Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ählenfelder betrunken

Wolf-Dieter Ahlenfelder pfeift nach 32 Minuten zur Halbzeit. Bild:t-online.de

Unvergessen

Weil er betrunken ist, pfeift Schiri Ahlenfelder schon nach 32 Minuten zur Halbzeit 

8. November 1975: Beim Bundesligaspiel zwischen Werder Bremen und Hannover ist erst eine halbe Stunde absolviert, als Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder zur Halbzeit pfeift. Offenbar gab es zum Mittagessen Bier und Malteser-Schnaps.



Da staunen die Spieler von Werder Bremen nicht schlecht: Eine Stunde vor der Partie gegen Hannover erscheint ohne Vorankündigung in kurzen Hosen und einem luftigen Hemd der Schiedsrichter in der Spielerkabine.

Der Unparteiische möchte nur kurz dem Masseur zum Geburtstag gratulieren, doch den Spielern steigt sofort ein beissender Alkoholgeruch in die Nase. Horst-Dieter Höttges, Libero bei Bremen, erkennt die Situation sofort und nimmt den Schiedsrichter zu sich: «Mensch, Wolf-Dieter, du bist ja total blau», so der 31-jährige Verteidiger überrascht. Ruckzuck führt Höttges eine improvisierte Ausnüchterungs-Aktion durch. Er stellt den Trunkenbold unter die Dusche und reibt ihn danach mit Wick ein.

«Mensch ‹Ahli›, du bist heute gut drauf, das Spiel läuft gut.»

Wolf-Dieter Ahlenfelder erklärt seinen verfrühten Pausenpfiff.

Die «Wiederbelebungsversuche» des Bremen-Spielers verfehlen ihre Wirkung nicht. Zumindest vorerst. Wolf-Dieter Ahlenfelder schreitet tatsächlich auf den Platz und pfeift das Spiel rechtzeitig an. Die Dinge scheinen ihren gewohnten Lauf zu nehmen. 

abspielen

Der betrunkene Ahlenfelder: Das ZDF blickt auf einen der denkwürdigsten Bundesliga-Momente zurück. Video: YouTube/LarsVegas1972

Der Pausenpfiff aus heiterem Himmel

Ahlenfelder leitet die Partie in den ersten 30 Minuten den Umständen entsprechend souverän. Er fühlt sich gut. Etwas zu gut, wie sich herausstellen sollte. Euphorisiert und glücklich vom Alkohol im Blut denkt sich der Schiedsrichter nach einer halben Stunde: «Mensch ‹Ahli›, du bist heute gut drauf, das Spiel läuft gut.» Und dann habe er auf einmal in den «Flötenkasten» geblasen.

Die Spieler verstehen die Welt nicht mehr. Wiederum ist es Horst-Dieter Höttges, der sich als Erster um den Unparteiischen kümmert. «Wir haben noch keine Halbzeit. Mein Trikot ist noch nicht nass», so der Bremen-Spieler. «Fiffi» Kronsbein, der damalige Trainer von Hannover, hat weit weniger Mitgefühl mit dem beschwipsten Ahlenfelder und stellt nüchtern fest: «Herr Ahlenfelder ist besoffen.»

Am Fakt, dass der Schiedsrichter einen intus hat, besteht eigentlich kein Zweifel – doch das Spiel wird fortgesetzt. Unter der Leitung von Ahlenfelder selbstverständlich. Da die Stürmer ebenso wenig den Durchblick wie der Unparteiische haben, endet die Partie 0:0. Doch das interessiert eigentlich niemanden. Alles fragt sich: Weshalb zur Hölle ist der Schiedsrichter besoffen zum Spiel erschienen?

