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Ich will auch eins! Stan Wawrinka schiesst am Match for Africa ein Selfie mit Roger Federer. screenshot: srf

Bekomme ich Federer vor die Linse?

Was Stan kann, kann ich auch – auf Selfie-Jagd mit dem Tennisgott am Match for Africa

Ich gebe es zu: Ich bin ein grosses Federer-Groupie. Für den Tennis-Maestro würde ich sogar meine Selfie-Aversion ablegen. Doch ist der Superstar überhaupt vor die Handy-Kamera zu bekommen? 



>> Hier geht es zu den Video-Highlights der Partie!

In der Schweiz gibt es nur eine prominente Person, mit der ich gerne ein Selfie machen würde. Nein, es ist nicht Roger Schawinski und Christa Rigozzi ist es auch nicht. Vujo Gavric schon gar nicht. Die Rede ist natürlich von Roger Federer. An und für sich finde ich den ganzen Selfie-Hype aber ziemlich übertrieben: Selfie im Starbucks mit Caffé Latte, Selfie auf Skilift, Selfie im Ausgang, Selfie mit Hund, Selfie mit Fast Food, etcetera, etcetera ...  Und nicht vergessen, wenn immer möglich: Sharen! 

Da ist mir die Devise «Der Gentleman geniesst und schweigt» eigentlich viel lieber. Ausserdem ist die Qualität von Selfies meistens sowieso ziemlich miserabel: Doppelkinn und Finger im Bild sind quasi Programm. Aber ein Selfie mit Roger Federer, das wäre etwas ganz anderes. Ein Bild zusammen mit einem der grössten Sportsmänner der Geschichte, das würde ich wohl noch meinen Enkelkindern zeigen. 

Roger Federer from Switzerland, background center, arrives for the Tennis exhibition

Gegenüber den anderen 11'000 Federer-Fans habe ich einen entscheidenden Vorteil: Als Reporter darf ich in die Medienzone. Bild: KEYSTONE

Doch wie stelle ich das bloss an? Unser Tennisgott ist für mich nicht nur unantastbar, ich respektiere auch seine Privatsphäre. Denn der «Maestro» soll möglichst in Ruhe gelassen werden. Bei zu viel Stress meldet sich nämlich bestimmt sein Rücken wieder – und das wollen wir ja alle nicht. Denn nächstes Jahr muss Roger Federer noch einmal viele Turniere, und vor allem wieder einmal einen Grand Slam gewinnen. Am besten gleich das Australian Open, welches in einem Monat schon in vollem Gange ist. 

Im Prinzip weiss ich eigentlich bereits vor dem «Match for Africa», dass meine Nerven im entscheidenden Moment sowieso versagen werden. Deshalb beschliesse ich den Selfie-Plan zu verdrängen und mir in aller Ruhe die Partie anzusehen. 

Stan macht's vor

Doch dann packt Stan nach dem Spiel prompt sein Handy aus und macht mit Roger Federer – wie könnte es auch anders sein – ein Selfie. Diese Aktion stellt meine Verdrängungsstrategie natürlich komplett auf den Kopf. Plötzlich schlummert das Thema Selfie nicht mehr in den Tiefen meines Unterbewusstseins, sondern ist unter den rund 100 Milliarden Neuronen in meinem Gehirn wieder das Gesprächsthema Nummer 1: «Was Stan kann, kann ich auch!»

Animiertes GIF GIF abspielen

Stan zückt nach der Partie sein Handy und macht mit Federer ein Selfie.  gif: srf.ch

Die einzige Möglichkeit mit Roger Federer ein Foto zu machen, wird kurz nach der Pressekonferenz sein. Deshalb geht es nach dem Spiel schleunigst ab ins Medienzentrum, wo mehrere Dutzend Chronisten auf das Erscheinen der beiden Protagonisten warten. Lange müssen wir uns nicht gedulden: Im Match-Outfit und sogar noch ein wenig verschwitzt tauchen wenige Minuten später «Monsieur Wawrinka» und «Mister Federer» auf. 

