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Switzerland's Stan Wawrinka screams after scoring a point against Greece's Stefanos Tsitsipas during their fourth round match of the French Open tennis tournament at the Roland Garros stadium in Paris, Sunday, June 2, 2019. (AP Photo/Christophe Ena )

Stan Wawrinka: In Paris ist er wieder ganz der Alte. Bild: AP/AP

«Wegen dieser Emotionen spiele ich noch Tennis» – Marathon-Stan ist zurück

Wie vor vier Jahren kommt es im Viertelfinal des French Open zum Schweizer Duell. Federer setzt sich gegen Leonardo Mayer sicher durch, Wawrinka schlägt Tsitsipas nach einem langen Kampf.

simon häring, paris / ch media



Manchmal entscheiden im Tennis Millimeter über Sieg oder Niederlage. Über Jubel oder Tränen. Stan Wawrinka hatte seinen Zeigefinger schon zur rechten Schläfe gestreckt, um über seinen Sieg zu jubeln, als der Schiedsrichter vom Stuhl stieg, um den Abdruck des Balls nach überprüfen. «Eine halbe Sekunde war ich unsicher», sagte Wawrinka nach seinem 7:6 (6), 5:7, 6:4, 3:6, 8:6-Sieg gegen den Aufsteiger des Jahres, den 20-jährigen Griechen Stefanos Tsitsipas (ATP 6).

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Der Matchball im Video. Video: YouTube/Roland Garros

5:09 Stunden hatte sich der Romand am dritten Tag in Folge, an dem er im Einsatz stand, abgemüht. Er hatte gekämpft und gelitten, gehadert und geschrien, und sich dabei sichtbar einen Sonnenbrand eingefangen. Doch das alles war ihm an diesem Pariser Sommerabend egal. Es war der Abend der Rückkehr des Leidensmanns Wawrinka.

«Das Spiel wird Spuren hinterlassen. Doch diese Emotionen sind der Grund, weshalb ich noch Tennis spiele.»

Stan Wawrinka

Absturz und Renaissance in Paris

«Das Spiel wird Spuren hinterlassen», gab er im Hinblick auf den weiteren Turnierverlauf unumwunden zu. «Doch diese Emotionen sind auch der Grund, weshalb ich noch Tennis spiele. Nur das Tennis, dieser unglaubliche Sport, kann mir das geben. Darum will ich es heute einfach nur geniessen», sagte er nach seinem zehnten Fünfsatzsieg in Paris. Zwei Jahre nach seinen beiden Operationen am Knie und ein Jahr nach dem Absturz auf Rang 263 der Weltrangliste steht der 34-Jährige wieder in den Viertelfinals eines Grand-Slam-Turniers.

«Wer zu den Besten gehören will, muss das Leiden fast schon geniessen.»

Stan Wawrinka

«Ich tat das alles, weil ich das Tennis liebe. Als Kind war es immer mein Traum, Roland Garros zu spielen. Und wenn du Schmerzen hast und unsicher bist, ob du es zurückschaffst, musst du dir das in Erinnerung rufen, was du dir als Kind immer gewünscht hast», sagte er in der ersten Turnierwoche von Paris.

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Highlights des ganzen Spiels. Video: YouTube/Roland Garros

Stan Wawrinka hatte in den letzten beiden Jahren oft Schmerzen, oft Zweifel, ob er es zurück an die Spitze schaffen würde. Es gab Tage, an denen er aufgeben wollte, seine Karriere beenden. Es zieht sich wie ein roter Faden durch sein Leben und die Karriere. Als er im Januar 2014 die Australian Open gewinnt, ist er fast 29 Jahre alt. «Bei mir hat alles etwas länger gedauert», sagt er einmal. Seine Erfolge sind hart erarbeitet, manchmal sogar im Schmerz geboren. «Wer zu den Besten gehören will», sagt er, «der muss das Leiden fast schon geniessen».

Nach den US Open 2016 gibt er einen ungewohnt tiefen Einblick in sein Innenleben: «Ich zitterte am ganzen Körper, wollte mich übergeben. Fünf Minuten vor dem Final musste ich weinen.» Es ist eine Erfahrung, die ihn prägt. «Du musst den Schmerz akzeptieren, musst du dich antreiben, körperlich, aber auch mental. Du musst den Druck und die Schmerzen akzeptieren», sagt er 2017 in Paris nach seinem bislang letzten Fünfsatzsieg.

«Roger ist zwar noch älter als ich, aber auch noch besser.»

Stan Wawrinka

Ein zweites erstes Leben

Lange fühlte sich Stan Wawrinka in der Welt, in der er sich bewegt, fehl am Platz. Applaus war ihm unangenehm, wie auch das Rampenlicht als Begleiterscheinung des Erfolgs. Als Jungprofi war er scheu und introvertiert, Zweifel sein ständiger Begleiter. Der Romand hat sich erst an die Aufmerksamkeit gewöhnt, und nun – im letzten Viertel seiner Karriere – Gefallen daran gefunden. Zeit seiner Karriere stand er im Schatten anderer, doch in Paris ist bislang er der Mann der Emotionen. 12:27 Stunden stand Wawrinka auf dem Weg in die Viertelfinals auf dem Platz.

Doch für Wawrinka sind das an diesem Abend nur Zahlen. «Für mich zählen die Emotionen, die mir das Tennis gibt. Ich bin einfach glücklich, diese noch leben zu dürfen.» 2015, als er in Roland Garros den Titel gewann, hatte er in den Viertelfinals Roger Federer in drei Sätzen bezwungen, gleichwohl schiebt er dem Baselbieter die Favoritenrolle zu. «Er ist zwar noch älter als ich, aber auch noch besser», sagt Wawrinka im Hinblick auf das Spiel. «Roger ist der Beste, der dieses Spiel je gespielt hat.»