Ein deftiges Mittagessen beim Schiedsrichter-Betreuer

Die Erklärung von Wolf-Dieter Ahlenfelder beginnt ganz simpel: «Vor dem Spiel wurden wir zum Richard Ackerschott, dem Schiedsrichter-Betreuer von Werder Bremen, zum Mittagessen eingeladen.» In den 70er-Jahren war es Tradition, dass das Schiedsrichter-Trio im Rahmen einer Bundesligapartie jeweils in den Genuss der Gastfreundschaft der Heimmannschaft kam. Finanziell lohnte sich das Engagement für Ahlenfelder nämlich überhaupt nicht. 24 Mark Tagesspesen soll alles gewesen sein, was er für die Leitung eines Bundesligaspiels erhalten haben soll. 

Logisch, dass er sich da die Einladung von Richard Ackerschott nicht entgehen liess: Dort gab es nämlich Kohl und Pinkel! Zwar eine ziemlich deftige Mahlzeit vor einer sportlichen Herausforderung, in Bremen aber ein ganz normales Mittagessen. 

Kohl und Pinkel

Deftig: Kohl und Pinkel, in Bremen ein Traditionsgericht.  Bild: deutsch-perfekt.com

Wurst und Kohl vermögen zwar durchaus zu betören, die Promille in Ahlenfelders Blut mag die norddeutsche Hausmannskost aber noch nicht erklären. Schuld für den Rausch des Schiedsrichters ist dann auch nicht die feste Nahrung, sondern der flüssige Begleiter. Zu Pinkel und Kohl gehören nämlich Bier und ein Schnaps namens Malteser.

In den 70er-Jahren, als der Frühschoppen noch zum guten Stil in der deutschen Gesellschaft gehörte, führte das eine zum anderen. Am Ende der Schlemmerei hatte Ahlenfelder auf jeden Fall ziemlich einen sitzen. 

Malteser

Wurde Wolf-Dieter Ahlenfeld zum Verhängnis: der Malteser-Schnaps. Bild:ghi-shop.de

Ahlenfelder wird zur Legende

Für Ahlenfelder gehörte ein Bier zum Fussball einfach dazu. «Männer trinken keine Fanta», lautete seine Weisheit. Deswegen dürfte es auch durchaus seinem Gusto entsprechen, dass man der Legende nach noch heute in den gängigen Bremer Gaststuben einen «Ahlenfelder» bestellen kann und vom Servicepersonal ein Bier und einen Malteser-Schnaps vor die Nase gestellt bekommt. 

Doch nicht nur in den Spelunken Norddeutschlands hat sich Wolf-Dieter Ahlenfelder einen Namen gemacht. Auch unter den Fussballfans wurde der etwas korpulente Unparteiische schnell als «Kult-Schiri» gefeiert. Und das nicht nur wegen seines Suff-Auftritts. Auch in sportlicher Hinsicht hatte es der Mann aus dem Ruhrpott drauf. Im Jahr 1984 wurde ihm vom DFB sogar die «Goldene Pfeife» als bestem Schiedsrichter des Jahres verliehen. 

«Zum Schiedsrichter muss man geboren sein, sonst sollte man lieber auf dem Weihnachtsmarkt Currywurst verkaufen.»

Entweder oder: Ahlenfelders Art stiess auf viel Zustimmung

Seine pragmatische und kollegiale Art brachte ihm viel Anerkennung ein. Schiedsrichter und nicht Spieler zu werden, war definitiv die richtige Entscheidung. Wobei, an eine Spielerkarriere hatte er eigentlich gar nie richtig gedacht. Er hatte X-Beine und meinte pragmatisch: «Nicht jeder wird Superstar. Bei den Schiedsrichtern herrschte Mangel, da habe ich mich zur Verfügung gestellt.» Er schien seine Bestimmung schnell gefunden zu haben: «Zum Schiedsrichter muss man geboren sein, sonst sollte man lieber auf dem Weihnachtsmarkt Currywurst verkaufen», so Ahlenfelder. 

Im Alter von 70 Jahren ist Wolf-Dieter Ahlenfelder am 2. August 2014 an den Folgen einer chronischen Zuckerkrankheit gestorben. In den Köpfen der Bundesliga-Fans wird Ahlenfelder jedoch noch lange weiterleben. Und dass man in Bremen einen «Ahlenfelder» bestellen kann, darauf wird die Schiedsrichter-Legende auch im Jenseits noch stolz sein. 

