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Die letzte Choreo im Zürcher Hardturm: «Hardturm, i eusnä Herzä immer eusäs Dihei.» Bild: KEYSTONE

Unvergessen

Das Ende einer Ära – im Zürcher Hardturm gehen nach 78 Jahren die Lichter aus

1. September 2007: Mit dem Tor von Raul Bobadilla in der 90. Minute gegen Xamax geht die Hardturm-Ära zu Ende. Die Heimstätte des Grasshopper Club Zürich wird nach 78 denkwürdigen Jahren abgebrochen.



11'700 Zuschauer haben sich im Hardturm zusammengefunden, um der alten Heimstätte auf Wiedersehen zu sagen. Nach 78 Jahren ist mit der Eröffnung des neuen Letzigrund-Stadions das Ende des Hardturms eingeläutet worden. Im Westen Zürichs geht ein Stück GC-Geschichte verloren, die Hoppers müssen ins Exil.

Fussballfans geniessen nach Abpfiff des letzten Spiels im alten Hardturm Stadion Grasshopers gegen Neuchatel  Xamax in Zuerich am Samstag, 1. September 2007, die Abendsonne. (KEYSTONE/Tobias Gysi)

Der letzte Auftritt im Zürcher Hardturm. Bild: KEYSTONE

Gegen Neuchâtel Xamax laufen die Grasshoppers zum letzten Mal auf den heimischen Hardturm-Rasen. Die Stimmung ist gut, auch hinter der gewaltigen Choreographie auf den Rängen über der GC-Kurve, wo vorerst gar nichts zu sehen ist. Doch die positiv-melancholische Stimmung wird nach sechs Minuten arg gedämpft. GC-Aufbauer Rinaldo behindert den eigenen Goalie Dragan Djukic unnötig und leitet somit die Neuenburger Führung durch Everson ein. Spieler und Fans sind geschockt, die Trauer um den Abschied schwappt über in Ärger.

«Es tut weh, das letzte Spiel im Hardturm zu verlieren.»

GC-Trainer Hanspeter Latour

GC scheint danach gehemmt, kann keine Akzente setzen und muss nach 52 Minuten den zweiten Gegentreffer hinnehmen. Matar Coly nützt den Ballverlust von Guillermo Vallori zum 2:0 aus. In der Schlussminute dann ein kleiner Trost für die Heimmannschaft: Mit Raul Bobadilla schiesst immerhin ein Hopper das letzte Tor in der Geschichte des Hardturms. Trainer Hanspeter Latour fällt der Abschied trotzdem schwer: «Es tut weh, das letzte Spiel im Hardturm zu verlieren.»

Ein niedergeschlagener GC - Trainer Hanspeter Latour, links, wird von Medien - Chef Eugen Desiderato, rechts, vom Platz gefuehrt, beim Fussballspiel der Super League Grasshopers gegen Neuchatel Xamax im Hardturm in Zuerich am Samstag, 1.September 2007. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Trainer Latour (links, neben Medienchef Desiderato) schreitet enttäuscht von dannen. Bild: KEYSTONE

Der Hardturm wird «ausgenommen»

Auch die GC-Anhänger sind enttäuscht. Nach 78 erfolgreichen Jahren hat man sich den Abschied anders vorgestellt. Trotzdem bleibt es friedlich im Stadion, auch wenn der Platz nach dem Schlusspfiff sofort gestürmt wird.

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Das letzte Spiel im Zürcher Hardturm. Video: YouTube/1886drpepper

Auf einer Grossleinwand werden während 15 Minuten 78 Jahre Hardturm-Geschichte wiedergegeben. Es wird ruhig im Stadion, abgesehen von ein paar Klatschern zwischendurch. Ältere Generationen schwelgen bei den Bildern von Goalie-Legende Roger Berbig und Co. in Erinnerungen. Die Jüngeren können sich das Lachen nicht verkneifen, als das Dribbling von FCZ-Goalie Johnny Leoni gezeigt wird, der den Ball verliert und Dos Santos mit seinem Treffer in der 89. Minute den Derby-Sieg beschert.

Die Fans gehen kurz ein letztes Mal in sich, dann beginnt die «Ausbeutung» des Hardturms. Jeder will sich ein Stück Erinnerung mit nach Hause nehmen. Stühle werden herausgerissen und Stücke des Rasens herausgeschnitten. Für den Mittelpunkt hat's nicht gereicht, doch auch beim Autor zuhause stehen an diesem Abend zwei Stühle und zwei Rasenstücke. Die Stühle gibt's noch, den Rasen nicht mehr. Wie den Hardturm.