Roger Federer sagt, Wawrinka habe nach seinen Operationen am Knie eine Art zweites Leben auf der Tour erhalten. Wawrinka widerspricht dieser Lesart. «Ich bin 34 Jahre alt. Es ist immer noch mein erstes Leben. Und mit diesem bin ich glücklich.» Wie glücklich, zeigte sich nach dem 05:09-Stunden-Spiel. Wawrinka, der Leidensmann, verschwand danach nicht gleich in der Kabine, sondern liess sich minutenlang vom Publikum hochleben.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Denk-mal 03.06.2019 11:54
    Highlight Highlight ....wie auch immer! Unsere Tennis-SpielerInnen sollen/mögen so lange wie möglich für unser Land spielen. Denn das sind die wahren Leuchten für unser Land und nicht unser Parlament, welches zu viel "laveret und zuwenig liefert" und ständig die Fahnen wechseln, nicht fürs Volk da sind. Im Sport sehen wir wenigstens: "was darauf steht, ist auch drin"! Gratulation an alle Sportlerinnen unter der Schweizerfahne leidend und freuend!
  • Third_Lanark 03.06.2019 11:35
    Highlight Highlight Stan ist mehr als ein Tennisspieler. Er ist eine Inspiration. Er zeigt uns, was mit harter Arbeit, Fleiss, Emotionen, mit dem puren, unbedingten Willen alles möglich ist. Wawrinka hat es geschafft, das Image des immer unglücklichen Kämpfers gegen drei Grand-Slam Titel einzutauschen - und das in Zeiten der grossen Dominanz von Federer, Nadal und Djokovic. Und Wawrinka hat sich trotz der langen Verletzungspause nicht entmutigen lassen. Jetzt ist er zurück und kämpft weiter um jeden Ball. Ein wahrer Champion!
  • Noach 03.06.2019 11:28
    Highlight Highlight Viel Glück Stan!Bin ein Fan von Dir !Bitte wieder ohne Bart!!!
    • Blitzmagnet 03.06.2019 13:48
      Highlight Highlight Was für ein bullshit. Sich Fan schimpfen und seinem Idol vorschreiben wollen ob er Bart tragen soll oder nicht.
  • Peter R. 03.06.2019 09:29
    Highlight Highlight Never give up.
    Grossartig die Leistung von Stan. So viele Breakbälle abgewehrt und vielfach in der Defensive, aber zum Schluss das bessere Ende - dank seinem Siegeswille.
  • lilie 03.06.2019 09:06
    Highlight Highlight Eine schöne Würdigung des grossen Athleten. 👍

    Stan ist in vielen Aspekten das pure Gegenteil von Roger: Wo bei diesem alles leicht aussieht, scheint Stan alles hart erkämpfen zu müssen. Roger ist am besten drauf, wenn er seine Gegner im FedEx-Tempo abfertigt - Stan bringt seine ganze Kraft auf den Platz in langen, zähen Abnützungskämpfen, die ihm den Titel "Marathon-Man" eingebracht haben.

    Und Roger gibt auf dem Platz seine Emotionen kaum preis. Stan aber sieht man es an, wenn er leidet, wenn er gefrustet ist, wenn er nicht mehr mag.

    Dafür liebe ich ihn. Ein authentischer Kämpfer!
    • Bort? 03.06.2019 11:35
      Highlight Highlight Ich liebe sein Powertennis...wenn er den Gegner mit der Rückhand beinahe erdrückt und dann sein ALLEEEZZ raus schreit, jubel ich mir vor dem TV auch einen Wolf :D
  • MacB 03.06.2019 08:47
    Highlight Highlight Er stand immer in rogers schatten... Oft zu unrecht.

    Ich liebe es, beiden zuzusehen.

    Hopp schwiiz ☺️
    • Daevu 03.06.2019 09:45
      Highlight Highlight Stimme dir zu.

      Schade müssen wir Ihnen nun im Viertelfinal gleichzeitig zuschauen. ;)
  • Füdlifingerfritz 03.06.2019 08:28
    Highlight Highlight Grossartig gespielt, stark gekämpft, fantastisch Emotionen gezeigt und auch das Publikum immer wieder wunderbar animiert. Danke dafür, Stan. Hoffentlich wirds ein richtig spannendes und hochstehendes Spiel zwischen ihm und Roger.

Was an der Schweizer Gedenkmünze für Roger Federer so besonders ist

Die Eidgenössische Münzstätte Swissmint widmet erstmals in ihrer Geschichte einer noch lebenden Persönlichkeit eine Schweizer Gedenkmünze: Roger Federer. Der wohl bedeutendste Schweizer Einzelsportler sei auch der perfekte Botschafter der Schweiz, hiess es dazu.

Roger Federer wird mit einer 20-Franken-Silbermünze geehrt. Im Mai 2020 folgt eine Roger-Federer-50-Franken-Goldmünze mit einem anderen Sujet. Kein anderer Schweizer habe weltweit einen ähnlichen Bekanntheitsgrad wie der Tennisspieler, heisst es in einer Medienmitteilung von Swissmint.

Auch neben dem Tennisplatz engagiere sich Federer: Mit seiner 2003 gegründeten Stiftung unterstütze er Hilfsprojekte für Kinder. 2006 wurde er zudem als erster Schweizer zum internationalen Unicef-Botschafter …

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