgehängt. In die Erinnerungen an jene Grosstaten mischte sich am Sonntag im Zielraum der Kandahar-Piste da und dort der Ruf nach einer Rückkehr des früheren Dominators.

epa06480650 Marcel Hirscher of Austria speeds down the slope during the first run of the Men's Giant Slalom race of the FIS Alpine Skiing World Cup in Garmisch-Partenkirchen, Germany, 28 January  ...
Marcel Hirscher fuhr in Garmisch regelmässig in einer eigenen Liga.Bild: EPA/EPA

Es wird wohl Wunschdenken bleiben. Hirscher hatte unmittelbar nach der Verkündung seines Rücktritts mit der Umstellung wohl etwas Mühe bekundet. Mittlerweile hat er sich aber an das Leben ohne Skirennsport und die damit verbundenen Verpflichtungen und Zwänge gewöhnt, wie er kürzlich in einem Interview im österreichischen Fernsehen verraten hat. «Für die Qualifikation für den zweiten Lauf würde es wohl noch reichen», sagte er lachend auf ein mögliches Comeback angesprochen. Als ernsthaft wird er die Frage nicht aufgefasst haben. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Themen
Die meisten Siege im Ski-Weltcup
1 / 29
Die meisten Siege im Ski-Weltcup

Seit 1967 werden Skirennen im Rahmen des Weltcups ausgetragen. Diesen Fahrerinnen und Fahrern gelangen mindestens 30 Siege.

quelle: keystone / gian ehrenzeller
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Unsere Ski-Stars sind in die Fragenlawine geraten
Video: watson
Plötzlich blieben sie stehen – Software-Farce sorgt bei Hamilton und Verstappen für Ärger
Massive Software-Probleme haben den Formel-1-Grand-Prix in Malaysia am Sonntag überschattet. Nach den heftigen Regenfällen unmittelbar vor Beginn des Rennens kam es in der Formationsrunde zu Problemen bei zahlreichen Boliden.
«Ich musste auf der Strecke anhalten, das Auto und den Motor abstellen und dann neu starten. Das habe ich noch nie gemacht», erklärte Rekordweltmeister Lewis Hamilton und scherzte: «Es war wie bei dem Lego-Rennen.» Die Folge war ein Abbruch des Startprozederes und eine weitere Verschiebung des Rennens, da alle Teams eine neue Software installieren mussten.
Zur Story