Denkwürdige Momente im Hardturm-Stadion

1931: Erster Meistertitel im Hardturm

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Bereits im zarten Alter von zwei Jahren durfte der Hardturm seinen ersten Meistertitel feiern. Es war der 8. Erfolg in der Geschichte von GC, 19 weitere sollten noch folgen. bild: sportalbum.ch

1952: Double nach Wiederaufstieg

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1949 stieg GC das erste und bis 2019 letzte Mal aus der höchsten Schweizer Liga ab. Ausgerechnet Top-Torschütze Fredy Bickel verschoss im entscheidenden Spiel einen Penalty gegen Locarno. Doch zwei Jahre später der Wiederaufstieg: Mit 50 von 52 möglichen Punkten kehrten die Hoppers in die Nati A zurück. Und brillierten gleich weiter. Als Aufsteiger gewannen sie mit dem späteren Nati-Trainer Roger Vonlanthen Meisterschaft und Cup. Das begehrte Double war perfekt. bild: sportalbum.ch

1968: Zweiter Brandanschlag

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In der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 1968 wurde der Hardturm angezündet. Nur dank eines Wunders überstand das Stadion den Anschlag, die Kosten beliefen sich auf 500'000 Franken. Es war nach 1934 bereits der zweite Brandanschlag auf dem Hardturm-Areal. bild: fcz.ch

1978: GC wirft Real Madrid aus dem Europacup

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Über 25'000 Zuschauer wollten dabei sein, als das grosse Real Madrid im Hardturm gastierte. Dank dem Auswärtstor im Hinspiel hofften die Zuschauer auf eine Überraschung. Und diese bekamen sie dann auch zu sehen: Nach acht Minuten traf wie schon im Hinspiel Claudio Sulser für die Hoppers. Und weil Sulser in der 86. Minute erneut erfolgreich war, spedierte GC die Spanier sensationell aus dem Europacup. Bild: KEYSTONE

1993: Die Nati schafft die WM-Qualifikation

ARCHIV --- Der Schweizer Stuermer Adrian Knup setzt sich im WM-Qualifikationsspiel vom 17. November 1993 gegen Estland im Hardturm in Zuerich gegen die estnische Verteidigung durch und erzielt das 1:0. Tore von Knup werden wir von nun an nie mehr sehen: Der langjaehrige Fussball-Internationale hat 'nach ausgiebiger Bedenkzeit' einen Schlussstrich unter seine Karriere gezogen. Zwischen 1989 und 1996 war Knup der erfolgreichste Schweizer Torschuetze in der Nationalmannschaft. Auf Clubebene spielte Knup fuer Basel, Aarau, Luzern, den VfB Stuttgart, den Karlsruher SC und Galatasaray Istanbul. (KEYSTONE/Archive)

17'000 Zuschauer im ausverkauften Hardturm sind komplett aus dem Häuschen: Nach 28 Jahren qualifiziert sich die Schweizer Nati endlich wieder für eine Fussball-WM. Mit 4:0 kantern die Jungs von Trainer Roy Hodgson Estland nieder und sorgen so für ein grosses Fussball-Fest in Zürich. Bild: KEYSTONE

2004: Der 6:5-Derby-Sieg im Cup-Halbfinal

Tor zum 6-5 fuer die Grasshoppers durch Richard Nunez, Mitte, der hier zur Jubelrunde ansetzt zusammen mit Pascal Castillo, rechts, waehrend der Zuercher Tariq Chihab, 2.von rechts, und Schiedsrichter Urs Meier, links, zuschauen, in der Verlaengerung beim Fussball Cup Halbfinalspiel zwischen den Grasshoppers und dem FC Zuerich, am Mittwoch, 3. Maerz 2004, in Zuerich. (KEYSTONE/Eddy Risch)

2004 feierte der Grasshopper Club einen der schönsten Derby-Siege der Geschichte. Im Cup-Halbfinal lagen die Hoppers bis zur 80. Minute 2:5 zurück. Die ersten Zuschauer verliessen bereits das Stadion, da geschah etwas Unglaubliches. GC erzielte tatsächlich noch vier Tore und es kam zum legendären 6:5. Den letzten Treffer schoss «Zaubermaus» Richard Nunez (Bild). Bild: KEYSTONE

Der Kampf ums neue Stadion

Seit dem 1. September 2007 spielt der Grasshopper Club Zürich im Letzigrund-Stadion, der Heimstätte des Stadtrivalen FCZ. Wie lange sich die Hoppers im Exil aufhalten müssen, steht bis heute in den Sternen. Ganz zum Unmut aller GC-Fans, welche sich sehnlichst ein neues Stadion wünschen und des Öfteren mit Spruchbändern und Choreographien protestieren.

