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Amateur Moneymaker im Heads-Up gegen Profispieler Farha. Bild: AP NY

Unvergessen

Einen passenderen Namen gibt's nicht – Chris Moneymaker löst einen Poker-Boom aus

24. Mai 2003: In Las Vegas schlägt die grosse Stunde des Poker-Amateurs Chris Moneymaker. Mit seinem Triumph am Main Event der World Series of Poker (WSOP), der Poker-WM, löste der 27-jährige Amerikaner einen Boom aus – den Moneymaker-Effekt.

Jonas Schneeberger / Keystone-SDA



Chris Moneymaker, der Buchhalter aus Tennessee, schreckte im Mai 2003 nicht zurück – vor nichts und niemandem. 837 der 838 Gegner waren an diesem fünften Turniertag des bislang grössten Main Events eliminiert, einer blieb übrig, und das war mit Sam Farha einer der bekannten und renommierten der damals noch einigermassen überschaubaren Szene. Nicht weniger als 2,5 Millionen Dollar standen im ungleichen Duell zwischen dem unerfahrenen 27-jährigen Amateur und dem 43-jährigen Profi nebst dem offiziellen Titel als Weltmeister auf dem Spiel, so viel wie noch nie in der damals 33-jährigen Geschichte des Main Events.

Im Heads-Up, dem Duell eins gegen eins, ging es also um Millionen, und man hätte annehmen können, dass sich jetzt endlich die Routine des Profis auszahlen würde, der zwar nur die Hälfte der Spielchips von Moneymaker ins Finale brachte, aber ein massives Plus an Erfahrung. Doch der Nobody, der zum ersten Mal überhaupt ein Live-Turnier spielte, zeigte sich von der ungewohnten Atmosphäre und dem auf dem Tisch liegenden Berg aus Dollarscheinen unbeeindruckt. Chris Moneymaker siegte und schrieb damit jene Cinderella-Story, die sein Leben über Nacht veränderte und die Popularität des Pokerspiels auf ein neues Level hievte.

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«The Story of Chris Moneymaker» (englisch, 22 Min.).

Gleich in der ersten Final-Hand knöpfte Moneymaker seinem Gegner mit einem denkwürdigen Bluff eine Vielzahl an Chips ab. Mit einem blossen König als höchste Karte zwang er den minutenlang zögernden Farha zum Laydown, dem Verwerfen seiner Karten. Dabei hätte dieser den Durchgang mit seinem Neunerpärchen gewonnen und damit die Führung übernommen. Stattdessen lag der Profi mit 1,8 zu 6,6 Millionen Chips zurück, was sich als vorentscheidend erwies. Auch darum sprach ESPN-Kommentator Norman Chad vom «Bluff des Jahrhunderts».

Als Online-Qualifikant von ganz unten auf den Thron

Die Meldung über den Triumph des unscheinbaren Amateurs mit dem klingenden Namen ging um die Welt, zumal sie eine weitere ungewöhnliche Geschichte enthielt. Moneymaker, der gut genährte Buchhalter mit Baseballcap, Sonnenbrille und Dreitagebart im Henriquatre-Schnitt, der tatsächlich so heisst, war nicht nur ein Amateur wie viele andere, die sich versuchten. Er war sogar ein Online-Qualifikant – einer also, der sich die Teilnahme am Main Event nicht für die üblichen 10'000 Dollar erkaufte, sondern sie am PC für einen Bruchteil des Betrages über Qualifikationsturniere, sogenannte Satellites, erspielte. In seinem Fall betrug das Startkapital 39 Dollar. Die Wahrscheinlichkeit, es damit ans wichtigste Live-Turnier zu schaffen, ist verschwindend klein.

Den Effekt, den Moneymaker mit seinem Erfolg im Sog des aufkommenden Onlinespiels und den an den Live-Spieltischen für die TV-Zuschauer montierten Hole-Card-Kameras auslöste, konnte man in der Folge an den steigenden Teilnehmerzahlen und Preisgeldern ablesen. War die Zahl der Spieler am Main Event seit 1970 stetig von anfangs 6 auf gut 800 im Jahr 2003 gewachsen, verdreifachte sie sich in der Folge innert zwölf Monaten. Bis 2006 stieg das Preisgeld für den Sieger auf 12 Millionen Dollar an, seither bewegt es sich um die 10-Millionen-Marke.

Chris Moneymaker of Spring Hill, Tenn., plays the final hand of the World Series of Poker, May 24, 2003 at the Binion's Horseshoe Casino in Las Vegas. Moneymaker, who won the $2.5 million tournament after qualifying in a $40 Internet tournament, has legislators taking a second look at possible regulation of internet gambling. (KEYSTONE/AP Photo/Joe Cavaretta)

Moneymaker kurz bevor ihm die 2,5 Millionen Dollar Preisgeld gehören. Bild: AP NY

Boom in der Schweiz abgeflacht – auch wegen der Gesetze

Chris Moneymaker seinerseits kehrte als Poker-Weltmeister nicht mehr in seinen alten Beruf zurück. Er liess sich als Werbeträger verschiedener Firmen verpflichten, veröffentlichte eine Autobiografie und tritt seither als Profi bei grösseren Turnieren an. Er sammelte bislang rund vier Millionen Dollar Preisgeld, konnte an seinen grössten Erfolg aber nur ansatzweise anknüpfen.

