Auch wenn es US-Präsident Donald Trump gerne verdrängt: Das Coronavirus hat längst auch die die Vereinigten Staaten erreicht. 338 bestätigte Fälle werden aus den USA gemeldet und der kalifornische Gouverneur hat vor zwei Tagen den Notstand ausgerufen.
Bislang war der US-Sport von den Auswirkungen der neuartigen Krankheit verschont geblieben. Je mehr sich das Virus verbreitet, desto mehr müssen sich auch die Verantwortlichen von NHL, NBA, MLB und Co. Gedanken zur Situation machen.
Die NBA intensiviert als erste Profiliga in den USA die Vorkehrungen gegen die Ausbreitung der neuen Krankheit. Nachdem die Verantwortlichen der Basketball-Profiliga den Spielern zuletzt schon empfohlen hatten, auf Abklatschen zu verzichten, Autogramme nur noch mit eigenen Stiften zu schreiben oder mitgebrachte Gegenstände nicht mehr anzunehmen, forderte die Liga die Clubs nun zur Erstellung von Notfallplänen auf.
Alle NBA-Organisationen erhielten ein Schreiben mit Informationen zu möglichen Massnahmen wie Ausschluss von Zuschauern (inklusive Medien). Sollte es notwendig werden, ein Spiel nur mit den wirklich notwendigen Beteiligten durchzuführen, sollten die Vereine schon jetzt Pläne dafür erstellen. Zudem sollten sich die Teams auf die Möglichkeit vorbereiten, dass bei allen Spielern, Trainern und Schiedsrichtern die Temperatur gemessen werden müsse.
Geisterspiele wurden am Freitag erstmals von den Medien thematisiert. «Spiele ohne Fans? Nein, das ist unmöglich ... Ich würde nicht spielen», sagte Superstar LoBron James von den Los Angeles Lakers nach dem 113:103-Sieg über Leader Milwaukee Bucks kategorisch.
"If I show up to an arena and there ain't no fans in there, I ain't playing."
— Bleacher Report (@BleacherReport) March 7, 2020
LeBron on possibly playing NBA games without any fans in attendance due to coronavirus outbreak. pic.twitter.com/Ee5XMQ40X6
Verglichen mit anderen Ländern ist die Zahl der Krankheits- und Todesfälle in den USA durch Covid-19 noch gering. Bislang sind nach offiziellen Angaben 15 Menschen in den Vereinigten Staaten an dem Virus gestorben.
Die kalifornischen NHL-Teams spüren die Auswirkungen des Coronavirus bislang am stärksten. Das Santa Clara County, in dem sich auch die Stadt San Jose befindet, hat empfohlen, grosse Menschenansammlungen zu meiden. Dennoch hat das letzte Heimspiel der San Jose Sharks in der Nacht auf Freitag stattgefunden. Auch die kommenden Heimspiele des Teams des Schweizer Stürmers Timo Meier sollen stand jetzt plangemäss über die Bühne gehen.
Based on information that is currently available, events scheduled at @SAPCenter for this weekend will go on as scheduled.
— San Jose Sharks (@SanJoseSharks) March 6, 2020
Updates available here: https://t.co/tjUEexvhUW
Doch auch die Liga hat nun begonnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Offensichtlich überlegen sich NHL-Commissioner Gary Bettman und CEO der Spielergewerkschaft NHLPA Donald Fehr, den Spielern die WM zu verbieten. «Die NHL kann den europäischen Spielern nicht verbieten, den Sommer in ihrer Heimat zu verbringen. Doch sie kann ihnen die Spielerlaubnis verweigern», sagt IIHF-Präsident René Fasel in der NZZ.
Das am Mittwoch beginnende Turnier in Indian Wells ergreift Massnahmen gegen das Coronavirus. Wie die Organisatoren mitteilten, werden unter anderem die Spieler ihre Handtücher auf dem Platz selber tragen, damit die Ballkinder diese nicht berühren. Die Ballkinder tragen ebenso wie die Serviceangestellten und die Volunteers bei der Billett-Kontrolle Handschuhe.
Auf der Anlage werden 250 zusätzliche sanitäre Anlagen eingerichtet, um die Hände waschen zu können. Personen, die Symptome einer Erkrankung aufweisen, sollen im lokalen Spital auf das Virus getestet werden. Das Turnier in Kalifornien dauert bis am 22. März.
Das betrifft nicht nur die USA sondern die ganze Sportwelt: IOC-Sportdirektor Kit McConnell stellt wegen der Folgen des Coronavirus Härtefall-Regelungen für die Olympia-Qualifikation in Aussicht. Sollten Athletinnen oder Athleten wegen Reisebeschränkungen oder Absagen von Wettkämpfen die Qualifikations-Kriterien für die Olympischen Spiele in Tokio nicht erfüllen können, solle das IOC so schnell wie möglich informiert werden, um «angemessene Lösungen» zu finden.
Unter bestimmten Umständen könne es gemäss McConnell notwendig werden, aktuelle Qualifikations-Prozesse zu überdenken. IOC-Präsident Thomas Bach hatte unter der Woche Spekulationen über eine Absage oder Verschiebung der Olympischen Spiele wegen der Ausbreitung von Covid-19 kategorisch abgelehnt. (abu/sda/si/dpa)