Ende 2018 nahm das Stimmvolk das «Projekt Ensemble» an. Bis im Sommer 2022 sollen ein neues Stadion (der Name wird «Credit Suisse Arena» lauten) mit 18'000 Plätzen, zwei Wohntürme, Genossenschaftsbauten, Restaurants, Freiflächen und mehr entstehen. Vielleicht hat «Hausherr» GC bis dann auch wieder die Niederungen der Challenge League verlassen. Dort befindet sich der Rekordmeister seit der desolaten Abstiegssaison 2018/19.

Das Areal des ehemaligen Hardturm Stadions liegt brach, am Donnerstag, 14. April 2011 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Hier stand mal ein Fussballstadion – und vielleicht schon bald ein neues. Bild: KEYSTONE

Unvergessen

In der Serie Unvergessen blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende sportliche Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Ludwig van 01.09.2020 11:02
    Highlight Highlight Dieser Abstimmungskampf ist besonders ärgerlich. Rund 20 Anwohner, praktisch alle aus der gleichen Genossenschaft, betreiben neben der Brache ihren persönlichen Privatgarten, ohne irgendeine Miete zu zahlen. Um ihren Garten zu retten, ergriffen sie das Referendung und schieben allerhand Umweltargumente vor, die aber allesamt falsch sind. Und die Grünen lassen sich sogar noch vor den Karren spannen. Dabei wäre es doch aus Grüner Sicht auch wünschenswert, dass mehr Wohnungen in der Stadt gebaut werden. So wird das Land weniger zersiedelt und es gibt weniger CO2-Ausstoss.
  • Kasar 01.09.2020 10:06
    Highlight Highlight Den Hardturm hätte man mit 10 vielleicht 20 Millionen renovieren können.
    Ein schönes Stadion, richtige Grösse, englische Feeling.
    Und das sagt ein Fan von ennet den Gleisen
  • Tom Garret 01.09.2020 09:37
    Highlight Highlight Jedes Jahr müsst ihr mich daran erinnern :-(
  • PeterausLuzern 01.09.2020 08:29
    Highlight Highlight Und ein Jahrzehnt später ist der ach so stolze Rekordmeister nur noch Farmteam im Konzerngebilde. Farmteam eines englischen Provinzklubs notabene.
    Das tut sogar mir als Luzerner etwas leid..
    • ChillDaHood 01.09.2020 09:07
      Highlight Highlight Naja, das RedBull Farmteam in Österreich läuft besser als Basel momentan...
  • MeinSenf 01.09.2020 08:14
    Highlight Highlight Ich weiss, das gibt Blitze... aber ein neues Hardturm ist inzwischen so was von überflüssig. Wir haben nur einen Klub in der Super League, da reicht auch das Letzi. Alles andere ist Geldverschwendung und Umgebungsverschandelung (v.a. diese zwei Riesentürme - die werden ja höher als die ETH auf dem Hönggerberg!)
    • Vesparianer 01.09.2020 08:35
      Highlight Highlight @MeinSenf weitsichtige und realistische Meinung
    • ChillDaHood 01.09.2020 08:49
      Highlight Highlight Geldverschwendung? Ist ja nicht ihr Geld?

      Und wenn man weiter so macht, haben wir bald eher keinen Fussballclub mehr in der obersten Liga, als einen Titelanwärter...
    • Ludwig van 01.09.2020 10:56
      Highlight Highlight Die Türme sind relativ klein, die Aussage mit dem Hönggerberg stimmt nicht. Da nunmal eine recht grosse Nachfrage nach Wohnungen besteht, sollte man diese auch bauen dürfen, weil sonst die Wohnungsnot zu gross wird. Wer keine Hochhäuser sehen will, sollte vielleicht nicht in Zürich West oder gleich daneben wohnen. Ich ziehe auch nicht aufs Land und berschwer mich über die Kühe.
  • Maria Cardinale Lopez 01.09.2020 06:50
    Highlight Highlight Immernoch ein unverständlicher Entscheid der Abbruch, ohne das ein Bau des neuen Stadions in Aussicht stand. Mit kleinen Umbau arbeiten wäre es heute noch möglich, auf dem Hardturm zu spielen.
    Die Stadt schuldet den Fussballfans immernoch ein Fussballstadion.

    Hoffen wir mal, dass diese Geschichte bei der nächsten Abstimmung endlich wieder in neue Bahnen geleitet wird.
    • Kasar 01.09.2020 10:14
      Highlight Highlight Ein Bau stand damals in Aussicht: Elmi’s überdimensioniertes 5-Eck und dann kam die Schattenwurf-Mafia.
  • leu84 01.09.2020 06:12
    Highlight Highlight Es war ein Fehler, den Hardturm abzureissen, solange nicht alle Einsprachen durch sind und man sofort hätte anfangen können. Danke an den Verhinderungs Club Schweiz ...

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