** TO GO WITH STORY SLUGGED DEAD MONEY ** Chris Moneymaker gets in a quick hand of poker online in his office at The Boundry restaurant in Nashville, Tenn., June 25, 2003. Moneymaker won $2.5 million in the World Series of Poker championship competition in Las Vegas last May. (AP Photo/John Russell)

Seinen Job als Buchhalter hängte Moneymaker an den Nagel. Bild: AP

In der Schweiz ist der Zugang zum Online-Poker eingeschränkt. Als Folge einer Anfang 2019 vollzogenen Anpassung des Geldspielgesetzes und neuer Bestimmungen zu Netzsperren dürfen Online-Geldspiele nur noch mit Bewilligung und von Anbietern mit Sitz in der Schweiz durchgeführt werden. Internationale Portale wie Pokerstars, Full Tilt oder 888 Poker sind deshalb gesperrt. Auch in den USA gibt es seit 2006 massive Einschränkungen, seit 2011 dürfen die Betreiber keine Online-Geldspiele mehr anbieten.

Unvergessen

In der Rubrik «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob hervorragende Leistung, bewegendes Drama oder witzige Anekdote – alles ist dabei.
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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Meyer Andrej 24.05.2020 20:05
    Highlight Highlight Danke allen Stimmbürgern, die es möglich machten, dass Swisslos und die dümmlichen Casino‘s das Monopol erhielten. Aber Gott sei Dank ist die Bartenheim nah!
  • MyPersonalSenf 24.05.2020 19:37
    Highlight Highlight Unser Geldspielgesetzr ist in Sachen Poker ein Witz sondergleichen. Da es keine schweizer Lösung gibt im Unterschied zu den Casino Zockereien welche so gut wie niemanden interessieren, leben wir Pokertechnisch in der Prohibition. Alles Dank Lobbysmus, Inkompetenz und Lügen des initiativkomitees und der Politexponenten.. und nichts bewegt sich. 10tausende wurde das Hobby weggenommen ohne Ersatz..und nein die meisten haben eben nicht nur Geld verlocht oder waren Patholigische spieler..Trend abgeflacht..das ich nicht lache..mal schauen wie der Fussball-trend abflacht wenn wir alle Felder abbauen
    • Silent_Revolution 25.05.2020 03:17
      Highlight Highlight Oh ja, diese Ja-Kampagne, was habe ich mich aufgeregt. Die SP instrumentalisierte kleine Kinder in Vereinen, zog sie vor die Kamera und liess sie Sätze ablesen wie: "Unterstütz mein Hobby, sag ja zum Geldspielgesetz"

      Sowas perverses habe ich in der Schweizer Politik noch nie erlebt.

      Seis drum, als Kiffer sind Prohibition und somit ins Gesetz geschriebene Lobbyinteressen kein Neuland für mich. Die Schweizer sind ein unglaublich dämliches Volk, die sich nach Belieben lenken lassen.

      Lobbykratie funktioniert nirgendwo so perfekt wie hier. Die Leute denken sogar, sie hätten ein Mitspracherecht.
  • Pisti 24.05.2020 19:20
    Highlight Highlight Wäre interessant die ganze Hand von Moneymaker und Farha zu sehen. Zu dem Zeitpunkt konnte er sein 9-Paar ja niemals mehr bezahlen. Hätte wohl schon beim Flop pushen müssen. Der Bluff von Moneymaker braucht aber schon Eier, andererseits bekommt auch der zweite schon einen ordentlichen Bazen. 😉
    Sonst schon eine unglaubliche Geschichte, aber ist halt Poker, ein Turnier kann grundsätzlich jeder Gewinnen ob Profi oder Amateur.
    Die Profis leben ja auch hauptsächlich vom Cash-Game
    In der Schweiz ist der Zugang zum Online-Poker übrigens gar nicht mehr möglich.
    • Silent_Revolution 24.05.2020 20:16
      Highlight Highlight Das eigentliche Potential dieses Spiels kann sich nicht entfalten. Es leidet sowohl On- als auch Offline unter staatlichen Regulierungen, welche den Zugang erschwerten, dem Unterhaltungswert schaden, aber das Spiel nie sicherer gemacht haben.

      Der Zugang in der Schweiz ist offiziell nicht möglich, inoffiziell gibt es seriöse ausländische Varianten, ich spiele fast täglich, kann auszahlen.

      Schweizer Anbieter haben kein Poker-Angebot, die setzen auf Automaten-Müll. Sowieso sind die alle sehr dubios, der Seitenaufbau miserabel und der Support kaum vorhanden. Allen voran die Swisslosmafia.
    • Pisti 24.05.2020 21:34
      Highlight Highlight Ja inoffiziell mittels VPN spiele ich auch inkl. Auszahlung. Das Risiko besteht aber durchaus dass du gesperrt wirst. Kenne selbst solche Beispiele und dann ist dein Geld weg oder zumindest blockiert. Mag mich noch erinneren als FullTilt down war und mein Geld jahrelang blockiert war.
      Deswegen spiele ich eigentlich nur noch zum Zeitvertreib, mit wesentlich kleineren Beträgen. Dafür wieder mehr Live-Poker, bis zum Corona-Shutdown.
      Hoffe es gibt diesbezüglich bald eine Lösung mit Pokerstars.
      Zu Swisslos, absolute Frechheit deren Wettangebot und vor allem deren Quoten.
    • mukeleven 24.05.2020 23:09
      Highlight Highlight @pisti and @silentrevolution:
      welche anbieter koennt ihr empfehlen im ausland mit vpn, wobei die auszahlung sicher?
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