Die ersten zehn Minuten der Pressekonferenz verlaufen zäh. Federer und Wawrinka leiern ihren Pflichtdialog herunter: Wobei der Plattitüden-König des Abends «Das Resultat ist sekundär» arg überstrapaziert wird. Der Informationsgehalt der Aussagen haltet sich gerade noch so knapp über jenem des schawinski-thielschen Buddhismus-Diskurses. 

Federer ist auch für Medienschaffende etwas Spezielles

Doch die Herren Wawrinka und Federer wissen, wann genug ist und ziehen die Übung nicht unnötig in die Länge. Nun ist die Reihe an den Radio- und TV-Journalisten. Im Nu sind die beiden Superstars von einer Mikrofon- und Kamera-Armada umzingelt und müssen Fragen wie «Wie ist Ihr Verhältnis zu Lindsey Vonn?», oder «Wie viele Personen werden bei Ihnen zu Hause um den Weihnachtsbaum sitzen?» beantworten. 

Doch das interessiert mich zu diesem Zeitpunkt alles nicht mehr. Ich frage mich nur noch, wie zur Hölle ich zu einem Selfie kommen soll. Offensichtlich bin ich nicht der Einzige, der etwas von Roger will und ich will mich mit meinem «Chömmer es Selfie mache, Roger?» vor versammelter Medienschar auch nicht zum Volldeppen machen. «So etwas ist doch eigentlich höchst unprofessionell», denke ich mir. 

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Roger kommt immer näher. bild: watson

Aber ich täusche mich. Denn als sich Federer nach dem letzten Interview erhebt, bin nicht ich es, der den Maestro zum Fototermin bittet, sondern ein Mann und eine Frau von einem Radiosender. Federers Medienverantwortliche winkt sofort ab und will den Tennisprofi unversehrt an uns vorbeischleusen. Doch Roger hat nicht nur ein Herz für Kinder in Afrika, auch bettelnde Journalisten lassen ihn nicht kalt. Mit einem wohlwollenden «ja natürlich» überstimmt er die Medienverantwortliche und nimmt sich die Zeit. 

Jetzt wollen natürlich plötzlich alle: Wenn Federer in Fleisch und Blut vor einem steht, dann löst das auch bei einem noch so arrivierten Journalisten ein spezielles Gefühl aus. Und so lacht der Baselbieter noch mindestens ein Dutzend Mal in eine Handy-Kamera, ehe er sich mit einem lauten «Ciao zäme» in den Weihnachtsurlaub verabschiedet. Zurück lässt er viele zufriedene Gesichter, welche jetzt glücklich auf ihre Kamera blicken. In nur wenigen Sekunden sind etliche Bilder für die Ewigkeit entstanden. Auch bei mir: inklusive Finger und Doppelkinn, versteht sich.

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«Mein Gott, das war hart!» – Federer ist nach unfassbarer Wende weiter

Roger Federer zieht am Australian Open in Melbourne zum 18. Mal in die Achtelfinals ein. Der Weltranglisten-Dritte setzt sich in einem packenden Tennis-Thriller nach gut vier Stunden gegen den Australier John Millman 4:6, 7:6 (7:2), 6:4, 4:6, 7:6 (10:8) durch.

Am Tag des grossen Favoritensterbens im Melbourne Park erwischte es beinahe auch den sechsfachen Champion. Federer musste leiden, bis er seinen 100. Einzel-Sieg am Australian Open unter Dach und Fach hatte. «Mein Gott, das war hart», sagte er im Sieger-Interview.

Die Entscheidung fiel weit nach Mitternacht im Super-Tiebreak des fünften Satzes, als Federer in dem 2019 in Melbourne eingeführten Format bereits mit 4:8 zurückgelegen hatte, dank sechs Punkten in Folge aber doch noch die Wende …

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