Unvergessen

In der Serie «Unvergessen» blicken wir jeweils am Jahrestag auf ein grosses Ereignis der Sportgeschichte zurück: Ob eine hervorragende sportliche Leistung, ein bewegendes Drama oder eine witzige Anekdote – alles ist dabei. 

Auch skandalös: Das Gold-Cup-Halbfinale zwischen Mexiko und Panama

Fussball-Quiz

Hands oder nicht? Jetzt bist du der Schiedsrichter!

Link zum Artikel

Mach das Beste aus der Hitze und zeig im heissen Sportquiz, dass du on fire bist!

Link zum Artikel

Wer war der häufigste Mitspieler in der Karriere von …?

Link zum Artikel

Was weisst du über die Sponsoren der Premier-League-Klubs?

Link zum Artikel

Wer war alles dabei? Bei diesen legendären WM-Aufstellungen kannst du dich beweisen 

Link zum Artikel

Du wirst dich fühlen wie ein Clown – Teil 2 des Trikot-Quiz wird schwierig

Link zum Artikel

Dieses knifflige Rätsel löste mein Chef in 4:14 Minuten – bitte, bitte, sei schneller!

Link zum Artikel

Wenn du diese Trikot-Klassiker nicht kennst, musst du oben ohne spielen

Link zum Artikel

Fussball-Stadien, wie sie früher ausgesehen haben. Na, erkennst du sie auch alle?

Link zum Artikel

Italienischer Fussballer oder Pastasorte? Hier kannst du deine Bissfestigkeit beweisen 

Link zum Artikel

Huch, da fehlt doch was! Kennst du das Logo deines Lieblingsklubs ganz genau? Wir sind skeptisch ...

Link zum Artikel

Volume II: Erkennst du den Fussball-Klub, wenn du nur einen Teil seines Logos siehst?

Link zum Artikel

In der Disco, im Kino oder beim Fluchen – finde heraus, welcher Fussball-Star du am ehesten bist

Link zum Artikel

Vom Selfie bis zum Kokser-Fake – erkennst du die Fussball-Stars anhand ihres Jubels?

Link zum Artikel

Volume III: Erkennst du den Fussballklub, wenn du nur einen Teil seines Logos siehst?

Link zum Artikel

Dass dieser Bub Wayne Rooney ist, hast du bestimmt erkannt. Aber wie sieht es mit anderen Fussballstars aus?

Link zum Artikel

Wenn du von einem Fussballer nur den Lebenslauf siehst: Weisst du, wen wir suchen?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Grave 08.11.2018 09:23
    Highlight Highlight Toller artikel 😀
    Und jetzt hätte ich irgendwie so richtig bock auf kohl und pinkel und dazu einen Ahlenfelder 😋
  • Argon 08.11.2018 08:08
    Highlight Highlight Oh mein Gott, ich konnte nicht mehr vor Lachen. Aber es ist schön zu sehen das daraus kein Riesen Skandal entstand, und es die Beteiligten mit Humor nehmen. Heute Undenkbar.
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 08.11.2018 06:47
    Highlight Highlight Schöner Artikel. :)))) Das waren noch Zeiten wo es menschlich im Fussball zu und herging und dieser noch nicht durch das Geld vergiftet war.

Durch diese Hölle muss YB in Belgrad gehen, wenn es in den CL-Himmel kommen will

Die Aufgabe für die Young Boys auf dem Weg in die Gruppenphase der Champions League heisst Roter Stern Belgrad. Auf dem Papier machbar: Der grösste Star des serbischen Rekordmeisters, der im UEFA-Ranking der Klubs nur auf Rang 88 liegt, ist der einstige deutsche Nationalspieler Marko Marin. Der Gesamtmarktwert des Teams von Trainer Vladan Milojevic liegt mit 54.95 Millionen Euro exakt 10 Millionen unter demjenigen von YB.

Doch das Papier ist nicht die ganze Wahrheit – wer's nicht glaubt, kann …

Artikel lesen
Link zum Artikel